Dienstag, 12. Februar 2013

Überdosis Yotam (?): Kichererbsen mit Spinat und Honig-Süßkartoffeln

Wenn es von rechts und links heisst: Musst du gesehen haben! Solltest du kennen! Haste nicht gehört! dann stellt sich bei mir gerne eine innere Lahmheit ein und der Schutz-Rollo geht runter. Da kann Shades of Grey noch so oft in den Guesthäusern oder Bookshops stehen, das kommt mir nicht vor die Augen. Lieber gegen den Strom schwimmen.

Meinte mal eine Bekannte zu mir: Das kann dir doch nicht reichen, Hausfrau im Nirgendwo, dir fehlt bestimmt was. Begriffsstutzig habe ich einen Moment gebraucht, um zu verstehen, was sie meint, und musste dann lachen. Selbstbestimmt leben in einer Oase der Natur, die mein Nirgendwo ist und inmitten ein Habib... was könnte mir an Zufriedenheit abgehen? Aber für *Frauen auf der Welle der Zeit* scheint dieser Lebensentwurf völlig out zu sein.

Also genau mein Ding. Bereits an der Akademie habe ich, belächelt von den Original-Genies für meinen Hang zum Kunsthandwerk, stets den Satz postuliert: Wer modern sein will, muss schon wieder auf dem Weg sein, unmodern zu sein.

Apropos Mode: wie kommt es, dass alle Backpacker-Mädels diese gleiche Haardutt-Frisur über dem Hirn haben gepaart zur Jeansshort (Po und Schenkel unabhängig - Freizügigkeit geht vor)? Spricht man das über Facebook ab, oder wer gibt das vor?

Bereit seit geraumer Zeit führt - kulinarisch gesehen zum Stichwort en vogue - kein Weg an Yotam Ottolenghi vorbei. Es war mir klar, dass diesem überfliegenden Heissluftballon Yotam auch mal die Luft ausgehen muss. Dieser Eintopf, den ich bei Valentina mitgenommen habe, war schlicht fad und langweilig, den gibts nie wieder. Also überlege ich mir, ob 2013 ein weiteres Yotam Buch hier Einzug erhält. Vergessen habe ich aber nicht, wie allerorts von seiner letzten Erscheinung Jerusalem geschwärmt wurde. Ich schwanke. Es waren ja auch bereits viele Volltreffer unter seinen Rezepten...
Zutaten:

200 g getrocknete Kichererbsen
1 TL Natron
2 EL Olivenöl
1 Zwiebel, fein gehackt
1 TL Kreuzkümmelsamen
1 TL Koriandersamen
1 EL Tomatenmark
400 g geschälte Tomaten, aus der Dose, gehackt
(m: Ofentomaten aus dem Glas)
1 TL Zucker
1 ½ TL gemahlener Kreuzkümmel
100 g Babyspinat
10 g Korianderblätter zum Garnieren
Salz und schwarzer Pfeffer
Zutaten für die Honig-Süsskartoffeln:
500 g Süsskartoffeln, geschält und in
2,5 cm dicke Scheiben geschnitten
50 g Butter
4 EL Honig
½ TL Salz
Zutaten für die Joghurtsauce:
100 g griechischer Sahnejoghurt
1 Knoblauchzehe, zerdrückt
Abgeriebene Schale und Saft von 1 Bio-Zitrone
3 EL Olivenöl
1 TL getrocknete Minze

Zubereitung:

Am Vorabend die Kichererbsen mit dem Natron in eine große Schüssel füllen und mit dem doppelten Volumen kalten Wassers bedecken. über Nacht bei Raumtemperatur quellen lassen.

Am nächsten Tag die Kichererbsen abgießen, abspülen, in einen großen Topf füllen und mit reichlich frischem Wasser bedecken. Zum Kochen bringen, dann bei milder Hitze 1–11/2 Stunden (gegebenenfalls auch deutlich länger) köcheln lassen. Sie sollten weich sein, aber noch nicht zerfallen. Gelegentlich den an die Oberfläche steigenden Schaum abschöpfen. Bei Bedarf kochendes Wasser nachfüllen, damit die Kichererbsen immer mit Wasser bedeckt bleiben. Wenn sie fertig gegart sind, in ein Sieb abgießen und beiseitestellen.

Die Süsskartoffeln mit 700 ml Wasser, der Butter, dem Honig und dem Salz in einen flachen, breiten Topf geben. Zum Kochen bringen, dann bei reduzierter Temperatur 35–40 Minuten köcheln lassen, bis die Süsskartoffeln gar sind und der Großteil der Flüssigkeit verdampft ist. Nach der Hälfte der Garzeit wenden, damit sie gleichmäßig bräunen. Vom Herd nehmen und warm halten.

Während die Süsskartoffeln garen, die Sauce für die Kichererbsen zubereiten. Dazu das Olivenöl in einer großen Pfanne erhitzen, dann die Zwiebel, die Kreuzkümmelsamen und die Koriandersamen hinzufügen. 8 Minuten unter Rühren goldbraun anbraten. Das Tomatenmark 1 Minute lang unterrühren, dann die Tomaten, den Zucker und den gemahlenen Kreuzkümmel hinzufügen. Nochmals etwa 5 Minuten bei mittlerer Temperatur erhitzen. Probieren und mit Salz und Pfeffer abschmecken.

Den Spinat unter die Tomatensauce rühren, dann die gekochten Kichererbsen zugeben. Vermischen und weitere 5 Minuten erhitzen. Nochmals probieren und bei Bedarf nachwürzen.

Nun die Joghurtsauce herstellen. Dafür alle Zutaten miteinander verrühren und mit Salz und Pfeffer abschmecken.

Zum Servieren die Kichererbsen in eine Schüssel füllen, die Süsskartoffelscheiben darauf anrichten und mit Koriander bestreuen. Mit der Joghurtsauce beträufeln oder diese separat reichen.
Quelle: Valentinas Kochbuch

Kommentare:

  1. SOOO aus dem Herzen gesprochen! Je mehr alle über irgendetwas schwärmen, umso größer wird mein Widerstand, mir das zu kaufen/anzuschauen. Es gab einen gewissen Zeitpunkt, an dem ich wohl die einzige in ganz Europa war, die "Titanic" noch nicht gesehen hat ...

    Und mit Ottolenghi gehts mir haargenau so. Einiges probiert, das nett war (Auberginen-Zitronen-Risotto), einiges probiert, wo ich mich gefragt habe, wieso alle so davon schwärmen (Süßkartoffel-Wedges mit Zitronengras-Crème fraîche).

    Ich hab noch ein paar von seinen Rezepten auf der Liste, aber ich verbeuge mich jetzt nicht mehr jedes Mal, bevor ich sein Buch anzufassen wage.

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  2. Letztens habe ich ein Ottolenghi-Fleischbällchen-Rezept aus dem Guardian nachgekocht und das Essen war einfach nur langweilig! Das kommt mir nicht in meinem Blog. Bis dahin war ich mir sicher, dass das Jerusalem-Kochbuch bei mir einziehen wird, danach nicht mehr.

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  3. Ich bin auch Oasenhausfrau ;-) habe weder Titanic gesehen, noch je einen Blick in ein Ottolenghibuch geworfen...und ja, die sprechen sich ab, die Mädels. Outfits sind ganz wichtig!
    Aber wie hat der Kichererbseneintopf denn jetzt geschmeckt?

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  4. Ich finde, die Ottolenghi-Rezepte brauchen oft noch ein bisschen Feintuning - dann bin ich mit den von mir Ausprobierten aber eigentlich sehr zufrieden (vielleicht habe ich die weniger empfehlenswerten aber bisher auch einfach links liegen lassen).

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  5. Ich verstehe dich so sehr!
    Ich habe bisher einen Ottolenghi, weil alle davon geschwärmt haben! Bisher habe ich die Ausgabe gereut. 2-3 Rezepte waren echt gut, aber der (größere) Rest war langweilig und dabei viel zu aufwendig!
    Ich habe immerhin daraus gelernt, dass ich weniger auf die Schwärmereien anderer Leute gebe, mehr auf meinen Instinkt, wenn mich das Buch im Laden nur so halbwegs anmacht. Daher verschwand auch die Greenbox vom Mälzer wieder ganz schnell von meiner Wunschliste.

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  6. Also, zum einen teilen wir mal den Lebensentwurf ;-). Und auch ansonsten musste ich grinsen....bis heute habe ich "Dirty Dancing" (die älteren unter uns erinnern sich) und "Titanic" nicht gesehen, aber Herr Ottolenghi wohnt in meinem Bücherregal und ich bin ganz zufrieden. An Rezepten schraube ich allerdings grundsätzlich herum. Und vielleicht ging es mir auch wie Petra und ich hatte Glück bei der Auswahl.

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  7. Ich hab das Trara um ihn sowieso nicht wirklich verstanden, obwohl das TV Programm schaute sich ganz nett an, ansonsten wird auch bei Ottolenghi nur mit Wasser gekocht..... LG Gudrun

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  8. Ja...er ist halt schon ein wenig ausgekaut, der Ottolenghi.

    Ist er da dran schuld?

    Mit dem Schwimmen ist das so eine Sache...mal schwimmt man mit, mal dagegen...
    Welche Richtung die bessere ist?
    Wer will sich da ein Urteil erlauben?

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  9. Ich liebe Ottolenghi - und wollte das Rezept hier eigentlich auch bald machen. Hm. Jetzt erst recht. :-)
    Bisher war alles, was ich gemacht habe, ziemlich toll... vielleicht habe ich da ein glückliches Händchen?

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  10. @Frau Neudecker: Vielleicht muss man fuer diese Einstellung bereits in der Schule in der letzten Reihe gesessen haben...

    @Turbohausfrau: Bisher habe ich geklagt, dass seine Mengenangaben oefters mal nicht gestimmt haben. Dieses hier war aber geschmacklich fuer mich auch mit Nachwuerzen nicht zu retten.

    @Robert: Es kommt alles wieder :)

    @Eva: Vielleicht versuchst du dich an einem anderen Yotam Rezept. Dieses hier bekommt echt keine Empfehlung. Turbo langweilig!

    @Petra: Na du mit deinem siebten Sinn siebst vermutlich direkt beim Lesen schon die Nieten raus ;)

    @Lena: Eindeutig geht die eigene Wahrnehmung plus Instikt ueber saemtliche Meinung von aussen. Sowas von einer Meinung mit dir!

    @Magentratzerl: Ich vermute auch, dass man schlicht ein gutes Haendchen fuer ihn haben muss - aber letzlich braucht man das fuer alle Situationen im Leben :)!

    @Gudrun: Du sagst es, du sagst es!

    @Sybille: Ich bin grosser Befuerworter seine Meinung nach der eigenen Erfahrung und Erleben auszurichten und VIEL mehr nach innen als nach aussen zu lauschen.

    Aber vielleicht gefaellt dir der Begriff nicht. Gefaellt dir *hinter der Welle sein* etwas besser? Mir fast ja ;)

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  11. @Christina: Wenn du diesen Eintopf in etwas Gefaelliges wandeln kannst, dann lasse mich das auf jeden Fall wissen. Fuer mich waere das Zauberei :o)!

    @?: Kann es sein, dass ich ausversehen einen Kommentar mit dem Spam geloescht habe?

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  12. Gestern ist mit Jerusalem das dritte Ottolenghi-Kochbuch in unsere Familie aufgenommen worden... Die beiden ersten Bücher haben mich häufig ratlos gemacht: soll ich das Rezept jetzt gut finden oder nicht, aber ich habe beim Ausprobieren keinen echten Reinfall erlebt, des öfteren aber nach etwas persönlichem Feintuning ein sehr leckeres Gericht auf dem Teller gehabt. Das geht mir aber bei jedem!!! anderen Kochbuch auch so. Ich hatte die Gelegenheit, die englische Ausgabe von Jerusalem ausgiebig anzusehen und war sofort begeistert: Es ist meiner Meinung nach um Klassen besser als seine beiden vorherigen Bücher. Nicht nur was die Rezepte anbelangt, da haben meine Kids und ich gestern Abend schon eine Favoristenliste erstellt und morgen gehts los mit nachkochen, sondern auch von den Hintergrundgeschichten, die mich immer wieder faszinieren. Und: unter meinen mehr als 20 m Kochbüchern gibt es keines, an dem ich nicht auch Kritik hätte oder in dem ich alle Rezepte nachkochenswert finde. Da müsste ich mir ein eigenes schreiben...
    LG Monika
    PS: Immer nur mitschwimmen halte ich für genauso unreflektiert und albern wie grundsätzlich gegen den Strom schwimmen

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  13. Mir haben der Kichererbsen-Eintopf und die Joghurtsauce sehr gut gefallen. Begleitet von Basmati-Reis. DIe Süsskartoffeln spare ich mir für ein anderes Menu.
    Gruss Bea

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  14. Eigentlich musst du doch nur warten, bis alle den Yotam durch haben und ihre Blogs mit seinen Rezepten gespickt sind ;) Im Ernst, großer Hype weckt in mir immer Skepsis und lässt mich zurückweichen. Dennoch habe ich mich auch schon mal eines Besseren belehren lassen (müssen). Also, alles nicht so eng sehen und bei sich bleiben.

    Viele liebe Grüße :)

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  15. Jerusalem habe ich mir gerade gekauft, zwei Sachen schon ausprobiert und fand sie wirklich großartig :-)
    Auch das Buch an und für sich gefällt mir wirklich sehr gut, für mich eines der absoluten Kochbuch Highlights der letzten Jahre.
    Am Wochenende gibt es schon wieder etwas daraus ;-)

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