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Freitag, 6. Februar 2015

Das Billy Elliot - Risotto

Leicht geschieht es, dass Herkunft, Erwartungshaltung der Familie sowie der Einfluß der Umgebung den eigenen Lebenslauf bestimmen. Und ehe man sich versieht, laufen die ersten Schritte in die vermeintliche Eigenständigkeit vollautomatisch wie auf Schienen mit vorgegebenem Ziel. Nicht alle stemmen sich dagegen oder finden eine Neigung, sich aus eigenem Willen oder einer Passion heraus zu entwickeln. Wer die ersten Bestrebungen in eine solche Richtung unternimmt, kennt das Gefühl, den Spiegel des *hässlichen Entleins* vorgehalten zu bekommen, welches unangenehm aus der Art zu schlagen scheint.

Wunderherrlich in schönster Beschwingtheit erzählt *Billy Elliot* diese Geschichte, die viel zu selten derart abläuft, ebenso wie es viel zu wenig derart stimmungserhellende Filme gibt (Noch nicht gesehen? Unbedingt nachholen!). Ach, was fehlt es oft am Mut, die eigene Vita selbst in die Hand zu nehmen. Als der Habib und ich zusammenfanden, war schnell klar, dass ein weiterer Haushalt nach Frankreich zu schaffen, keinerlei Sinn macht. So fing ich an, meine Sachen in den letzten Wochen des Studiums zu verschenken, verteilen und zu verkaufen: die pastellbunte 60iger Jahre Küche, mein Biedermeier-Sofa, meine Billy-Regale, jede Menge Bücher uswusf. Und es fiel mir nicht leicht, denn ich hatte mir – so gut wie nicht unterstützt vom Elternhaus – alles selbst erarbeitet. *Wenns mit dem Typ schief geht, hast du noch nicht mal mehr ein Buchregal* meinte eine Freundin. Tja, manchal muß man alles auf eine Karte setzen, seinem Herzen vertrauen und vor Ungewissheit nicht zurückschrecken. Das klingt wie das umfassende Jahrmarksangebot der Eso-Szene, aber  es gilt: Just do it!

Von Roger Willemsen, dem geschätzten, hätte ich die Unterstützung wohl gehabt, der rät: *Folge deinem Stern* und die Frage *Braucht es Mut, Sie zu sein* bejaht. Das Glück in seinem Leben *hing oft mit Abbrüchen, Ausstiegen* zusammen. Ich habe ihm geglaubt (Die ganze hörenswerte Geschichte? Bitte hier entlang - die letzten Minuten).

Ohne Mut gehts einfach nicht. Sonst hätte niemand herausgefunden, dass im bäuerlichen Weißkraut ein edles Risotto steckt - also ich hätte diesen waghalsigen Versuch nicht gewagt. Bis ich dieses Rezept entdeckte und sofort Feuer und Flamme war. Zurecht! Alors, ich hätte nicht für möglich gehalten, dass Weißkohl Spitzenschuh tanzen kann...
Weißkrautrisotto 2P*: 

1 keine Schalotten, in feine Würfel geschnitten
160 g Weißkraut, in feinen Streifen
1 TL Butter
140 g Risotto-Reis (Acquerello)
1 Msp. Kreuzkümmel, fein gehackt
5 cl Weißwein
400 ml heißer Gemüsefond (evt. mehr)
30 g eiskalte Butter, in Flöckchen
Salz
Zucker
Kreuzkümmel
weißer Portwein,
reduzierter Noilly Prat

Für die Sauce
60 ml Weißwein
2 cl Noilly Prat
1 Schalotte, geschält, fein gewürfelt
190 ml Gemüsefond
2 EL Crème double
50 g Butter
Salz
weißer Portwein
reduzierter Noilly Prat
1 Prise Zucker 

Zubereitung:

Für die Sauce Weißwein mit Noilly Prat und Schalotten aufkochen und mit Fond auffüllen. Auf etwa ein Drittel einkochen lassen. Crème double und Butter einrühren und aufkochen.

Sauce durch ein Sieb passieren und im Mixer schaumig aufschlagen. Mit Salz, weißem Portwein und reduziertem Noilly Prat sowie eventuell ganz wenig Zucker abschmecken. Für das Risotto Schalottenwürfel und Weißkraut in Butter unter Schwenken andünsten. Reis einstreuen, unter weiterem Schwenken glasig werden lassen und etwas Kreuzkümmel zufügen. Weißwein aufgießen, einkochen lassen und nach und nach Geflügelfond angießen. Fertiges Risotto mit kalter Butter binden und mit Salz, Zucker, Kreuzkümmel, weißem Portwein und reduziertem Noilly Prat abschmecken. Risotto mit der Sauce servieren.

*Anmerkung m: Die Mengenverhältnisse des Rezeptes habe ich etwas verändert. Von pro Person 25g Risottoreis werden wir nicht satt. Die Butter habe ich dafür etwas reduziert. Und Geflügelfond mit Gemüsebrühe ersetzt. Der reduzierte Noilly Prat ist toll!
Quelle: SZ - Kochquartett
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