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Sonntag, 15. März 2015

Heimweh: Grießflammerie

Kaum ein Gericht verbinde ich so sehr mit dem Wort *Heimwehküche* wie Grießflammerie. Ja, vielleicht ist es für mich sogar der Inbegriff dafür. Man möchte jetzt meinen, dass das verwoben ist mit Erinnerungen an die eigene Kindheit. Aber nein, faktisch bekam ich das als Kind selten bis nie vorgesetzt.

Mein Vater zählte zu der Nachkriegsgeneration, die als Kinder einmal zu oft satt gemacht wurden mit einem schlichten Grießbrei. Es ist daher eine Speise, die ich erst nach dem Ausziehen für mich entdeckte. Und doch habe ich mit dem Wort *Grießflammerie* direkt eine große Wohnküche vor Augen mit einem Holzofen, die kissenbelegte Eckbank um den Holztisch dazu, wo sich alles versammelt, weil die Küche einfach der kuscheligste, geselligste und wohl riechendste Raum im ganzen Haus ist. Nichts davon hat mit meiner eigenen Erlebniswelt gemein. Tatsächlich hatten meine Eltern eine dieser fiesen Küchen in dunkelbraun, abgetrennt vom Eßzimmer wegen der Gäste und den Gerüchen, in der man sich einmal im Kreis um eine Armada an Einbauschränken drehen konnte.

Grießflammerie mit Heimwehküche zu assoziieren ist also nichts anderes wie geistige Schönmalerei – die bei mir allerbestens funktioniert. Etwa wenn ich Grießflammerie löffle (oder selbst den kleinen Bruder *Grießbrei*). Und ich zweifle stark, dass man Grießflammerie viel besser machen kann, als nach diesem Rezept: Was ein Schmelz an Konsistenz. Für mich absolutes Wohlfühlessen. Es schmeckt nach schöner, geborgener Kindheit, selbst wenn man sie nicht hatte... Vielleicht aber zielt die Sehnsucht auch auf ein anderes zuhause ab, weil man ahnt, dass die Erde nicht die einzige Heimat sein kann - wie in dem Gedicht von Thomas Brasch:

Was ich habe,
will ich nicht verlieren,
aber wo ich bin,
will ich nicht bleiben,
aber die ich liebe,
will ich nicht verlassen,
aber die ich kenne,
will ich nicht mehr sehen,
aber wo ich lebe,
da will ich nicht sterben,
aber wo ich sterbe,
da will ich nicht hin.

Bleiben will ich,
wo ich nie gewesen bin.
 
Rezept für 4 Förmchen à 125ml:

250 g Milch
½ Vanilleschote
½ TL Zimt, frisch gerieben 

20 g Butter
40 g Zucker (nach Geschmack/ m: Vollrohrzucker)
Prise Salz, 

Zitronenschale
40 g Hartweizengrieß
1 Eigelb
2½  Blatt Gelatine
250 g Sahne
1 cl Rum

Zubereitung:

In einem Topf die Milch zusammen mit Vanilleschote, ausgeschabtem Vanillemark, dem Zimt, Butter, Zucker, Salz und etwas Zitronenschale aufwallen lassen. Dann den Grieß langsam einrieseln und unter ständigem Rühren etwa 5 Minuten quellen lassen. 


Den Grießbrei vom Feuer nehmen und das Eigelbe unterrühren, ebeno die eingeweichte Gelatine dazufügen und auflösen. Zitronenschale, Zimtstange und Vanilleschote entfernen. 

Jetzt den Grießbrei in eine Schüssel umfüllen und auf lauwarm abkühlen lassen. Bevor die Masse zu fest wird (30 Grad), die steif geschlagene Sahne und Rum unterrühren. 

Förmchen mit kaltem Wasser ausspülen und Grießmasse einfüllen. Gut einen halben Tag kühl stellen, damit die Masse durchziehen kann und fest wird. 

Anmerkung m: bei uns gabs dazu ein Mal diese Orangen oder in etwa diese warmen Beeren  (gebunden mit etwas Speisestärke und angereichert mit etwas Zimt und Zitronenschale).
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