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Freitag, 16. Juni 2017

Nimm' das, du Schurke: Tagliatelle mit Knoblauch und Erbsen

Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass wir in einer Gewalt verherrlichenden Zeit leben. Was ist da los im Fernsehen? Krimis wie Sand am Meer. Tagtäglich. Oder diese ganzen Serien auf Netflix und Konsorten - alle eint die minutiöse Darstellung von Gewalt, die sich zusätzliche durch besondere, nie da gewesene Grausamkeit im Detail auszeichnet. Wer will das sehen?

In allen Industrieländern wird irgendwann begonnen zu hinterfragen, was man konsumiert, wen oder was das unterstützt und mit welchen (schädlichen) Folgen. Warum gilt das nicht genauso für den geistigen Konsum?

Im Zuge einer Säuberungsaktion beschlossen der Habib und ich schon vor einer langen Weile, dass wir uns diesen *Genuß* versagen. Es wird nix mehr gelesen oder angeschaut, was Brutalität enthält. Alle Inhalte, in denen Lebewesen gequält werden, schlicht boykottiert. Psychische und mentale Gewalt mitgerechnet. Der bad energy wegen. Und um ein wenig mit Mahatma zu leben: *Sei du selbst die Veränderung, die du dir wünscht für diese Welt.* Ihr versteht schon, dieses Pazifismus-Dingens. Und deswegen bin ich noch lange nicht konfliktscheu oder ein Hasenfuß. Das Wesen jeder Beziehung ist schließlich die Auseinandersetzung. Dabei bleiben Verletzungen nicht aus. Nur schaue ich heute viel genauer, wen ich in meine Peripherie, in meinen inneren Kreis lasse. Aus dem einfachen Grund, weil ich wie früher als Kind beim Fangenspielen ein Haus brauche. Ein Haus in dem Frieden herrscht, der nur durch Freiheit möglich ist. Sollen sie sich doch sonstwo die Köpfe einschlagen, sich gegenseitig verklagen oder psychisch unter Druck setzen. Das liegt außerhalb meiner Verantwortung, außerhalb meiner Einflußzone.

Viel lieber koche ich eine Pasta, für die man ein Kerl sein muß wie Bud Spencer. Hier gibts ordentlich was auf die Erbse (Achtung Spoiler!). Bei einer Knolle Knoblauch pro Person darf man keine Flachpfeife sein. Sogar in Südfrankreich nicht. Und ich fühle mich ja doch ein bißchen als Knoblauchabgesandte - so mitten in der Drôme, dem Anbaugebiet für den weltbesten, lila Knoblauch. Was ist diese Sauce herrlich. Von hier mit den Böhnchen habe ich sie wieder aufgegriffen - nur sorgfältiger püriert. 

Ich hätte mit den Fingern den Teller auswischen können. Auch wenn sie es dermaßen in sich hat, schmeckt man den Knoblauch nicht vor (kaum zu glauben, oder?) Ganz in der Tradition der Mantel-und-Degen-Filme serviere ich die Tagliatelle. Mit der Wucht der Knolle im Rücken stelle ich die Pasta vor den Habib auf den Tisch mit einem kaltblütig ausgestoßenem: *Voilà, nimm' das, du Schurke!*


Zutaten 2P:

Pasta
110g Mehl (m: Dinkel 630)
90g Hartweizenmehl
2 Eier
Salz
1 EL Öl

2 Knollen Knoblauch
2 TL Weißweinessig
2 TL Senf (m: Orangensenf)
1 TL Honig (m: Thymianhonig)
1 EL Thymian, fein gehackt
ca. 50ml Olivenöl*

250g Erbsen

Zubereitung:

Die Pasta wie hier beschrieben verarbeiten, zu Stufe 6 von 7 auswellen, auf der Arbeitsfläche noch etwas dünner und schließlich zu Tagliatelle schneiden. Auf einem sauberen Küchentuch ausbreiten.

Den Ofen auf 180° vorheizen. Den Knoblauch jeweils in Backpapier stecken und gut mit Küchengarn verschließen. Für ca. 25min im Ofen garen und abkühlen lassen.

Parallel dazu die gepalten Erbsen blanchieren (kurz kochen und kalt abschrecken). Nun einen großen Topf mit reichlich Salzwasser zum Kochen bringen.

Die Knoblauchzehen aus der Schale lösen und mit einer Gabel zusammen mit dem Weißweinessig zu einer homogenen Paste zerdrücken. Honig und Senf zufügen und gut verrühren. Das Öl wie beim Mayonnaise machen in dünnem Strahl langsam unter konstantem Pürieren anschütten bis die Crème andickt. Abschmecken und eventuell noch etwas Essig zugeben. 

Zeitgleich die Pasta al dente garen und beim Abschütten etwas Nudelwasser auffangen. Die Sauce mit den Erbsen und der Pasta auf kleinem Feuer vermengen. Mit dem Nudelwasser die Konsistenz auf besonders cremig justieren und servieren.

*Anmerkung m: Die Menge des Olivenöls war möglicherweise auch deutlich weniger. Ehrlich gesagt habe ich es nicht genau abbemessen, sondern einfach angeschüttet. Die Knoblauchcrème bekommt direkt Bindung - es braucht also gar nicht eine große Menge an Öl.
Knoblauchernte
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