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Mittwoch, 5. März 2014

Cuba libre I

Die meisten schreiben einen Veriss leidenschaftlicher als eine kleine Hommage. Ich mag mich nicht festlegen: saftiges Schimpfen kann genauso lustvoll sein wie das zu loben, das man liebt. Über Kuba zu schreiben fällt mir allerdings schwer. Vielleicht weil das Missfallen so allumfassend ist und die Enttäuschung über dieses Land besonders bitter wiegt. Selten, dass wir aus einem Land fast keine gute Geschichte mitnehmen – ein Satz, auf den vor Kuba lediglich der lebensgefährlichen Tschad exklusive Rechte besaß. 

Grundeigentlich zog es uns nämlich nach Kuba, weil wir tief fasziniert davon waren, dass es auf dieser Erde tatsächlich mal möglich ist, dass David gegen Goliath gewinnt und dass das kleine Kuba nun bereits 56 Jahre der Großmacht Amerika die Stirn bietet. Der Preis dafür ist freilich immens. Selbst ein reiches Land wie etwa die Schweiz wäre mit dem gleichen durchschlagenden Embargo am Ende jeder Wirtschaftlichkeit, müßte sie sämtliche Rohstoffe und Produkte, die ihr Land benötigt – von Kupfer über Klopapier - selbst stellen und produzieren. Auch gefällt mir die sozialistische Idee von staatswegen zu verhindern, dass die Schere zwischen Arm und Reich derart auseinandergeht wie in sämtlichen kapitalistischen Ländern. Kehrseite der Medaille wiederum ist, dass man Arbeitseifer nahezu vergeblich sucht.

Im Gegensatz zu den allermeisten Touristen dort  schützte uns keine pauschale *All-inclusive-Reisegruppe*, sondern wir  haben alle Organisation individuell vor Ort auf uns selbst gestellt erledigt. Derart kommt man natürlich besonders dicht mit unterschiedlichen Menschen in Kontakt. 

Beginne ich also mit dem, was mir gefallen hat, bei 31 Tage individuellem Durchschlagen auf Kuba, wie etwa die ultraentspannenden Schaukelstühle auf den Terrassen. Das Baden im Pazifik. Das Sicherstellen einer Grundversorgung – Medizin, Bildung, Wohnen – für jeden (Schockierendes für uns aktuelles Beispiel dagegen in Guatemala: der Preis für Antibiotika treibt 80% der Bevölkerung in den Ruin) und die schön ausstaffierten Kindergärten. Oder wie ordentlich Kuba doch ist im Vergleich zu anderen ärmeren Ländern dank der vielen Beppo Straßenkehrer. Regelrecht RIESIG fanden wir das selbstverständliche Miteinander und Gemisch der unterschiedlichen Hautfarben hier – eine Wirklichkeit von der Mandela für sein Südafrika vermutlich noch vom aus Himmel weiter träumen muß. Und Torticcas (Kekse) mochte ich ganz gerne und die Filets aus dem Fisch Guasa geschnitten. Oder die vielen Bänke und Sitzgelegenheiten in den vielen öffentlichen Parks.

Ab dann  - im kommenden zweiten Teil - wird’s düster. Wer *sein* Kuba schillernd in Erinnerung behalten will, sollte besser nicht lesen, wie ich es schwarz anlackiere.
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