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Freitag, 12. Juli 2013

Jeden Tag ein Buch: Schöner Essen mit *Zusammen ist man weniger allein*

Bei meinem Buch, das ich im Zuge von Astrids angezetteltem Event vorstellen möchte, geht es auch ums Essen, aber mehr noch thematisiert es für mich einen völlig unterschätzten Nebenschauplatz dazu: wohlwollendes Miteinander.

Denn was man sich viel zu selten bewußt macht, ist, dass zu einem genußvollen Essen zwei Dinge wesentlich mitentscheidend sind: der Ort und die Gesellschaft. Das köstlichste Essen verliert alle Reize, serviert man es auf dem Klo. Jeder ausufernde Streit am Tisch beschert schlagartige Appetitlosigkeit. Und alleine schmeckt kein Gericht der Welt so gut, wie wenn man den Genuß mit jemanden teilen kann (womit wir schon bei meinem heutigen Buch wären).

Ja, ich behaupte, Bratkartoffeln mit Spiegelei sind mir auf einer Bierbank mit herzenswarmen Menschen um mich eine größere Labsal als das Essen eines Sternekochs umgeben von Stinkstiefeln.

So ist es etwa in Frankreich in aller Regel eine unabgesprochene Frage des Benimms, während einer Essenseinladung zu Tisch *leichte Konversation* zu betreiben. Unangenehme Themen oder mit Konfliktpotenial (beispielsweise Politik) gehören hier nicht hin. Und Familienessen werden auf dem Land gerne nach draußen in den Schatten eines Baumes verlegt. Warum, könnt ihr euch selbst denken.
Mein ausgesuchtes Buch *Zusammen ist man weniger allein* ist von der französischen Schriftstellerin Anna Gavalda und überhaupt sehr französisch. Dieses Buch ist mir auf unsere letzten Reise einfach passiert. Bücher werden unterwegs getauscht: unter den Travellern, im Guesthouse oder den in Asien mittlerweile weitverbreiteten Shops zum überteuerten Wechsel von gelesenen Büchern. Auf diese Weise kreuzen Bücher meine Wege, die ich gar nicht *gesucht* hatte - allein das ist ein Grund, weshalb ich kein Typ fürs eBook bin.

In dieses Buch habe ich mich mit Haut und Haar verliebt. Es beschreibt einen Lebensausschnitt von vier Menschen - alle mit Macke und vom Leben gezeichnet. Und allesamt einsam in Paris. Bei mir drückt das Buch sämtliche Knöpfe und selbst beim xten Mal lesen, kann es mich zu Tränen rühen (seltsam eigentlich). Für Liebhaber aktionreicher Geschichten ist dieses Buch definitiv nix. Denn es ist vielmehr ein Buch der feinen Beobachtungen. Oder um mal wieder Goethe zu bemühen hat es folgenden Fokus: *Beachte das WAS, mehr beachte das WIE*.

Und wie sollte es anders sein, gehört zum Miteinander - Hauptthema des Buches - das Essen. Zumal einer der Hauptakteure Koch von Beruf ist. Nebenher bekommt man wunderhübsche Bilder in den Kopf gesetzt: die junge Camille mit einer Frisur wie Jean Seberg und ihr möglicher Gespiele, der an den jungen Farnese von Tizian erinnert...

Zwei, nein drei kleine (auch einschlägige ;) Leseproben, die euch einen Vorgeschmack geben sollen, ohne auch nur etwas vorweg zu nehmen:

...*Der Geruch, vielmehr das Aroma der Consommé, hielt sie von weiteren Grübeleien ab. Mmm, duftete das herrlich, und sie war versucht, sich die Serviette über den Kopf zu legen, um damit zu inhalieren. Was war da nur drin? Es roch ganz eigen. Heiß, nach Fett, goldbraun wie Cadmium. Mit den durchsichtigen Perlen (Anmerkung der Redaktion m:  Japanperlen, bzw. Tapioka Perlen) und den smaragdfarbenen Spitzen der Kräuterbeigabe war es wunderschön anzuschauen...*

...* Paulettes Haus war eine kleine stämmige Frau, die den Hals reckte, die den Besucher mit den Händen in den Hüften empfing und vorgab, kein Wässerchen trüben zu können. Eine von denen, die die Augen niederschlugen und sich bescheiden gaben, wo doch alles in ihnen vor Zufriedenheit und Wohlbehagen strotzte...*

*... Die Decke war schwindelerregend hoch, und die weißen Wände faszinierten sie. Es mußten ziemlich alte Farben sein, auf Bleibasis, und die Jahre hatten ihr eine samtglänzende Patina verliehen. Weder perlweiß noch eierschalen, eher das Weiß von Milchreis oder den faden Nachtischen einer Kantine... Sie ging im Geiste einige Mischfarben durch und nahm sich vor, irgendwann mit zwei oder drei Tuben wiederzukehren, um die Farbe besser bestimmen zu können... 

Wer dieses Buch gelesen hat ist anschließend in der Lage, seinen Lieben ein wunderschönes Essen zu bereiten - unabhängig seiner Kochkünste. Allein durch die angespitzten Sinne der Wahrnehmung und der Neigung zum Aussöhnen mit etlichen Gebrechen der Menschheit. Die perfekte Stimmung für ein wohliges Essen zusammen.
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