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Dienstag, 10. Juli 2018

Ich bin ich: Reisnudel-Pfanne mit Gemüse und Erdnuss-Sauce


Eines der Kinderbücher, das ich mit am meisten vorgelesen habe, ist das Kinderbuch der jüdischen Autorin Mira Lobe mit dem Titel *Das kleine Ich bin Ich* (hier sogar ganz lesbar allerdings ohne Bilder). Das Buch ist nicht nur älter als ich, nein es akutallisiert ein weitaus älteres Thema des Menschseins, ja vielleicht eines der größten Mysterien des Lebens, die philosophischste aller Fragen, die relevanteste für das Individuum auf alle Fälle, das uralte *Gnoethi seauton* (*Erkenne dich selbst! Werde, der du bist!*), bref: die Suche nach sich selbst.

So macht sich das *Kleine Ich bin Ich* auf den Weg unter die Tiere und versucht herauszufinden, zu wem es gehören könnte, welche Rasse ihm gleicht, welches Blut in seinen Adern fließt. Die große Erkenntnis seiner Wanderschaft ist: Ich bin ich! Die Geschichte liest sich nicht nur wegen des zeitlosen Inhalts gut, für alle Vorleser macht der ausgesprochen schöne Erzählrhythmus besonders viel Freude. Als Beispiel eine besonders geschätzte Stelle, der Moment, in dem Das Kleine Ich bin Ich auf eine Hundeschar trifft:
*Alle sind kurz angebunden,
alle zerren an der Leine, dicke, dünne, große, kleine, ruppige und struppige,
seidige, geschmeidige, gut dressierte, schön frisierte,
schmale, breite, Seit an Seite, dumme Hunde und gescheite.*

Wenn man nun als Erwachsener gefragt wird: *Wer bist du?* Was antwortet man wohl. Mit seinem Namen vielleicht. Seinem Beruf. Seiner Nationalität. Aber sind das treffende Beschreibungen eines/deines Wessens. Für was stehst du ein? Was ist dir wichtig? Was willst du für dich und dein Leben und was schließt du aus? Welche Werte vertrittst du? Mit wieviel Überzeugung und vor allem mit welcher Konsequenz? Worüber denkst du nach und worüber sprichst du? Was aber lebst du davon? Wie sehr hast du dir dein Leben nach deiner Vorstellung eingerichtet? Bist du mit dir im Einklang? Bist du wirklich du? Ist dein Leben wirklich dein Leben?

*No one ist you and that is your power* - singt Foofighter-Sänger Dave Grohl. Nur so kann man andere ganz lässig anders sein lassen. Was hats mit mir zu tun? Zu schade auch, dass sich die Bewußtheit samt der damit gewonnenen Kraft, welche Zutat ich höchstpersönlich der Erdensuppe zufüge, nicht von ganz alleine einstellt.

Aber aktiv auf die Suche nach sich selbst zu gehen, scheint mir ein ähnlich ergebnisloses Unterfangen wie einem Gral hinterher zu jagen. Ich schließe definitiv aus, dass selbst die zierlichsten Kreise um sich selbst gleich einer Porzellanballerina auf einer aufgezogenen Zuckerdose zielführend sind. Fasse ich zusammen: Nabelschau ist keine Lösung. Raus ins Leben in den großen Dschungel der Erfahrungen heißt die Devise: das Leben will gelebt werden - mal wieder ganz mit Grandseigneur Goethe:

*Man hat zu allen Zeiten gesagt und wiederholt, man solle trachten, sich selber zu kennen. Dies ist eine seltsame Forderung, der bis jetzt niemand genügt hat und der eigentlich auch niemand genügen soll.. Von sich selber weiß er bloß, wenn er genießt oder leidet, und so wird er auch bloß durch Leiden und Freuden über sich belehrt, was er zu suchen oder zu meiden hat.*

Viele Menschen, viele Wege. Nur bin ich mir ebenfalls gewiß, dass ein zu hochtaktiges, hektisches, reißendes Umfeld dabei nicht hilfreich ist. Ist das Leben zu schnell, dann kommt das Bewußtsein nicht mit - wie in einem Film mit zu schneller Bildabfolge die Wahrnehmung nicht hinterher kommt und das Auge die Bilder nicht sortieren kann. Eine unbewußte Botschaft gilt nicht. Also ohne bewußte Erfahrung keine Erkenntnis.

Ich werbe hiermit für eine geschärfte Wahrnehmung, offene Sinne, eine frische Wachsamkeit und eine blitzgescheite Aufmerksamkeit, sowie genügend Ruhe und Stille zum Verdauen, um Vertrauen in die drei großen Buchstaben ICH zu erlangen. Und zwar ohne dabei auf die falsche, die andere Seite zu kippen, die Seite, die nur die gegensätzlichen drei Buchstaben EGO füllen will. Versucht man aber nicht, sich selbst näher zu kommen und seiner inneren Stimme Gehör zu schenken, dann wird man automatisch von außen und von anderen in willkürliche Form gepresst. Eine Crux... , mais bon, immerhin bin ich nur für mich selbst verantwortlich...

Genug der Gardinenpredigt, zurück zum einfachen Leben am Herd und zu bester, vegetarischer Küche. Ein weiteres Gericht, das ich nun wiederholt zubereitet habe. Beibehalten habe ich dabei stets die Erdnuss-Sauce. Reisnudeln können gut gegen Sobanudeln ausgetauscht werden, das Gemüse läßt sich nach Lust variieren. Darüber immer VIEL vietnamesicher Basilikum, der sich im Treibhaus herrlich macht und ein unvergessliches Gastgeschenk war (Merci!!). So einfach, so lecker! Aber ich will eurem eigenen Urteil nicht vorweg greifen - probiert selbst! 



Zutaten 2P:

1 EL geröstete Erdnüsse
1 rote Zwiebel
1 kleine, rote Paprika
1 kleiner Brokkoli
1 Karotte
3 EL Gemüsebrühe
150g Glasnudeln
Erdnussöl
frischer, vietnamesischer Basilikum

Sauce:
1 cm Ingwer
1 Zehe Knoblauch
2 kleine EL Erdnussmus
1 TL Misopaste (alternativ 90 ml Gemüsebrühe)
1 Zehe Knoblauch
Sojasauce
Limettensaft
1 Prise Chiliflocken

Zubereitung 

Die Erdnüsse grob hacken und ohne Fett in einer Pfanne rösten.

Die rote Zwiebel schälen, vierteln und in dünne Scheiben schneiden. Die Paprika mit dem Sparschäler schälen und ebenfalls in feine Streifchen schneiden. Die Karotte in Julienne schneiden (m: Börnerreibe).Brokkoli in kleine Röschen teilen.

Die Nudeln in kochendem Wasser nach Packungsanleitung bissfest garen. In ein Sieb gießen, mit warmem Wasser abspülen und zurück in den Topf geben. 

Parallel das Gemüse dünsten. Die Zwiebel in wenig Erdnussöl anschwitzen, Brokkoli und Paprika zufügen, ebenso die Gemüsebrühe und für 6-7min den Deckel auflegen. Für 2 zusätzliche weitere Minuten die Karotten untermischen.

Für die Sauce die Knoblauchzehe ganz fein hacken. Den Ingwer schälen und reiben. 60ml Wasser in einen kleinen Topf geben, Knoblauch, Ingwer, Erdnussmus, Misopaste, 3 EL Sojasauce und Chiliflocken dazu geben, mit dem Schneebesen verrühren und dann langsam erhitzen, bis die Sauce andickt. Mit etwas Limettensaft abschmecken

Nudeln, Gemüse und Sauce miteinander vermengen. Mit gehacktem Basilikum und den Erdnüssen garnieren.

*Anmerkung m: schmeckt ebenfalls auch sehr gut mit Zucchini - so wie Melissa es in ihrem Rezept vorgeschlagen hat

Inspiration: Melissa von Gourmandises vegetariennes


Kommentare :

  1. Wieder schöne Gedanken aus deiner Gartenecke!
    Das Kinderbuch muss ich mir merken und im Buchladen mal danach stöbern :-)

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  2. Ahhhh, liebe Micha - das kleine Ichbinich :-) - ich habe es als Kind sogar mal gebastelt (Bastelanleitung ist ja im Buch) und unsere Tochter hat es letztes Jahr zur Geburt geschenkt bekommen - von einer Person, die mir persönlich eine gute und stärkende Begleitung war und ist auf dem Weg mehr Vertrauen in MICH zu erlangen und überhaupt... Ein SCHÖNES Buch!!! Und ein SCHÖNES Rezept - du musst hellsehen können, dass ich gerade große Lust auf Erdnussiges habe und sogar mal wieder Brot mit Erdnussmus gegessen hab... Diese Soße kommt also wie gerufen! Und das Raupenbild ist der Hammer und fast ja schon ein Fingerzeig zu einem weiteren schönen Kinderbuch ;-) Liebe Grüße von Hannah

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  3. ...und wieder ein wundervoller Text zum Nachdenken - vielen Dank liebe Micha für deine tiefgründigen Gedanken.

    Christina

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