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Mittwoch, 21. Dezember 2016

Menschenskinder: Maroni-Wirsingpfanne in Pilzcrème

Jeder Blogger schielt hin und wieder zu den Aufrufzahlen. Ich auch. Aber ganz ehrlich: wenn ich vor dem Bildschirm sitze, dann macht diese Zahl beim Schreiben für mich keinen Unterschied. Ob ich mich nun an einen Leser wende oder an mehrere Tausend. Wie früher (Tagebuch) schreibe ich nicht an ein Gegenüber, sondern irgendwie an mich. Klingt komisch, oder? Ja, aber ich muß ja zuerst selbst verstehen, was ich in Worte fassen will. Sag' ich es mal so: ich schreibe unter anderem für mich. Klar, auch für euch - aber dieses *euch* ist eben eine verschwommene Vorstellung von *jemand*. Ihr versteht, was mich meine?

Will heißen: SO wichtig ist eine trockene, nichtsagende Zahl nicht. Nicht für mich, weil ich sie nicht brauche als Referenz für PR aller Art. Das hier ist ein freier Blog, ein Guerilla-Blog, MEIN Blog. Fühlt sich suppi an! Vielleicht deshalb kommt mir das Bloggen bis jetzt nicht als Pflicht vor. Ohhh, darauf reagiere ich mimosenhaft: *Pflicht* - herje, zitternd schrecke ich zurück. Da trinke ich lieber direkt einen *Trotzkaffee* (wäre unter meinen Vorschlägen gewesen für das Wort des Jahres - nur so am Rande). Das ungezwungene Leben in F hat mich wohl nach aller Regel der Kunst versaut.

Was ich aber als alte Reisende sehr gerne inspiziere ist die Publikumsfunktion: aus welchen Ländern verirrt sich ein Menschlein auf meinen Blog. Und dann jauchze ich dem Habib zu: *Stell' dir vor, heute hat jemand von *Botsuana*/ *Chile* / *Island* / *Pakistan*/ *Japan*/ *Myanmar*/*Südkorea*/ *Barbados*/ *Ruanda*/ *Finnland*  usw. auf das Blog zugegriffen*. Zugegeben: *Cote d'Ivoire* mußte ich googeln - noch nie gehört. Je kleiner das Land und je weiter weg umso faszinierender für mich. Sind wir auf Reisen, dann ist von außen betrachtet das kleine Deutschland winzig - ein Ameisenhaufen!

Eigentlich ist es ein bißchen unfähr meinen treuen Lesern gegenüber aus dem deutschsprachigen EU-Raum. Uns verbindet eben die deutsche Muttersprache, wieso die meisten von dort aus aufrufen (wie ich ja selbst vorrangig Blogs aus diesem Raum lese). Und laut Aufrufzahlen meines Blogs müssen von jenen richtig viele in Portugal leben (einen dicken Gruß nach Portugal!). Ebenso wie in Amerika -  Deutsche stellen in den USA Einwanderungsland Nummero 1 dar (das wußte ich aber). Seltsam in den letzten Tagen allerdings diese großen, sehr auffälligen Aufrufspitzen mal aus China, mal aus Russland, dann aus den USA (das sind doch Maschinen, oder? Ich meine diese seltsamen Spitzen, nicht die Länder ;). Übrigens an dieser Stelle noch ein Kuriosum: Nimmt man die Bevölkerungszahl Europas im Vergleich zu anderen Saaten, dann gibt es lediglich zwei Völker (Indien und China), wo mehr Menschen wohnen als hier. Erstaundlich, nicht?

Nach der sensationellen Entdeckung, wie ich die Maroni sauberst geschält bekomme, gab es dieses Jahr sehr viel Kastanien. Abends einfach mal eine Handvoll zum Knabbern. Oder gerne zum Essen. Wieder ein Gericht inspriert vom Kochquartett, wieder gleichzeitig mit Kathi nachgekocht. Und mein Fazit schließt sich Kathis an: absolut festtagstauglich. Wieso es auf meiner Menu-Zusammenstellung gelandet ist. Als Beilage gabs Bubenspitzle aka Schupfnudeln (in dieser Variante) - seit Kindheit an *Alltimefavorit*!
Zutaten 4P:

300 g frische geschälte, gehäutete Maroni
(entspricht etwa 4 Stück pro Person)
80 g Butter
20 g Zucker
300 ml Gemüsebrühe
300 g Wirsing
2 Karotten
1/2 kleine Sellerieknolle
1 Gemüsezwiebel
7 halbe, getrocknete Tomaten
70ml Sahne
1 kleiner EL Crème fraîche
20 ml weißer Portwein
Piment d'Espelette
1 TL, gehäuft, Pilzpulver
etwas Öl
Salz, Pfeffer
Muskatnuss
Zitrone

Zubereitung:

Frische Kastanien schälen wie hier beschrieben. Dann ähnlich weiterverarbeiten wie hier: dafür 30 g Butter mit dem Zucker im Topf erhitzen, bis der Zucker leicht zu karamellisieren beginnt. Maroni dazugeben und leicht darin bräunen. Anschließend mit Gemüsebrühe gerade so bedecken und bei kleiner Hitze 15 Minuten köcheln, bis die Maroni gar sind und der Fond fast einreduziert ist. 

Parallel den Wirsing entstrunken und in unregelmäßige, 2–3 cm große Blätter schneiden, in Salzwasser blanchieren, danach im Eiswasser abschrecken, damit er die schöne grüne Farbe behält, gut abtropfen lassen. 

Karotten, Sellerie, Zwiebel schälen und in Scheiben schneiden, die getrockneten Tomaten in feine Streifchen schneiden. Zwiebelscheiben in restlicher Butter ohne Farbe anschwitzen, dann die rohen Karotten, die getrockneten Tomaten und den Sellerie dazugeben, ein wenig Gemüsebrühe anschütten und so lange dünsten, bis das Gemüse gar ist. Dann den blanchierten Wirsing, das Pilzpulver und die glacierten Maronen dazugeben. Mit Sahne angießen, die Crème unterrühren und leicht köcheln, Portwein zugeben, mit Salz, Muskatnuss, Pfeffer aus der Mühle und einem Spritzer Zitronensaft abschmecken. (wer mag, streckt die Sauce wie Kathi es getan hat)

Dazu gabs die Schupfnudeln in der mediterranen Variante aber auch schlichte Pellkartoffeln würden toll dazu schmecken. 

Kommentare :

  1. Kathis Rezepte koche ich auch immer gerne nach; die schmecken immer! Mir ist auch schon passiert, dass wir beide das gleiche gekocht und nacheinander verbloggt haben; sie ist eine von denen mit einem ähnlichen Geschmack, denke ich. Die Maroni-Wirsingpfanne gefällt mir auch, wobei Schupfnudeln eher Lieblingsgericht des Gärtners der Spielwiese sind, weniger meins.

    Davon abgesehen geht's mir mit dem Bloggen wie Dir! Ich schreibe eher für mich, aber finde es lustig, wer drauf schaut. Wenn ich selbst im Ausland bin, sehe ich den Zugriff (früher hatte ich da ein Tool auf der Hauptseite, da war eine Flagge dabei, das war besonders hübsch) und freue mich sogar da drüber. Jemand aus Kambodscha, Jamaica oder Georgien - dabei bin das dann ich... ;-) Die Russen und Chinesen sind Bots, denke ich, zumindest der Großteil. Bis vor kurzem war Blogspot in China eh zum Lesen gesperrt.

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    1. Ja, Kathi hat wirklich die weltbeste *kulinarische Früherziehung* genossen - und das merkt man, also wie beide ;-)
      Und wie witzig, deine Aufrufgeschichte. Du bist halt auch eine Reisende... Das mit den Bots finde ich schon beunruhigend - was wollen die alle hier? Und man hat ja so gar keine Einfluß darauf, bzw. kann sich schützen - nee, das gefällt mir gar nich!

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  2. Alles mit Wirsing und Marroni ist was für mich. Wobei ich die Marroni vom Brater beziehe. Der will auch gelebt haben.

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    1. Um den Marroni-Mann ums Eck habe ich dich lange beneidet - nun nicht mehr. Aber vielleicht würde ichs mir - hätte ich die Möglichkeit - trotzdem leichter machen als Selbstzuschälen...

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  3. Dein Tipp zum Thema Maronenschälen hat mir den ein oder anderen wunden Finger erspart. Danke noch einmal dafür!
    Und das mit dem Bloggen sehr ich sehr ähnlich. Ich benutze mein Blog inzwischen tatsächlich oft als individualisiertes Kochbuch und allein dafür ist es unschätzbar wertvoll! :-)

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    1. Vielen Dank für deine Rückmeldung, Eva - das freut mich. Für mich ist das DIE Entdeckung: Kastanienschälen war für mich viele Jahre Strafarbeit! Und ja, *individualisiertes Kochbuch* trifft es ganz gut... ;)

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  4. Pilzpulver, nie gehört, ich bin gespannt ob ich das morgen hier bekomme. Der Rest ist schon im Haus. Da können die Festtage kommen. Ich freue mich auf dieses winterliche gute Essen. Ach ....und Kastanien, wenn ich doch in Portugal bei unseren Kastanienbäumen gewesen wäre. Hast du Erfahrung mit Kastanien einmachen oder trocknen? Lieben Gruß aus dem Bergischen a.

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    1. Oh, Pilzpulver sind lediglich gesammelte, getrocknete Pilze, die ich pulverisiere (im Cutter) - damit läßt sich viel aromatisieren. Im Original werden Steinpilze verwendet - aber an die komme ich ja nicht mehr. Und ich friere meine geschälten Kastanien ein - was anderes habe ich seither nicht ausprobiert... Schöne Festtage, Angelika

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  5. oh wie toll. das wir heute nachgekocht! Maroni sind ja mein Lieblingsessen No 1 im Winter.

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  6. Ach hätte ich den Maroni-Trick doch früher gelesen. Ich habe mich nämlich vor ein paar Wochen mit dem Schälen abgemüht. Aber nun ist er notiert fürs nächste Jahr!

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