Sonntag, 24. Januar 2016

Suppenmoment: Rote Bete-Ingwer-Suppe mit Meerrettich-Nocken


Der Zauber liegt im Moment. Eine alte Binsenweisheit. Man wird wie aufgesogen von einer Sache, einer Beschäftigung, manchmal (selten) sogar von einem Menschen. Dann sprengt die Zeit ihre starren Fesseln von Maß und Zahl, offenbart ihren Kern und wird Qualität. Die Zeit wird zeitlos und der Mensch alterslos. Selbstvergessenheit, Weltvergessenheit – schwimmen in der Ewigkeit. 

Die Wissenschaft versuchte diesem Phänomen bereits nach ihren Möglichkeiten habhaft zu werden und so nennt es die Psychologie wie die Pädagogik *Flow*. Beiden ist klar, dass das  so ein *Aus-sich-selbst-heraus-Ding* ist, einer Art von innerer (intrinsischer) Motivation entspringt. Das kann man weder inszenieren noch absichtlich hervorrufen (auch wenn es die Pädagogen gerne könnten). Man fällt in diese Augenblicke hinein. 

Manche kennen das vom Segeln. Oder Tanzen. Oder Knutschen, Malen, Muscheln (Himbeeren, Kastanien…) Sammeln, Tauchen… Manchmal ists gar nur ein Moment im Moment: wenn man mit dem Fahrrad durch eine Pfütze fährt und die Füße von den Pedalen nimmt, um die Beine rechts und links auszustrecken. Oder wenn man die heiße Suppe mit spitzen Lippen etwas kühler pustet, bevor man den Löffel ganz zum Mund führt… 

Diese Suppe gabs bei uns bereits zum wiederholten Mal, weil mir die Würze sehr gut gefällt sowie die ausgesprochen schöne, feste Konsistenz der Meerrettichnocken. Einzige, winzige Krittelei: die Menge der Nocken reicht meiner Meinung auch halbiert für vier Personen (so im Rezept angepaßt). Ansonsten tiptop und wie es verspricht gästetauglich!
Zutaten:

Für die Suppe:
2 Schalotten
1 Knoblauchzehe
1 EL Butter
1 Kilo Rote Bete
2 Äpfel
1 Stück Ingwer (ca. 3 cm)
2 Pimentkörner
1 Lorbeerblatt
2 Thymianzweige
Je ½ TL Fenchel-, Koriander- und Kreuzkümmelsamen
1 Schuß Weißwein
1 l Gemüsebrühe oder Wasser
1 TL abgeriebene Schale von 1 Bio-Orange
2 EL Balsamicoessig
Salz
frisch gemahlener schwarzer Pfeffer

Für die Nockerln: 
125 ml Milch
25 g Butter
Je 1 gute Prise Salz, Pfeffer, Muskatnuss 
50 g Grieß
1 Ei
1-2 EL frisch geriebener Meerrettich (m: Meerrettich-Crème)

Zubereitung:

Für die Suppe Schalotten und Knoblauch schälen und fein hacken. Butter in einem Topf schmelzen und Schalotten und Knoblauch darin 5-8 Minuten glasig anbraten. Rote Bete schälen und in Würfel schneiden. Äpfel schälen. Kerngehäuse entfernen und ebenfalls in Würfel schneiden. Ingwer fein reiben und mit Roter Bete, Äpfeln, Kräutern und Gewürzen zu den Schalotten geben. Mit dem Weißwein ablöschen und einige Minuten reduzieren lassen. Brühe aufgießen und die Rote Bete 20-25 Minuten weich kochen. Thyminanzweige und Lorbeerblatt entfernen. Orangenschale und Balsamico zur Suppe geben und die Suppe pürieren. Mit Salz und Pfeffer abschmecken.

Für die Nockerln:
Milch mit Butter aufkochen und mit Salz, Pfeffer und Muskatnuss würzen. Grieß einstreuen, unterrühren und die Masse erkalten lassen. Dann die Eier gründlich unterrühren (dies kann zu Beginn etwas mühsam sein, aber nicht verzweifeln!) und 10 Minuten stehen lassen.
 
20-30 Minuten vor dem Servieren: Mit 2 Teelöffeln kleine Nockerln formen und in leicht wallendem Salzwasser 20 Minuten zugedeckt ziehen lassen. Suppe aufwärmen.
Zum Anrichten: Meerrettichnockerln in die Suppe geben und mit frisch geriebenem Meerrettich bestreuen. 

Kommentare:

  1. Oh dieses Suppenrezept kommt mir wie gerufen..... Habe alles zu Hause und ganz viel aus eigenem Anbau :-)
    Wünsche dir heute viele zauberhafte Momente
    ❤️-lich
    Brigitte

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  2. eine Suppe mit intrinsisch wirkenden Eigenschaften. Das ruft zum Nachkochen.

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  3. Hihi, auch hier heute morgen Rote Bete und Meerrettich :-) Die Nocken gefallen mir sehr gut, das mache ich mal für meine Freundin, der Mann hier ist leider nicht so der riesige Meerrettich-Fan.
    Einen schönen Sonntag wünsche ich!

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  4. "Das kann man weder inszenieren noch absichtlich hervorrufen (auch wenn es die Pädagogen gerne könnten)."

    Liebe Grain de sel
    aber zulassen können wir`s! Bei dieser Hektik in Kita und Schule Zeit geben, damit Kinder möglichst viele dieser Flow-Wunder-Perlen erleben dürfen.

    Liebe Grüße von einer zeitspendenden Pädagogin

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  5. Ich beobachte das täglich an meinen Kindern - sie sind oft so in ihrem Tun versunken, dass ich allein mit Worten gar nicht durchdringe, wenn ich was von ihnen brauch... :-))
    Liebe Grüße!

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  6. Sowohl das Rezept, wie auch Dein Text: Ein Leckerbissen!
    Rezept ist auf der ToDo Liste!
    Danke Axel

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  7. die musste ich mir gleich mal ansehen, eine rote Beete-Suppe,
    vor Jahren - mhmm... traumhaft.

    lg netzchen

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  8. @Brigitte: Ohne zu sehr Werbung für meine seitherigen Rezepte machen zu wollen, aber es findet sich mindestens noch eine weitere sehr gute Rote-Bete-Suppe im Fundus – für Liebhaber ;)

    @Robert: Nun, das gibt ein intrinsisches bisou zurück :)

    @Britta: Mich hast du mit der Kombi direkt auf deiner Seite. Solltest du dafür deine Freundin einladen – ich wär‘ dabei :)

    @zeitspendende Pädagogin: Warum erinnert mich das gerade nur an Momos Zeitsparkasse?

    @Maria: Manche Kinder dienen da wirklich als leuchtendes Beispiel in ihrer Leichtigkeit, *sich der Zeit hinzugeben*. Allerdings brauchts dafür auch einen ungestörten Rahmen – und ich bin gewiß: den haben sie bei dir!

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  9. @Axel: Dank‘ dir für den momentverschönernden Kommentar :)

    @Netzchen: Jaha, Rote-Bete – ein echtes Feinliebchen. Auch in Suppenform!

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    1. PS: War auch dieses WE dran - toll kommt wieder auf den Tisch! Danke! LG Axel

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  10. Ja, der Flow... der fehlt mir grade. Es hakt.
    Um so schöner war es grade, deine beschriebenen Flow-Momente zu lesen. Die Tropfen eines Sommerregens auf der Zunge auffangen. Oder Schneeflocken. Der Moment, wenn man morgens aufsteht, aus dem Fenster schaut und die Welt ist weiß. Aufwachen und au dem fenster in die Weite schauen. oder den Vögeln beim Morgenkonzert zuhören. Auf einem Berg stehen, runterschauen. Hach.
    Rote Beete Suppe mag ich auch sehr, aber ich habe sie noch nei mit Einlage gegessen. Und jetzt hätte ich solche Lust auf Meerrettichnocken. Nochmal hach.

    Herzlich, Katja

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