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Freitag, 7. März 2014

Cuba libre II

Nicht für möglich gehalten – hätte ich es nicht selbst erlebt – ist, dass es ein Land gibt, dessen sittlichen Gefühle nicht zu verletzen sind. Und dass Touristinnen ausnahmsweise nicht auffallen können durch ihren betont freizügigen Kleidungsstil (wie mal wieder jüngst im gläubigen Guatemala). Die Kürze des einen oder anderen Minirocks an einer vorüberlaufenden Kubanerin versuchte selbst mich als Frau den Kopf schräg zu legen, um zu schauen, ob dieser möglicherweise wie ein Schottenrock getragen wird. 

Habe ich in Asien bereits viel über Sextourismus lernen müssen, wurden auf Kuba neue Dimensionen eröffnet. Ich komme unfreiwillig mit einem erweiterten Repertoire zurück, was obszöne Mienen und Gesten angeht. Wer Saufen und Ficken als Kultur bezeichnet, der sollte seine Fortbildung auf Kuba in Angriff nehmen – das gilt für beide Geschlechter, denn noch nie habe ich so viele Touristinnen das einschlägige*Angebot* wahrnehmen sehen.  Assi-Tourismus at its best!

Das Raufen und Feilschen um Preise ist Teil des individuellen Reisens. Auch dass man als Fremder gewöhnlich mehr zahlt als die Einheimischen.  Was aber das professionelle Bescheißen angeht,  in dieser Kategorie verdiente sich Kuba mit Abstand Gold. So durchgehend wurden wir noch nie angelogen. Händel an einem Stück! Und zwar von oben bis unten: ob Banken, Casa-Betreiber (wo man angeblich wie ein Familienmitglied aufgenommen wird), Hotels, offizieller Hoteltransfer/ Busunternehmen bis hin zum Pizza- oder Bananenverkäufer – sie haben alle betrogen, dass sich die Balken biegen und sich dabei gegenseitig in Dreistigkeit und Schamlosigkeit überboten. Dabei betrügen sie zeitglich  ihren Staat durch die von ihnen aufgebaute Nebenwirtschaft: Bustickets werden zu doppeltem Preis verkauft, ein Ticket sieht man nicht, das Geld wandert in die eigene Tasche. So geht es in den Hotels, in den Casas überall zu.

Was uns wie eine Tsunami entgegenschlug war das Gefühl, der Klassenfeind zu sein (auch weil geringfügig spanisch sprechend), zu jenen zu gehören, die Mitschuld an dem elendigen Embargo tragen – was nur als Hass zu bezeichnen ist. Nie habe ich mich unwillkommener empfunden.

Die vielumworbene karibische Lebensfreude haben wir vergeblich gesucht. Und bei der mehrtägigen Feier auf den Straßen Trinidads anlässlich des 500sten Geburtstags der Stadt hätten wir zwangsläufig davon etwas mitbekommen MÜSSEN. Aber nix mit Musizieren und Tanzen auf der Straße – nada! Das findet man lediglich dort, wo Touristen dazu animiert werden sollen, mehr Geld in Alk zu stecken.

Das Essen dort kann ich nur als unterirdisch bezeichnen, das StrassenFRessen ist die paar Peso nicht wert. Man fährt an Rinderfarmen von gigantischen Ausmaßen vorbei, hingegen das Angebot auf Obst-und Gemüsemärkten bietet eine Performance an kümmerlicher Lieblosigkeit (an allem trägt das Embargo nun keine Schuld). Sensationell sind viele kubanische Sprechstimmen: in kleinen Kompositionen a-tonaler Musik, bei denen mit großer Sorgfalt harmonische Klänge vermieden werden, schreien sie sich am liebsten an. Ich hätte es euch zu gerne aufgenommen… Zu den kubanischen Freizeitbeschäftigungen zählen Hahnen- und Hundekämpfe und die größten Sporen, die ich je einen Reiter tragen sehen habe, saßen an den Stiefel eines Kubaners zu Pferd (das eine Foto stellt übrigens *Meerrschweinchen-Roulette* auf einer Kirmes dar).

Geht Kuba wieder auf – und die meisten Kubaner können es nicht erwarten – dann wird Kuba erneut der Hauptsitz der Mafia, die Farce des Prostitutionsverbots wird aufgehoben und neben dem größten Spielhallenbetrieb wie einst wird auch das größte Bordell entstehen. Drogen und Waffen werden das Szenario bereichern. Ich kann es mir lebhaft vorstellen…

Mittel zur Vermeidung etwaiger ähnlicher Erfahrungen: Suff... mit allem Drum und Dran....
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