Freitag, 20. Juli 2012

Lieblingsspaghetti mit Aubergine und Kultur

Meine Lieblingspasta mit Aubergine ist eigentlich diese hier (Foodies aufgepaßt, das *Lieblings* -Wort ist gefallen). Dass ich euch die tatsächlich bereits gezeigt hatte, ging mir erst auf, als der Post schon fertig geschrieben war. Also wurden dort zumindest die Fotos ausgetauscht. Und hier weise ich erneut darauf hin (s. Foto oben), dass diese Auberginenwürfelchen der bessere Ersatz für das unschön klingende Soja-Granulat ist und nur damit und so die weltbesten vegetarischen Spaghetti-Bolognese zu kochen sind.

Schwenke ich heute also, flexibel wie ich bin, auf eine weitere Pasta mit Aubergine um: Bucatini alla Siracusana, die nach Verkostung dichtgefolgten Platz 2 der Best of Pasta mit Auberginen belegt. Sie ist aus dem Kochbuch VegItalia, aus dem ich mich bereits hierfür inspirieren ließ.

Besonders witzig fanden wir das Essen der Maccheroncini n°10, dicke hohle Spaghetti (ähnlich wie Bucatini). Zu gerne hätten wir gesehen, wie waschechte Italiener damit fertig werden. Eines will ich euch aber gesagt haben: für ein erstes Date ist diese Pasta definitiv nix - das ist weder anständig und schon gar nicht erotisch zu essen ;O)!
Mir fiel in dem Zusammenhang eine Bildberschreibung ein, vielmehr die Beschreibung einer marmornen Skupturengruppe, der berühmten Laokoon-Gruppe , damals zu Akademie-Zeiten. Achtung, es folgt was Bildung, aber ich kürze:

Storyboard der Skulpur: Die Griechen schicken das trojanisches Pferd, Laokoon (Priester der Trojaner) ahnt nix Gutes und warnt seine Landsleute, wird überhört, waltet darauf hin seines Amtes als Priester und opfert am Strande dem Meeresgott Poseidon mithilfe seiner beiden Söhne. Kommen doch übers Meer zwei Schlangen, die alle drei töten (s. Foto/ Skulptur). Die Trojaner indess deuten diesen Tod als Strafe für des Priesters Zweifel, steigen darüber hinweg und so mit hölzernem Pferde inklusive der eingeschlossenen griechischen Helden darinnen ihrem Verderben entgegen (lese nach in Vergil *Aeneis*).

Im 15. Jahrhundert bei Rom ausgegraben, genau richtig zur aufkommenden Renaissance und der damit einhergehenden Wiederbegeisterung für die griechische Antike, war die Laokoon-Gruppe ein Sensations-Fund - wird ihr Original auf das 1.Jahrhundert v.Chr. datiert. Erst im 19. Jahrhundert etwa wurde ein fehlender Arm gefunden, der dann richtig ergänzt werden konnte. Auch reichte der Einfluß dieser Skupturen-Gruppe bis in die Kunsttheorie, die von Lessing, über Winkelmann und Goethe anregte, sich zu ihr zu äußern. Heute ist die Gruppe übrigends im Vatikanischem Museum zu Rom zu bewundern.
entnommen dem Buche: Laokoon - ausdruck des schmerzes über 2 Jahrtausende
Bon, im Zuge also der Beschäftigung mit dieser Skulpur, bin ich auf meine Lieblings-Interpretation dazu gestoßen, nämlich jener von E.O. Plauen, dem berühmten Zeichner der *Vater und Sohn*-Geschichten, an denen wir uns alle in der Schule im Deutschunterricht abgemüht haben.

Erst nach dem Essen DIESER hohlen Spaghetti heute, ist mir der Sinn eben jener *Vater und Sohn* -Geschichte (s. unten) richtig in seiner ganzen Tiefe erschloßen worden: SO endet mal also, wenn Spaghetti zurückschlagen!

Zutaten:

1 kleine Aubergine
Salz, Pfeffer
2 EL Olivenöl
2 Knoblauchzehen, gepreßt
3 reife, gehackte Eiertomaten
(m: 4 Tomaten, gehäutet, und einige Kirschtomaten)
1 kleine gelbe Paprika, in dünne Streifen geschnitten
10 schwarze, entsteine Oliven
10 Karpern (m: einige mehr)
275g Bucatini

1 Bund Basilikum (m: halb Zitronenbasilikum)
(m: eine Prise Zucker)
(m: etwas Chili)

geriebener Parmesan
*Vater und Sohn* - E.O.Plauen, entstanden etwa 1937
Zubereitung:

Die Aubergine würfeln (m: etwa 0,5cm), in ein Sieb geben, salzen, mit einem Tuch abdecken und 15 Minuten ziehen lassen.. Das Salz abspülen und das Gemüse trocken tupfen (m: nicht gemacht, da dieser Vorgang dazu dienen soll, die Bitterstoffe zu entziehen, die ältere Auberginen entwickeln können. Meine Aubergine war frisch geerntet).

In einer großen Pfanne das Olivenöl erhitzen und den Knoblauch sanft andünsten. Auberginenwürfel dazugeben und etw 8 Minuten anbraten, bis sie weich und goldbraun sind. 

Die Tomaten, Paprika, Oliven, Kapern und Gewürze zugeben. Gut umrühren und bei geschlossenem Deckel 20 Minuten kochen lassen. (m: 5 Minuten vor Schluß die halbierten Kirschtomaten dazugeben).

Pasta in reichlich Salzwasser al dente kochen. Abgießen. Die Sauce und die zerkleinerten Basilikumblätter zu den Nudeln geben und gut durchmischen. Mit etwas frisch geriebenem Parmesan servieren.

Quelle: VegItalia

Kommentare:

  1. Was für ein Bogen, Hut ab! :)

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  2. In der Tat und zweideutig: köstlich :-)

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  3. weichgeschmorte, goldbraune Auberginenwürfel mit etwas Knoblauch ... ach ich krieg schon wieder Appetit ;-)
    Liebe Grüsse aus Zürich,
    Andy

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  4. hmmm, lecker lecker!
    und der comic: toll! :)

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  5. Hab Dank für dieses Rezept mit meinem Lieblingsgemüse, Kultur und Vater & Sohn. Ich liebe die Geschichten bis heute und habe erst kürzlich ein Reclamheftchen mit ihnen verschenkt.

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  6. ...kurzer Nachtrag: ich glaube, die einzig legitime Nachfolge zu Vater & Sohn haben die wunderbaren Geschichten "Papa, Charlie hat gesagt..." verdient. :)

    lt. wiki wurden sie von diesen inspiriert.

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  7. das sieht soooo lecker aus, das muss ich nachkochen danke fürs Rezept! LG Gabi

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  8. Dieser Bogen, den Du von der Laokoon-Gruppe zu den Bucatini schlägst, die sich in der Tat nie ohne größere "Schäden" essen lassen, ist wirklich genial; ich werde wohl nie mehr vor diesem Meisterwerk stehen können, ohne an Deine Pasta zu denken :-)). (*Räusper*, die Gruppe [aufgefunden 1506 nahe der Domus aurea in Rom] ist allerdings auf das 1. Jahrhundert vor Christus zu datieren *räusper*...)

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  9. So macht Bildung Spass! Und Papa Moll ist wohl die Schweizer Version von Vater & Sohn. ;-)

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  10. Und wenn wir schon so einen schönen Bogen schlagen… ich bin sicher, dass sich auch die Maccheroncini n°10 durchaus erotisch aufnehmen lassen. Vielleicht sogar auch anständig; aber davon verstehe ich nichts ;-)

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  11. Ach jaaa, koche nur weiter soooo köstlich und würze mit solch köstlichen Kultur-Bögen

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  12. wenn die Bucatini mal gekocht sind, bewegen sie sich nicht mehr und sind absolut harmlos.

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  13. @Heike: Manchmal kann man Erlebtes aufreihen wie auf eine Perlenkette. Manchmal auch nicht. Letzteres kommt öfters vor :)

    @Petra: *Köstlich* ist ja dann wohl auch zweideutig zu verstehen ;)

    @Andy: Gehören wir Foodies nicht alle zu den Dauer-Appetitlichen?

    @Christina: Lieblingspasta mit Aubergine! Jawohl!
    Und die Bildergeschichte ist doch zu niedlich, oder?

    @Astrid: Bildbeschreibung war tatsächlich eines der wenigen Fizzelchen, die ich an Schule mochte...

    Und *Papa, Charly hat gesagt...* ist mir gänzlich unbekannt. Bist du dafür extra vor dem Radio gesessen?

    @Gaby: IST lecker, versprochen!

    @Ariane: Beim Rom-Besuch bin ich natürlich auch schon vor der Laokoon-Gruppe gestanden. Und den Buchstabendreher berichtige ich - für alle die es ganz genau wissen wollen, habe ich einen Link zu wiki gesetzt.

    @Zorra: Oder? Uns muß man alles nur in Verbindung mit etwas Kulinarischem präsentieren und wir fressen aus der Hand :O)!

    Papa Moll - gerade gegooglet - ist aber auch ein Süßer! Kam der im Schweizer Schulunterricht zum Zuge?

    @Gottfried: Du bist mir ja ein ganz Kecker ;)!
    Fast fühle ich mich gekitzelt zu sagen: Vormachen! :o)

    @Sabine: Und ist nix Süßes !

    @Robert: Hier spricht doch die Erfahrung eines echten Bucatini-Bezwingers!

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  14. Laokoon-Gruppe - die hatte ich nach ein paar dürren Erläuterungen im Kunstunterricht als hoffnungslos öde abgehakt. Dass ich mal schallend drüber lachen würde, hätt ich mir damals nicht träumen lassen. :-)

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  15. Wow - was für eine Story... Toll!!!

    Der Schweizer Papa Moll ist immer mit Text in Verfsform. Ich glaub, das waren jeweils Vierzeiler. Bei uns im Deutschunterricht wurden die Bildergeschichten immer gerne ohne Text verwendet und wir mussten dann selber einen Text dazu dichten.

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  16. Hab mich über die Verbindung zur Laookon-Gruppe köstlich amüsiert und die Nudeln (bei uns waren es Maccaroni) mit der Gemüsebolognese genossen - kommt auf die Favoritenliste!
    Ich habe Archäologie im Nebenfach studiert und kenne die Plastik daher gut, die Idee, die Schlangen mit Nudeln zu vergleichen ist affengeil (so sagten es jedenfalls meine Kids)!

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    1. Beschäftigt man sich mit Skuptur, kommt man an der Laokoon-Gruppe nicht vorbei. Ich fand die Idee damals auch zu witzig, inklusive der *erzieherischen Maßnahme* :) - ebenso übrigens der Herr Professor, der die *Vater und Sohn-Bildergeschichte* noch nicht kannte.

      Und sehr schön zu lesesn, liebe Moni, dass euch die Gemüse-Bolognese so gut schmeckt wie uns!

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