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Freitag, 17. April 2015

Brennnessel-Gnocchi nach Douce Steiner

Jeder Gärtner ist vermutlich froh, um jedes Unkraut, das nicht in seinem Garten wächst - vorallem, wenn die Nutzungsgröße des Gartens überschaubar ist. Ich bin also nicht traurig, dass ich, um Brennnessel zu ernten, rübergehen muß in Nachbarsgarten, für einen Mundraub an dessen Brennnesselbestand - für das Ende meiner Frühlingskraut-Triologie mit Douce Steiner.

Trotzdem gehört die Brennnessel für mich seit Kindheit an zu einem selbstverständlichen Wald-und Wiesenbild. Wer kennt das Märchen von Hans Christian Andersen "Die wilden Schwäne" nicht, in dem die stumme Schwester ihre sieben Brüder nur erlösen kann, wenn sie sieben Hemden aus Brennnesseln fertigt. Auch in Victor Hugo's Roman "Les Miserables - Die Elenden" erhält die Brennnessel einen Auftriff, in der Szene, in der ein Mann in einem armen Dorf auftaucht, um dort die Leute zu lehren, die allverbreitete Brennnesseln zu nutzen, die nur als "Unkraut" wahrgenommen wird.

Tatsächlich zählt die Brennnessel sogar zu den großen Heilpflanzen der Allopathie - Maria Treben widmet dieser Pflanze in ihrem Heilkräuterbuch ganze drei Seiten. Brennnessel gilt u.a. als blutreinigend und blutbildend, ist verdauungsfördernd und ihr wird eine entgiftende und stoffwechselanregende Wirkung nachgesagt. Schade eigentlich, dass wir mit den Pflanzen vor unserer Haustür nur noch so wenig anfangen. Zumal es ohne Brennnessel so wunderschöne Schmetterlinge wie das Tagpfauenauge nicht gäbe.

Vor Kurzem sah ich eine Doku über den Zusammenhang von Pestiziden und dem Bienensterben - ein Thema, das schon bald seit 20 Jahren behandelt wird. Aufhorchen ließ mich allerdings dieser Satz, auch weil ich mich erschrak, dass mir das selbst seither nicht ins Auge gestochen war, nämlich als der Reporter am Ende seines Beitrags anmerkte, wie *sauber die Windschutzscheibe ihres Autos auf dem Heimweg* blieb. Stimmt. Früher mußte man bei längeren Autofahrten die Scheiben regelmäßig *freikratzen*, so verklebt waren sie von all den Mücken und Fliegen. An den Tankstellen standen dafür auch immer extra Scheibenwischer bereit.

Die Bienen haben mit den Imkern eine Lobby, die sich um ihren Schutz müht. Aber wer setzt sich ein für all die anderen - augenscheinlich vielleicht nutzlosen - Fliegengewichte, die einen Großteil der Artenvielfalt ausmachen? Und kann man die Uhr überhaupt noch rückwärts drehen, oder haben wir uns mit dem Artensterben - im Großen wie Kleinen - längst abgefunden?
Zutaten 2P*:

500g Kartoffeln, mehligkochend mit Schale (m: Mona Lisa)
1 EL Meersalz
100g junge Brennnesselblätter, gewaschen*
1 Eigelb
2 EL Mehl
20g Parmesan, fein gerieben
Salz, Pfeffer
Muskatnuss
50g Butter
4 Brennnesselblätter, ungewaschen
3 EL Pflanzenöl

Zubereitung:

Den Backofen auf 160° (OU-Hitze) vorheizen. Die Kartoffeln (ca. 5 Stück) zusammen mit dem Meersalz in eine feuerfeste Form setzen und ca. 1 Stunde lang garen.

Die Brennnesselblätter vom Stiel entfernen (m: mit Handschuhen), waschen und in Salzwasser blanchieren (etwa 3min). Mit eiskaltem Wasser abschrecken. Die Brennnesselblätter sorgfältig ausdrücken (so trocken wie möglich) und sehr fein hacken.

Die Kartoffeln schälen und noch warm durch die Kartoffelpresse drücken. Das Mehl, das Eigelb, den Käse sowie die gehackten Brennnesseln zufügen. Mit Salz, Pfeffer und Muskat abschmecken. Mit dem Holzlöffen (m: mit den Händen auf meiner Arbeitsfläche) einen homogenen Teig herstellen.

Den Teig auf einer bemehlten Arbeitsfläche dritten und nacheinander zu Rollen von etwa 2cm Dicke formen. Stücke von 2-3cm Größe abschneiden und mit den Händen zu Gnocchi rollen (m: kugelig geformt). Wer mag rollt sich auch über ein Gnocchibrett oder drückt sie mit einer Gabel ein.

Die Gnocchi in reichlich Salzwasser etwa 1min kochen (bis sie nach oben steigen). Auf einem leicht geölten Backblech zwischenlagern und mit Folie abdecken.

Vor dem Servieren die Butter bräunen und die Gnocchi darin schwenken.

Als Dekoration die 4 Brennnesselblätter in dem Pflanzenöl geweils von beiden Seiten ca. 5 Sekunden frittieren (werden sehr schön gläsern - sowohl im Geschmack wie in der Konsistenz).

*Anmerkung m: sehr schöne, kartoffelig-luftige Gnocchi

Die Brennnessel lassen sich durch Bärlauch oder Basilikum ersetzen. Man kann diese Kartoffelgnocchi ebenso mit Thymian, Majoran oder Rosmarin parfümieren.
... ein mindestens ebenso entspanntes Wochenende euch allen...
Quelle: Douce Steiner - Meine leichte Küche
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