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Samstag, 9. Juli 2022

wahrhaftig glücklich - Tagliatelle mit Zucchini und Salbei


Am 6. Juli hat der Dalai Lama Geburtstag. Vor 3 Tage ist er 87 Jahre alt geworden. Für mich ist der Dalai Lama einer der wenigen lebenden Lichtgestalten, die in einer verwirrten Zeit wie der unseren Orientierung anzubieten vermögen. Und das nicht nur aufgrund seiner Stellung als Religionsführer sondern ebenso aufgrund seiner Biographie - als weitgereister, erfahrener Mensch, der viel von der Welt gesehen hat.

Schon öfters habe ich mich hier auf dem Blog auf ihn bezogen, denn leichterdings finde ich bei ihm Anregung. Nachdem wir während unseres Aufenthalts in Tibet die Menschen dort anstarrten ob ihrer unfasslichen Ausstrahlung (was eine innere Schöheit!), beschlossen wir im Folgejahr ebenso die Exiltibeter in Indien zu besuchen. So durften wir dann in Mcleod Ganj zu unserer Freude dem Dalai Lama begegnen, als er vor seinen Landsleuten als tiefernster Mönch sprach - ganz anders als die lächelnden Bilder, die man sonst von ihm kennt, wenn er im Dienste seines Volkes im Westen um Unterstützung wirbt.

Als kleine Hommage will ich anläßlich zu seinem Geburtstag aus *Das Buch der Menschlichkeit*, das ich zuletzt anhörte, ein paar Aspekte herausgreifen. Vorneweg mag ich die Klarheit mit der der Dalai Lama seine Gedanken äußert - in sich schlüssig, aufeinander aufbauend und logisch. Trotz des tiefen Gehalts ist ihm gut zu folgen. Für den Dalai Lama vermitteln alle Weltreligonen im Kern die gleichen Grundwerte - Liebe und Mitgefühl - um auf diese Weise zu helfen, dauerhaftes Glück zu finden. Dabei gibt er sich aber keinen Illusionen hin: man müsse davon ausgehen, dass selbst von diesen überhaupt nur ein kleiner Teil zu den 'ernsthaft Praktizierenden' gehört, die sich also jeden Tag aufs Neue gläubig darum bemühen, die Prinzipien und Regeln ihres Glaubens zu befolgen. Die absolute Mehrheit der Weltbevölkerung stellt die Gruppe der Unreligiösen dar.

Aber - genau dieses Aber versucht der Dalai Lama zu verdeutlichen: wir kommen auf Erden durchaus ohne Religion (ein metaphysisches Prinzip/ Erlösungsprinzip) aus, aber eben nicht ohne elementare, verinnerlichte Wertevorstellungen. Er wünscht sich eine neue Ethik des Handelns, denn eine Rückbesinnung auf positive, menschlichen Eigenschaften wie Aufrichtigkeit, Einfühlungsvermögen, Wahrhaftigkeit, Güte, Respekt, Geduld, Vergebung ect. ist zum Wohle aller und unserem eigenen Wohl unumgänglich. Für den Buddhismus ist die Grundlage aller fühlenden Wesen, dass sie glücklich sein und nicht leiden wollen. Auf dieser Erkenntnis bauen sich alle weiteren Überlegungen auf. 

Also wie geht Glück?

*Die fundamentalen Fragen der Menschheit 'Warum sind wir hier', 'Wohin gehen wir', 'Hat das Universum einen Anfang' bringen in jeder philosophischen Schule andere Antworten hervor, hingegen bedarf es keine Erklärung, dass ein großzügiges Herz und gute Taten zu mehr Frieden führen. Und ebenso offensichtlich ist es, dass ihre negativen Gegenstücke entsprechende Auswirkungen haben. Glück erwächst aus tugendhaftem Anliegen. Wenn wir wahrhaft glücklich werden wollen, gibt es keinen anderen Weg als den, der Tugend. Sie ist die Methode, die das Glück hervorbringt. Und die Grundlage der Tugend ist die ethische Disziplin.* (Buch der Menschlichkeit, Dalai Lama) 

Glück ist nichts, was sich von alleine einstellt. Hingegen destruktives Verhalten zieht automatisch Leid als Konsequenz nach sich. Und zwar nicht die Sorte *unvermeidliches Leid* wie Alter, Krankheit, Tod ect. sondern es ist hausgemacht. Destruktives Verhalten gründet auf einem negativen Zustand des Geistes, auf blockiernde Gefühle (auch Heimsuchungen genannt) - Hass, Zorn, Neid, Gier, Lust, Stolz...-  die unweigerlich den inneren Frieden untergraben und die die eigentliche Ursache für unmoralisches Handeln ausmacht. Und das wiederum ist die Quelle für Angst, Niedergeschlagenheit, Stress, Verwirrung, Depression, Schlafstörungen ectpp...

Gerade in den Industrieländern beobachtet der Dalai Lama eine wachsende Verunsicherung darüber, was überhaupt Moral ausmacht und worauf sie sich gründet oder wie der ethische Gehalt einer Handlung zu bestimmen ist - den Menschen fehlt innerer Halt und Festigkeit. Zum andern mußte er erkennen, dass Wohlstand oft mit psychischem Leid einhergeht. Unzufriedenheit verschwindet nicht durch Konsum und Luxus. Zu oft wächst diese gar.

Vernachlässigen wir die innere Dimension, sagt der Dalai Lama, werden wir automatisch leidvolle Erfahrungen durchleben müssen und das Glücksgefühl wird uns verlassen. Das liegt daran, *dass eine wahrhaft geistige oder innere Disziplin - im Gegensatz zur körperlichen - nicht erzwungen, sondern nur durch freiwilligen und bewußten Einsatz erreicht werden kann. Wenn wir uns ethisch verhalten wollen, dann gehört dazu mehr, als nur Gesetze und Vorschriften zu befolgen.* Oder ganz anschaulich ausgedrückt:  *Der undisziplinierte Geist ist wie ein Elefant: wenn man ihn unkontrolliert herumtollen läßt, wird er Verwüstungen anrichten.*

Mich begeisterten an diesem Buch vorallem die Beispiele aus seinem persönlichen Erleben, die der Dalai Lama immer wieder heranzieht. Aber auch die Etymologie der tibetische Sprache fasziniert mich, denn viele einzelne Worte haben eine sehr weitreichende Bedeutung. Manche Worte kann man nur verkürzt übersetzen, wie Geisteszustand, wobei im Tibetischen die Einheit von Herz und Geist bereits in diesem Begriff verankert ist - ebenso wie Bewußtsein und Gefühl nicht voneinander komplett zu trennen sind, weil jeder Gedanke auch mit einem bestimmten Gefühl verbunden ist. Und das sollte man sich klar machen: Das Gefühl als Grundprinzip allen Lebendigem gilt es zu pflegen und zu hegen, weil alle geistige/ innere Entwicklung daran gekoppelt ist - was der Dalai Lama nennt: *die eigene Sensibilität bewußt erwecken*.

Also, wer glaubt, dass er für ein glückliches, erfülltes Leben noch Luft nach oben hat, der darf sich vom Dalai Lama praktische Anleitungen holen.Wie sagt der Habib gerne so schön: Buddhismus ist die Religion für spirituelle Handwerker! 


 

Je länger ich koche, umso mehr schätze ich die schlichte Gartenküche. Bei diesem Teller reicht es, dass die Zucchini ganz frisch sind und mit viel frischem Salbei kombiniert werden. Ohne meine frischen Kräuter fehlt mir direkt die Lust zum Kochen. Und frische Pasta geht ja eh immer. Bon, damit erzähle ich nichts Neues: nämlich dass die Zutaten beim Kochen das ganze Geheimnis sind. Tja, und sind die gut, ergibt sich der Rest von selbst...


Zutaten 2P:

1 Pastateig:
100g Kamut
100g D1050
2 Eier
Salz
1 EL Öl 

2 Zuchini, grün
2 Knoblauchzehen
Salbei, viel
Salz, Pfeffer
Piment d'Espelette
Noilly Prat
Olivenöl
Parmesan

Zubereitung:

Pasta wie gewohnt zubereiten. Aus den dafür Zutaten einen homogenen, nicht zu festen nicht zu weichen Nudelteig kneten und mindestens eine halbe Stunde eingewickelt im Kühlschrank ruhen lassen. Dann den Nudelteig auswallen (immer schön mit Hartweizenmehl arbeiten - das verhindert das Zusammenkleben auf dem Küchentuch und im Kochtopf) und zu Tagliatette schneiden. Mit einem weiteren Küchentuch abdecken.

Einen großen Topf mit Salzwasser zum Kochen bringen.

Zucchini in 1/2cm große Würfel schneiden. Knoblauch fein würfeln, einen Teil der Salbei-Blätter in feine Streifen schneiden. In reichlich Olivenöl alles zusammen anbraten. Kurz vor Ende - der Zucchini sollte noch Biss haben - mit dem Noilly ablöschen und salzen und pfeffern sowie mit Piment würzen.

Parallel in einer kleinen Pfanne Extra-Salbei-Blätter frittieren und auf Küchenkrepp abtropfen lassen.

Die Nudeln in dem kochenden Wasser kurz al dente garen, abschütten und gut nass unter die Zucchini mischen. Nochmals abschmecken. Mit geriebenem Parmesan und frittierten Salbei-Blättern bestreuen und servieren.




Ganz schön was los an der blühenden, wilden Karde
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