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Sonntag, 9. August 2020

Himmelsaufhängung: Erbsen-Knödel mit Caponata


Für eine Arbeit mit schwerer Schlagseite Richtung Ready-Made zu Kunst-Aka-Zeiten verwendete ich ein Fundstück vom Flohmarkt: einen wunderschönen, vier Meter langen, azurblauen Stoff auf dem regelmäßig verteilt weiße Wattebausch-Wolken segelten und mit dem ich endlich Mal die Höhe des Hochalteliers richtig ausschöpfen konnte. Ich hing die Stoffbahn derart auf, dass zum Fussboden gerade soviel Luft blieb, um das nackte Fußpaar eines Mannes und einer Frau (welche ich in Gips abgeformt und hautfarben bemalt hatte) hervorschauen lassen zu können. In Augenhöhe war die Frage auf den Stoff gestickt: *Woran hängst du deinen Himmel auf?*

Je älter ich werde, umso mehr grüble ich, mit welchem Rückenwind Eltern heute ihre Kinder in die Welt hinausschicken. Immer kommt mir dazu im Vergleich Gerhard Hauptmann in den Sinn, der in seinem *Buch der Leidenschaften* schildert, von welchem Enthusiasmus befeuert die Jugend vor der letzten Jahrhundertwende gen Zukunft blickte: beseelt von der Hoffnung auf Verbesserung in allen Bereichen was die kommende gesellschaftliche Entwicklungen, die technischen Neuerungen, die medizinischen Entdeckungen und die wissenschaftlichen Forschungen anging. Was davon ist heute übrig? Was wünscht man sich für sein Kind für später einmal? Welche Tätigkeit soll es mal ausüben können? Bon, ja, der gute, alte Lokomotivführer, alberne Nostalgie. Stattdessen dann Space-Shuttle-Fahrer für Elon Musk gen Mars? Womöglich macht man sich als junge Eltern gar keine Gedanken, lebt im Jetzt und Hier und Zukunft ist wie für alle anderen einfach später. Aus Vernunftgründen hat auf diesem Planeten noch selten jemand auf irgendetwas verzichtet, sei es Zigaretten und Alkohol, Schnitzel und Leberwurst, Auto und Klamotte, Schminke oder Verpackungsmüll.

Nur, wer in langen Bögen optimistisch vorausdenken will, wird zwangsläufig manches ausblenden müssen. Weil das Plastik wird man wohl nicht mehr aus dem Meer gefischelt bekommen, die Poole werden nicht von alleine zurückgefrieren, die sicheren, atomaren Endlager werden nicht wie Pilze aus dem Boden schießen und der einmal gerodete Urwald lässt sich nicht einfach wieder aufforsten. 

Wobei der Ausnahmezustand der Welt anschaulich vor Augen führt, wie phänomenal bis heute die Regenerationskräfte der Natur sind, wenn sich der Mensch zurücknimmt. So verbesserte sich die Luft messbar, als während des Lockdowns kaum Autos fuhren. Und welche Auswirkungen es mit sich bringt, dass momentan ein Großteil der Flugzeuge aller Luftflotten weltweit (!) auf dem Boden steht, ist noch nicht untersucht. Selbst nuklear verseuchte Gebiete scheinen zu demonstrieren, dass in Anbetracht der Verstrahlung *die weitaus größere Bedrohung für die Wildtiere – das folgt aus den erstaunlichen Beobachtungen rund um Tschernobyl – eindeutig der Mensch ist. Hört er auf, die Tiere zu jagen und ihren Lebensraum zu zerstören, erholen sich die Bestände.*

So stellt sich die Frage - wie ich sie bereits stellvertretend für die ganze Welt am Beispiel des Mittelmeeres beleuchtet hatte - ob denn noch Chancen bestünden (rein theoretisch), dass die Zeiger auf der Uhr noch vor Zwölf stehen und nicht sowieso alles einfach zu spät ist.

Welche Visionen die führende Elite für die Zukunft verfolgen, bleibt ein Geheimnis - aber genau diese Weichen und Vorgaben werden von ihnen an die Politik weitergegeben. In dem auf Youtube aufrufbaren, kurzen Film *The Great Reset* des World Economic Forum - jenes, das jährlich in Davos tagt - implizieren die Bilder, dass eine Zeitenwende ausgerufen wird. Soll das bedeuten, dass sich eben jene, die seit dem 2.Weltkrieg unter der Weltherrschaft der USA den Planeten in Zeitraffer in den Zustand brachte, in dem er sich heute befindet, sich von ihren alten Maximen des Kapitalismus, des Konsums, des Materialismus und der Ausbeutung abwenden wollen? So gingen in meinem Universum Sensationen! Doch wie sollen dann stattdessen die neuen Götter heißen? Wie das Wort *Reset* - der Titel des Fims - erklärt, wird das bestehende System heruntergefahren und beim Neustart neue Programme installiert. Doch - nix mit Kehrtwende - selbst wenn das Adjektiv *Great* vor *Reset* steht, so kennen wirs im Kleinen am Computer: beim Reset wird ja nicht umwälzend eingegriffen. An welchem Himmel werden sich die Werte dieser neuen Programme aufhängen? Das aber ist *the great question*. Halten wir fest: die Zukunft bleibt spannend!

In den neun Jahren Bloggerei habe ich längst offenbart, dass meine himmlischen Aufhänger die Natur, Friede und Harmonie, sowie die ewig großen Drei *Glaube-Liebe-Hoffnung* sind.

Und Hausmannskost, die gerollt, genudelt, gewalkt und geknetet daherkommt! 

Als ich die Erbsenklöße bei Susanne entdeckte, war ich direkt angefixt. Und erinnerte mich meiner Erbsennocken wieder - dringend an der Zeit diese von den Toten auferstehen zu lassen. Meine Erbsen-Knödelchen weisen also große Ähnlichkeit zu den Nocken auf, sind ähnlich dekorativ nur anders geformt und schmecken wieder spitze. Zu der Caponata ein echtes Sommer-Gäste-Essen und kulinarisch steht man damit schon mit einem Fuß im Knödel-Gnocchi-Himmel!


Zutaten 2P:

250g Erbsen
300g Kartoffeln
70g Ziegenfrischkäse
30g Parmesan
50 Kartoffelmehl
1 Eigelb
Salz, Pfeffer

1 Aubergine (ca. 300g)
350g Tomaten (m: gehäutet)
1 Zwiebel
2 Knoblauchzehen
1 EL Selleriestange
1 EL Kapern
2 EL Oliven
Salz, Pfeffer
1 Pr Zucker
1 TL Harissa
3 Zweige Oregano
1/2 Bund Basilikum
1 EL Balsamico-Reduktion
4 EL Olivenöl

2 EL Pinienkerne, in der Pfanne ohne Fett geröstet

Zubereitung:
 
Die Erbsen in kochendes Wasser geben, drei Minuten kochen lassen bis sie gar sind, dann abschütten und unter kaltem Wasser abschrecken. Sehr gut abtropfen lassen (m: zusätzlich mit einem Küchentuch getrocknet). Die Erbsen in einem hohen Gefäß sehr fein pürieren (m: zusammen mit dem Ziegenfrischkäse).

Die Kartoffeln als Pellkartoffeln garen, abgießen und noch heiß pellen. Die gepellten Kartoffeln zweimal durch eine Kartoffelpresse drücken, dann mit dem Erbsen-Ziegenfrischkäse, dem Mehl, dem Eigelb und dem Parmesan zu einem glatten Teig mischen. Mit Salz und Pfeffer abschmecken. Den Teig mit feuchten Händen zu 20 Knödelchen formen und in kochendem Salzwasser so lange garen, bis sie nach oben steigen. Mit einer Schöpfkelle herausheben und im Ofen warmstellen.
 
Die Aubergine in 1cm große Würfel schneiden und den Sellerie in feine Scheiben schneiden. Die Zwiebeln und den Knoblauch schälen, Zwiebel fein würfeln, Knofi fein hacken. Den Oregano ebenfalls fein wiegen.
 
Das Olivenöl erhitzen, die Auberginenwürfel darin rundherum gut anbraten, mit Salz und Pfeffer würzen. Zwiebeln, Knoblauch und Sellerie dazugeben und kurz mitbraten. Kräuter unterrühren.
Tomaten klein schneiden, mit Oliven und Kapern untermischen. 
 
Das Gemüse zugedeckt ca. 20 Min. garen. Balsamico-Reduktion und Zucker untermischen, mit Salz, Pfeffer und Harissa abschmecken. Die Pinienkerne sowie den in Streifen geschnittenen Basilikum darüber streuen und zusammen mit den Erbsen-Knödeln servieren.
 
Anmerkung m: die Caponata schmeckt sowohl warm, lauwarm als auch kalt 
 
Riesenkreuzspinne

Kommentare :

  1. Oh, Ziegenfrischkäse - und Caponata, das würde mir schmecken, und wie :-).

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    1. Aus meiner Warte wüßte ich nicht, was daran nicht schmecken sollte ;-)

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  2. ... und jetzt noch ein Foto von dem azurblauen Wattewolkenschal! Obgleich schon so sehr gut vorstellbar! Und natürlich eine gute Frage und ja, ich glaube tatsächlich, dass man - um nicht desillusioniert in die Zukunft zu gucken - einiges ausblenden muss, bzw. sich auf seinen "kleinen, heilen Kosmos" konzentriert. Und dabei auch gerne auf deine tollen Kücheninspirationen. Erbsenknödel und Caponata wie lecker klingt das bitte schon?! Wird nachgekocht! Sommerliche Grüße von Hannah...

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    1. Oh, Hannah, das war kein Schal, das war eine Stoffbahn und die liegen üblicherweise 1,40m breit - das hätte sonst (also mit einem schmalen Schal) auf 4m Länge kein Bild ergeben. Und ja, der "kleine, heile Kosmos" - wohl wahr, wenn das System diese Nischen nur erhält. Für viele scheint das *Join us* des Filmchens nicht zu gelten, denn ganze Branchen - von Gastro, Kultur und Tourismus - werden gerade mehrere Köpfe kürzer geschlagen.

      Ansonsten ist das Wort *desillusioniert* besser als sein Ruf: frei von Illusion zu sein, halte ich für erstrebenswert!

      Für das Jetzt und Hier funktioniert glücklicherweise weiterhin, dass man sich das Leben schöner kochen kann. Hält man sich daran, oder ;) trcokene Hitze-Grüße zurück...

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  3. Was ist denn das für ein Film vom Welt-Wirtschaftsforum! Ich weiß noch gar nicht, was ich dazu sagen soll, eigentlich hielt ich seither solche steilen Thesen für reine Verschwörung. Aber was schon mit 'THE GREAT RESET' überschrieben ist, lässt wenig Spielraum für Interpretationen. Grund genug mich hier mal laut zu machen und mich für diesen interessanten Link bei dir zu bedanken. Das muss ich erst einmal sacken lassen! viele Grüße von Diana

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    1. Also ich staunte auch derart über diesen Film, Diana, dass ich ihn wert zum Verlinken fand. Und weil wir gerade einen Programmierer als Feriengast haben, werde ich die Gelegenheit nutzen und mir in aller Ausführlichkeit das Wort *Reset* erklären lassen - um mir auch wirklich sicher zu sein, dass ich es richtig verstehe...
      dir eine schöne Woche!

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  4. Liebe Micha, als Mutter eines Zweijährigen (und momentan wieder auf Nachwuchs wartend, der sich für später im Jahr angekündigt hat), mache ich mir über die von dir genannten Fragen viele Gedanken. Dabei beschäftigt mich weniger die potenzielle Berufswahl – Hauptsache glücklich, denke ich mir so (und mal ehrlich, wann hatten Elternpläne jemals guten Einfluss auf diese Entscheidung?). Sondern eher so das große Ganze. Und klar, vieles ist nicht so toll. Ich könnte oft heulen, wenn ich mir den Zustand der Welt allzu genau anschaue. Aber dann gibt es ja auch diese Momente, diese zuckersüßen, freudestrahlenden, herzerwärmenden, glückselig-machenden Momente im Leben, die ich teilen und weitergeben möchte. Am Ende läuft es genau auf den von dir beschriebenen Dreischritt hinaus: Glaube – Liebe – Hoffnung, wobei ich vor allem auf die Liebe setze. Ich kann meinem Kind nur mitgeben, was ich selber kontrollieren kann. Aber das kann ich so gut wie möglich machen. Und dann halt hoffen, ne? Liebe Grüße, Lara

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    1. Nicht von ungefähr, liebe Lara, nennt der Volksmund *schwanger sein* auch *guter Hoffnung sein*, oder ;-)?! Und die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt. Trotzdem gehe ich davon aus, dass die Herausforderungen an die kommenden Generationen größer werden. Je mehr die Lebensgrundlage schrumpft - sprich die Natur stirbt - umso schlimmere Verteilungskämpfe werden stattfinden. Gleichzeitig entsteht parallel dazu eine zunehmend künstliche Welt, die der Maschinen, der Systeme, der Funktionalität, der Kalkulationen. Klar, früher gabs auch Kriege und nüchtern betrachtet war das Leben noch nie reines Zuckerschlecken. Aber je mehr sich die Polarität auf der Erde zuspitzt umso stellt sich für mich die Frage: *Woran hängst du deinen Himmel auf? Was ist dein Glaube, deine Liebe, deine Hoffnung?*

      Alles Gute für deine Schwangerschaft! und liebe Grüße zurück...

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  5. Die Erbsenknödel sehen lecker aus. Danke für das Rezept!

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