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Sonntag, 6. Oktober 2019

Erntedank: Eintopf mit Zucchini, Paprika und roter Quinoa


Gemeinsam mit einer Kindergartenfreundin stellten wir fest, dass wir nun mittelalt sind. Also die Jugend liegt zweifelsfrei hinter uns. Jugend! Pfffhhh..., nichts, dem ich hinterher trauere - ich hatte es bereits davon. Für mich gesprochen bin ich heute so zufrieden, fit, ausgeglichen und selbstbewußt wie ich es mir mit 20 nicht hätte träumen lassen. Das tausche ich absolut gerne gegen etwas gedellte Knitterei ein.

Aber nicht nur physisch macht sich das Alter bemerkbar. An vielerlei Dingen kann ich festmachen, dass ich aus einem anderen Jahrhundert stamme. Vieles ändert sich und zeigt sich etwa in der Sprache. Ein lustiges Beispiel war für mich, als ich einen Sticker in der Brusttasche meiner Uralt-Jeansjacke entdeckte (den ich selbstredend einst getragen hatte) mit der Aufschrift *Popper - nein, Danke!* Müsste ich das der Jugend erklären oder würden die das noch verstehen? Hipster stehen schließlich für etwas ganz andere wie Popper, selbst wenn sie eine gemeinsame Schnittmenge haben (unter anderem in der überwiegenden Mehrzahl zu sein). Das Schöne an treffenden Begriffen ist ja eigentlich, dass sie selbsterklärend sind und keinerlei Ausführung bedürfen, sondern das Gegenüber von sich aus weiß, was gemeint ist.

Amüsant ist es auch für mich, über derlei mit dem Habib zu sprechen, der wiederum nochmals aus einer anderen Generation stammt wie ich. Er nennt Bands immernoch Kapellen so wie ich Clubs nachwievor Disco (wobei ich höchstwahrscheinlich noch nie in einem Club getanzt habe - mit dem die Nächte um die Ohren hauen, hörte ich vorher auf). Bref: Sprache kennzeichnet Zeitgeist. Dieser Tage erzählte ich ihm, dass früher in meiner Mädelsclique eines der vernichtesten Urteile über einen Typen war: *Das ist voll der Poser.* Einer, der nur dicke Arme macht - sonst nichts dahinter. Wie die braun angesprühten Bodybilder in knappen Höschen: alles nur Kasperei und Selbstdarstellung.

Und anhand von dieser Bezeichnung könnte man wohl fast von einem Paradigmen-Wechsel reden. Das hat sich doch heute mit den Social Media fast ins glatte Gegenteil gedreht, oder? Selbstvermarktung als trainierte Kernkompetenz. Klar, gilt nicht für alle - aber die Gefahr ist groß, dass vorne viel Gebläse ist und dahinter kein Windchen weht... Außen hui - innen pfui. Hauptsache, die Präsentation stimmt.


Woran ich ebenfalls merke, dass ich älter werde, ist, dass ich konservative Neigungen an mir feststelle. Erntedank - welches wir heute feiern - ist eine Tradtion, die ich gerne pflegen und hochhalten möchte. Verschwunden ist Brauchtum wie das Läuten der Kirchenglocken eine Stunde früher, umso den Wechsel von Sommer- zu Winterzeit zu verkünden, wie es in zahlreichen Ortschaften bis zum zweiten Weltkrieg Usus war (hier in Frankreich läuten die Kirchenglocken sowieso nur noch äußerst selten). Oder kann sich noch jemand an die Umzügen mit geschmückter Wägen durchs Dorf zu Ehren des Erntedankfestes erinnern, von denen mir meine Großmütter erzählten? Alles längst vorbei.

Klassisch wäre zu Erntedank, ein Brot oder ein Hefezopf vorzustellen - die werden morgen in meinem extra zu Feier des Tages zusammengestellen Herbst-Special für euch auftauchen. Ich habe mich für heute für einen dieser wohltuenden Eintöpfe entschieden, die ich eigentlich zu jeder Jahreszeit gerne esse, aber die eben besonders gut in den Herbst passen. Selbst wenn das dazu passende Wetter mit tiefhängenden Wolken und dicken Regentropfen weiterhin bei uns ausbleibt.

Zutaten 2-3P:

600g Zucchini (m: grün/ gelb)
50g roter Quinoa*
1 Gemüsezwiebel
2 Knoblauchzehen
1 rote Paprika
200g Gemüse-Confit*
1 El Tomatenmark
1 Schuß Portwein
1 TL Paprika-Pulver
1/4 TL Pimenton dela vera
Harissa
1 EL Tamari-Sauce
1 TL Oregano, getrocknet
200g Kokoscrème
ca. 150ml Gemüsebrühe
Salz, Pfeffer
Kokosöl

Zubereitung:

Quinoa in 250ml Gemüsebrühe 10min bei kleiner Flamme und geschlossenem Deckel köcheln lassen. 

Die Gemüsezwiebel vierteln und in feine Streifen schneiden. Die Zwiebelstreifen mit Geduld im Kokosöl dünsten, bis sie golden und glasig sind. Dann die in kleine Stücke geschnittene Zucchini sowie den fein gehackten Knoblauch zufügen. Ebenfalls kurz mitrösten.

Paprika entkernen - und diese entweder unter dem Grill häuten oder mit einem Sparschäler schälen - in Streifen schneiden und ebenfalls zufügen. Das Tomatenmark kurz anbraten. Mit einem Schuß Portwein ablöschen. Die Kokosmilch untermischen, die Gemüsebrühe (schluckweise, um sich an die gewünschte Konsistenz annähern) ebenfalls anschütten, außerdem die Gewürze zufügen und den gegarten Quinoa. 

Etwa 15-20min sanft garen und zuletzt mit Harissa, Salz und Pfeffer abschmecken.

Anmerkung m: Zucchini lässt sich auch durch Kürbis austauschen/ das Gemüse-Confit durch eine Dose Tomaten oder aber auch durch 2 EL Ajvar oder durch mit Paprika verköchelte Ofentomaten/ Quinoa ließe sich auch durch die gleiche Menge gegarter Hirse ersetzen -  schmeckt ebenfalls super!


Kommentare :

  1. Vielen Dank für das Rezept liebe Micha, das sich so lecker anhört! Ich liebe Eintöpfe und bei uns passt das Wetter bestens dazu und Variationen sind willkommen. Über Erntedank habe ich mir auch so meine Gedanken gemacht: gefühlt wird früher geerntet und das Datum passt nicht mehr so ganz in die Zeiten des Klimawandels. Da wir im Überfluss leben, gerät der Dank auch eher unter die Räder. Wer nicht selbst etwas anbaut, macht sich um die Mühe, Arbeit und auch Sorgen hinsichtlich der Ernte einfach keine Gedanken mehr. Und sowieso soll es immer heiß/warm genug sein, damit die Laune und die (Konsum-)Party stimmt - wer will schon Regen?! Absolut uncool! Kann man in jedem Wetterbericht in den Medien verfolgen - er ist nicht mal ansatzweise objektiv - das Vokabular ist bei Regenwetter einfach negativ besetzt. In unserer Familie gab es aus den "Früchten" des Gartens ein Erntedank-Essen. Das Thema ließe sich weiterspinnen und passt zu vielen aktuellen Diskussionen. Du passt mit deinem schönen Kleid (?) im Hintergrund fabelhaft zum Anlass und zum Eintopf :-) Lieben Gruß, Susanne

    PS:Die Glocken läuten bei uns übrigens noch und für alle, die mit Erntegut in die Kirche kamen, gab es sicherlich auch einen Segen.

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    1. Das nehme ich ganz ähnlich wahr wie du, Susanne! Wie stark war den das Thema *Erntedank* in den Medien vertreten? Man will den Planeten retten, das Klima verbessern - aber mit Natur trotzdem so wenig wie möglich zu tun haben. Macht schließlich nur Arbeit, zerissene Klamotten und dreckige Hände. Ja, ist tendenziös formuliert - aber mir wärs auch lieber, wenn das KEIN Trend wäre...

      Vielen Dank also für deine Wortmeldung (und Unterstützung) - es freut mich immer, wenn meine Leser/innen meine Gedanken weiterknüpfen... oder überhaupt ihre eigenes Erleben damit (für mich) laut machen!

      viele liebe Grüße zurück

      PS: das Kleid habe ich vor vielen Jahren von einer Feriengästin geschenkt bekommen (coucou Stefanie) und trage es immer mal wieder gerne. Besonders, wenn es so gut zum Essen passt :)

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