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Sonntag, 4. Februar 2018

Methusalem-Minestrone


Die über Hundert Jahre alte Sizilianerin Tonia Nola wurde nach dem Geheimnis ihres hohen Alters gefragt und sie antwortete: *Heiter und ohne Stress arbeiten, nicht neidisch sein und viel Minestrone essen*. Tja, so schlicht könnte sich das Pamphlet einer  Sekte lesen, das Manifest einer Gesundheitsbewegung oder das Transparent eines Weltverbesserers. Aber wirklich um den Finger wickelt es nur aus dem Mund einer Hundertjährigen, oder?

100 Jahre, *Sto Lat* besingen sich die Polen oder prosten sich zu. Aber will man das? Will ich hundert Jahre alt werden? Das wären ja noch ... *rechen*... EWIG!

Tendenziell finde ich die Haltung, etwas auszuhalten, durchzustehen ja nicht die schlechteste. Aber was weiß ich denn? Was weiß ich vom Älter werden, von Krankheit, Schmerzen, Leid? Neenee, da ziehe ich das Genick ein und mache den Mund zu einem Strich - dazu sage ich lieber überhaupt nichts. Vielleicht will ich es irgendwann wie Maud halten und finde, das achzig Lenze, achzig Lenze genug sind... was weiß denn ich!

Örgs. Prompt fällt mir das elendige Queens Lied *Who wants to live forever* ein. Und ich h-a-s-s-e Queen. Jeder hat doch ein paar Bands, von denen er sämtliche Songs unerträglich beschissen findet. Bei mir spielt eben Queen in dem Club der Degradierten. Oder die Scorpions. Oder... aber lassen wir das. Wobei ich an die Freddy Mercury Bar in der sagenhaft faszinierenden Stadt Sansibars (dem Geburtsort eben jenes) die besten Erinnerungen habe: in dem Viertel Jahr, in dem wir uns dort aufhielten, glich Stone Town einem Backofen und die Kleider klebten bereits nach wenigen Schritten schweißnass am Körper. Aber in dieser jener Bar direkt am Meer wehte selbst in der Mittagsglut ein frisches Windchen. Ich bin wieder abgekommen...

Die Wissenschaft hält es ja durchaus für realistisch, dass schon bald jeder zweite von uns (!) über 100 Jahre alt werden könnte. Durchaus eine Rahmenbedingung, die Denkanstoß bietet. Allein in den letzten hundert Jahren hat sich unsere Lebenserwartung gar verdoppelt. Und selbst das Erreichen von 150 Jahren scheint nicht mehr ausgeschlossen. Aber - und jetzt kommt das *Aber* (... als hätten wir es nicht gewußt): die durchschnittliche Lebenserwartung (also ebenso die zukünftige) ist stark gekoppelt an Bildung und Einkommen. Wie heißt doch ein alter, küchenaffiner Spruch, der wohl über Jahrtausende unverändert bleiben wird: Fett schwimmt oben.

Eine kleine Seitentür der Möglichkeiten bleibt bestehen - womit wir wieder bei Tonia Nola wären - es sei denn, man vermeidet Neid und Stress, versucht heiter zu bleiben und schüsselweise Minestrone zu essen. Und ich wäre doch kein Serviceblog, wenn ich mich nicht um eine fröhliche Gemüsesuppe für euch gekümmert hätte, die in kalten Zeiten wie diesen Herz und Bauch erwärmt. Ich bitte euch... Soll einer sagen...


Zutaten - 2P:

1 Zwiebel
2 Knoblauchzehen
1 Stange Lauch
1 Stange Sellerie
1 kleine Kohlrabi
3 Karotten
2 Kartoffeln, festkochend
1 handvoll fêves (oder Erbsen)
1 EL Tomatenmark
1 TL dunkle Miso-Paste
100ml Veggie-Jus
500ml Gemüsebrühe (eventuell plus)
2 Lorbeerblätter
1 Msp Pimenton dela vera
Harissa
Salz, Pfeffer
Rapsöl
100g Crozets 
Olivenöl
frische Kräuter zum Beträuen
(m: etwas Basilikum-Pesto) 

Zubereitung:

Die Zwiebel fein würfeln, ebenso den Knoblauch, das Weiße und Hellgrüne des Lauchs in Ringe schneiden, den Sellerie fein hacken. In wenig Olivenöl anschwitzen. Das Tomatenmark unterrühren und ebenfalls kurz mitrösten. Die Gemüsebrühe anschütten, den Veggie-Fond sowie die Lorbeer-Blätter und Miso zugeben und zum Kochen bringen. Die Crozets zufügen, Deckel auflegen, 5min köcheln lassen, dann die in kleine Würfel geschnittenen Kartoffeln und die in Scheiben geschnittenen Karotten zufügen, Deckel auflegen und ca. 10min köcheln lassen.

Nun den klein gewürfelten Kohlrabi zufügen. Weitere gute 5min köcheln. Den Eintopf mit Salz, Pfeffer, Harissa und Pimenton abschmecken. Kurz vor dem Servieren die geforenen Saubohnen untermengen und direkt in der Suppe warm ziehen lassen. Gegebenenfalls - wers suppiger mag - noch etwas Brühe nachschütten. Auf tiefe Teller verteilen, mit frischen Kräutern oder Pesto garnieren und duftend auf den Tisch stellen.

*Anmerkung m: die Crozets SIND in dem Eintopf - auch wenn sie sich unsichtbar abgesetzt haben... das müßt ihr mir einfach glauben. Eine schöne Variante finde ich, die Crozets nicht in der Suppe gar ziehen zu lassen, sondern getrennt in Brühe gar köcheln zu lassen und sie dann als Einlage vorher knusprig zu braten - s. Rezept Crozets

Die Jamie Minestrone bleibt eine gute Idee, vorallem das Gemüse nacheinader anzubraten bringt zusätzliches Aroma - falls ihrs weniger deftig wie heute wollt...


Kommentare :

  1. Oh ja...Queen und Scorpions. Oder, um genau zu sein - oh nein, bloß nicht!

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    1. Da liese sich doch leicht eine ganze Truppe Augemusterter zusammenstellen, oder Susanne ;-)?!

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  2. Queen geht ja noch. Don't stop me now - perfekt zum joggen. Wo es mir wirklich alle Nackenhaare aufstellt, ist: Phil -bleibmirblossweg -Collins. Dieses Trauma liegt wohl daran, dass er in meiner Kindheit wohl einmal zu oft bei Wetten dass aufgetreten ist.

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    1. Den Phil, Sarah, den kann ich irgendwie *überhören* - der spielt doch nur in der Ecke, der tut nix... oder so ;-) Aber selbstredend würde ich derlei *Musik* nicht freiwillig hören... auch klar...

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  3. Also erstens: das wäre meine Sekte! Und zweitens: Ich hasse U2.
    In diesem Sinne, schönen Abend ;)

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    1. Oder Julia? Meine auch :-)
      Und auf jeden Fall: Würg U2.
      Ad hoc fällt mir noch dieses andere Dauernervlied vom Radio ein, dieses Waschlappengejammere *Everybody hurts* - GANZ schlimm!

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  4. Mon dieu, Micha, wo hast Du denn die Fave her? So mitten im kulinarischen Winter? ;-)
    Ansonsten ist es eine tolle Suppe, damit ist das älter werden in der Tat auszuhalten.
    Aber dem älter werden verdanke ich auch, dass ich nächstens mal nach Sansibar komme ;-)
    Liebe Grüsse aus Zürich,
    Andy

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    1. Ja, du meine Güte, wo bekommst du die Saubohnen im Winter her, Andy ;-) Bei mir liegen sie in der Tiefkühle neben unseren Erbsen... für die Zeit nach der Zeit! Und Sansibar entlockt mir jederzeit ein Seufzen - da kann man auch zwei Mal hin... du wirst ja sehen...

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