SOCIAL MEDIA

Dienstag, 19. Januar 2021

Down to earth: Kürbislasagne mit Mangold und Grünkern

 

Ich liebe mein Youtube, ich wollte echt nicht mehr ohne sein. Sehr gut kann ich mich an mein erstes Filmchen dort erinnern: ENDLICH mal einem Bäcker auf die Finger schauen können, wie Brotteiglinge professionell bearbeitet werden. Mittlerweile gäbs zu dem Thema ja eine schier erschlagende Auswahl - damals noch nicht. Nur ist jetzt mein Ehrgeiz, was das Brotbacken angeht, ziemlich abhanden gekommen. Mit Porridge und Intervallfasten ist die Brotmenge, die wir verzehren, sehr gering geworden. Meiner Freude am Brotbacken tut das jedoch keinen Abbruch.

Oder auch meine tägliche Yoga-Dosis wäre ohne Youtube völlig undenkbar. Ja, dafür ist Youtube regelrecht unverzichtbar. Was bin ich froh, dass ich das Yoga schon vor den seltsamen Zeiten als Routine in meinen Alltag eingeführt habe. Im vergangenen Jahr habe ich das sogar noch intensiviert. Und so macht meine Yoga-Praxis-Selbstdisziplin eines der Standbeine aus, die mich während des AZs stabilisieren.

Obendrein all die Unterhaltung und Zerstreuung, die mir Youtube bietet! I like! Richtig begeistert bin ich, dass Youtube von all jenen als Plattform genutzt werden kann, die nicht über dickes Vitamin-B, lukrative Seilschaften oder entsprechende Kontakte verfügen, aber auf diese Weise trotzdem ihr Content auf der Welt verbreiten können: in Eigenregie, dank Crowd-Founding oder dem Patreon-Prinzip. Dabei entstehen einfach grandiose Filme voller Herzblut und Leidenschaft!

Meine neueste Entdeckung ist der Dokumentarfilm *Down to earth*, den ich euch direkt eingestellt habe. Die Macher davon sind ein niederländisches Paar mit drei Kindern, die aus ihrem Arbeitsleben ausstiegen, auswanderten an den Michigansee, um dort gemeinsam mit den Anishnaabe, einem Clan von amerikanischen Ureinwohnern, zu leben. In den vier Jahren dort entwickelten sich auch ihre tiefer gehenden Fragen und das damit einhergehende Filmprojekt. Von dort starteten sie ihre Weltreise als Familie zu den *Hütern der Erde*, zu Stammesältesten, Heilern, Medizinmännern und Schamanen, die alle bereit waren, ihre Weisheit mit ihnen - und dank Filmaufnahmen - mit der Welt zu teilen.


 

Beeindruckend  (das müsste es selbst für den größten Skeptiker sein) ist, wie deckungsgleich ihre Aussagen sind, wie sehr sich ihre Haltungen ähneln, wie einfach diese sind und wie leicht verständlich. Einhellig weisen sie darauf hin, dass Quell allen Übels ist, dass wir die Verbindung zur Erde verloren haben - und damit unsere Spiritualität.

Ein für mich passender Untertitel wäre das bereits mit euch geteilte Zitat von dem russischen Philosophen, das für mich zu meinen persönlichen, wichtigsten Sätzen 2020 zählte (#Team Kalendersprüche) gehört. Er spricht darüber, dass wir mit der Technologisierung begannen, uns über die Natur zu stellen und dabei den Kontakt zu unserem Inneren, zu unserer Seele verloren. Indem wir uns von der Natur entfremdeten, * haben wir Gott getötet. Und nun töten wir den Menschen exakt auf die gleiche Art, wie wir Gott getötet haben. Wir haben die spirituelle Dimension des Seins verloren.* An die Stelle von Spritualität setzte sich Hochmut und Verblendung.

Wie wohltuend, wie absolut wohltuend beim Anschauen dieses Film ist der gewonnene Eindruck: wir sind nicht alleine. Es gibt noch andere, die gerne in Harmonie mit der Natur leben würden, die nach Alternativen suchen, die die Hoffnung nicht aufgeben wollen, dass ein Wandel möglich wäre. Und wir sind sogar viele. Wie sich schon zeigte in Hamburg bei den riesigen, friedlichen Demonstration während des G20-Gipfels: so viele Menschen, die auf der Straße veranschaulichten, dass sie mit dem Kurs der herrschenden Systeme nicht einverstanden sind. Das spendet Hoffnung - zumindest für einen Moment.

Aber am Großen und Ganzen wird das nicht das Geringste ändern. Ein weltumspannendes System lässt sich nicht mehr ins Kippen bringen. Die Skrupellosen werden skrupellos bleiben, die Gierigen nie genug bekommen - die Mächtigen sind deshalb heute mächtig, weil sie diese Prinzipien reich machten. Es ist zu spät, das Ausmaß der Zerstörung nicht mehr umkehrbar. Ich weiß, die nüchterne Wahrheit bar aller Illusion klingt schnell zynisch oder verbittert. Und Menschen können zornig werden, wenn man ihnen ihre Illusionen nehmen will. Ich bin ja sowas von bereit, mich vom Gegenteil überzeugen zu lassen. Doch Kernaussage des Filmes bleibt für mich die von Nawaten:

*Nur darum geht es, wenn du erkennest, dass du nicht zufrieden bist, wie alles ist, dass du dann zum Suchenden wirst. Nicht nach der Wahrheit von jemand anderem, sondern deiner eigenen.* Jeder einzelne muss sich auf den Weg machen - Grundsatzentscheidungen stehen an, die einem niemand abnehmen kann.

 


Ich weiß nicht wie, aber irgendwie ist Grünkern aus meinem Sichtfenster verschwunden. Sehr vermutlich, weil er in Frankeich nicht aufzutreiben ist. Grünkern, blé vert, da wird man hier selbst im Bio-Laden mit großen Augen angeschaut: Qu'est-ce que c'est? Jamais entendu parler! Tsss, DAS typische Produkt, schon immer das key piece eines jeden Körnerladens in Deutschland kennt im Nachbarland kein Mensch! Wird Zeit, dass ich mal wieder nach Deutschland komme...

Nach dieser Lasagne aber kann ich euch vorhersagen, dass es in Zukunft hier wieder mehr Rezepte mit Grünkern geben wird (also so lange meine Vorräte reichen). Was haben wir geschnurrt beim Essen und ordentlich reingehauen. Ich hätte mich am liebsten reingesetzt. Und die Kombi Kürbis-Mangold halte ich sowieso für made in heaven!

 

Zutaten 2P:

170g Grünkern, grob geschrotet
200ml Gemüsebrühe
1 Zwiebel
2 Knoblauchzehen 
1 Glas Ofentomaten (ca. 200g)*
ca. 150ml Gemüsebrühe
1 Schuß Rotwein
1 TL Thymian
1 TL Oregano
1 Zweig Rosmarin
1 Msp Zimt
Harissa
1 EL Tamari
400g Kürbis (m: Butternut)
200g Mangold
1 EL Crème fraîche
1 Mozzarella, in Scheiben geschnitten

etwas Bergkäse, gerieben
Olivenöl

Zubereitung:

Grünkern am Abend zuvor mit 200ml kochender Gemüsebrühe übergießen, umrühren und abgedeckt und kühl gestellt quellen lassen (verkürzt die Kochzeit enorm).

Zwiebel und Knoblauch fein würfeln. In Olivenöl gläsig dünsten. Grünkern zufügen, ebenso Thymian, Oregano und Rosmarin. Tomaten und zusätzliche Gemüsebrühe sowie den Schuß Rotwein anschütten. Mit einer Prise Zimt würzen. Bei kleiner Flamme ca. 20min zugedeckt köcheln lassen, dabei immer wieder umrühren und darauf achten, dass der Grünkern nicht anhängt. Wenn nötig noch etwas Brühe anschütten. Abschmecken mit Harissa und Tamari, Salz und Pfeffer.

Mangold waschen, Stiele von Blätter trennen und getrennt von einander weiterverarbeiten: Stiele klein schneiden, ebenso die Mangoldblätter in feine Streifen schneiden. Die Stiele in etwas Olivenöl anbraten, dann die Mangoldblätter zufügen mit 3-4 EL Brühe und diese kurz zusammenfallen lassen. Würzen mit Salz, Pfeffer und die Creme unterziehen.

Den Kürbis schälen und in sehr feine Scheiben hobeln (m: mit V-Hobel von Börner).

Gratinform ölen, die Hälfte des Mangols auf den Boden geben, darauf die Hälfte von der Grünkern-Tomaten-Masse sowie die Hälfte des Mozzarellas und zuoberst ein Drittel der Kürbisscheiben darauf verteieln, alles ein zweites Mal derart schichten. Zuletzt abschließen mit Kürbisscheiben. Mit etwas Olivenöl beträufeln, etwas Bergkäse darauf verteilen sowie etwas Thymianblättchen.

In den vorgeheizten Ofen bei 200° (Umluft) ca 40 min im Ofen backen.

*Anmerkung m: Anstelle von Ofentomaten und etwas Gemüsebrühe kann man auch eine Dose stückige Tomaten verwenden/ Anmerkung für mich: das nächste Mal eine größere Gratinform verwenden!



** Wer mag, kann sich gegen einen kleinen Obolus (schönes, altes, aus der Mode gekommenes Wort) auf der Homepage von *Down to earth* den Film in seiner bevorzugten Sprache herunterladen. Ein so sehenswerter Film, für den ich nur zu gerne Promo mache: hier werden den richtigen Menschen die richtigen Fragen gestellt.

10 Kommentare :

  1. Du weißt ja, wo du dich melden kannst, solltest du Grünkernnotstand haben!
    Diese Lasagne wird sicher von mir ausprobiert.
    Viele Grüße von Hannah

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Das ist ein zaubehaftes Angebot, herzlichen Dank, liebe Hannah!

      Löschen
    2. Und das ist eine total leckere "Lasagne", die mal wieder beweist, dass man jedwedes Gemüse / Getreide an das Kind bekommt, nennt man das Gericht, das damit gekocht wird wahlweise Lasagne/Nudel/Pizza/Klößchen ;-) Mangold so als Gemüse? Keine Chance! Aber hey, Mangold in Lasagne - kein Genörgel wert! Den Grünkern fand ich auch ganz toll da drin. Ich fand auch schon die Komponente des tomatigen Grünkerns als "Einzelbestandteil" sehr lecker und merke sie mir auch als solchen vielelicht zu einem Rahmwirsing und Pflanzenpflanzerln...Gerne weitere Rezepte mit Grünkern! Obgleich hier erhältlich, verschwindet er auch immer wieder aus meinem Blickfeld... Habt ein schönes Wochenende! Hannah

      Löschen
    3. Ich finde auch, Hannah, dass Günkern nachwievor die beste *Alternative fü Hack* ist. Und deshalb kann man damit hevorragend Spaghetti Bolognese machen oder sonstige Eintöpfe. Also ich entdecke Grünkern gerade wieder ganz neu. 2 weitere Rezepte damit sind schon in der Warteschleife... schönen SO euch!

      Löschen
  2. Du kannst ihn im schlimmsten Fall auch bestellen ;-) (als "épeautre vert", halbreif geernteter, gedarrter Dinkel. Ist dann allerdings kein französisches Produkt…)
    Liebe Grüße!

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Es ist definitiv Zeit des Online-Handels, Svea! Heute muss man sich eher fragen, was man nicht online kaufen kann wie umgekehrt. Grünkern ist unreifer Dinkel, das ist richtig!

      Löschen
  3. Liebe Micha,
    immer wieder ist es ein Geschenk zu erfahren, dass es möglich ist, Menschen zu begegnen, denen wir ganz nah sind im Denken und Fühlen.
    Gern lasse ich mich von Deinen philosophischen Texte überraschen und trage sie dann im o.g. Sinne voller Freude durch den Tag :-))
    Dem heutigen Text gebe ich gern noch drei Sätze eines sehr weisen Mannes als Zugabe:
    "Menschen wurden erschaffen,
    um geliebt zu werden.
    Dinge wurden geschaffen,
    um benutzt zu werden.
    Der Grund, warum sich die Welt im Chaos befindet,
    ist weil
    Dinge geliebt und
    Menschen benutzt werden." Dalai Lama

    Herzlichst und immer wieder DANKE an die "Literarische Köchin" oder "Teller füllende Philosophin" Was gefällt Dir wohl besser?

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Liebe Christine, du bist eine echte Wunschleserin! Dein Kommentar ist Öl auf meine geschwächte Mühlen, gerade wenn ich hadere, warum ich mir die Mühe mache, derlei Artikel mit viel Herzblut zu schreiben, anstelle einfach mit *leckerlecker* einzuleiten. Wenn ich dann aber ein Feedback wie deines erhalte, dann weiß ich wieder warum. Vielen lieben Dank für as so passende Dalai-Lama-Zitat und die schmeichelnden Komplimente! Fühl' dich umarmt (so dürfen wir noch ;), herzlichst zurück...

      Löschen
  4. Es tut weh, es zu lesen ... Dass alles verloren ist. Vielleicht stimmt es - aber nimmt es uns nicht jede Möglichkeit, jeden Willen, etwas zu verändern? Die Hoffnung stirbt zuletzt ... Oder?
    Alles Liebe zu dir - und Danke für deinen Filmtipp :-)

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Meine Aufforderung ist, liebe Maria, sich selbst an die eigene Nase zu fassen à la *Sei du selbst die Veränderung, die du dir wünscht für diese Welt*! (Gandhi) Und sind wir damit nicht - jeder für sich - gut ausgelastet? Und bietet das nicht Hoffnung, dass dieser Wandel im Kleinen allzeit möglich bleibt? viele liebe Grüße zurück...

      Löschen

Wenn du auf meinem Blog kommentierst, werden die von dir eingegebenen Formulardaten (und unter Umständen auch weitere personenbezogene Daten, wie z. B. deine IP-Adresse) an Google-Server übermittelt. Mehr Infos dazu findest du in meiner Datenschutzerklärung und in der Datenschutzerklärung von Google.

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...