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Montag, 15. Juli 2019

Kosenamen: mediterrane Reis-Puffer mit sahniger Tomaten-Estragonsauce


Kosenamen gehören ohne jede Diskussion in den Sektor des Privaten. Da darf sich jeder austoben, wie er will. Die einzige Meinung, die ich seither dazu hatte, ist, dass man die ganz abgedroschenen meidet (exakt wie den inflationären, amerikanischen Gebrauch von *I love you*-Liebesbeteuerungen). Da für mich une relation amoureuse das Exklusivste der Welt ist, bestehe ich auf *meinen eigenen Namen* und ich will nicht wie hunderttausend andere genannt werden. Nich, ihr versteht vielleicht, so wie *Mondenkind* in *Die unendliche Geschichte*: Bastian Balthasar Bux hats schließlich auch hinbekommen  - soviel Kreativität setzte ich seither einfach mal voraus.

Aber das habe ich jetzt über den Haufen geworfen. Zumindest für den Kosenamen *Spatz*. Ich glaube, ich habe es hier schon mal erwähnt (ja, genau hier), aber was haben wir Freude bei unserem Café-Trinken mit den Spatzen. Unser liebster Ort dazu könnte nicht malerischer gelegen sein: dem Resto gegenüber befindet sich ein gut erhaltenes Waschhaus, die eigentliche Terrasse ist zugleich Vorplatz einer schlichten, romanischen Kirche, der von alten Platanen beschattet wird und unter dem die Tische stehen - der Abschluß an der Dorfkreuzung macht eine prächtige Linde. Die Spatzen wissen bereits, dass wir unser Croissant redlich mit ihnen teilen und sind auch schon auf dem Tisch gelandet, um zu zweit das Hörnchen aus der Tüte zu ziehen. Dabei verbreiten sie eine Fröhlichkeit und Heiterkeit, was den Habib und mich regelmäßig dazu veranlaßt grenzdebil zu grinsen, sobald sie um uns hüpfen: die sind so dermaßen oberübermegaultimativ niedlich - ich kriege mich gar nicht ein! Selbst dem größten Bämul entlocken sie - quasi reflexartig - ein freundliches Zucken um die Mundwinkel. 

Doch *Spatz* wie *hunderttausend andere* genannt zu werden, das geht völlig in Ordnung. So in Ordnung, dass ich mir sicher war, dass es den Kosenamen *Spatz* überall auf diesem Planeten geben muss - schließlich ist der Sperling ein echter Allerweltsvogel, ein Weltenbürger. Meine Recherche spuckte mir allerdings nur die Italiener als Verbündete aus, die mit *passerotta/ passerotto* sich dem Charme des Spatzes ebenfalls nicht entziehen können. Die Fränzis jedenfalls ziehen die Ente (mon canard) und das Huhn (ma poule - Henne/ mein Küken - mon poussin) unerklärlicherweise dem Spatz vor.

Wie etwa der *Habib* zu seinem Namen gefunden hat, das bleibt unser Geheimnis. Dass ich ihn hier öffentlich machte, hatte schon als lustige Auswirkung, dass eine Feriengästin hier ankam und bei dem Anblick des Habibs zutiefst überrascht ausrief: *Aber du bist ja gar kein Araber*. Sei das somit auch verraten.


Nach acht Jahren des Bloggens habe ich mehr und mehr Lust, mit meinem eigenen Rezepten zu spielen. Also mache ich das einfach, um mich in der Spur der Kür zu halten. Die Tomatensauce ist angelehnt an dieses Rezept und die Puffer wiederum sind stark artverwandt mit diesen. Jedes für sich genommen - die super-knusprigen Puffer sowie die cremige Sauce - haben es mehr als verdient in die Dauer-Wiederholung zu kommen wenn nicht sogar in die Hall-of-DUBBs aufgenommen zu werden

Zutaten - 2P:

ca.12 kleine Puffer
100g Reis (m: Halb-Vollkorn)
35g Kürbiskerne, gehackt
40g grüne Tapenade
1 kleine grüne Paprika (m: eigene)
Salz, Pfeffer
2 Eier
30ml Sahne
35g Mehl (m: Dinkel-VK)
Öl zum Backen

100ml Sahne
4 Stengel Estragon
weißer Portwein
Salz, Pfeffer
1 Pr Zucker
Piment d'Espelette
1 Zwiebel
2 Knoblauchzehen
Olivenöl 

Zubereitung:

Reis - je nach Sorte - in Salzwasser garen . Kürbiskerne fein hacken, die grüne Paprika entkernen und ebenfalls klein schneiden. Eier mit Sahne verquirlen und mit dem Mehl klümpchenfrei verrühren. Zusammen mit den Kürbiskernen und der Paprika unter den Reis mischen und würzig abschmecken mit Salz, Pfeffer und grüner Tapenade. Daraus 12 Puffer formen und in Öl von beiden Seiten goldbraun braten.

Für die Sauce die Zwiebeln und den Knoblauch fein würfeln. In Olivenöl anschwitzen, Ofentomaten zufügen sowie Dreiviertel des feingehackten Estragon, Sahne und den Schuß Port angießen und bei kleiner Flamme und zugedecktem Deckel ca. 10min köcheln lassen. Salzen, pfeffern und mit der Prise Zucker und dem Piment würzen.

Puffer zusammen mit der Sauce servieren und mit dem verbliebenem Estragon bestreuen.

Anmerkung m: man kann die Ofentomaten ersetzen durch frische, gehäutete, gewürfelten - die Sauce muss entsprechend länger reduzieren.


Kommentare :

  1. Habib saß doch schon in den Siebzigern auf den ersten Karlsruher Flohmärkten im Arabergewand und hielt Hof.
    Toller Blog, schöne Texte, ich schau immer wieder gerne vorbei.
    Grüße von einer früheren Verehrerin des Habib aus UBU und Krokodilzeiten

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    1. Sämtliche Neugier ist dir gewiß - melde Dich doch mal unter der Mail-Adresse! Fried würde sich freuen!

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  2. Ohh Estragon liebe ich ja. Finde ihn aber hier nirgendwo. So schade, die Sauce hätte ich gern ausprobiert!
    Liebe Grüße,
    Ela

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    1. Das ist echt schade, Ela, denn Estragon wuchert hier in Süd-F wirklich wie Unkraut. Und er wird - finde ich - absolut unterschätzt als herrliches Gewürzkraut... liebe Grüße zurück...

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    2. Hey, Ela wenn du immer noch in Berlin Wohnen solltest dann solltest du eigentlich Estragon ohne Probleme finden, auf dem Markt - da kannst du auch fragen ob sie dir zum nähten mal welchen mitbringen können wenn sie ihn nicht dahaben, in größeren Edeka Geschäften bei den frischen Kräutern. Oder geh doch mal in den Baumarkt in die Garten Abteilung da findest du Estragon in Töpfen.
      Jetzt steht hoffentlich kein Hindernis mehr im Weg um dieses erneut nur schmackhaften Rezept nach zu machen.
      Grüße,
      Jesse-Gabriel

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  3. Wie fein das aussieht, liebe Micha. Habe schon ewig keinen Estragon mehr verwendet, als Kind habe ich allerdings das Estragon-Huhn meiner Mama geliebt. Wird mal wieder Zeit. Und für die unendliche Geschichte auch, eeewig nicht mehr gesehen! Atreju war mit seinem weißen Pferd ja quasi so ne first love - und die Szene als das Pferd versank für mich dann leider auch gleich die first tragedy.

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    1. Werde ich in diesem Leben noch Pferde-Mädchen eines eigenen Pferdes (was ich nachwievor nicht ausschließe) dann steht Artax lässig unter den Top 3 der in Frage kommenden Taufnamen. Wobei mir Deine *Mirabelle*-Geschichte unvergessen in Erinnerung bleibt :). Ach, ich freue mich, dass du wieder Schreibanlass gefunden hast (samt hoffentlich genügend Zeit dafür) - ich lese dich so gerne :)

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  4. "Ente" - echt jetzt?! Diese Fränzis ;-)

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  5. Genau das wollte ich auch gerade schreiben: „mein liebes Entlein“??? Wirklich? Fehlt nur noch „hässliches...“ dazu. Dann doch lieber „Spatz“, obwohl ich Tiernamen grundsätzlich schwierig finde... :-)

    Liebe Grüße
    Sylke

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  6. Liebes Salzkorn,
    eine wunderbare Kombination hast Du da aufgetischt! Die Familie war am heutigen Sommertag sehr zufrieden mit der Menü-Auswahl der Köchin. Und die Estragon-Sauce ist ein Traum!
    Dank und liebe Grüße,
    Sandkorn

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    1. Und Tapenade kann ich jetzt auch!
      Sandkorn

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