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Mittwoch, 1. Juni 2022

Salat-Plus mit Kouign - bretonische Kartoffel-Käse-Plätzchen


Doch, er erinnere sich noch sehr gut, meinte ein Alteingesessener, als wir bei Gusto einen café zusammen getrunken haben, als kleiner gamin schon hätte er seinem Großvater im Garten geholfen und 1945 hätte der Sommer mit genau der gleichen Hitze und Trockenheit begonnen wie dieses Jahr. Zwar ist das Wetter Standart-Smalltalk-Thema Nummer 1 auf dem Land, aber gerade schaut man wohl doch öfters gemeinsam in den Himmel. Über einen Monat keine zählbare Regentropen, die gefallen wären und das bei Hochsommertemperaturen. Das Gießverbot kommt selten früh. Schon deutlich anders als sonst, macht doch die Artenvielfalt in der Drôme das mediterrane sowie alpine Mischklima aus. Und der Mai ist eigentlich der Monat, in dem meine Lieblingswolken über uns hinwegziehen, die, die auf Halbmast hängen und immer wieder schauern, bis der Mistral wieder dazwischenfunkt und alles blank putzt.

Also hofft man mal auf einen ausgiebigen Landregen - so wie anderenorts Sonne herbeigewünscht wird. Gut, dass der Mensch das Wetter noch nicht machen kann. *Der Kapitalismus trägt den Krieg in sich wie die Wolke den Regen*, sagt Jean Jaurès. Aber magere Jahre, Äcker, die brach liegen zur Erholung, Missernten und dergleichen sind nun mal im engen Rechenkorsett der Weltwirtschaftsindustrie nicht vorgesehen. Gäbs ein politisches Quartettspiel würde die Kapitalismus-Karte die Demokratie-Karte lässig trumpfen, fiel im Gespräch mit Feriengästen. Überhaupt: auch viele Unterhaltungen landen bei polititschen Themen. Alles irgendwie einschlägig aufgeladen, oder? Man hat eigentlich so gar keine Lust mehr, sich damit auseinanderzusetzen... und wird doch irgendwie immer genötigt durch täglich neue Ungeheuerlichkeiten und Unzumutbarkeiten. Als wäre die sorglose Zeit, in der man dieses Rauschen weitestgehend ignorieren konnte, vorbei.

Vielleicht ist das mit ein Grund, warum ich das Blog gerade eher stiefmütterlich behandle. Denn sobald ich den Laptop aufmache, komme ich um derlei Themen einfach schwer drumherum. Das zieht mich so ab von mir, das tut mir nicht gut. Klar, ich könnte auf Amöbe machen oder mich auf Sportmeldungen konzentrieren. Aber für beides fehlt mir die entsprechende Grundaussattung. Still vor mich hinzumümmeln, dafür habe ich mir keine Stirnfalten erarbeitet und Sportübertragungen aus Fußballstadion oder dergleichen funktioniert nur in Kombi mit Alk. Nüchtern macht das ja keiner freiwillig mit.

In diesem erhellenden Interview erneut mit der gelenkig-denkendend Ulrike Guérot  lerne ich, dass die politikwissenschaftliche Empirie herausgefunden hat, dass derlei Gedanken bereits ein Privileg darstellen -  tiefer anteilnehmen zu können weil noch ausreichend Restkapazität für derlei Themen gelingt lediglich einem sehr kleinen Teil der Gesellschaft (noch geringer wird dementsprechend die Anzahl der kritisch Hinterfragenden) - der Rest ist schlicht ausgelastet mit der Organisation des Alltags. So höre ich fast unisono, ach, abwinkend, wir ahnens zwar, doch an den kommenden Herbst will keiner denken: jetzt ist erstmal Sommer. Dieses Jahr im Süden Frankreis bereits im Frühling.



Gekocht wird hier natürlich weiterhin. Herausgegriffen aus dem Fundus, der sich mittlerweile staut, habe ich ein Salat-Plus-Essen. Längst mal wieder fällig, oder?

Die Bretonen und die Butter - das weiß in Frankeich jeder, dass das eine große Liebe ist! Ich erinnere etwa an die anderen Kougin (sehr ähnlich geschrieben), den bretonischen Butterkuchen. Auch so supersündige Dinter! Und gute Butter zählt für mich ebenfalls zu den größten Köstlichkeiten der Welt. Echt, ein Hoch auf die Kuh! Ich habe die nordfranzösischen Kartoffelplätzchen mehr in den Süden gezogen und Thymian und Knoblauch sowie einem Tomme de brebis beigefügt. Damit kommen sie gut zurecht!


Zutaten 4P:

500 g Kartoffeln (m: festkochend)
Salz
100 g würziger Hartkäse (m: Tomme de brebis)
100 g weiche Butter, plus etwas zum Backen
100 g Mehl (m: D1050)
Thymian
3 Knoblauchzehen, fein gehackt


Zubereitung:

Kartoffeln schälen, würfeln und in Salzwasser gar kochen. Abgießen, kurz ausdampfen lassen dann in eine Schüssel geben und mit einer Gabel zerdrücken.

Den Käse dazu reiben. Butter und Mehl zugeben, alles zu einem glatten Teig verkneten und mit Salz würzen.

Teig auf der leicht bemehlten Arbeitsfläche ca. 0,5 cm dick ausrollen und Plätzchen mit ca. 6 cm Durchmesser ausstechen. Übriger Teig kann rasch zusammengeknetet und erneut ausgerollt und ausgestochen werden.

Teigplätzchen portionsweise in der Butter von beiden Seiten goldbraun ausbacken.

Anmerkung m: ich hatte die Kartoffeln ausversehen als Pellkartoffeln gekocht -  mein Teig war nach dem Zusammenmengen recht fettig und zum Auswellen bedurfte es doch eine gut bemehlte Arbeitsfläche. Geschmeckt haben uns die Plätzchen, weil einfach mal ganz anders - gerne wieder.

Quelle: Susanne aka Magentratzerl

 


schon immer mein Ding, hier in Südfrankreich besonders charmant: Flohmärkte
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