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Dienstag, 10. Dezember 2019

WG- Essen: Pici mit Brokkoli-Pesto


Eines der ungelösten Rätsel meines Lebens bleibt, wieso eigentlich ich nie in einer dieser Hochglanz-WGs mit Putzplan gelebt habe. Immer - all die WG-Jahre - war Putzen das Top 1 Lieblingsstreitthema. Wer wann wie und wo zuletzt geputzt hat und warum XY schon ewig nirgendwo gar nix. Eine konnte beharrlich sämtliche Bestrebung Richtung allgemeiner Sauberkeit aussitzen, der andere schrabbte knapp am Putzfimmel vorbei - leider nur in seinem eigenen Zimmer. 

Komischerweise war rückblickend die unordentlichste Kombi gleichzeitig die kuscheligste. Wir waren zusammen im Urlaub, wir lagen dicht an dicht zum Video-Gucken auf dem Bett, wir schmissen eine Party, die so gut besucht war, dass zu ihrem Höhepunkt keiner mehr raus noch rein kam. Und wenn - ganz im Stil der jungen Wilden - bei einem wieder große Katastrophe angesagt war (bref: Beziehungskrisen aller Art), war immer jemand zum Reden da. Und irgendwelche Einheimischen oder Mitgeschleppten saßen abends hochverlässlich in der Küche... stets bereit für einen kleinen Absacker.

Leider war keiner darunter, der kulinarisch ambitioniert gewesen wäre. Also niemand, der mal Bock auf Küchenorgie hatte und alle auf einen Schlag glücklich bekochte. Eher im Gegenteil. Meistens herrschte im Kühlschrank gähnende Leere. Und die Besitzverhältnisse der vorzufindenen Artikel waren nicht immer eindeutig zu klären (Top 4 unter den Lieblingsstreitthemen). Eine Spülmaschine in einer Vierer-WG halte ich im Übrigen für mehr als empfehlenswert. Weil Zustände, in denen man zuerst einen Teller waschen muss, bevor man sich ne Stulle schmieren kann... also diese Erfahrung habe ich somit als nicht wert zu wiederholen abgehakt.


Ein einziges Essen hat es in die WG-Historie geschafft, und zwar die Brokkoli-Sauce von unserem kanadischen Mitbewohner Timi (coucou Timi!). Selbstredend war die Küche totally unterausgestattet. Und mehrere Brokkoli für mehrere Mitesser mit dem Messer derart fein zu trimmen, dauerte fast schon unzumutbar lange. Mehr als zu begleitenden Spaghetti reichte die Ausdauer definitiv nicht.

Mit einem Hexler hingegen geht das im Handumdrehen. Genügend Zeit, um nebenher sogar noch die hochgeschätzten Pici zu rollen. Für mich schmeckt das Gericht auf diese Weise ein bißchen nach WG de luxe!   

Zutaten 2P:

Kartoffel-Pici
50 g Kartoffeln, mehlig kochend
100g Mehl (m: D1050)
50g Hartweizenmehl
1 Ei
1 EL Öl
½ TL Salz 


1 Brokkoli (m: eher größer)
3 Knoblauchzehen
Olivenöl
Salz, Pfeffer
Piment d'Espelette
2 EL feinst gehackte Walnüsse*
(optional: etwas Sahne + Crème fraîche)
Noilly Prat
Gemüsebrühe 

Parmesan

Zubereitung:

Die Kartoffeln als Pellkartoffeln kochen, ausdämpfen lassen, schälen und durch die Kartoffelpresse drücken. Sie sollen noch lauwarm sein. Mit den restlichen Zutaten zu einem Teig verarbeiten. Der ist etwas weicher als ein herkömmlicher Nudelteig. Falls zu weich noch etwas Mehl, andernfalls etwas Wasser zugeben.


Mind. 30 min ruhen lassen
.

Den Nudelteig dritteln. Mit der Nudelmaschine mit der gröbsten Einstellung zu Bahnen ausrollen und in schmale Streifen schneiden mit Hilfe eines Spachels. Diese Streifen nun von Hand zu einer Art dünnen Schupfnudel rollen - sie dürfen ruhig etwas rustikal werden. Die Nudeln auf ein mit doppelgriffigem Mehl oder Hartweizengrieß bestreuten Brett verteilen.
Mit einem sauberen Küchentuch abdecken.


Das Ende des Strunks vom Brokkoli kappen, restlichen Stiel schälen und in einem Hexler klein hacken - nicht zu Mus, sondern gerade noch leicht stückig.

Den Knoblauch halbieren, vom Trieb befreien und fein würfeln.

Reichlich Salzwasser zum Kochen bringen.

Den Brokkoli in Olivenöl in einer schweren Pfanne mit Geduld rösten - ca. 7-8min. Dann den Knoblauch und die Nüsse zufügen und ebenfalls kurz mitbraten. Mit einem Schuß Noilly ablöschen und einreduzieren lassen. 3-5 El Gemüsebrühe zufügen.

Die Pasta - je nach Dicke - etwa 3min kochen lassen. Probieren, abschütten, abtropfen lassen und unter den Brokkoli mischen. Die schlonzige Konsistenz überprüfen - wer mag mischt hier noch etwas Sahne und Crème unter - oder (wie im Original) gibt eine unzüchtige Menge Olivenöl dazu. Nochmals abschmecken. Zum Servieren mit Parmesan bestreuen.

*Anmerkung m: Die Walnüsse sind auch prima durch Pinienkerne zu ersetzen. Wahlweise zieht man etwas Mandelmus unter - ebenfalls köstlich! 


Kommentare :

  1. Erinnerungen, Micha, Erinnerungen! So "legendär" waren die WGs, in denen ich gewohnt habe, zwar nicht, aber Déjà-Vus en masse verpasst Du mir mit Deinen Erzählungen trotzdem! Zum Beispiel an Essen, die ich aus dieser Zeit übernommen habe wie eine gewisse Dosentomatensauce oder eine tolle Kürbissuppe mit Dill. Nicht halb so fancy wie dieses grandios klingende Pesto, mais bien. Das wird getestet!
    Herzlich: Charlotte

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  2. Liebe Micha,
    an meine WG-Zeit denke ich sehr gern zurück, kulinarisch war sie allerdings auch eher wenig prägend, ich bin nur froh, dass ich trotzdem immer noch Nudeln mag...
    Dein Brokkoli-Pesto kommt mir sehr recht. Ich liebe nämlich Brokkoli, während ich bei den anderen 4 in der Vergangenheit eher schmale Lippen ertragen musste - aber die Nuss-Brat-Kombi klingt vielversprechend!
    Viele Grüße mal wieder aus Dresden, Sylke

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  3. ...außer es ist eine 7er-WG. Jeder hatte einen Spültag pro Woche, wir routierten regelmäßig, so dass nicht eineR immer den großen Wochenend-Spül hatte. Die Methode hat besser funktioniert als alle Spülräder der Welt :o)
    Liebe Grüße, Marion

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  4. Huiii ja du, das waren Zeiten, diese WG-Zeiten... und auch wenn ich sie nicht missen möchte in meinem Erfahrungsschatz, so möchte ich doch auch um keinen Preis das Rad der Zeit zurück drehen... abgehakt und gut :-)
    Gerne darf jetzt eine andere Generation eintauchen und sich erproben.
    Als ich kürzlich zwischen meinen Rezeptbüchern ein Weihnachtsgutzi-Buch fand mit dem Namen einer ehemaligen WG-Mitbewohnerin musste ich schon schmunzeln. Der Wille, ein wenig Gemütlichkeit und Tradition ins WG-Leben zu bringen war definitiv auch immer Teil des Ganzen, oder? Eine besinnliche Adventszeit wünsche ich dir...wo immer du jetzt auch sein magst :-)))
    Pierina

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  5. Oja, das leidige Thema Putzen - da halfen auch die regelmäßigen "WG-Sitzungen" nichts. Es blieb schwierig, und auch ich bin froh, diese Lebensphase hinter mir zu haben. Und zum Thema "Tradition" ins WG Leben zu bringen, erinnere ich mich auch an ein von mir initiiertes Osterfrühstück, bei dem meine Mitbewohnerin lustlos im Quark rührte und der Mitbewohner im Bademantel kam, in dem ich ihn lieber nicht gesehen haben wollte. Kulinarische Inspirationen habe ich aus meinen WG zeiten auch nicht mitgenommen, lediglich eine temporäre (mittlerweile überwundene) Aversion gegen Kreuzkümmel (weil, wenn jemand täglich damit kocht, Reste von undefinierbaren Kreuzkümmeleintöpfen vor sich hinmoderten... brrr) Dein WG de Luxe Mahl schaut hingegen vortrefflich aus und ruft nach Nachahmung, zumal wir gerade das ganz frische Olivenöl haben, das gerne in unzüchtigen Mengen verbraucht wird. Liebe Grüße von Hannah

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  6. Haha!!! Aber ehrlich, das "Putzen" - da bleibt es nicht beim Lieblingsthema in WGs ... Das haben wir auch hier beinahe täglich! Leider, leider halte ich viel mehr "Dreck" aus als mein Göttergatte - und das führt mitunter zu Diskussionen ;-)))
    Liebe Grüße!!!

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