Mittwoch, 10. April 2013

3 Monate - ein Rückblick 2: Vietnam und Philippinen

 

Auf dem Landweg von Kambodscha fuhren wir per Bus über ungezählte, neue Brücken, die das weitverzweigte Mekong-Delta überspannen, durch den Süden Vietnams. Und man kann sich die seitherige Beschwerlichkeit einer Reise vorstellen: Flüsse, Kanäle, Flussarme, Mangroven. 

Laut geht es zu in diesem schnell aufstrebenden Land. Zumindest im Süden gehen die Städte grenzenlos ineinander über und man ist ständig davon irritiert, wo genau man nun gerade ist. In der Stadt, etwa Can Tho oder Ho Chi Minh, ist das Überqueren der Strassen nur etwas für Draufgänger. Die Motorräder und Mopeds, so unzählig wie die Sterne am vernebelten Nachthimmel, machen einen Heiden-Lärm in einem anarchischen Gewimmel. An den Gestank gewöhnt man sich, aber daran dass man sich den Dreck des Smogs abends von den Armen ribbeln kann, daran wollte ich mich nicht gewöhnen. Auffallend war, wie wenige amerikanische Ketten - kein McDoof, kein Kenntucky, ja eigentlich überhaupt keine - in den Straßen der vietnamesischen Städte zu finden sind. Dafür viele Kaffee-Stuben, in denen tiefschwarze, kleine Cafés gesüßt mit Kondensmilch getrunken wurden.

Gegessen und gekocht wird wie fast überall in diesen Ländern auf der Strasse, sitzend auf Mini-Kinderstühlchen - was seinen Witz hat und ein bißchen etwas von Schneewittchen. In Ho Chi Minh Stadt verwirklichte ein Resto eine so geniale wie einfache Idee: in  einer feudalen Villa versammelt es die besten Straßenköche der Stadt, die jeweils das bekannteste Gericht ihrer Garküche anbieten. Ein absolutes kulinarisches Hilight: man schaut beim Kochen zu, bestellt nach Lust und Laune und geniest in traumhaften Ambiente. Zudem ist es eine Möglichkeit für weniger Mutige, in den Genuß der typischen, tradtionellen Garküche Vietnams zu kommen, wie man sie sonst nur auf der Straße kennenlernt.

Auf die Philippinen mit seinen 7.500 Inseln freuten wir uns sehr und träumten von schneeweisen, einsamen Sandstränden, wir sind da etwas verwöhnt. Um ein wenig vom Land zu sehen, muss man viel und manchmal abenteuerlich reisen, mit dem Flieger, dem Jet-Schnellboot, den Fähren, den Fischerbooten, den Jeepneys .... über Pisten, durch den Urwald usw. Überraschend war: egal wie beschwerlich eine Anreise auch war, es sind schon Weiße (Aussteiger) da, Deutsche, Schweizer, Australier, Amis - alle verheiratet mit jungen Filipinas. Neben Kambodscha halten die Philippinen den traurigen Rekord in der Statistik für Kinderprostitution. Arbeit und die Möglichkeit Geld zu verdienen, gibt es für die Einheimischen auf den Inseln kaum.

Auf den Phillipinen wurde uns auch klar, wie sehr das Internet oder Facebook das Reisen verändert. Fast meint man zu beobachten, dass das geschoßene Foto, stets mit dem Untertitel *I was here* wichtiger ist, als das Kennenlernen der fremden Kultur. Dazu braucht es eigentlich etwas Zeit. Doch länger als zwei Nächte an einem Ort blieben die wenigsten. Auch auf die Gefahr hin, wieder sehr kritisch zu klingen, aber das hat etwas von Konsum. 

Nebeneffekt ist außerdem, dass selbst der hinterste Winkel so zu seinem Auftriff und seiner *Bewertung* im Netz kommt und es den *Geheimtipp* vom entlegenen, einsamen Fleckchen im Prinzip nicht mehr gibt. Die Welt ist schlicht entdeckt und von Trampelpfaden durchzogen. Im Falle der Philippinen mit faszinierender teils wilder Natur. Und wer sich im katholischen, hahnenkampfliebenden, kinderreichen Land bei den Einheimischen beliebt machen möchte, der sollte vor Caraokee keine Scheu haben...


Zusammenfassung:
















Kommentare:

  1. wunderschöne, tolle Fotos! Das macht Lust auf Reisen & Entdecken :)

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  2. Danke für die Eindrücke und Mitnehmen! Ich hoffe nur, es gibt nie ein Foto von mir bei dem ich ein Nickerchen mit offenem Mund mache. ;-)

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  3. Danke für die schönen Fotos!
    Micha, könnt ihr eigentlich die Sprachen der Länder, in die ihr reist? Ich bin immer vollkommen hilflos, wenn wir irgendwo sind, wo ich nicht einmal ein einziges Wort lesen kann. Und ihr reist ja doch immer ganz individuell, hab ich den Eindruck. Mich interessiert, wie ihr da zurecht kommt.

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  4. Danke für deine wunderbaren Einblicke abseits von Hochglanzprospekten! Die Fragen der Turbohausfrau beschäftigen mich übrigens auch :-)

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  5. Danke für die schönen Fotos und die Eindrücke. Mir geht's genau wie Dir, dieses ständige Fotografieren und facebooken usw. scheint vielen wichtiger, als mit Einheimischen ein paar Worte zu wechseln. Ich muss aber zugeben, dass ich manchmal auch zu viel fotografiere. Und von den richtig guten Erlebnisse gibt's kein Foto, weil ich das dann vergesse. :-)

    Und was die jungen Ehefrauen so denken, manifestiert sich auf den Aufdrucken der T-Shirts, die es dort überall zu kaufen gibt "no money, no honey", d.h. die sind auch schnell wieder weg, wenn das Geld alle ist. Ich persönlich habe andere Ansprüche an Liebe und eine Beziehung...

    Ich spreche übrigens diese Sprachen auch nicht, man kommt was Reisen angeht (Bustransfer buchen, Hotel oder Guesthouse) oft mit Englisch und immer (!) mit einem Lächeln und Händen und Füßen und oft noch mit Geduld weiter. Ein guter Reiseführer, also ein Buch meine ich, hilft, und inzwischen doch auch das Internet, für Reiseberichte, Flugverbindungen, usw. Auf den Philippinen war Englisch überhaupt kein Problem, in Kambodscha habe ich mich auch mal in meinem eingerosteten Französisch mit einem älteren Mann unterhalten, Kambodscha und Vietnam waren ja mal französisch. Inzwischen ist aber Englisch mehr verbreitet.

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  6. Danke für die schönen Eindrücke, die Du da mit uns teilst. Ich habe mittlerweile einen für mich sehr guten Weg gefunden: Entweder gehe ich meinem Hobby der Fotografie nach, oder ich genieße. Das funktioniert sehr, sehr gut so.

    Besonders toll finde ich das Bild der "Balkonküche"...

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  7. @Sandra: *Um zu begreifen, daß der Himmel überall blau ist, braucht man nicht um die Welt zu reisen.* sagt Goethe und da hat er recht :)

    @Zorra: Ich bin mir sicher, du siehst auch schlafend mit offenem Mund charmant aus ;)

    @Turbohausfrau: Gerade für Guesthäuser und Traveller-Unterkünfte gibt es mittlerweile wirklich gute Bücher (Reiseführer). Und auf den Philippinen etwa ist die Zweitsprache - noch von der amerikanischen Besatzungszeit - englisch.

    Im ganzen asiatischen Raum bekommt man sich weitestgehend mit englisch durchgeschlagen. Innerlich muß ich gerade lachen, weil mir einfällt, wie in Kambodscha von *Tä Dola* gesprochen wurde - und wir *Hä?* (was meint sie nur, was hat sie nur?) Aber die Kambodschaner können kein *l* und kein *f* aussprechen und das hieß dann *twelve Dollar* :)

    Zur Not ist Pantomime auch immer eine Einlage wert!

    @Petra: Die Eindrücke, die man auf individuellen Reisen sammelt unterscheiden sich sehr von organisierten Gruppen - vieles ist natürlich anstrengender, weil man alles vor Ort selbst managen muß. Aber der Kitzel der Ungewißheit... das hat was.

    @Barbara: Wenn ich auch an die ganzen T-Shirts mit Bier-Werbung (Ankor...) denke...tsss... Und ganz und gar d'accord mit dir zum Thema *Individual-Reisen*. Mittlerweile kann man sich vorab sehr gut informieren - was aber wiederum auch zur Folge hat, dass einige ihre Reise im vorhinein minutiös durchplanen. Und das ist wiederum so gar nicht unseres. Das Schöne ist ja, dass man spontan und wendig ist, wenn man nur zu zweit reist.

    Und Gelegenheit für unser Französisch bekamen wir nie, dem sind wir nicht begegnet. In Asien habe ich die Welt *Englisch* erlebt.

    @Uwe: Beim Reisen finde ich das Fotografieren viel schwieriger als hier zuhause. Ich mag Menschen nicht mit der Kamera bedrängen und mir außerdem zuerst einen Eindruck machen und einen Ort auf mich wirken lassen, ohne den Blick durch den Foto. Glücklicherweise reisen wir ja meist mit genügend Zeit...

    Und ja, das Balkonküchenbild ist was für Foodies :)

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  8. Huch, ich hab noch gar nicht danke gesagt für deine Antwort! Die Geschichte mit den 12 Dollars ist gut. :D

    Straßenschilder sind in lesbarer Schrift?
    Mich hat das im November auf Kuba ganz kribbelig gemacht, dass fast gar keine Schilder da sind. Wie man da durch eine Stadt auf eigene Faust durchfahren kann, wird mir für alle Zeiten ein Rätsel bleiben.

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