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Montag, 15. Oktober 2012

Eßbarer Achat: Radis d`Hiver

Als wir letzte Woche über den Markt in Die gelaufen sind, blieben meine Augen an dem aufgeschnittenen Winter-Radieschen hängen. Das hatte ich noch nie gesehen, weder in echt noch als Foto. Mir wurde versichert, dass der Geschmack radieschenmäßig wäre, aber doux, will meinen nicht scharf.

Allein der Optik wegen mußten welche mit. Die sind doch ein Augenschmeichler. Was es nicht alles gibt in der Natur an Farben und Farbverläufen, Formen und Muster. Irgendwie fiel mir dazu wieder ein Gedicht ein, dass mir von der anthroposophisch-affinen Mutter des besten Freundes meines Ex-Freundes (seriöser kann man keine Quellenangabe machen) zugetragen wurde. Es hat mich gleich so angesprochen, dass es direkt in mein Ultra-Langzeit-Gedächtnis rutschte. Ja, das gibts, Gedichte oder Kalendersprüche dafür habe ich (neben anderem Quatsch) einen inneren Magnetstreifen, ein Elefanten-Gedächtnis.

Die Welt ist Gottes unausdenklicher Gedanke,
so göttlich der Beruf zu denken ohne Schranke.
Nichts auf der Welt, das nicht Gedankenstoff enthält,
und kein Gedanke, der nicht mitbaut an der Welt.

Drum liebt mein Geist die Welt, weil er das Denken liebt,
und sie ihm überall zu denken gibt.

  
Friedrich Rückert (1788-1866) 


Der Salat, der von den Küchengöttern inspiriert ist, war übrigens so köstlich, dass es den im Frühjahr mit den ersten Frühlings-Radieschen wieder geben wird. Oder wenn wir in Die nochmals an diesen vorbeikommen...
Zutaten:

4 Radis d'Hiver
einige Blätter Chicoree
2 Hände voll Feldsalat
1 säuerlicher Apfel (z. B. Elstar) 
etwas gewürfelter Comté
1/2 Zitrone
150 g Joghurt
1 TL Dijonsenf
Salz
Pfeffer
1/2 TL Zucker

Zubereitung:

Die Radis waschen, schälen und in dünne Scheiben schneiden/ hobeln. Den Apfel vierteln, das Kerngehäuse entfernen und in dicke Scheiben schneiden. Den Comté in Stifte schneiden.

Die Zitrone auspressen. Joghurt, Senf und Zitronensaft zu einer Marinade verrühren. Mit Salz, Pfeffer und Zucker abschmecken und mit Radieschen, Apfel und Emmentaler mischen. Wenn der Salat im Kühlschrank eine halbe Stunde durchzieht, schmeckt er noch besser. Dann auf dem kleinen Salatbett anrichten und servieren.
Inspiration: Küchengötter

Kommentare :

  1. nun weiss ich endlich, dass meine rosa Rettiche Winterrettiche sind.

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  2. Na toll. Jetzt will ich die auch! Da kann sich der arme Gemüsehändler schon wieder auf etwas gefasst machen.
    Im Ersatzfall geht der Salat sicher auch mit Radi, oder? Aber diese Farbe! Als hätte jemand Radieschen mit Feigen gekreuzt :)

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  3. Was für ein Farbenspiel! Genial.
    Und ich geh jetzt schauen, ob die Arche Noah mir da vielleicht Samen verkaufen will ...

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  4. Meine Augen haben derzeit ganz schön viel zu schmausen :)
    Rettich, hm, bisher wurde ich mit dem immer nur in Erkältungszeiten malträtiert, ging nur mit Nase-Zuhalten. Aber der hier ist ja wohl ganz anders?

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  5. @Robert: Du kanntest diese rosa Kugeln? Na, wer wenn nicht du?

    @Astrid: Manchmal kreuzt sich Kunst und Kochen einfach durch die Schönheit der Zutaten :)

    @Madame Pulsatilla: Ist das nicht ein Schmuckstück? Was sich alles aus einem kleinen Samen heraus entwickelt, ist wirklich ein Wunder! In Frankreich habe ich die Samen bei *ferme de sainte marthe* entdeckt - leider ist das dort nie ganz billig.

    @Schokozwerg: Und Radieschen magst du auch nicht? So, nahzu identisch schmecken diese Radis d'Hiver.

    Wußte ich übrigens gar nicht, dass Rettich bei Erkältung hilft - klingt aber nach Rosskur :)

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    1. Doooch, Radieschen sind lecker!
      Oh ja, ausgehöhlt mit Zucker drin ein paar Stunden stehen lassen und dann den "Saft" trinken. Wuha! Soll helfen, aber ich leide da doch lieber ...

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  6. Hallo Salzkorn! Bin auf deinen tollen Blog gestoßen - super Rezepte und tolle Fotos! :) weiter so!

    Liebe Grüße,
    http://diekuechenchefin.blogspot.co.at/

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  7. Oh, sind die schön! Das traut man ihnen von aussen gar nicht zu. Ob ich die hier auch irgendwo bekomme?

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  8. Ohhh, ich WILL diese wunderschönen, farbenprächtigen Radieschen, am allerliebsten aber gleich als köstlichen Salat von Dir.

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  9. Radis d'Hiver, welch ein schöner Name. Ich kenne nur den schwarzen Winterrettich und der ist, soweit ich mich erinnere, innen weiß und man kann mit ihm Hustensaft machen ;-)
    Dein Salat sieht köstlich aus und schmeckt sicher auch so.
    Liebe Grüße
    ennah

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  10. Toll! Die gibt es in Istanbul auch. Muss ich gleich mal kaufen gehen...

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  11. @Küchenchefin: Merci beaucoup für so freundliche Einstandworte - ich drohe mit Gegenbesuchen :)

    @Mel: Hach, wie du dich mitfreust - als Kind hätte man sich damit RIESEN-Ketten gebastelt. Ich habe diese Radis zum ersten Mal gesehen.

    @Ennah: Die schwarzen waren mir ebenfalls bekannt, der Hustensaft allerdings nun erst neuerdings...

    Mit ordinären Radieschen schmeckt der Salat aber auch!

    @Isa: Warte es ab, irgendwann schlendere ich mal noch über einen Markt in Istanbul. Dieses Jahr wohl nicht mehr, aber irgendwann... Und dann rauchen wir eine Chicha zusammen...

    Ach, und wenn du die Radis kaufst, würde ich mich über ein Foto *Vor Ort* sehr freuen - so als kleiner Istanbul-Markt-Eindruck...

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  12. Mhhh sieht lecker aus :] 
    Danke für den Tipp, kannte ich bisher auch noch nicht.

    Schönen Abend noch,
    Norbert

    PS: Sorry fürs Doppelposting... aber bin noch relativ neu in der Bloggerszene ;) kannst den letzten Kommentar von mir gern löschen.

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