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Sonntag, 16. Juni 2019

Drückeberger-Brot im Mohnfeld


*Wir fürchten den Tod, weil wir das Leben nicht verstehen* - ein Satz, der mir direkt beim Lesen quer steckte. Ich kaute auf ihm herum, bis ich mich schließlich beim Habib über ihn beschwerte. Er verstand mich sofort (ach, gibt es etwas Süßeres als echtes Verständnis?).  Hey, der Satz ist eine feiste, faule Ausrede! Direkt fiel mir Rilke ein: *Du musst die Welt nicht verstehen, dann wird es werden wie ein Fest.* Rilke wird den Bogen dann in eine andere Richtung weiterziehen, aber nimmt man den Zweizeiler für sich heraus, dann untermauert er meinen Einstiegssatz für alle Bewußtseinsverweigerer. Vogelstrauß-Methode. Mein Name ist Hase. Augen zu und durch. Ins Blaue hinein. Irgendwie wird das Kind schon geschaukelt. Das ganz große Spiel der Willkür.

Denn zweifelsohne: *Lebt man mit der Schlichtheit einer Amöbe, dann angelt man sich von Feierlichkeit zu Feierlichkeit. Was ist ein Leben ohne Pausen? Hoch die Tassen und *Santé, Bonheur!* Woran soll man sich auch sonst halten. Verkatert macht sich sowieso kein Mensch gerne einen Kopf über irgendetwas.

Meine Großmutter meinte einst zu mir, als ich gerade in die Pupertät rutschte: *Du musst aufpassen, dass du deine Stirn nicht so oft in Falten wirfst. Männer mögen keine Frauen, die die Stirn runzeln.* Tja, und die Oma behielt zumindest insofern recht, alsdass das Leben nicht hübscher davon wird, wenn man darüber grübelt. Aber den Habib schreckten meine Stirnfalten nicht.

Bref, dass sich viele keine Gedanken machen wollen über den Sinn des Lebens und tiefere Zusammenhänge, habe ich lange entschuldigt. Der Mensch ist zu abgelenkt/ zu sehr mit anderen Dingen beschäftigt/ zu überfordert/ zu eitel/ zu hochmütig/ zu unentschlossen/ zu rauschhaft, egozentrisch, ängstlich, sprunghaft...  Kann ja mal passieren - aber ein ganzes Leben lang? Warum all die schalen Ausflüchte durchrutschen lassen? *Alle Menschen auf Erden sind der Unendlichkeit und der Ewigkeit bewußt. Der Unterschied zwischen ihnen besteht nur darin, in welchem Grad den einzelnen dieses Bewußtsein erschüttert* (Arthur Schnitzler). Heißt mit anderen Worten: Wenn wir in den Sternenhimmel schauen, dann wissen wir alle, dass es noch viel mehr gibt, als das, was heute für erwiesen gilt. Die Frage ist: wie sehr sind wir fähig, uns zu Größe in Beziehung zu setzen. Und hier trennt sich Spreu von Weizen: der eine stellt sich, der andere weicht aus.

Und ja, je mehr man sich auf die Suche, also wirklich auf die Suche nach Antworten macht, umso mehr Konsequenzen werden sich auftun. Dadurch wird das Leben ernster. VIEL ernster. Und unbequemer. Doch man erhält mehr und mehr eine Vorstellung davon, wie die Dinge miteinander zusammenhängen. Und so ergibt dann eins das andere: man wird aufmerksamer, achtsamer, bewußter. Gerade das Bewußtsein macht den großen Unterschied! Ohne Bewußtsein gilt alles überhaupt nichts.

*Was nicht Bewußtsein wird, ist nicht gelebt* (Friedrich Löchner).

Aber warum nur scheut der Mensch das Bewußtsein derart und zieht es vor, sich weiter und weiter zu verstricken - in Geschichten, die wie sonambul gehäkelt werden? Wie heißt es so hübsch: *Die Evolution ist verschwenderisch*. Vielleicht reicht es der Evolution, wenn lediglich ein paar Qualquappen zu Fröschen werden? Und wer will das überhaupt wissen?


Zurück zum Tagesgeschäft. Zurück zu den kleinen Brötchen, beziehungsweise dem Brot des Tages, welches nur den heutigen Gedanken zuliebe zum Drückeberger-Brot gemacht wurde. Vielmehr handelt es sich um ein Bauernbrot, das an meine Vorlieben angepaßt ist. Üblicherweise essen wir an einem halben dieser Laiber etwa 3 bis 4 Tage. So schaue ich, dass ich eine gute Frischhaltequalität erhalte.  Und die bekomme ich durch die Beigabe von etwas Einkorn-Vollkorn und Kartoffeln sowie dem Parken in Kühlschrank für 4-5 Stunden - eine Zubereitung, auf die ich mich eingeschossen habe ob der zufriedenstellenden Ergebnisse.

Zutaten - 2 Laiber:

Sauerteig:
140g Ruchmehl
140g Wasser
14g Weizen-ASG (aufgefrischt)

Brühstück:
80g Einkorn-Vollkorn
200g Wasser, kochend

Hauptteig:
Sauerteig
Brühstück
180g Einkorn-Vollkorn
330g Ruchmehl
300g Weizen 550 (m: T65)
100g Kartoffeln, gekocht
19g Salz
4g Hefe
300ml Wasser (+50ml)

Zubereitung:

Sauerteig rechtzeitig (morgens) durch Hefeführung schicken, Sauerteig ansetzen, Brühstück ansetzen. Sauerteig abgedeckt warm stellen, Brüstück abgedeckt kühl.

Alle Zutaten des Brotteiges miteinander vermengen (Kartoffeln fein gerieben) und den Teig etwa 8-10min kneten - die 50ml Wasser je nach dem wie der Teig die Flüssigkeit aufnimmt schlückchenweise zugeben.  In eine geölte Schüssel umfüllen, direkt 1x falten und 20min ruhen lassen, 2.Mal falten und weitere 20min ruhen lassen.

Den Teig auf einer bemehlten Arbeitsfläche rund wirken und mit dem Schluß nach oben in ein rundes vorbereitetes Gärkörbchen verfrachten. Abdecken und 10-15 min entspannen lassen, dann für ca.5 Stunden in den Kühlschrank stellen zur langen Gare. Ofen mit Backstein gut vorheizen. Einschneiden, auf einen Schieber stürzen und in den Ofen schieben.

Mit Schwaden einschießen: 10min bei 250°, 15min bei 225°, 25min bei 200°, 15min bei 190°, 5min bei Umluft und leicht offener Ofentür.








Kommentare :

  1. Das ist doch eine gue Idee und passt 1A auf meinen Mittagstisch!!

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  2. Herzlichen Dank. Ja diesem Einzelgängerweg in Richtung mehr Bewußtsein zu gehen erfordert viel Mut und tägliches Backen kleiner Brote gleichzeitig. Schön und stärkende zu lesen, daß andere wie Du ähnliche Wege gehen...

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    1. Auch wenn man alleine versucht seinen Weg zu finden, tut etwas Rückenstärkung trotzdem gut - aber ich glaube, wir verstehen uns ;)

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  3. Dein Brot ist schon schön, aber die Mohn-Fotos! Hach! Ich schmelze dahin ...

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    1. Liebe Susi, ich schmelze bei Klatschmohn einfach auch dahin ;)... liebe Sonntagsgrüße...

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