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Sonntag, 21. Oktober 2018

Jamais deux: Kürbis-Serviettenknödel


Über unseren Mechaniker lasse ich nichts kommen. Im französischen Outback ist eine gute Werkstatt fast ebenso wichtig wie ein fähiger Hausarzt. Ohne Auto ist man im wilden Frankreich völlig aufgeschmissen. Ja, eigentlich braucht man zwei Autos, sollte eines mal ausfallen. So siehts aus.

Unser Garagiste ist ein richtiger Old-School-Schrauber, einer, der einem zur Begrüßung den Ellenbogen hinhält, weil die Hände stets schwarz verfärbt sind, in dessen Werkstatt - wie meine Großmutter so hübsch zu sagen pflegte -  sieben Katzen keine Maus finden würden, der aber selbst das klapprigste Vehikel wieder zum Laufen bringt. Bref: einen Mann, den man brauchen kann.

In kurzem Abstand standen wir nun vor seiner Tür. Der Habib lachte und meinte, tja, erst sieht man sich monatelang gar nicht und dann in kürzester Zeit gleich zwei Mal hintereinander - immer mit einem Reifen unterm Arm, der Luft verliert. Verschmitzt antwortete Monsieur A. mit einem tiefgründigen Schnauber, ben, c'est la série de loi, jamais deux toujours trois!

Wir staunten ihn mit offenem Mund an. Wohl kannten wir den Spruch *Was ein Mal passiert, kann auch ein zweites Mal passieren. Was aber zwei Mal passieren, WIRD ein drittes Mal passieren.* In Frankreich war er uns seither noch nicht begegnet. Im Netz machte ich mich sofort an eine kleine Recherche und stieß auf diese Seite:  jamais deux sans trois. Da schau' her: diese Redewendung gibt es weltweit!

Was eine schöne Gemengelage, in der die Phänomenologie der Erfahrung auf fehlende, wissenschaftliche Beweise stößt. Und nun? Wie bewerten? Handelt es sich hierbei um eine globale Einbildung? Verblendung mit enormem territorialem Ausmaß? 

Eindeutig liegt für eine solche Triple-Serie von gleichen Ereignissen keine wissenschaftliche Absicherung inklusive methodischer Erhebung vor. Reicht dann die Überprüfbarkeit durch eigenes Erleben? Ganz vom Tisch kann man eine derart gängiges Sprichwort wohl nicht wischen, aber mit welchen Normen, Tests und Gutachten will man den Wahrheitsgehalt eines solche Redewendung absichern? Sollte es soetwas wie ein geistiges Gesetze geben, müsste es derer dann nicht noch viel mehr geben? Muß man - weitergedacht - also von einer ganz großen Ordnung ausgehen oder ist am Schluß doch alles nur Willkür? Hach, es ist schwierig mit der Wahrheitsfindung... vorallem, wenn man mit Werkzeugen für Maß und Zahl versucht an Qualität zu schrauben.

Nachdem sich rausstellte, dass es sich bei dem Kürbisknödel-Wunsch nicht um eine kartoffelige sondern eine brotlastige Version handelte, machte ich mich umgehend ans Werk. Nicht rund geformt, sondern als Serviettenknödel - damit kenne ich mich schließlich aus. Sowieso schmecken diese Knödel in Scheiben geschnitten und von beiden Seiten angebraten am allerbesten! Ist mir ausgesprochen gut gelungen, der Kürbis-Serviettenknödel, nicht zu fest, nicht zu weich mit schöner Kürbisnote - die kommen in meinen Standart! 


Zutaten

250g Baguette, klein gewürfelt
250g Kürbis (m: Butternut)
2 Eier
160ml Milch
Salz, Pfeffer
1/4 TL Kurkuma
1 Schalotte
2 EL Petersilie, fein gehackt
1 Stück Butter, walnussgroß
Butterschmalz, einige Blätter Salbei

1 rote Zwiebel
2 Knoblauchzehen
150g Spitzkohl
200g Kürbis (m: Butternut)
200g Mangold
1 Schuß Rotwein
1 Pr Zucker
Salz, Pfeffer
Piment d'Espelette
1 EL Crème fraîche
Olivenöl/ Butterschmalz

Zubereitung:

Schalotte fein würfeln. In Butter glasig dünsten - kurz vor Ende die fein gehackte Petersilie zufügen. In die Schüssel mit dem gewürfelten Baguette geben. Eier verquirlen.

Butternut schälen, in ca. 0,5-1cm große Würfel schneiden und in 2-3 EL Gemüsebrühe weichkochen - gen Ende sollte der Kürbis leicht anhängen ohne Farbe anzunehmen, die Flüssigkeit sollte gut verdampft sein. Den Kürbis nicht zerdrücken, sondern einfach die Milch dazu schütten samt Kurkuma und aufkochen lassen. Mischung über das Baguette geben, mischen, zufügen und ebenfalls untermischen - am besten mit Hilfe eines Löffels ohne die Masse zu sehr zu zermatschen. Ca. 15min ziehen lassen.

2 Bahnen vorbereiten von je einer großen Alufolie über die Klarsichtfolie gebreitet ist. Die Hälfte der Masse auf die Klarsichtfolie geben und zu einer Rolle formen. Enden zuzwirbeln wie ein Bonbon. Mit der Alufolie zusätzlich umwickeln. (Anstelle der Kombi Folie-Alu geht natürlich das klassische feuchte - allerdings gut ausgewrungene Geschirrtuch -hier müssen die Enden mit Küchengarn zusätzlich geschlossen werden/ zum Einfrieren ist ersteres aber idealer).

In einen großen Topf (m: Bräter) reichlich Wasser zum Kochen bringen, die Rollen hineinlegen und in dem leicht siedenden Wasser 30min (gut) köcheln lassen. Abkühlen lassen, in 1cm-breite Scheiben schneiden und in einer Pfanne in etwas Butterschmalz zusammen mit einigen Blättern Salbei goldbraun braten.

Die rote Zwiebel sowie den Knoblauch fein hacken. Mangoldgrün von Stielen trennen - Stiele je nach Größe von Fäden befreien. Spitzkohl ebenso wie Mangoldgrün in dünne Streifen schneiden, die Stiele fein würfeln. Kürbis zu kleinen Würfeln von ca. 1cm schneiden. 

Zwiebeln mit Knoblauch und Mangoldstielen in Olivenöl anbraten. Spitzkohl und Kürbiswürfel zufügen, kurz mitbraten, dann Ofentomaten und den Schuß Rotwein anschütten, Deckel auflegen und bei kleiner Flamme ca. 10 min köcheln lassen. Würzen mit Salz, Pfeffer, Zucker und Piment. Mangoldgrün untermischen und weitere 3-4min köcheln lassen - je nach gewünschter Konsistenz noch etwas Gemüsebrühe zugeben. Die Crème einrühren und nochmals abschmecken. Zusammen mit den Serviettenknödel servieren.


Kommentare :

  1. Auf Schweizerdeutsch heisst das: 'Wo's zwoitelet do dritteltet'. Tönt gut, nicht wahr?
    Gruss Bea

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    1. Schon sehr skurril, dass diese Redewendung derart weit verbreitet und bekannt ist, oder Bea?

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  2. .... eigenartig, meine Kommentare verschwinden hie und da in den Weiten des www....
    jedenfalls, was ich gestern sagen wollte...
    Liebe Micha, deine Knödel sehen lecker aus! Und was das "sich dreien" anbelangt, das finde ich tatsächlich auch spannend. hier in CH kennen wir das Sprichwort auch: Was sich zweiet dreiet sich. lustigerweise immer in Schriftsprache ausgesprochen, niemals in einem Dialekt. Ob's was hat? Möglich.... oder erwarten wir einfach unbewusst den dritten Fauxpas, weil wir nach zweien schon gewarnt sind? ; )
    einen schönen Tag dir, Pierina

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    1. Sehr ärgerlich, Pierina, dass deine Kommentare manchmal gefressen werden - das ägert bestimmt niemanden mehr wie mich ;)
      Vielen Dank, dass du dir dennoch die Mühe machst, sie dann ein weiteres Mal einzuhacken! Und ob was dran ist an der Redewendung, die es auch im Schweizer Raum gibt? Nun, schau' mal, ob du sie bestätigt findest in deinen Beobachtungen oder nicht...
      dir ebenfalls einen schönen Tag...

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  3. .....und ein Mal ist kein Mal;
    und eins ist keins.
    Denn was ein Mal passiert kann ein zweites Mal passieren, muß aber nicht. Es/man kann auch alleine bleiben. Bleibt es/man aber nicht alleine, so hat das Folgen!!
    Immer im WESENtlichen denken und nicht in Maß und Zahl.
    Maß und Zahl zerstört sich irgend wann selbst !!
    Das WESENtliche bleibt.

    Guter Blog, bravo, bravo, bravo!

    Paul

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    1. Begeistertes Feedback tut immer gut - vielen Dank, Paul!
      Mal sehen, ob ich dich richtig verstehe (Du korrigierst mich sonst?!)
      Mit *ein Mal ist kein Mal* greifst du auch wieder eine Redewendung auf - die kenne ich. Und ich verstehe, dass die einen neuen Sinn ergibt, verknüft man sie mit diesem Sprichwort. Tatsächlich macht das den *Beginn einer Serie* deutlicher.

      Das Wesen - die Qualität - der Inhalt zu einer bestimmten Form... vermutlich könnten wir zwei uns sehr lange darüber austauschen... ich wäre neugierig ;)
      viele Grüße zurück...

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  4. Liebe Micha!
    In Österreich sagt man auch: Aller guten Dinge sind drei....
    Ich lese seit langem mit großem Vergnügen deinen Blog mit zahlreichen Weisheiten und guten Rezepten und sage herzlichen Dank dafür!

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    1. Vielen Dank für diesen freundlich gewogenen Kommentar, M. ou Mme Anonym! So erfüllt mein Blog die Aufgabe, die er soll!

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  5. Oh das sieht aber gut aus! Und das Landschaftsbild am Ende ist toll :)
    Liebe Grüße,
    Ela

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    1. Das Foto ist ein Stückchen höher, hinterm Haus mit einigen Resten der Burgruine ... liebe Grüße...

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  6. Liebe Micha, das Rezept wird auf jeden Fall probiert! Du hast keinerlei Mehlzugabe dabei, richtig?
    Das Sprichtwort kenne ich Gott sei Dank nicht und wäre auch froh, keine Anwendung dafür zu finden... ;-) Dann bleibt also nur zu hoffen, dass Ihr Euren Schrauber jetzt wieder für eine Weile nicht sehr!
    Liebe Grüße, Sylke

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    1. Keinerlei Mehlzugabe, richtig, Sylke!
      Und keine Sorge: wenn diese Redewendung nicht in deinem Hinterkopf ist, dann wird sie deinen Beobachtungsradius auch nie durchqueren....
      liebe Grüße zurück

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  7. Liebe Micha,
    einmal angefangen, kann ich einfach nicht aufhören dir nachzukochen (einmal, zweimal, dreimal... immer wieder gerne.)... und wenn zudem noch altbacken Brot seine Verwendung finden konnte... Hat uns wunderbar geschmeckt und kommen auch in mein "Standard-Repertoire". Liebe Grüße von Hannah

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    1. Dein Feedback ist stets eine wunderbare Rückversicherung, dass meine Rezepte funktionieren. Vielen Dank, Hannah! Hiermit verleihe ich Dir das Ehrenabzeichen für den unermüdlichen Einsatz an meiner Blogfront :)
      herzliche Grüße...

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  8. Liebe Micha,
    herzlichen Dank mal wieder! Ich koche und backe ja auch ständig alles nach von dir und diese Serviettenknödel sind absolut gelingsicher, wieder mal, jedenfalls direkt beim ersten Mal trotz kleiner Abwandlungen (noch Kartoffeln dazu und Semmelbrösel, eigene), himmlisch lecker und ein wunderbares Kinderessen dazu, ganz klasse, tolle Konsistenz. Wieder ein „Salzkorn-Michaela-Gütesiegel-Essen“ mehr am Familientisch im ständigen Repertoire.😊
    Herzliche Grüße, Stephanie

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