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Mittwoch, 17. September 2014

Alltag mit Tim und Otto: karamellisierter Fenchel zu Kräuterstampf

Darauf hätte man gut selbst kommen können. Das ist kein Essen, das mit stürmischen Gefühlen winkt. Das ist Alltag. Alltagsküche. Aber aus dem Garten und handgemacht. Wer sucht schon im Leben nach dem Dauerhoch? Zu dem konsequenterweise die Bezahlung des Absturztiefs dazugehört. Den Preis muß man zahlen.

Nein, ich bin froh darüber, verstanden zu haben, dass Zufriedenheit nur dann von Dauer ist, wenn man nicht lechzt nach dem ganz großen Kino. Sondern es ist der Versuch des Festhaltens am so viel berufenen Einfachen, Kleinen, Bescheidenen - ohne all die Tugenden man im Leben weiter kommt, nur nicht zufrieden wird.

Und da ich Fenchel lange sehr skeptisch gegenüber stand, freue ich mich selbst, wenn ich ungewohnterweise doch manchmal nach der Fenchelsaat zum Würzen greife. Hach, könnte es nur stets so simpel sein, eigene Trampelpfade zu verlassen ... Äh, über den Dill bin ich allerdings wie auf dem Schwebebalken im Pferdchenschritt rübergehüpft (schon IMMER meine Parade-Sportdisziplin) - theoretisch, ihr versteht... Man muß es ja nicht gleich übertreiben mit dem Abschütteln liebgewonnener Abneigungen...
Zutaten 2 P:

400g Kartoffeln (m: Mona Lisa)
Salz
70 ml Vollmilch
1 Bund glatte Petersilie (20 Stiele)
2EL Nussbutter
Pfeffer
Muskatnuss

2 junge Fenchelknollen
20g Butter
2 EL Olivenöl
1 EL Zucker
1/2 TL Fenchelsaat
fleur de sel
Pfeffer
20g Dill (m: weggelassen)
70g Ziegenquark (m: faisselle)
1/2 Zitrone, Abrieb davon

Zubereitung:

Die geschälten und in grobe Würfel geschnittenen Kartoffel in kaltem Salzwasser hinstellen und zugedeckt 20–25 Minuten kochen lassen, bis sie gut weich sind.

Die Milch zusammen mit den Petersilienblättchen in ein hohes Gefäß geben und mit einem Zauberstab fein pürieren. Butter in einem Topf schmelzen und zu Nussbutter bräunen. 

Die Kartoffeln gut abschütten, kurz ausdämpfen lassen und zur gebräunten Butter und zur Petersilienmilch in einen Topf geben. Mit Hilfe eines Kartoffelstampfers fein zerdrücken. Mit Salz, Pfeffer und frisch geriebener Muskatnuss abschmecken.

Für das Fenchelgemüse vom Fenchel die Stängel mit dem Grün abschneiden - das Grün als Deko zur Seite legen. Den Fenchel putzen und mit dem Sparschälter braune oder trockene Stellen entfernen - den Wurzelboden abschneiden. Die Knollen in 1-1,5cm Dicke Scheiben schneiden oder hobeln.

Die Butter in einer Pfanne zusammen mit dem Öl portionsweise schmelzen und die Fenchelscheiben nacheinander von beiden Seiten goldbraun braten - dabei darauf achten, dass der Fenchel gut durchgart und die Temperatur daran anpassen (Otto behauptet auf heißer Flamme 1-2min - da waren meine Fenchelscheiben aber noch halb roh). 

Wenn alle Fenchelscheiben fertig gebraten sind, diese auf eine Platte zur Seite legen. Den Zucker samt Fenchelsaat sowie dem fleur de sel (nicht zu sparsam) und dem Pfeffer karamellisieren lassen. Die Fenchelscheiben zurück in die Pfanne geben und bei sanfter Hitze in dem Karamell wenden. (1-2min).

Den Ziegenquark mit Knofi und dem Zitronenabrieb vermengen und gemeinsam mit dem lauwarmen Fenchel und dem Pü servieren.
Quelle: Stampf - Tim Mälzer/ Yotam Ottolenghi - Genussvoll vegetarisch

Kommentare :

  1. Das Schöne an der Alltagsküche ist doch, dass sie ehrlich ist und sich selbstbestimmt und entspannt zubereiten lässt. Das kann sehr wohl mit tiefen Sinneseindrücken einhergehen.

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  2. Dein karamellisierter Fenchel mit Kräuterstampf ist doch der schöne und schmackhafte Beweis dafür, daß Alltagsküche keineswegs langweilig sein muß, sondern raffiniert einfach sein kann.

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  3. "Obendrein habe ich festgestellt, dass man sich das Leben eine Wenigkeit schöner kochen kann und dieses Quentchen lasse ich mir nicht entgehen. Vielleicht - gefallen würde es mir- kann ich auf diese Art eine Prise davon in die Welt zurückschicken..."
    DU TUST ES LIEBE MICHAELA - definitiv, und wie...... Kaum besuche ich Deinen Blog ein Jahr komme ich auf die Idee mehr über die Verfasserin zu lesen. So sympathisch und rund (im besten Sinne....) und solltest Du wegen der Komplimente wieder gefährdet sein in die Einbildung zu geraten: bitte sehr, gerne, es steht Dir zu. Und diese Prise Philosophie in der Einleitung gefällt mir ganz besonders. Weiter viel Glück im Leben, das Rezept dafür kennst Du ja..... Herzlichst .. wieder die Doris

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  4. Den karamellisierten Fenchel kann ich wieder und wieder essen, ohne dass er mir langweilig wird, bei mir aber bisher immer mit Ziegenkäse - es schaut aber durchaus so aus, als könnte ich das schnell ändern. ;)

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  5. Wahre Genialität zeigt sich in der Einfachheit, was aber nicht heisst, dass ich grosses Kino nicht ebenfalls sehr liebe - alles zu seiner Zeit halt :-)
    Liebe Grüsse aus Zürich,
    Andy

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  6. Dill liebe ich heiß und innig, an Fenchel taste ich mich wie Du erst heran. Und unter die Sache mit der Zufriedenheit jenseits der Extreme setze ich einen dicken, fetten Punkt.

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  7. Mit Liebe und Sorgfalt zubereitete Alltagsküche ist nieee langweilig - und bei Madame Salzkorn schon mal gar nicht!

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  8. @Robert: Gut gekontert. Es kommt auf die Wertigkeiten an - dann wendet es sich und das Kleine und Einfache bekommt einen ganz anderen Stellenwert. Auch im Genuß alltäglicher Kost.

    @Margit: Riesig raffiniert finde ich es jetzt nicht, aber schmackhaft und gut. Und selbst für diejenigen unter uns, die man erst auf Fenchel bringen muß, etwas Feines. Aber, bien sûr, WELTEN besser als alles aus der Tüte ;)

    @Doris: Hach, jetzt läßt du mich nach dem Lesen aber durch und durch geschmeichelt zurück. Merci liebe Doris, allerdings bist du jetzt schuld, dass ich meine Nase den ganzen Tag 7 Meter höher trage :)

    @Susi: Den Ziegenkäse hat der Otto in Form von Quark ebenfalls dazu gesellt - es wäre also keine enorme Neuerung auf deinem Teller.

    @Andy: Jaha, logo bin ich auch Fan der großen Laola-Welle auf dem Teller - und überhaupt. Nur so am Stück, ständig und durchgehend... no, merci. Dann auch gerne mal wieder Kartoffelbrei ;)

    @Charlotte: Wobei Dill zu mögen ja schon ein bißchen extrem ist ;O)

    @Sabine: Och, auch ich kredenze zwischendurch etwas, das vorallem satt macht und bestenfalls ein gut gemeinter Versuch war. Aber dafür lerne ich auch immer noch etwas dazu...

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  9. Genau so muss Fenchel sein, herrlich, denn mich muss man immer noch eher zum Fenchel tragen ;)

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  10. Orrrr, ich komme zum Essen vorbei! Und finde Deine Einleitung ganz groß zauberhaft, denn auch wenn manch mensch denken mag, dass ich ein kleiner Adrenalinjunkie bin - das bin ich definitiv nicht, denn ich hänge an Deiner Philosophie: "Nein, ich bin froh darüber, verstanden zu haben, dass Zufriedenheit nur dann von Dauer ist, wenn man nicht lechzt nach dem ganz großen Kino."
    Das ist übrigens Postkartenspruchreif.
    Und ich vermisse da rechts die Werbung für Dein Kochbuch! Waaaaaaaaaaas - Du hast keins?!? Ich fall vom Glauben. Und bin ganz nachhaltig beeindruckt. Schön, dass Du bei mir kommentiert hast und ich Dich so gefunden habe. :)

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