Freitag, 18. Oktober 2013

Berauschende frische Pasta mit Fenchel und Pastisrahm

Der Anisschnaps ist aus Frankreich nicht wegzudenken. Noch heute zählt Ricard/  Pernod/  Pastis/ 51 zu den beliebtesten Apéritifs.

Die wenigsten wissen, dass die Erfolggeschichte des Pastis (leitet sich ab von dem franz. Wort pastiche = Nachahmung) einherging mit dem Verbot für Absinth - einem Kräuterschnaps, der nicht zwingend gesundheitsfördernd wirken mußte.

Ende des 19.Jahrhunderts gab sich selbst die Bohème der nachmittäglichen, *grünen Stunde* hin. Es grenzt an ein Wunder, dass ein Getränk, das en principe blind macht, einige Maler nicht vom Malen abhielt - man denke beispielsweise an Toulouse-Lautrec, Degas oder van Gogh.

Auch ich kann bestätigen, dass er mir noch zu geübten Zeiten (als Absinth in Deutschland wieder frisch für den Markt in entschärfter Form freigeben wurde) ein sehr schnelles Ticket zum Karussellfahren wurde - und zwar der schlimmsten Sorte (ich sag' nur *die Krake* - ist da schon mal jemand auf der Krimes freiwillig eingestiegen?).

Es soll nicht verheimlicht werden, dass auch der übermäßige Genuß von Pastis seine Tücken hat. Am nächsten Morgen kann man mit einem Gläschen Wasser auf den Brand genau dort anküpfen, wo man abends zuvor stehen geblieben war.

Mir dient der gute Anisschnaps lediglich als Geschmacksverstärker. Wie Rausch geht, habe ich ausreichend verstanden. Nun entdecke ich die Nüchternheit. Und ich hätte wirklich nicht gedacht, dass man auch dabei in große Untiefen gelangt. Allerdings sind die ganz anderer Art.
Zutaten:

Pastateig:
150g Mehl
50g helles Einkornmehl
2 Eier
2 EL Olivenöl
Salz

2 Fenchelknollen, halbiert und in feinen Scheiben, das Grün verwahren
1 coeur de bouef (Fleischtomate)
100g Cocktailtomaten, halbiert
1 Schalotte, in Ringen
2 Knoblauchzehen
1 TL Fenchelsaat
1 guten Schuss Pastis
1 kleinen Schluck Weisswein
100 ml Gemüsebrühe
(m: Paste, 2.Edition ohne Kohl mit viel Petersilienwurzel)
2 EL crème fraîche
Olivenöl
Salz
frisch geriebener Parmesan
Zubereitung:

Nudelteig wie gewohnt zubereiten und zu Tagliatelle schneiden. Auf einem sauberen, bemehlten Tuch lagern.

Die Fleischtomate überbrühen, häuten und in kleine Würfel schneiden. Ebenfalls die Schalotte sowie die Knolbauchzehen fein würfeln.

Olivenöl in einem Topf erhitzen, Fenchelsaat darin anrösten, dann die Fenchelknollen zugeben und gut anschwitzen. Kurz vor Ende Schalotte und Knoblauch zufügen. Mit Weisswein ablöschen und einreduzieren lassen, dann die Brühe, sowie die kleingeschnittene Tomate zugeben und zugedeckt für etwa 10 Minuten köcheln, bis der Fenchel gar ist.

Den Pernot angießen, die halbierten Kirschtomaten zugeben, ebenso die Crème und auf kleiner Hitze zugedeckt für 5 Minuten ziehen lassen. Mit Salz und Pfeffer abschmecken

Die Tagliatelle in reichlich Salzwasser garen, abschütten und mit der Fenchelsauce vermengen. Parmesan drüber streuen, ebenso das Fenchelgrün darüber geben und servieren.
Inspiration: Tina von foodina

Kommentare:

  1. Das klingt ja mal wieder lecker. Schade, dass meine bessere Hälfte keinen Pastis mag...

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  2. Derart gekocht, verträgt man auch einen ganz guten Schuss Anisschnaps, ohne dass einem schwindlig wird. Schönes Winterrezept, das warm gibt.

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  3. Ein kühles Gläschen im Sommer mag ich wirklich gern. Ansonsten benutze ich Pastis aber auch meist zum Kochen und in Kombination mit Fenchel kommt immer was leckeres raus.

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  4. Ja ja, das pöhse Thujon sollte ja verantwortlich sein für die schreckliche Wirkung des Absinths. Und dieses Gerücht hält sich hartnäckig.

    Dabei ist es der Alkohol. Früher gerne übel fusselig und halt wirklich hoch konzentriert. Ein Absinth der etwas auf sich hält, hat von 58 bis 67 Volumenprozent Alkohol. Da wird bei entsprechendem Konsum gerne mal die Sehkraft, oder auch die Muttersprache verloren.

    Was nichts daran ändert, dass dies ein sehr schönes Gericht ist. Ich liebe Fenchel (und gelegentlich auch ein Gläschen Absinth.

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  5. So ein schönes Rezept!
    Und ich hab diese Woche ein Pasta-Rezept mit Fenchel nachgekocht und das grauslichste Essen seit langer Zeit produziert. Hätte ich bloß dein Rezept früher gehabt!

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  6. Schön, der Satz "Wie Rausch geht, habe ich ausreichend verstanden"! Den lasse ich mir auf der Zunge zergehen - und die Bilder auch, wie immer. Du bist doch nicht wirklich immer noch im Sommertop unterwegs, oder...?

    Liebe Grüße, nüchtern, arbeitend...
    Mond

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  7. Absinth Absinth.... ich kann mich da nur an eine Nacht in einer WG vor paar Jahren errinnern da trank man dann mal Absinth und ja der werte Herr befand sich wenige Zeit später unten vor dem Hause in einem Springbrunnen sitzend im Wasser wieder :) das ist meine Erinnerung an Absinth ;D Wir riefen nur von oben aus dem Fenster Hey du sitzt im Wasser....Ach? Jaa?! Ohhhh ;-) Fenchel haben wir total vergessen zu pflanzen :( Aber deiner ist um so schöner :)

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  8. Wie wahr, liebe Micha! Dieses Rezept ist wahrhaft berauschend - mich hast Du mit Pastis sowieso immer ;-) Mein Lieblingsmarke: J.anot!

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  9. auf pastistrinken hab ich grad so gar keine lust, was sich hervorragend trifft, weil dein rezept wieder einmal herrlich klingt.

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  10. Trinken mag ich Pastis nicht so gerne, aber im Essen schon :-) mit Fenchel perfekt!
    Ich hab einiges an Alkohol zuhause, was ich ausschließlich zum Kochen und Backen verwende, aber niemals trinke.
    Allerdings kann ich mich an ähnliche Schwindelgefühle nach leicht exzessivem Sambucagenuss erinnern ;-)

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  11. @Melanie: Ach, dann läßt man den Pastis weg - wir wollen deinen Süßen doch nicht verkraulen!

    @Robert: Wenn das warme Gericht nicht wärmt, dann aber das Schnäpschen.

    @Schnichschnackschnuck: SO wird das aber nix mit dem Karussellfahren. Aber ich hätte eh nicht gezweifelt, dass du wie alle meine Leser zu den genüsslichen Alkoholnippner zählst ;)

    @Gottfried: Ob im Fusel nun noch ein Kraut schwimmt oder nicht...
    Vermutlich wäre Absinth auch ein gutes Mittel zum Wunden desinfizieren - äußerliche Anwendung :)

    @Susi: Ach komm, das mag ich dir gar nicht glauben. Bei dir schmeckt mir alles!

    @Mond: Wir hatten/ haben golden-warme Herbsttage: T-Shirt-Wetter :)

    @Juli: Ein Eimer kaltes Wasser über den Kopf hätte mir vielleicht auch gut getan - aber gleich in den Springbrunnen sitzen.... Sehr vernünftig :)

    @Sabine: Das nenne ich ganz und gar in Frankreich akklimatisiert ;)

    @Mme Ulma: Wir finden schon etwas, um auf das Leben anzustoßen.

    @Britta: Uargh, Sambuco... erinnere mich nicht daran! Schlimm! Er wurde für den Rest des Lebens von der Liste gestrichen. Nach einem *leicht exzessiven* Abend ;)

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  12. Garnelen, Tomaten und Pastis hab ich schon mal kombiniert, sehr lecker. Meer und Pastis passt super. Und dann noch selbstgemachte Nudeln, das kann nur klasse sein. Auch wenn Pastis bei mir nur in den Topf kommt und nie ins Glas;-)

    T-Shirt - ich habe mir heute eine Winterjacke gekauft *schluchz*

    Lieben Gruß

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  13. Passend zu deinem heutigen Artikel - Nudeln nebenbei gekocht - fand ich auf der Suche nach einem Garnelenrezept im meiner Datei dieses Rezept.
    Fenchel war da, also los! Nebenbei geht gut, wenn man auf einen guten Vorrat zurückgreifen kann. Die kleinen Änderungen bestanden aus einem Gläschen Ofentomaten, Garnelenfond aus dem TK, Orangensaft und etwas Schale und die fehlende Creme fraiche wurde durch ein Stückchen Butter ersetzt. Alles zusammen in einer guten Viertelstunde umgesetzt.
    Schnell und oberköstlich!!
    Liebe Grüße
    Ulrike

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