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Mittwoch, 14. Juni 2017

Frei sein: Gugelhupf mit Joghurt und Johannisbeeren

Mich rührte die kleine Geschichte an, die Maximilian in seinen 12ern versteckte: mit Kreide die wenigen Buchstaben *Frei sein* auf den Bürgersteig zu kritzeln, die vom nächsten Regen fortgespült werden, stellt erstaunlicherweise eine Ordnungswidrigkeit dar. Soso, eine Ordnungswidrigkeit...

Wie symbolisch das ist, oder? Mit einer solch gänzlich unbedeutenden Aktion erreicht man berreits die Grenzen der Freiheit. Und touchiert diese kleine Botschaft nicht eine der Grundsehnsüchte des Menschen: frein sein zu wollen?

Kinners, was war das für ein Freiheitsflash, als ich zum ersten Mal alleine im Auto saß! Endlich Führerschein! Ich dachte, ALLE müßten mich sehen, und dann denken: da schau an, die Kleine ist jetzt unabhängig. Abhauen zu können, und mich dafür nur ins Auto setzen zu müssen, das war für mich das ultimative Marlboro-Gefühl! Fenster auf, Motor an, Mucke an und weg war ich! Es hielt viele Festtage an, dieses Gefühl der weiten, offenen, endlosen Prärie um mich!

Oder wenn ich - als ich noch in meinem 8-Stunden-Arbeitesverhältnis lebte - meinem Arbeitgeber einen Tag stahl, um blau zu machen. Wie oft kam das vor in all den Jahren? Es läßt sich an einer Hand abzählen. Aber dieses Gefühl, mitten in der Woche Zeit für mich und zu meiner eigenen Gestaltung zu haben, fühlte sich an wie ein Geschenk - Momos Zeitsparkasse abgetrotzt...

Klar, wenn wir winters unterwegs auf Reisen sind, das ist jedes Mal eine ganze Epoche der Selbstbestimmung. Und direkt rutscht mir auch Emily Ruete wieder durch den Sinn, die Prinzessin aus dem sansibarischen Sultanspalast, die der Liebe und einer Schwangerschaft wegen in Deutschland strandete und die schon vor über hundert Jahren von einer Überreglementierung der deutschen Gesellschaft sprach - für sie gleichgesetzt mit Gefängnisgitterstäben.

*Frei sein* mit Kreide auf den Gehweg geschrieben, stellt also eine Ordnungswidrigkeit dar. Doch, das nehme ich als pars pro toto.

Und damit mir dieser Post heute nicht zu nachdenklich oder gar zu traurig gerät, gibt es ein süßes Widerlager dazu: einen Kuchen mal wieder mit schwerer Schlagseite Richtung Brownie. Er ist wie gemacht, um damit vor die Hütte zu gehen, um damit mit Kreide auf den Boden - Scherzken - , um damit ins Schwimmbad zu gehen, auf die Parkbank oder Hauptsache irgendwo, irgendwie nach draußen. An der frischen Luft fühlt es sich gleich von ganz alleine ein Stückchen freier an...

Zutaten:

320g Mehl
30g Speisestärke, gesiebt
1 TL Backpulver
250g Butter, weich
5 Eier, getrennt 
230g Zucker (m: Rohrzucker)
200g Joghurt, natur
50g Crème fraîche
1 Vanillestange, das Mark davon
1 Pr Salz
250g Johannisbeeren

Zubereitung:

Die Butter mit dem Zucker und dem Vanillemark sehr schaumig rühren. Die Eidotter einzeln unterrühren. Mehl mit Backpulver vermischen, sieben und abwechselnd mit Joghurt und Créme zur Buttermasse geben. Eiweiß mit einer Prise Salz zu Schnee schlagen und unter die Teigmasse heben. Zuletzt die Johannisbeeren untermengen.

Den Teig in eine gefettete, bemehlte Gugelhupfform füllen und im vorgeheizten Backrohr bei 175°C ca. 60 Minuten backen.  Nach drei Viertel der Backzeit eventuell mit Folie abdecken.

Den Gugelhupf etwa 20m in der Form auskühlen lassen, dann stürzen und mit Puderzucker bestäuben.

175° (O/U-Hitze) ca. 60-65min

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