SOCIAL MEDIA

Sonntag, 23. September 2018

falsche Freunde: Chicorée-Tarte-Tatin


Falsche Freunde enttarnen sich vor allem ausgenüchtert. Man hatte eine falsche Vorstellung von jemandem im Kopf, der sich im entscheidenden Moment als andere Person entpuppt. Mit Alkohol lassen sich solche Erfahrungen meist vermeiden, wechselt man von Deutschland nach Frankreich kommt man um derlei Erlebnisse nicht herum. Und zwar sprachlicher Natur. Zumindest bezeichnet mein Wortschatz-Buch eine ganze Rubrik dementsprechend...

Wie sehr mich die Verkreuzung dieser beiden Sprachen schon ins Stolpern brachte - und das immerhin mit Leistungskurs im Rücken - man kann es sich nicht ausmalen. Ach, das Leben, es ist voller kleiner Tücken. Nehme ich doch als erstes Beispiel mal das Wort *Negligée*. Kennt fast jeder Deutsche - klar, das schicke Fränzi-Wort für Reizwäsche, beziehungswiese diese kleinen, zarten Nachthemdchen mit Spaghettiträgern. Ihr seht es vor euch. Aber von wegen. In dem Zusammenhang weiß kein Franzose, von was die Rede sein soll. Das Wort gibt es wohl. Als Adjektiv und bedeutet dann *verwahrlost*. Also etwas KOMPLETT anders.

Oder nehmen wir das *Parterre*. Ein gängiges Wort im deutschen Sprachgebrauch - eindeutig entlehnt aus dem Nachbarland. Tja, nur übersetzt man das hier mit Blumenbeet und mitnichten mit Erdgeschoß. 

Ein weiteres sehr populäres Beispiel mit hübschem Fallstrick meint in einem Land (Deutschland) ein Gebäckstück: *un baiser*. Klingt französisch, wird französisch ausgesprochen, ist auch französisch, bedeutet allerdings *Kuss*. Die entsprechende Süßigkeit heißt hier einfach *une meringue*. Einen Stolperstein, den die ein oder andere vielleicht bereits kennt. Tsss, aber es gibt derer noch einige mehr.

Mein populärster Verdreher, der mich anfangs in Frankreich wiederholt stuzig machte, ist eine klassische Überkreuzstellung. Allerdings fühlt es sich an, als hätte man eine Vokabel falsch abgespeichert. Das Bild passt nicht zum Wort. Und zwar wird die heutige Tarte in Frankreich mit *Tarte Tartin aux endives* übertitelt. Chicorée heißt in Frankreich *endive* und Endivien wiederum *chicorée*. Bis heute muß ich mich zwicken, wenn es um diese beiden Salatsorten geht. Obendrein kann Chicorée auch noch Getreidekaffee meinen, das liegt aber mit am Ursprung dieses Kaffees, der aus dem wilden Chicorée, der Wegwarte, gezüchtet wurde.

So, ich hoffe, ich habe euch tüchtig verwirrt. Nun wird wieder entknotet und zwar mit dieser köstlichen Tarte Tatin, die sowohl als schönes Mittagessen für zwei Personen wie als Vorspeise für 4-6 Personen funktioniert. Regelrecht angefüttert wurde ich damit, denn ein lieber Feriengast (coucou Corinna) verwöhnt uns damit als Entrée für ein feines Menu. Ja, wer denkt, dass hauptsächlich ich versuche Feriengäste gelegentlich kulinarisch zu verwöhnen, der irrt. Das dreht sich immer wieder - ganz zu meiner Freude!


Zutaten - Form 24cm:

Teig:
70g Einkorn-Vollkorn
100g Dinkel 630
Salz
85g Butter, kalt
1 EL Quark
1 TL Thymian
Chili-Flocken

3-4 kleine Chicorée
1 EL Butter
1 EL Zucker (m: hellbrauner Rohrzucker)
1 TL Fenchelsaat (m: grob gemörsert)
Abrieb 1 Zitrone
flambiert mit Pastis
1 Knoblauchzehe
1 Schalotte
1 EL Korinthen (m: vergessen)
Salz, Pfeffer

Zubereitung:

Ofen auf 200° vorheizen. (m: Intensivbacken)

Die Butter in kleinen Flöckchen wie gewohnt mit den restlichen Zutaten unter das Mehl vermengen und mit wenig kaltem Wasser zügig zu einem glatten Teig verkneten. In Folie wickeln und mindestens 1 Stunde im Kalten ruhen lassen.

Chicorée rüsten, d.h. halbieren und den Strunk keilförmig rausschneiden. Knoblauch und Schalotte fein würfeln. Korinthen etwas in heißem Wasser einweichen.

Zucker zusammen mit der Butter in einer Pfanne schmelzen lassen und leicht karamellisieren lassen, restliche Zutaten zufügen, zuerst kurz Gewürze samt Schalotte und Knoblauch. Dann die Chicorée mit der halbierten Seite nach unten dazu setzen und mit einem guten Schuß Pastis flambieren.

Die Tarteform buttern, zuerst die Hälfte der Gewürze auf den Boden geben, dann den Chicorée dicht an dicht darauf verteilen, die restlichen Gewürze (ganzer Pfanneninhalt) sowie die Korinthen (die ich an der Stelle vergaß).

Teig etwas größer als Tarteform auswellen und darüber legen - dabei die Ränder nach innen krempeln. Mit einer Gabel mehrfach einstechen.

In den heißen Ofen schieben (2. Schiene von unten). 20min bei 200° backen und weitere 20min bei 180°. Aus dem Ofen nehmen und auf eine Platte stürzen.

Inspiration: Corinna bzw. Brigitte

.... mehr salzige Tarte-Tatin - bitte hier entlang....


Kommentare :

  1. Die Korinthen würde ich auch weglassen. Oder ähnlich fruchtig ersetzen. ich hatte neulich Chicoree (die deutsche Variante wie in deiner tarte Tatin) mit einem Klacks Vogelbeer-Mirabellenmarmelade versetzt, im Ofen gebacken. Das passt gut zum herb-sülichen Chicoree. Die Tarte Tatin gefällt mir gut. Die werde ich definitiv mal nachbacken. Danke fürs Rezept und die Aufklärung in Sachen deutsch-französischer Missverständnisse. :-)

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Die Korinthen, Peggy, hatte ich lediglich vergessen. Könnte sich dabei allerdings um ein *Freudsches Vergessen* gehandelt haben ;-) Obwohl sie gut dazu passen. Beim ersten Mal essen hatten sie mich überhaupt nicht gestört - im Gegenteil. Dein Chicorée-Rezept klingt auch toll!

      Löschen
  2. Hihi, die falschen Freunde! Beim Malzkaffee nannte man das früher hier Zichorije...da war es nicht so leicht zu verwechseln! Tolle Tarte, muss ich nach machen. Danke! A la prochaine!Bises! Sunni

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Oh, *Zichorije* - was ein hübsches Wort. Noch nie gesehen oder gelesen. Danke fürs Anfügen, Sunni! und viele liebe Grüße...

      Löschen
  3. Liebe Micha, oja die "falschen Freunde" haben mir bei den Fränzis auch schon mal ein glibberiges Gelatinegebilde statt der ersehnten warmen Suppe "Terrine" serviert... Diese Tarte Tatin lacht mich wieder mal unglaublich an und wird sicher nachgebacken! Liebe Grüße von Hannah (vorgestern sind wir nun umgezogen und freuen uns an unserem Zuhause)

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Wie witzig, Hannah! Tsss, astreines, klassisches Missverständnis :)

      Und zum Einzug reiche ich virtuell und mit den allerbesten Wünschen für die Zeit im neuen Heim Brot und Salz. Gabs nicht obendrein auch noch traditionell ein paar kleiner Münzen - damit das Geld auch nie ausgeht?
      liebe Grüße!

      Löschen
    2. Danke, liebe Micha, für dein virtuelles Einzugsgeschenk - nicht nur wegen des guten Brotes hätte ich dich gerne als Nachbarin :-) Ganz real brachten nette Nachbarn aber tatsächlich Brot und Salz andere Blumen zum Einzug. Das sind doch wirklich schöne Traditionen...
      Bücherregal und Küche stehen bereits gut da, insofern konnte ich diese Tarte gestern flink backen und ich muss sagen: Sie ist wunderbar! Sie ist NOCH BESSER als sie aussieht! Die wird wieder gemacht! Danke fürs Teilen! Liebe Grüße von Hannah

      Löschen
  4. Liebe Micha,
    meine letzten Tarte Tatin-Versuche waren leider nur mittelprächtig erfolgreich, aber vielleicht versuche ich es mit dieser einmal wieder. Meine Familie mag Chicorée deutlich weniger als ich, aber das Rezept ist einen neuen Überzeugungsversuch wert.
    Aber was macht eigentlich das inzwischen schon oft von Dir angepriesene Programm „Intensivbacken“? Und was mache ich alternativ mit meinem 13 Jahre alten Ikea-Backofen, der einfach nicht kaputt gehen will?
    Liebe Grüße
    Sylke

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Mit meinem mittlerweile kleinen Repertoire an salzigen Tarte Tatins stelle ich mich eindeutig auf die Fan-Seite. Und ja, Chicorée, das liegt bei mir mit am Rezept, ob ich den wirklich mag oder nicht.

      *Intensivbacken*, Sylke, ist eine Funktion, die mein Ofen anbietet und dann mit vermehrter Unterhitze backt. Das nutze ich gerne bei Tartes. In diesem Fall habe ich mich aber verschrieben - danke für den Hinweis, denn bei Tarte Tatins ist es nicht unwichtig, dass die von oben gut Hitze abbekommen. Ich korrigere... und zwar in O/U-Hitze auf der mittleren Schiene - das sollte dein Ofen auch hinbekommen, oder ;)
      liebe Grüße....

      Löschen
    2. Ha! Mein oller Backofen hat eine „Pizzafunktion“ mit Umluft und verstärkter Unterhitze! Manchmal ist halt nur die Frage, welchen Namen das Kind hat... ;-)
      Liebe Grüße, Sylke

      Löschen
  5. Mensch, was sieht DIE lecker aus!! :-D Ich freu mich! Ganz liebe Grüße, Corinna

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Was freue ich mich erst, liebe Corinna, dass ich sie bei dir kosten konnte. War ein schöner Abend zusammen! Tja, und ich war volle angefüttert! Eine tolle Tarte Tatin fürs Standart-Repertoire! herzliche Grüße.... an alle ;)

      Löschen

Wenn du auf meinem Blog kommentierst, werden die von dir eingegebenen Formulardaten (und unter Umständen auch weitere personenbezogene Daten, wie z. B. deine IP-Adresse) an Google-Server übermittelt. Mehr Infos dazu findest du in meiner Datenschutzerklärung und in der Datenschutzerklärung von Google.