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Donnerstag, 21. November 2019

Ni lard ni cochon: Zuppa frantoiana


Ein echter Erwachsener - also jetzt nicht altersmäßig beurteilt - strebt Richtung Bewußtheit und Eigenverantwortung. Der Freiheit zuliebe. Bref: die Welt des Erwachsenen ist die Welt der einsamen Entscheidungen - abgewogen vor dem eigenen Gewissen.

*Ach*, seufze ich innerlich, *lasst sie doch noch ein wenig in Ruhe Kind sein*, wenn ich wieder einmal beobachte, wie die Kleinen in der Bäckerei auf den Arm hochgehoben werden, und das Spiel losgeht: *Was hättest du denn gerne: willste lieber dies oder das? Oder doch das?* Schlimm! Der Weg zur Hölle ist mit guten Absichten gepflastert... Denn das eigentlich Schöne am Kindsein sollte der verwirklichte Werbe-Slogan sein: *Lebe einfach, andere kümmern sich wohlwollend an deiner Stelle um die Details.* Mit existenziellen Lebensfragen muss man sich schließlich früh genug auseinandersetzen. Und so zieht man lediglich Anspruchsdenken hoch.

Entscheidungen zu treffen, macht den wenigsten richtig Spaß. Zum einen bedeutet jede Entscheidung für etwas, dass man sich gleichzeitig gegen vieles entscheidet. Zum anderen geht eine Entscheidung zwangsläufig mit Konsequenzen einher. So ist der Planet nunmal eingerichtet. Nicht immer direkt, manchmal auch zeitverzögert, aber an jeder Entscheidung hängt ein Rattenschwanz. Oder anders gesagt: ein Rosinenbrötchen gibt es halt nur zusammen mit dem Brötchen. Sehr oft kann man das Gesamtpaket anfangs nämlich gar nicht ganz einschätzen. Die Kehrseite der Medaille kommt erst nach und nach zu Tage.

Aber egal wie man es dreht und wendet - selbst wenn man versucht, sich um Entscheidungen zu drücken - dann ist selbst das eine Haltung, für die man sich (unentschlossen) entschied. Man kommt nicht umhin, vom Leben genötigt zu werden, vor die Wahl gestellt zu werden, an Weggabelungen zu stehen und eben entweder nach rechts oder links einschlagen zu müssen. Bewußt oder unbewußt. Zweifelsfrei oder voller Zweifel. Abgelenkt oder fokusiert. Optimistisch oder realistisch... All das zieht entsprechende Qualitäten im Schlepptau mit sich, weil soetwas von sowas kommt.

Tja, there is no way out than trough wirft die englische Lebenshilfe als Allrounder ein, wenn irgendjemand danach fragen sollte....


Kleine Verschnaufpausen bietet das wachsweiche Zwischenreich des Halbgaren: zwischen Tür und Angel, Baum und Borke, nichts Halbes nichts Ganzes, nicht Fisch nicht Fleisch (neither fish nor fowl), mi-figues mi-raisin (Halb-Feige, Halb-Rosine)... Festlegen folgt erst noch. Genau so, wie bei dieser Art Eintopf, der weder nur cremig noch nur stückig ist sondern beides zugleich.

Montag ist bei uns Eintopf-Tag. Ritualisiert. Und wieder einmal gebe ich Byung-Chul Han recht: Rituale verzaubern den Alltag. Wir freuen uns schon auf die GROSSE Portion Gemüse-Topf, den ich stets vegan zubereite. Ebenfalls aus Gewohnheit.

Überraschend lange habe ich gebraucht, bis ich verstanden habe, dass genau das einen Eintopf erst so richtig herrlich schlonzig-köstlich werden lässt, wenn man eine Hälfte püriert, einen Teil aber als Einlage vorher herausnimmt (oder getrennt zubereitet). Es gibt endlose Möglichkeiten, auf diese Weise einen klassischen Gemüse-Eintopf zu variieren. Und sie werden alle toll. Umso mehr hat mich natürlich entzückt, als eine liebe Leserin (coucou Helga) mir dieses toskanische Aus-Versehen-Vegan-Rezept zukommen ließ. Andere kennen diesen Trick also auch. Es wurde umgehend zubereitet - wie immer mit ein bißchen Reinfummelei meinerseits (in Klammern findet ihr die Original-Mengenangaben). Ein heißer Teller voller Gemüseglück:

Zutaten 2-4P:
Gemüse-Kräuter-Suppe

100g gekochte, weiße Bohnen (originial: 100g getrocknete)
ca. 900ml Gemüsebrühe (o: 1,5l)
je 2 Zweige Rosmarin, Oregano, Salbei
(m: ein Stück Kombu-Alge)
2 Lorbeerblätter
450g Kürbis (o: 400g)
1 Zwiebel
4 Knoblauchzehen
1 Möhre
1 Stange Staudensellerie
1 Stange Lauch
je 100g Wirsing, Radicchio, Spinat und Mangold
1 Hand voll Kräuter (Basilikum/ Borretsch/ Petersilie)
4 EL Olivenöl
1 Schuß Weißwein
Salz, Pfeffer

Zubereitung: 

Die Bohnen am Vortag mit Wasser bedecken und über Nacht quellen lassen. Am nächsten Tag kalt spülen und mit der Brühe zum Kochen bringen. Die Kräuter samt Alge in einen Teebeutel geben, verschließen und dazugeben. Während einer guten Stunde bei halb aufgelegtem Deckel weich kochen.

Kürbis schälen und in Würfel schneiden, zu den Bohnen geben und weitere 20min köcheln lassen, bis der Kürbis gar ist.

Währenddessen Zwiebel und Knoblauch fein hacken. Sämtliches Restgemüse (Möhre, Lauch, Sellerie sowie das Blattgemüse Spinat, Mangold, Radicchio) klein schneiden (m: den Wirsing habe ich getrennt kurz gekocht und blanchiert, damit er seine grüne Farbe behält).

Zwiebel, Knoblauch, Möhre, Sellerie und Lauch im Öl etwa 5min anbraten. Dann das übrige Gemüse zufügen und weitere 5min dünsten. Zuletzt klein geschnittenen Kräuter untermischen und mit etwas Wein ablöschen. Salzen und pfeffern.

Den Kräuter-Teebeutel aus den Bohnen ziehen. Dann den Topfinhalt pürieren. Pfanneninhalt zufügen und unterrühren und den Eintopf weitere 5-10min köcheln lassen. Nochmals abschmecken und servieren-

Anmerkung m: Das Einlage-Gemüse lässt sich nach Lust und Vorrat sehr gut variieren - der Eintopf ist aber nach Rezept sehr schön ausgewogen und vielfältig!

Quelle: Helga


Kommentare :

  1. Mmmhh.... mir läuft das Wasser im Mund zusammen. Danke schön :-)

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    1. Eintopf, Sandra, geht doch immer, oder? Früher mochte ich die besonders in der kalten Jahreszeit. Nach Thailand esse ich sie aber genauso gerne, wenn es richtig heiß ist :)

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    2. Mir persönlich ist das Wetter auch egal. Meine Mutter hat Eintöpfe geliebt und früher das ganze Jahr über fast jeden Samstag einen Eintopf gekocht, somit verbinde ich einen Eintopf immer mit der Erinnerung an sie :-)

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  2. Liebe Mika
    Das Rezept liest und sieht super lecker aus, bei unserem nebligen und dunklen Wetter wird es dann wirklich zu einem Topf voller Glück.
    Eine Frage zum Rezept: Wären die 450g Zwiebeln eigentlich der Kürbis?
    Liebe Grüsse
    Anja

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    1. Danke für den freundlichen Hinweis, Anja, ich habe ediert: genau, es sind 450g Kürbis. Ansonsten viel Spaß beim Baden im Gemüse :) liebe Grüße zurück...

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  3. Eintopf ist einfach der Himmel auf Erden oder das Non-plus-ultra der Küche. Mögen alle Braten sich bitte verziehen oder das große Gedöns hinten anstellen. Eintopf wärmt Seele und Körper und ist in 1000 Variationen möglich, mit allem, was der Vorratsschrank und das Gewürzregal bieten. Und er schmeckt einfach IMMER. Warme Eintopfgrüße, Sunni

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    1. Da spielen wir, Sunni, eindeutig im gleichen Verein. Sollen die anderen Braten essen, ich löffle mit größter Hingabe meinen Eintopf!

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  4. Ich muss sie unbedingt nochmal machen, noch gibt’s die Kräuter. Die Kombi, Kürbis, Bohnen, Gemüse, Kräuter. Auf den Punkt getroffen, „cremig und stückig zugleich“.
    Toskana pur, ehrlich und Bodenständig. So kenne ich viele Zuppas aus der Toskana.
    Liebe Micha, danke fürs verbloggen,
    Lg, Helga,

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    1. Nochmals herzlichen Dank, Helga, für die schöne Inspiration. Immer befruchtend, wenn zwei sich geschmacklich verstehen :) Und ich freue mich, wenn ich mit einer solch guten Idee in die Küche laufen kann und zur Tat schreiten! Da macht Kochen gleich nochmal mehr Spaß! Vorallem, wenn es on the top noch SO gut schmeckt! herzliche Grüße...

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  5. Ich bin auch so ein Suppenkasper& koche fast jede Woche eine (witterungsunabhängig, auch im Hochsommer :D).
    Der Eintopf erinnert mich sehr an eines meiner Lieblingskürbissuppen-Rezepte (sowohl farblich, als auch weil sie diese tolle Kombination von cremig und stückig aufweist).
    In die Suppe kommen Linsen, Kürbis, Möhren, ein bis zwei mehlige Kartoffeln, viel Rosmarin (Salz,Pfeffer, etc versteht sich von selbst). Und am Ende gebe ich immer noch einen Schuss Orangen-Balsamico dazu, dessen Rezep ich hier gefunden habe. Das passt ganz hervorragend zusammen :)

    Viele Grüße, Britta

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    1. Wir könnten direkt in eine kulinarische WG ziehen, Britta! Suppe und Eintopf geht bei mir wirklich immer. Gerade wenn der Habib und ich unterwegs sind, dann stürzen wir uns mit besonderer Hingabe auf solche Gerichte! Bauchwohltuer! Immer!

      Hey und ein zweites dickes JaHhh zur Orangen-Balsamico-Reduktion. Die geht bei mir nie aus, sondern wird direkt nachproduziert. Sollte beim Abschmecken noch das berühmte *Irgendetwas* fehlen, dann greife ich mit großer Überzeugung nach dieser Flasche! Schön, dass du daran auch so Spaß hast!

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  6. In einem der von mir heißgeliebten Bücher von Chimamanda Ngozi Adichie macht sich die nigerianische Protagonistin auch lustig darüber (bzw. kritisiert eigentlich sehr hart), dass Amerikaner ihre Kinder mit viel zu vielen Entscheidungen überlasten. Ich sehe das in "moderner" Erziehung hier in Deutschland auch total oft und ich bin überzeugt, dass man Kindern generell nicht zu viele Fragen nach Vorlieben stellen sollte. Sie melden sich schon von alleine, wenn es wirklich wichtig ist. Wenn man allerdings seine Kinder als mündige Wesen sieht und generell freundlich / höflich miteinander umgeht, ist das manchmal ganz schön schwer, finde ich als Mutter eines Anderthalbjährigen. Falls du Adichie noch nicht gelesen hast, empfehle ich dir Americana sehr (und alles andere von ihr auch). Liebe Grüße, Lara

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    1. Was ein interessanter Kommentar, Lara! Ich habe deinen Buchtipp auch direkt gegoogelt - superspannend und eindeutig etwas für mich! Buch (Americana) ist vorgemerkt!

      Und es ließe sich zu dem Thema leichterdings weiterdiskutieren. Ich zweifle nämlich nicht daran, dass die Praxis etwas komplizierter ist als die Theorie... halt wie im richtigen Leben ;) Aber Kinder sind nunmal - nach meiner Auffassung - noch nicht *mündig*, da sie existenziell (!) angewiesen sind auf andere, die sich um Lebensunterhalt ect... kümmern - ohne diese anderen, wären sie schlicht nicht lebensfähig. Aber ich weiß (also vermute ich) trotzdem, was du meinst: nämlich dass man sich ein selbstbewußtes, freies Kind wünscht. Das Paradoxe ist, dass je klarer die Grenzen für ein Kind gesteckt sind, umso freier kann es sich innerhalb dieses Rahmens bewegen (immer das Wohlwollen für alle mitgedacht, logo). Ein gutes Beispiel ist dafür die Klamottenfrage. Ich kenne Kindergartenkinder, die ihren Eltern bereits diktieren, was sie gedenken anzuziehen. Aber muss das sein? Reicht es nicht beispielweise zuhause eine Verkleidungskiste zu haben, die sie zum Spielen zur Verfügung gestellt bekommen - und ansonsten steht das Thema nicht zur Verhandlung. Weißt du, was ich meine... nunja... Endlos-Thema, zudem mein Liebling ( Dörte Hansen *Altes Land*) sich auch wunderbar dazu auslässt ;)
      liebe Grüße zurück... und Danke nochmals für deinen anregenden Kommentar!

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