SOCIAL MEDIA

Donnerstag, 8. Juli 2021

Hype: das vegane Steak von Gordon Ramsay


Gordon Ramsay scheint ein dicker Fisch im englisch-sprachigen Raum zu sein. Auf jeden Fall erzeugt seine Idee für ein veganes Steak einen beeindruckenden Widerhall - zumindest in meinem Internet. Wohl mit deshalb, weil Mister Ramsay sonst eher wegen seines überzeugten Fleischkonsums bekannt ist denn für seinen Hang zur veganen Küche.

Dabei zeigt sich, dass die Inszenierung dieses Steaks alles ist. Das gelingt in der filmischen Version (bref. bei Youtube) Merle O'Neal am besten. Bei ihr sieht die sehr lange im Ofen gegarte Aubergine ähnliche attraktiv aus wie das Foto auf Gordon Ramsays Blog. 

In der Mehrheit - und gebt den Rezeptenamen mal in eure Suchfunktion (oder YT) ein - erinnert das zubereitete Endprodukt eher an einen Küchenunfall: eine im Ofen vergessene und verkohlte Aubergine.

Meine Geduld ein hübsches Foto zu knipsen, ist ja bekanntermaßen gerade bei warmen Gerichten sehr begrenzt, da ich nicht einsehe, nur weil ich blogge, meine Speisen kalt zu essen. Also drei-vier Mal auf den Foto gedrückt: das muss reichen. So gebe ich freiraus zu, dass mein Foto nun in diesem Wettbewerb ebenfalls nicht weit vorne liegen wird. Aber hey, meine Fotos stehen für Real-Life, für das old-school (und zunehmend überholte) Motto von Foodblogs: you get, what you see! Wenn ich mich heute aber umsehe auf Foodblogs, dann sind die Fotos enorm überarbeitet, was gerade an den völlig übertriebenen Farben zu erkennen ist. Aber *normal* reicht heute wohl nicht mehr aus, es muss *over the top* sein. Sonst fällt man halt nicht mehr auf.

Bitte, das dürfen die anderen. Ich bleibe meinem Style trotzdem treu, weil für mich damals - als Kochanfängerin - genau diese Echtheit und vielleicht auch Bescheidenheit Foodblogs erst derart glaubwürdig und hilfreich, ja und vor allem verlässlich machten. Mir fällt bei der Gelegenheit der Spruch ein, den der Habib von seiner Maurerlehre bewahrt hat,  und zwar wenn die Jungs an ihrer Baustelle eine totally getunte Alte vorbeilaufen sahen: *Die gehört mal nackig an den Haaren durchs kalte Wasser gezogen!* Witzig, oder?! Mais bon, andere Zeiten. Und auch heute gibts ja noch einen Markt, der *pur und natürlich* vorzieht gegenüber *gemacht und künstlich*. Anders kann ich mir meine Leserschaft sonst nicht erklären ;)

 



Zu dem Auberginen-Steak von Gordon Ramsay komme ich zu einem ähnlichen Ergebnis wie Merle: auf einer Skala von 1-10 gibt sie eine 2 was die Ähnlichkeit zu einem Steak angeht (*it is an eggplant!*) aber eine 9 für das Geschmackserlebnis. Und ja, die Aubergine schmeckt gut - deutlich besser als sie zumindest auf meinem Foto den Eindruck erweckt (das hat bei uns am Küchentisch übrigens die Kategorie *schmeckt besser als es aussieht*), aber den Aufwand dafür finde ich doch vergleichsweise enorm.

Ich hatte mir, bevor ich in die Küche ging, den Zeitablauf auf der Zubereitung nicht genauer angesehen und war dann doch leicht schokiert, dass ich grundeigentlich mindestens eine Stunde früher hätte beginnen müssen, wenn wir denn zu unserer üblichen Zeit hätten essen wollen. Insbesondere wenn man wie ich die Auberginen zum Schälen nicht über der Gasflamme röstet sondern in den Ofen schiebt. Das dauert alles und dauert.

Und ob ich jetzt gerade Gästen etwas servieren würde, was nicht direkt dem Auge *yummiyummi* suggeriert... ich weiß es nicht. Sicher ist aber, man wird eingefleischte Fleischis mit dieser Aubergine nicht neidisch machen - aber SEHR neugierig.

Ich habe das Rezept nach meinen Gegebenheiten abgewandelt - das Original habe ich euch zum Vergleich ja verlinkt. 

 



Zutaten 2P:

2 mittelgroße Auberginen, frisch und drall (je ca. 350g)*

 
Marinade:
1 TL Kreuzkümmel, frisch geschrotet
1 TL Senfsamen, frisch geschrotet
1 TL Pfeffer, frisch geschrotet
2 TL Pimenton dela vera (geräuchertes Paprikapulver)
1 TL Gemüsebrühe (m: eigene)
2 TL feinst geschnittener Knoblauch*
1 TL Pilzpulver
2 TL Rosmarin, feinst gehackt
etwas Piment d'Espelette
halb Rotwein/ halb roter Portwein 
Olivenöl

Sauce:
250ml Rotwein
250ml Jus
250ml Gemüsebrühe
3 EL kalt gerührte schwarze Johannisbeer-Marmelade
2 Zweige Rosmarin
1 Lorbeer-Blatt
2 TL Thymian-Blättchen
1 TL schwarze Miso-Paste
2 TL Tamari
2 TL Worcestershire
2 TL Kokos-Crème

Zubereitung:

Ofen auf 220°C vorheizen. Die Auberginen mehrfach mit einer Fleischgabel einstechen, mit Öl bepinseln und für gute 30min in einer ofenfesten Form in den Ofen schieben, dabei 1x umdrehen. Abkühlen lassen und die schwarze Haut abschälen und wegwerfen.

Währenddessen die Marinade zubereiten, dafür alle Zutaten miteinander vermengen.

Den Ofen auf 200°C runterschalten.

Die Auberginen in eine Gratinform setzen, in die sie gut passen. Runderherum salzen und mit der Gewürzmarinade würzen. Mit etwas Olivenöl beträufeln und dann soviel Rotwein (m: halb Portwein) übergießen, dass der Boden der Backform leicht bedeckt ist. Für gute 30min in den Ofen schieben und dann vorsichtig mit Hilfe eines Pfannenwenders die Auberginen wenden und für weitere 30min im Ofen garen.

Währrenddessen die Sauce zubereiten: Rotwein, Jus und Brühe mit Lorbeer, Rosmarin, Thymian und Miso in einem weiteren Topf lebhaft zum Kochen bringen und auf  300ml einköcheln lassen. Vom Herd nehmen und mit Tamari und Worcestershire, salzen und pfeffern und die Kokoscreme einrühren.

Ofen auf 150°C runterdrehen und die Auberginen immer wieder mit der Sauce bepinseln: *Continue to roast eggplant, basting periodically with jus until tender, slightly dehydrated and eggplant begins to resemble a steak* - also etwa 20min von der einen Seite, dann wenden und etwa weitere 15min damit fortfahren (kann möglicherweise - wie bei Merle -auch etwas länger dauern).

*Anmerkung m: ich rate zu wirklich frischen Auberginen, damit sie im Ofen nicht matschig zusammenfallen/ Knoblauchpulver habe ich nicht - ich verwende immer frischen/ ich habe den Jus zum Bepinseln der Auberginen gleichzeitig zubereitet als Sauce für unser Essen und nicht - wie Gordon Ramsay - zweierlei Saucen gekocht/ die Idee, rote Bete-Saft zu verwenden, finde ich spannend, habe aber auf meinen eigenen Jus zurückgegriffen/ es braucht auf jeden Fall noch eine sog. Sättigungsbeilage - wie etwa Kartoffelstampf, bei uns gabs außerdem Tomaten-Salat und einen grünen Salat dazu.

Quelle: Gordon Ramsay

 

9 Kommentare :

  1. Ok. Ich hab mal versehentlich in eine Kochsendung mit Ramsay gezappt - seither ignoriere ich ihn, ich hatte den Eindruck, er zieht seine Selbstachtung daraus, andere cholerisch niederzuschreien. Da hatte ich mal einen Prof an der Uni, der so war, das tue ich mir nicht nochmal an, wenn ich die Wahl habe.
    Die Aubergine schmeckt bestimmt gut, geht gar nicht anders, das merkt man schon beim Lesen. Und jetzt zu deinen Fotos: die sind einfach toll. Du hast einfach einen Blick für die Bildkomposition, ich wünschte, ich könnte das auch.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Von Ramsay weiß ich nur,dass er mit den Beckhams befreundet ist ;)) Ganz dunkel erinnere ich mich, dass auf den Philippinen in einem Guesthouse Ramsays Kochshow lief (vielleicht aber wars auch ein anderer), bref: wenn dann hat er keinen bleibenden Eindruck hinterlassen. Klingt ja weniger sympathisch, was du schreibst.

      Und Merci für deinen charmanten Kommentar zu den Fotos - ich finde sie sehr *oldschool* da die Hochglanz-Blogs mit ganz anderer Design-Graphik-Bildbearbeitung arbeiten. Aber ich kann damit leben. Müßte ich mehr Aufwand in den Blog stecken, dann würde ich es wohl in Kürze stecken ;))

      Löschen


  2. Ein ganz dickes Lob für das Rezept und das Foto. Nur so könnte Frau sich überwinden Auberginen auf den Tisch zu bringen.
    Eigentlich, aber nur eigentlich macht mich das Rezept neugierig. Auberginen steht bei mir nie auf dem Speiseplan, warum? für mich total nichtssagend, langweiliger Geschmack, bedarf viel Eigenlob in Form von Gewürzen & Co..
    Du hast dich durchgearbeitet und ein leckeres Foto präsentiert.

    Trotzdem, ich glaube, ich tu es mir nicht an. Das Geschmackserlebnis liegt an den Gewürzen und die würde ich dann doch lieber mit Roter Beete erleben wollen.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Mit der Aubergine hatte ich auch so meine Startschwierigkeiten - einfach, weil ich damit nicht aufgewachsen bin. Ansonsten gilt für die Aubergine das gleiche wie für die Zucchini: die zwei sind geschmacksneutral,sie trifft keine Schuld, wenn sie nach nichts schmecken ;) Der Koch muss nur mit dem Zauberstab der Gewürze und dem richtigen Rezept darüber und WUSCH: schon steht eine kleine Köstlichkeit auf dem Tisch!
      Das Kompliment für mein Foto nehme ich gerne entgegen - gerade weil ich es selbst eher so làlà finde...

      Löschen
  3. Habe erstmals eine Aubergine im Garten gepflanzt und sie gedeiht gut. Insofern kommt dieses Rezept gerade richtig und mich inspirieren deine Fotos genau so, wie sie sind! Echt eben. Liebe Grüße aus Wien, Irmi E. PS: Die Bulgur-Köfte waren übrigens sehr gut!

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Ja, Irmi, dann ran an die Aubergine. Ich habe mittlerweile wirklich SEHR viele Lieblingsrezepte mit Auberginen, so dass ich mich jeden Sommer auf die Saison freue! Also wenns dir noch an Ideen fehlen sollte, dann empfehle ich dir (ganz subjektiv ;) hier unten bei mir mal unter dem Label *Auergine* nachzuschlagen! Schön, dass dir die Köfte gefallen haben - Nachkoch-Feedback ist für ein Kochblogger immer super :)

      Löschen
  4. Mit der Marinade und der Sauce (da ist schließlich die Lieblings-Jus drin), kann das nur lecker werden.
    Bei Ramsay geht es mir wie Susanne: der wird im Normalfall ignoriert, der ist mir sehr unsympathisch. Auch bei veganen oder vegatrischen "Steaks", "Fischstäbchen" oder "Hühnersalat"aktiviere ich normalerweise den "Ignorier-Filter". Schließlich esse ich kein Fleisch, weil ich kein Fleisch essen möchte. Aber eine leckere geschmorrte Aubergine ist ja schon was feines ;-)

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. *Hihi*, Stefanie,tatsächlich wartet in der Halte noch ein *fetizger Artikel* zu genau diesem Thema bei mir. Da scheinen wir zwei ganz und gar die gleiche Welle zu reiten. Ich finde diese Rezeptetitel ja auch mega-abschreckend, aber da ich halt *Buletten-Fan* bin, greife ich dankbar jede Inspiration auf. Hey, und diesen Jus (mittlerweile etwas abgewandelt, so dass ergiebiger) habe ich immer im Froster. Darauf greife ich einfach zu gerne zurück. Oder: ich will einfach nicht mehr ohne. Und du hast wirklich recht: man müßte dieses Rezept umtaufen weil Irreführung... aber ich komme noch ausführlich darauf zurück :)

      Löschen
  5. Ich mag deine Fotos! Sie sind so echt, wie deine Texte. Ein Genuss! Ich finde die super-gestylten Fotos in vielen Foodblogs zwar schön, aber weiß, dass ich dasselbe Gericht nie so hübsch auf den Teller bekommen werde. Das schreckt mich eher ab, als dass es Lust zum Nachkochen macht. Deine Rezepte mag ich übrigens auch gern, selbst wenn sie im Original von einem Unsymphat wie G. Ramsay stammen. Die Aubergine werde ich definitiv ausprobieren, wenn ich mal viel Zeit habe. Ich mag verräucherte Aromen und all die feinen Gewürze machen das Ganze vermutlich zu Recht zum Hype.
    Liebe Grüße Peggy

    AntwortenLöschen

Wenn du auf meinem Blog kommentierst, werden die von dir eingegebenen Formulardaten (und unter Umständen auch weitere personenbezogene Daten, wie z. B. deine IP-Adresse) an Google-Server übermittelt. Mehr Infos dazu findest du in meiner Datenschutzerklärung und in der Datenschutzerklärung von Google.

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...