Sonntag, 15. Januar 2017

Seifen-Oper: Tobimanbur-Risotto mit Oliven-Pangrattato

Ab und an gucken der Habib und ich Soap. Und dann klatschen wir in die Hände vor Begeisterung und rufen: Mehr Seifen-Theater bräuchte die Welt! Logologo meinen wir damit nicht diesen ganzen zwischenmenschlichen Tingeltangel, das Lügen und Betrügen, das die Serie braucht um mit der nächsten an einer Katastrophe anknüpfen zu können. Gütige Güte, nein - wir zwei halten das friedliche Nix gut aus.

Aber über einen kleinen Nebenschauplatz bekommen wir uns gar nicht mehr ein. Unser Szenenapplaus gilt *dem Auftritt des guten Freundes* - und zwar immer im entscheidenden Augenblick. In seiner Rolle als mahnendes Gegenüber, das sich wie ein kritisches Spiegelbild in den Weg stellt, spricht er dann so Sätze aus wie: *Willst du über diese Entscheidung nicht lieber noch einmal eine Nacht schlafen?* oder *Wenn du da mal nicht nur deine eigenen Interessen verfolgst* oder  (mein neuester Liebling:) *So uneinsichtig kenne ich dich gar nicht*.

Volle gar nicht wie im richtigen Leben, wo die Wegbegleiter ja die Daumen-hoch-Aufgabe übernehmen. Miemt man tatsächlich in freier Wildbahn den Soap-Freund, dann bekommt man leichterdings mit Wucht die beleidigte-Leberwurst-Pfanne um die Ohren gehauen à la *Kümmere du dich mal um deinen eigenen Mist*. An dieser Stelle jedoch kennt die Seifenoper einen völlig anderen Dreh.
 
Nämlich nun folgt die Reaktion auf die eindringlichen Worte, für die wir nun zum Händeklatschen mit den Füßen trampeln. Der andere schlägt sich daraufhin mit der flachen Hand vor die Stirn und meint betroffen und wie aus einer Art Betriebsblindheit erwachend *SO habe ich das noch gar nicht gesehen* oder *Das ich da nicht von alleine drauf gekommen bin* oder *Vielleicht sollte ich mir einen Ruck geben, um....* - HERRLICH! Leben, wie einfach könntest du sein?!

Außerdem sollte es nicht nur mehr heldenhafte Operetten-Freunde geben, auch der gute, alte Tobinambur könnte sich über mehr Zuspruch durchaus freuen. Ich weiß sowieso nicht, wieso der Tobi derart ins Hintertreffen geraten ist. Er schmeckt gegart richtig saftig mit übezeugendem Al-dente-Biss. Dem leicht süßlichen Geschmack steuert in diesem Risotto hervorragend das würzige Pangrattato entgegen. Ich finde, Tobinambur pimpt das Winteressen unter all dem Kohl hervorragend auf. Wir haben beide ordentlich nachgeschlagen. Nicht ohne uns dabei gegenseitig zu versichern, dass wir uns so maßlos eigentlich gar nicht kennen...
Zutaten 2P:

300g Tobinambur
150g Kürbis (m: Butternut)
1 Schalotte
1 Knoblauchzehe
160g Risotto-Reis
1 Schuß Noilly Prat
Gemüsebrühe
Salz, Pfeffer
Piment d'Espelette
1-2 EL Zitronensaft
50g Mascarpone
Parmesan
Olivenöl

10 schwarze Oliven
5 grüne Oliven
1 Knoblauchzehe
1 EL Pinienkerne
3 halbe, getrocknete Tomaten
1 TL Tomaten-Confit
1 TL schwarze Oliven-Tapenade
1 EL Parmesan, frisch gerieben
etwas Thymian
Salz, Pfeffer

Zubereitung:

Den Tobi schälen und in feine Scheiben schneiden. Den Kürbis in kleine Würfel von 1/2cm schneiden, die Schalotte und den Knoblauch fein würfeln. Die Schalotte und den Knoblauch in den Olivenöl glasig dünsten. Die Tobi-Scheiben ebenfalls mitrösten. Dann den Risotto-Reis mitrühren bis er leicht glasig wird. Mit einem Schuß Noilly Prat ablöschen. 

Kürbiswürfel untermengen. Die Gemüsebrühe nach und nach und unter Rühren angießen. Das Risotto solange rühren und mit Gemüsebrühe versorgen bis der Reis nur noch ein wenig Biss hat und es schön schlotzig ist. 

Parallel das Pangrattato zubereiten: dafür alle Zutaten mittelfein bis fein hacken, miteinander vermengen und abschmecken.

Vor dem Servieren Mascarpone und Parmesan unter das Risotto ziehen. Nochmals mit Salz und Pfeffer sowie Zitronensaft und Piment würzen.

Kommentare:

  1. Tja, der Tobi enthält eben viel Inulin, mit dem die an andere Zucker gewöhnte "moderne" Darmflora schlecht fertig wird. Das gleiche gilt ja für Haferwurzel, Stachys usw. auch.

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    1. Hach, wie das wieder wie Faust aufs Auge symbolisch paßt ;) - nun, wir sind wohl unmodern genug, dass wir keinerlei Verdauungsbeschwerden vermelden können. Aber für in dieser Hinsicht vielleicht Problemanfällige ein guter Hinweis, Danke Ulrike.

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  2. Das mit dem Inulin ist interessant und erklärt, warum ich wohl mit Topinambur nicht immer ganz klar komme. Um es mal schön zu umschreiben ;)

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    1. Auch Kohl und die berühmten Böhnchen produzieren geren Tönchen - für mich aber kein Hinderungsgrund beides gerne zu essen. Geht ein Problem mit Inulin mit Bauchchmerzen einher? Ich weiß es nicht.

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  3. Wir lieben Tobi und er wächst sogar in unserem Garten. Der dort geerntete ist närürlich der Beste! Im Risotto....das ist eine super Idee: das ich da nicht von alleine drauf gekommen bin ;-)). Danke fürs Rezept und einen schönen Sonntag.Lieben Gruß a.

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    1. Ja, wir haben auch welchen im Garten - mittlerweile unter den Himbeeren, wo er gar nicht hingehört... Auch so ein Geselle, der sich seine Plätze gerne selbst zuteilt. Wie gut, dass er zumindest schön blüht und auch gut schmeckt ;)... liebe Grüße zurück

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  4. ja, und... anstelle von nein oder aber kann eine ähnliche Wirkung wie eure Seifenoper haben. Ja, und... Topinambur könnt ich auch wieder mal kochen.

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    1. *Rate mir gut, doch rate mir nicht ab* - lautet ein altes Sprichwort. Ja, und... warum sollte ich mich zwischen dich und Tobi stellen...

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  5. Den "Schlag" im Ratschlag zu sehen kann man leicht verlernen, ganz einfach, indem man sich ganz uneitel nicht zu ernst nimmt ...Funktioniert auch prima bei eventuell entstehender Geräuschkulisse nach Tobigenuss...ist doch alles halb so wild! Lieben Dank für das schöne Rezept und den erfrischenden Beitrag!

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    1. Das hast du schön gesagt :)
      Wobei es schon abhängig davon ist, WER der Ratgeber ist. Und *ungefragte Ratgeber* braucht kein Mensch. Ich erinnere mich an eine kleine Skulpur an der Aka, die ich für eben einen solchen anfertigte mit dem Titel *Lieber öfters mal ein Rad schlagen als zu oft Ratschlagen*
      Ähm, und ja, und ums mal ohne Umschweife zu schreiben: Pupsen ist für mich keine Unverträglichkeit - zumal es hilfreiche Bitterkräuter dagegen gibt (vielleicht sollte ich einen kleinen Artikel dazu verfassen?).

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  6. Für ein Posting über Bitterkräuter nach Tobi-Genuss wäre ich dir sehr dankbar. Wir essen Tobi sehr gern, trauen uns danach aber nicht mehr unter Menschen. ;)

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  7. Für die moderne schnelle Küche eignet sich der Bursche aber nicht! Stunden habe ich zugebracht, ihn zwischen den Zehen zu schälen. Und Ratschläge habe ich schon lang aufgegeben. Meine Schwester zitiert hier gerne Andy Warhol: "You can't tell anybody anything".

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  8. Im Gegensatz zu meinem Hern Schatz, der ihn partout nicht mag, genhemige mir nur ab und an Topinambur. Grund ist die Explosionsgefahr. Es ist aber immer gut, ein Rezept mit Topinambur auf Lager zu haben. Vllt. kann ich meinen Mittagskocher in dieser Hinsicht doch noch bekehren.

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  9. Geraeusche hin oder her - ich werde den Risotto nachkochen.
    Mich macht nur gerade das "Pangrattato" etwas stutzig - in der Zutatenliste lese ich davon gar nix?

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    1. Nur um es nochmals deutlich zu schreiben: nicht ALLE haben Schwierigkeiten, Tobi zu verdauen - wir etwa zucken über diese Probleme nur ungläubig die Achseln!

      Und die zweite Hälte der Zutatenliste ist das Pangrattato. Viel Spaß beim Nachkochen!

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