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Samstag, 4. April 2020

Madame Atwood: Harissa-Tempeh-Würstchen


Warum ich mir die Doku über Margaret Atwood in der Arte-Mediathek anschaute, kann ich gar nicht richtig erklären. Denn ich habe seither keines ihrer (immerhin 60 an der Zahl) Bücher gelesen. Genauer gesagt, habe ich gar eines abgebrochen und weggelegt. Die Sprache ergab mir keinen Fluss und mit Sience Ficiton aller Art tue ich mich allgemein schwer.

Wobei ich nach dem Gucken der Doku feststellen muss, dass dies ein Genre ist, welches wohl sehr gut dazu dient, gesellschafts- und systemkritische Gedanken zu äußern. Dadurch dass eine Erzählung in eine andere Zeit transportiert wird, erhält sie - ähnlich wie die Fabel durch die Vermenschlichung von Tieren - einen Verfremdungseffekt. Und mit etwas Distanz sind viele Menschen eher bereit, sich unbequemen Inhalten zu stellen, als wenn man ihnen damit auf den Füßen rumsteht. Und genau diese Art von Geschichten scheint Margaret Atwood geschrieben zu haben. Wie gerne wüßte ich ihre Meinung zu den momentanten, totalitären Eingriffen vieler Staaten. Ich muss ihrem schriftstellerischem Werk definitiv eine zweite Chance geben werde.

Ich fand Margaret Atwood in dieser Doku nämlich ganz und gar bezaubernd. Überhaupt sieht sie -  bereits in jungen Jahren - sehr eigenwillig aus. Auf eine gute Art eigenwillig. Und dazu diese in sich ruhende, spitzbübische und doch nüchterne Ausstrahlung, burschikos und dennoch nicht maskulin, dieses geerdete und bescheidende Auftreten und dass obwohl sie von Anfang an eine erfolgsverwöhnte Autorin war und direkt für ihren ersten Lyrik-Band Preise einheimste. Echt, ganz toll!

Gut, ich mag Biographien prinzipiell gerne, und die entfalten ihren Reiz dann besonders, wenn man sie rückwärts betrachtet. Magaret ist zum Zeitpunkt, als die Doku gedreht wurde, 80 Jahre alt. Nun sind - bien sûr - nicht alle Biographien gleich interessant für mich. Für sich eingenommen hat mich Margaret in den ersten Minuten der Doku, als sie in einem Museum stehend ein Rembrandt-Bild kommentiert mit den Worten: *Wer hängt sich sowas ins Wohnzimmer - zwei tote Pfauen.* Original mein erstes Kunst-Kriterium! 

Dass mich der Rückblick auf Margaret Atwoods Leben aber richtig gepackt hat, liegt gleich an vier Faktoren:

 * an ihrer Naturverbundenheit - ihr Vater war Insektenforscher, demensprechend fand ihre Kindheit in Kanada vorallem draußen statt
 * an ihrem Drang nach Freiheit und Unabhängigkeit - wie schwer hatte es diese Generation von Frauen, sich beruflich einen Platz zu erkämpfen. Doch mehr als um Feminismus, zu dessen Stellvertreterin sie gerne gemacht wird, sagt ihre Lektorin, ginge es Margaret darum, *seine eigene Stärke zu akzeptieren und die sich nicht von anderen wegnehmen zu lassen: Dies vorallem, sich weigern Opfer zu sein. Wenn ich das nicht kann, kann ich nichts.* Ein SO kluger Satz! Wie wichtig ist es - wenn denn möglich - sich denen zu verwehren, die einem nicht gut wollen!
 * an ihrem Umgang mit ihrem Mann - ich behaupte ja, dass sich Paare, die sich wirklich zugewandt sind, untereinander erkennen
 * an ihrem Faible für Vögel - mit ihrem Mann, einem Ornithologen, und ihrer Tochter reiste sie für Vogelbeobachtungen um die Welt. Ach, und die Ornithologen, das sind die Guten! Ich habe noch keinen Ornithologen kennengelernt, den ich nicht mochte. Und mein Habib, der als Jungspund Vögel beringte und für sie ein ganzes Gebiet unter Naturschutz brachte, gehört auch zu ihnen.

Sehr beeindruckt hat mich außerdem, dass sie über den Schaffensprozess ihrer Dystopie *Der Report der Magd* sagte, dass er sie ängstige: *ich hatte es mir für diese Buch zur Regel gemacht, nichts zu schreiben, was nicht irgendwo irgendwann wirklich passiert war. Deswegen habe ich so viel recherchiert. Ich wollte Vorwürfe entgegentreten, ich hätte eine abartige Phantasie und mir diese Bösartigkeiten ausgedacht*.

Genug geschwärmt - ich mag Menschen einfach, die ihren ganz eigenen Weg gehen.


Wie heißt es so hübsch: *Nur tote Fische schwimmen mit dem Strom*. Gerade stürzen sich viele auf die gleichen Lebensmittel. Bestimmt aber findet man - in den einschlägigen Geschäften - ohne weitere Probleme Tempeh. Damit und einer ordentlichen Portion Sonnenblumenkerne werden Bratlinge in Würstenform gebastelt. Ich habe gleich meine kompletten 200g Tempeh verarbeitet - und die restlichen Würstchen eingefroren. Eine besondere Überraschung war für mich der Apfel-Curry-Ketchup, der sich ausgesprochen gut als Begleitung dazu gemacht hat.

Ich kann mir vorstellen, dass man dieses Essen auch prima mit Kindern zubereiten kann, denn die Masse lässt sich wirklich leicht formen. Das sollten auch kleine Hände hinbekommen. Und gerade sollte doch Zeit genügend vorhanden sein, nicht *huschhusch* fertig sein zu müssen mit den Essensvorbereitungen.

Zutaten - 15 Würstchen:

200g Tempeh
125g Sonnenblumenkerne
1/2 TL Harissa (evt. plus)
1/2 TL Kreuzkümmel
2 TL Schwarzkümmelsamen
2 TL Pimenton de la vera
100g Kichererbsenmehl
60g Pflanzenmilch (m: Hafer)
4 EL Sojasauce (m: Tamari)
5 Zweige Thymian 
Salz, Pfeffer

Ketchup
3 Äpfel
1 große Zwiebel
3 EL Tomatenmark
1 TL Curry
Salz
2-3 EL Weißwein-Essig
1 Pr Zimt
250ml Wasser

Zubereitung:

Für die Würstchen die Sonnenblumenkerne in einer Pfanne ohne Öl bei mittlerer Hitze goldbraun anrösten. Chili grob hacken, den Tempeh mit den Händen grob zerbröseln. Die abgekühlten Kerne, Chili und Tempeh mit den Gewürzen in der Küchenmaschine oder dem Blitzhacker mit der Pulse-Taste zu einer groben Masse verarbeiten. (Oder alles mit einem scharfen Messer hacken, dann die Gewürze untermischen.)

Die Masse in eine Schüssel geben, Kichererbsenmehl, Sojasauce und Pflanzenmilch dazugeben und alles gut mischen. Den Thymian waschen, trocken schütteln, die Blätter vom Stiel streifen und fein hacken. Den Thymian zur Tempehmasse geben und alles mit den Händen zu einer klebrigen, homogenen Masse kneten.

Von der Masse 1 gehäuften EL abstechen und mittig auf ein Stück Frischhaltefolie (25 cm lang) legen. Mit feuchten Händen grob zu einem 7 cm langen Rolle (ca. 1 1/2 cm Ø) formen. Die Folie wie einen Bonbon fest einrollen und an den Seiten verzwirbeln, sodass ein Würstchen entsteht. Auf diese Weise 15 Würstchen herstellen (m: liesen sich problemos + besser so auf dem Brettchen rollen - liegt vermutlich daran, dass meine etwas weniger feucht waren). Die Würstchen 40 Min. zugedeckt über Wasserdampf (im Dampfgarer oder im Topf mit Dämpfeinsatz) garen, abkühlen lassen und aus der Folie wickeln.

Inzwischen für den Ketchup die Äpfel waschen, das Kerngehäuse entfernen und das Fruchtfleisch grob würfeln. Die Zwiebel schälen und fein würfeln.

In einem Topf 1 EL Öl erhitzen, die Zwiebel darin bei starker Hitze ca. 1 Min. andünsten. Tomatenmark und Currypaste dazugeben und unter Rühren 1 Min. mitdünsten. Die Äpfel, 2 TL Salz und 250 ml Wasser dazugeben und zugedeckt bei ganz schwacher Hitze ca. 30 Min. köcheln lassen, dabei ab und zu umrühren. Dann alles pürieren und mit Essig und 1 Prise Zimtpulver abschmecken. Den Ketchup in das Glas füllen.

Kurz vor dem Servieren 2 EL Öl in einer Pfanne erhitzen und die Würstchen darin rundherum 3 - 4 Min. bei mittlerer Hitze anbraten. Die Würstchen mit dem Ketchup servieren.    

*Anmerkung m: Original werden 12 Würstchen aus 120g Tempeh hergestellt, mit 80g Kichererbsenmehl und 50ml Pflanzenmilch

Quelle: La Veganista 
 
ein Schlangenadler und ein Gänsegeier auf einem Bild - wenns jetzt noch richtig scharf wäre, könnte ich richtig mit angeben

Kommentare :

  1. Danke Micha :-)!
    Hier gab vorgestern mal wieder Deine Schokosablés, und es ist noch Teig im Kühlschrank!
    Liebe Grüße in den Süden

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    1. Liebe Grüße in die Hauptstadt, Svea!
      Schön, dass ihr euch Ostern wieder schokoladisiert :-)

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  2. Mein Chef ist auch Ornithologe - und deine Beobachtung kann ich bestätigen. Auch er ist einer von den Guten (und sein Standardspruch darüber hinaus: Alles wird gut) :-)
    Du, ich habe tatsächlich noch nie mit Tempeh gekocht. Irgendwie kam mir dieses Lebensmittel bisher immer seltsam vor. Deine Würstchen möchte ich unbedingt probieren...
    Alles Liebe!

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    1. Wenn du auch auf *ornithologen* reagierst, Maria, dann muss ich noch den Artikel über Oskar Heinroth nachschieben - ich schwanke noch, ob ich beeindruckt bin oder doch nicht:
      https://www.geo.de/natur/tierwelt/22854-bstr-im-liebesnest-der-vogelforscher-einblicke-die-skurrilste-wg-berlins

      Und traue dich nur, was den Tempeh betrifft: die Würstchen sind wirklich lecker und schön formstabil!

      Euch auch, alles Gute, haltet die Ohren steif!

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  3. Oja, ich kann mich auch nur der Erfahrung anschließen, dass Ornithologen mit zu den angenehmsten Zeitgenossen gehören... sie haben die Ruhe und Ausgeglichenheit, die es braucht, um Vögel zu beobachten. Wiederum - quasi wie ein Synergieeffekt - strahlt deren Wesen auf sie zurück... Was ich aber auch schreiben wollte: Hinter dieses Ketchup gehören drei!!! - ich habe es gerade nachgekocht und es ist unheimlich lecker... Zwar so ein "Nebenrollendings", aber wenn die diese Qualität haben und nichts gemein mit dem, was man so als Ketchup in der Plastikflasche kennt... Abgespeichert! Liebe Grüße von Hannah

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    1. Ganz meine Beobachtung, Hannah, das sind Jungs (meistens), die in sich ruhen, ausgeglichen sind und keine, die in die erste Reihe drängen müssen! Bref: SEHR angenehme Zeitgenossen!

      Und nochmals ganz genau: dieser Apfel-Ketchup ist - so unkompliziert in der Herstellung - eine echte Überraschung als Geschmackserlebnis. In Kombi mit den Würstchen war der richtig Bombe!
      ganz viele liebe Grüße zurück...

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  4. Liebe Micha, späte Frage zu den Tempeh-Würstchen: kann man die nicht in der Pfanne aufbraten? 40 Min im Dampf find ich irgendwie umständlich....was meinst du? Mit Tempeh hatt ich noch nie das Vergnügen...Liebe Grüße von Margot

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    1. Liebe Margot, ich bin ja nun auch keine *Tempeh-Spezialistin, aber ich würde auf das Dämpfen nicht verzichten, ich fürchte, lässt man diesen Schritt aus, dann werden die Würstchen in der Pfanne nicht zusammenhalten! liebe Grüße zurück...

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  5. Liebe Micha, kurze Rückmeldung: Im ersten Durchgang hatte ich das Kichererbsenmehl in der Waage vergessen, eh klar. Musste ich nochmal alles mischen und hab dann aber nicht alles Mehl untergemischt. Hat sich gut formen lassen und blieb stabilin der Pfanne! Ich würde sogar beim nächsten mal noch weniger Mehl nehmen, denn ich fand, das hat etwas hervorgeschmeckt.
    Liebe Grüße von Margot

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    1. Wie spannend und wie mutig, Margot! Toll, wenn ich weiß, dass das Dämpfen ein völlig unnötiger Arbeitsschritt ist, dann spare ich mir den in Zukunft auch. Und ja, ich hätte auch weniger Mehl benötigt, geschmacklich hat es mich aber nicht gestört. Vielen Dank für deine Rückmeldung, liebe Margot. Hoffentlich hats auch geschmeckt ;) Und der Apfel-Ketchup ist doch eine Überraschung, oder?

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  6. Liebe Micha,
    den hatte ich mir aus Zeitgründen gespart und auf eine fertige Soße zurück gegriffen. Zusätzlich gabs cole slaw dazu. Aber nächstes mal....
    Liebe Grüße von Margot

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