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Freitag, 19. Januar 2018

Dörthe - Tomaten-Paprika-Suppe


Zunehmend werde ich ungnädig mit Büchern. Gefällt mir die Handlung, die Motive, die Menschen, die Sprache nicht - Bums - klappe ich es zu und breche ab. Das tat ich früher selten. Nun hatte ich es ja bereits gekauft/ in Händen/ begonnnen... - diese Ausreden lasse ich nicht mehr gelten. Es gibt so viele Bücher - warum sich aufhalten mit mittelmäßigen und schlechten oder eben solchen, die nicht zu mir sprechen. Und ich bin schwierig geworden. Schnäckig. Nenne ich nur *Das Jahr der Flut* von Magret Atwood - so viel Gutes darüber gehört, aber Sience Fiction wird einfach nicht mein Genre.

Umgekehrt schätze ich dafür *literarische Begegnungen* umso mehr. Die lese ich direkt zwei Mal hintereinander und anschließend sieht das Buch genauso gekennzeichnet aus wie mein Inneres. Wie im Falle von Dörthe Hansens *Altes Land*. Auf vielen Seiten habe ich Ausrufezeichen gesetzt und unterstrichen. Fast wehmütig trenne ich mich von dieser Weggefährtin, eine Begleitung durch die Zeit während des Lesens. Was kann diese Frau schreiben! Was eine Beobachtungsgabe!

Sätze wie in Blei gegossen: ein Inhalt - eine Form. Wie gestanzt und paradoxerweise fließt dennoch alles mit großer Selbstverständlichkeit. Oder wie Picassos späte Zeichnungen: fünf Striche - eine Taube. Mit kristalliner Klarheit seziert sie ihre Protagonisten. Man könnte meinen, dass sie sie dabei auseinander nimmt, bösartig, wie mit einem Skalpell. Das tut sie nicht. Sie schält nur die Fassade komplett ab und blickt auf das Wesentliche: die Motive hinter dem Verhalten. Und haben wir nicht alle unseren Hau weg und murgsen, pfuschen, mühen uns irgendwie an unserer Lebensgeschichte - ohne aus unserer Haut zu können. 

Aber jeder von uns hat (ob er will, oder nicht) seine Gegenpositionen, sein Gegenentwurf, sein Gegenüber. Und darin spiegeln sich die Protagonisten und ihre Umrißlinien verschärfen sich. Auf die Geschichte komme ich an anderer Stelle zu sprechen, heute drei kleine Beispiele ihrer gewitzten, schnörkellosen Sprache, damit ihr ein Bild erhaltet, warum ich so Fan bin:

*Sie kamen immer mit diesem netten, selbstironischen Lächeln, aber aus dem Lächeln ragte der Ehrgeiz wie ein kalter Fuß aus einer viel zu kurzen Decke*

*Zwei Leute und ein Kind, lose verhäkelt, drei Luftmaschen. Es hatte eben nicht gehalten. Carola hatte nur ganz leicht am Faden ziehen müssen.*

*Kaffee der schmeckte, als käme er aus einer Asphaltiermaschine. Wie Teer stand er in den Tassen, die Oberfläche schillernd wie Benzinpfützen.*



Dazu ein wärmendes, unkompliziertes Süppchen aus meinen Sommervorräten: Tomate und Paprika, im Glas und eingefroren. Viel zu selten bediene ich mich an unserem immer struppiger und ausladender werdenen Zitronengras. Dabei ist das ein herrliches Gewürz! Wer die Suppe als eigenständige Mahlzeit servieren will, kann gut und gerne Bulgur oder Couscous als Einlage unterrühren - schon braucht es nicht mehr, um gesättigt zu sein.

Zutaten 2P:

1 Zwiebel
2 Knoblauchzehen
1 Glas eingemachte, stückige Tomaten (m: 500g)
2 rote Paprika
(gegrillt, gehäutet)
1 Stange Zitronengras
1 EL Ajvar
Harissa
Piménton de la vera
Salz, Pfeffer
Zucker
125ml Kokosmilch
Kokosöl
2-3 EL gewürfeltes Brot vom Vortag

Zubereitung:

Die Zwiebel würfeln und im Kokosöl glasig anbraten. Kurz vor Ende den Knoblauch und den Pimenton zufüge und mitbraten. Tomaten und die in Stücke geschnittene Paprika zufügen. Das Zitronengras mit dem flachen Messerrücken platt klopfen und so kürzen, dass es in den Topf passt. Kokosmilch anschütten, Ajvar unterrühren und zugedeckt bei leiser Hitze 10-12min köcheln lassen.

Mit Salz, Pfeffer, Zucker und Harissa abschmecken.

Parallel dazu die Einlage vorbereiten - hier kross gebratene Brotwürfel.



Kommentare :

  1. Micha,
    meine Worte! "Altes Land" war mein Buch des Jahres! Diese Sprache, diese Vergleiche, die Metaphern - ein Lesevergnügen der Sonderklasse!
    Und klar, das Süppchen täte ich daneben auch gerne verschlingen :-)
    Liebe Grüsse aus Zürich,
    Andy

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    1. Dass Sprache wie Geschichte so glänzen - hach, viel zu selten. Die uDörthe schwebte mit ihrem *Alten Land* nur so in meinen Olymp - und seufzend befürchte ich, dass es lange braucht, bis das nächste Buch diese Höhe erklimmt. Da sind wir uns sowas von einig, Andy!

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  2. Ich wünschte ich könnte Bücher die nicht meinem Geschmack entsprechen einfach zuschlagen, weglegen und nicht mehr daran denken. Aber nichts da. Ich muss Sie immer lesen. Von vorne bis hinten. Und oft ärger ich mich bei jedem Satz darüber...

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    1. Oh, nicht, dass ich daran nicht erinnern könnte, Sarah. Ich habe davon - gerade wenn es ums Büchertauschen unterwegs geht - mir ja eine ausgewachsene, nie wieder rückgängig zu machende Paulo Coehlo Abneigung der Güterklasse A eingefangen... Nur als Beispiel ;-)

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  3. Ich hab das Buch auch mit Bedauern, dass es aus war, weggelegt und dann noch ein 2.x gelesen! Die Trakehnerstute der Hauptperson hat mich danach das mir unbekannte Ostpreußen literarisch erkunden lassen,
    lg

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    1. Friederike, und wie oft macht man das: ein ausgelesenes Buch direkt zum zweiten Mal lesen, oder? Nur verstehe ich die Trakehnerstuten-Geschichte nicht: Reitferien in Ostpreußen?

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    2. Im ehemals deutschen Ostpreußen (heute Polen, Russland) wurden die eleganten Trakehnerpferde gezüchtet - ich wollte dann mehr über Ostpreußen wissen und habe viele Familiengeschichten gelesen, vom Leben und der Landschaft in dem weiten, flachen Land bis zur Vertreibung am Ende des 2. Weltkrieges.

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  4. Die Metaphern, die bildhafte und lebendige Sprache - das mag ich ja auch hier bei dir so gern ... Das Buch werde ich kaufen :-)

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    1. Du süße Schmeichlerin, Maria :-) Nur muß ich bei allem Realismus (leider ;-) dagegenhalten, dass zwischen Dörthes Sprache und meiner Welten liegen. Das Buch ist ein Schätzchen - du wirst es nicht bereuen!

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  5. Ja, das Buch hat mich auch gefesselt, zumal der Inschennör und ich eine Fahrradtour durch das Alte Land machten. Das stellt noch ein besonderes Lesevergnügen dar.

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    1. Das passt ja toll, Ulrike - für mich stellt das *Alte Land* sowie Ostpreußen die sprichwörtlichen, böhmischen Dörfer da. Beides würde mich aber sehr interessieren!

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  6. Ich halte es da genauso wie du. Wenn mir ein Buch nicht zusagt, lege ich es sofort weg. Ist schließlich meine Lebenszeit und die möchte ich nicht mit was verplempern, das mir nicht gefällt.
    Die Suppe hört sich köstlich an.
    LG, Varis

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    1. Besser doch, Varis, man hält sich seine Geduld für seine Mitmenschen auf - schon eine ausreichend große Aufgabe. Vielleicht sammelt sich dabei ein kleiner, brauchbarer Vorrat an, durch die nun nicht mehr verplemperte Zeit beim Lesen von Unnötigem... schön wärs auf jden Fall!

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  7. Liebe Micha,
    zu dem Buch wollte ich gerade sagen, ich habe es mir wegen der wunderbaren Sprache genussvoll auf der Zunge zergehen lassen, de facto habe ich es aber geradezu verschlungen! Kurz davor habe ich "Alles Licht, das wir nicht sehen" von Anthony Doerr gelesen, anders, aber ich fand es ebenso großartig. Vielleicht wäre das ja auch was für Dich.

    Viele liebe Grüße
    Christina

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    1. Oh toll, Christina, eine Buchempfehlung! Vielen Dank - da weiß ich, was zu tun ist. *Altes Land* war nämlich ebenfalls die Empfehlung einer Freundin... und auf sowas ist halt einfach Verlaß ;-)
      herzliche Grüße zurück

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  8. Danke, dass du mich an das Buch "Altes Land" erinnerst, Micha. Das wurde mir kürzlich empfohlen, ich hab es aber wieder vergessen anstatt es mir zu besorgen. DAs wird sich nun ändern.

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