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Sonntag, 19. Juli 2020

Zahlen-Updates: Polpette dolci


Wir leben in einer seltsamen Zeit. Nicht, dass die zuhause oder im Garten so anders wäre. Nee, da ist alles soweit wie immer: der südfranzösische Sommer ist gewohnt trocken, nur die Temperaturen spielen Flohwalzer und der Mistral zauselt mit mehr Ausdauer. Aber sonst... offene Türen, barfußlaufen, Tomaten pflücken, Pflanzen gießen...

Was komisch ist, ist nicht das Innen-, sondern das Außenleben. Und wie die Überschrift dazu lautet, muss ich gar nicht mehr schreiben. Haben wir alle verinnerlicht: 2020 ist das Jahr von Covid. Ein Ende ist vorerst nicht in Sicht. Wetten werden bereits entgegengenommen, ob 2021 die Überschrift behalten darf. Mit Freunden steht man linkisch voreinander und weiß nicht mehr recht, wie viel Nähe angebracht ist. Bises (Küsschen) besser nicht gerade. Und dann enttäuschte Gesichter, die spiegeln: ach und ich dachte, ich zähle zu deinem inneren Kreis. Jetzt zeigt es sich erst richtig... Unsere Singles leiden bekennenderweise besonders darunter, dass Grenzen anders gezogen, Distanzen neu justiert werden. Feriengäste erzählen, dass eine Reise nach Frankreich manchen ihrer Bekannten dünkte, als würden sie nach Papua-Neuguinea aufbrechen - was eben noch Nachbarland war oder gar ein einziges Europa, scheint weiter auseinander gerückt denn je. Entfernungen werden nicht mehr mit neutralem Maßstab sondern gefühlsschwanger wahrgenommen: *Ja, und was ist, wenn was passiert*... Das Damoklesschwert, es schwebt über allem. Ja, wenn was passiert, dann will man am liebsten daheim sein.

Aber, Kinners, mit der Einstellung *Ja, wenn was passiert*, braucht man gar nicht erst vor die Tür. Pfffhhh, kein Purzelbaum ist auf diese Weise zu schlagen.  Denn - wissen wir alle auch: *Passieren kann jederzeit und immer IRGENDETWAS*. So geht Leben. Den Garantie-Schein, dass man ungeschoren durchkommt, gibts nicht auf die flache Hand dazu. Und ist obendrein äußerst unwahrscheinlich. Hey, nicht missverstehen: ich rufe hier nicht zu Dummheiten auf. Nur merke ich, wie mich diese andauernden Updates samt täglicher Zahlenjonlage der Informationsindustrie rammdösig macht. Mir kommen nämlich die Dauer- Informationen wie Puzzle-Teilchen vor, die jeweils zu einem anderen Puzzle-Spiel gehören: keines passt ins andere. Nehmen wir als Beispiel die Zahl von nahezu 7 Tausend Todesfälle, die aktuell weltweit an einem einzigen Tag an Covid sterben - eine ansteigende und somit beunruhigende Zahl.

Aber um diese Zahl nur ansatzweise einorden zu können, fehlen mir Bezüge. Ich müsste wissen, wieviel Menschen überhaupt täglich weltweit sterben. Oder wieviel Menschen im Verhältnis dazu täglich an anderen Krankheiten sterben. Oder wieviel Covid-Tests in welchen Ländern getätigt werden... Oderoder... Ich werde mit Zahlen bombardiert, die lose in der Luft hängen, nach viel Sachkunde aussehen, Objektivität und Neutralität vorgaukeln, und mir keinerlei Anhaltspunkt geben. Greift man nur die Untersuchungen zu der Sterblichkeitsrate in den USA heraus, dann erkennt man, wie schwierig es ist, aus diesen Zahlen Schlußflogerungen zu ziehen, weil ein Strauß von Umständen diese Auswertungen beeinflusst. Also: wer setzt mir aus all den Bruchstücken ein Ganzes zusammen? SO bin ich nur verwirrt...

Mir gehts wie Maria: ablenken und auftanken kann ich am besten draußen in der Natur. Und dieses Jahr bin ich besonders oft am Streunern, weil ich am Kräutersammeln bin. Ich lerne viel dazu, erkenne, bestimme, blättere in schlauen Büchern, lese, rieche und atme auf den wilden Blumenwiesen durch...


In zwei Varianten stelle ich euch diese Bällchen - deren Inspiration mal wieder auf Susanne zurückgeht  - vor: zuerst in einer süßlich-orientalischen Version mit Spirelli (Bild 2) und schlichter Tomatensauce, dann in einer herzhaftern Auflage mit Käse und Kräuter, Ofentomaten und selbstgemachten Orcchiette. Pasta hilft übrigens... im Zweifelsfall..

Zutaten 2-3 P:

125g Soja-Geschnetzeltes, getrocknet
125ml Wasser, kochend
50g Semmelbrösel
70ml Milch
40g Parmesan, gerieben
40g Mandeln, gehäutet, nicht zu fein
15g Rosinen, gehackt
1/2 TL Zimt
1/4 TL Pimenton dela vera
2 TL Miso, dunkel
Salz, Pfeffer
Piment d'Espelette
2 TL Oregano, getrocknet
1 Ei, groß*
Sonnenblumenöl

------ zum Zweiten:
100g Soja-Geschnetzeltes
100ml kochendes Wasser
50g Semmelbrösel
80ml Mandelmilch
50g Comté, gerieben
40g Mandeln, nicht zu fein
2 TL Miso
1 TL Senf
2 TL Oregano
1/2 Bund Petersilie
1 Ei
Salz, Pfeffer

Sonnenblumenöl

Zubereitung:

Soja-Geschnetzeltes mit heißem Wasser übergießen und mindestens 10min quellen lassen. Semmelbrösel in (Mandel)Milch ebenfalls einweichen. Dann mit den jeweiligen Gewürzen kräftig abschmecken. Bällchen (etwas kleiner als Tischtennisball-Größe) mit nassen Händen formen: Masse muss gut zusammenhalten und leicht kleben. 

Öl in einer Pfanne erhitzen und die Bällchen ringsherum knusprig braten, auf Küchen-Krepp abtropfen lassen und warm stellen. Mit Pasta und Tomatensauce der Wahl servieren (und entweder mit Pinkienkernen oder Parmesan... beispielsweise)

Anmerkung m: bei der süßlichen Variante bedenke man beim Würzen, dass das Soja-Geschnetzelte bereits eine gewisse Süße mit sich bringt

und für alle ohne Ofentomaten - das ist die eingeköchelte Sauce zu den Spirelli:
1 Schalotte
2 Knoblauchzehen
1/2 Paprika, rot, geschält
5 Tomaten, gehäutet
2 Lorbeerblätter
Salz, Pfeffer
1 Schuß Rotwein
Harissa
2 EL Pinienkerne, geröstet


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