Posts für Suchanfrage iran werden nach Relevanz sortiert angezeigt. Nach Datum sortieren Alle Posts anzeigen
Posts für Suchanfrage iran werden nach Relevanz sortiert angezeigt. Nach Datum sortieren Alle Posts anzeigen

Persien 4 - Betrachtungsweisen

Sonntag, 19. März 2017


Die größte Erkenntnis, die mir Iran schenkte? Peter Scholl-Latour hat ja so recht mit seiner Aussage: *Ich bilde mir meine Meinung immer erst stets vor Ort.* Übertragbar auf das komplette Leben und für (mein) Iran.

Die größte Enttäuschung ging einher mit der größten Überraschung: die Reise nach Iran war NULL Abenteuer. Zero. Wieso ich mir das zumindest ein bißchen erhofft hatte, ist mir im Nachhin ein Rätsel. Vielleicht, weil wir oft so ernste Gesichter hier in Frankreich geerntet haben, wenn wir erzählten, wohin es diesen Winter geht. *Oh, Iran*  - unterlegt mit einer Mimik, als hätte man gesagt: *Wir wollen uns diese Taliban mal aus der Nähe angucken*.

Iran ist eines der sichersten und einfachsten Länder, das ich je bereist habe. Ihr habt Europa noch nie verlassen? Ihr wollt zum ersten Mal eine islamisch geprägte Kultur erleben? Die erste Reise alleine als Frau? Dann fangt mit Iran an!

Iran ist ein hochindustrialisiertes Land mit einer perfekten Infrastruktur - etwas, was die Lebensumstände in Iran weit mehr prägen als die vorherrschende  Religion. Und den Iran für mein Erleben weit weniger *wild* und *exotisch* machte wie in meinen Vorstellungen. Die Städte haben Metros/ Trams, für lange Strecken fahren schicke, neue VIP-Busse mit tollem Sitz-Comfort für wenig Geld auf Autobahnen in perfektem Zustand. Überall wird gebaut und die Touri-Hotspots auf Hochglanz poliert. Die Kriminalität gerade Touristen gegenüber ist nahezu nicht vorhanden, die Städte sind extrem propper geputzt. Und selbst wenn man mit viel Bargeld unterwegs ist (s. Währung), fühlt man sich stets sicher. In den Städten muß man Bettler und Penner suchen (verbringt mal ein Wochenende in Paris... nur so als Vergleich) und es gibt wunderhübsche Hotels in ehemaligen traditionellen Häusern, die der Inbegriff von einem Zuhause in einer Oase sind. Viele junge Iraner sprechen sehr gutes Englisch und wer nur Farsi spricht, wird ebenfalls gerne nach seinen Möglichkeiten hilfsbereit sein.

Eine weitere Überraschung für mich war, wie dezent der Muezin das Mikrophon benutzt. Da waren wir aber schon in Ländern, in denen man zum Aufruf des Morgengebets schier aus dem Bett fällt. Überhaupt möchte ich behaupten, dass die Familie den WEIT größeren Einfluß nimmt wie Religionsführer oder Regierungsoberhäupter. Kein Staat kann seine Bewohner so überwachen wie eine Familie ihre Mitglieder. Iran wirkte auf mich deutlich sekularisierter als erwartet.

Äh, und übrigens: habt ihrs bemerkt? Ich habe von Iran aus gebloggt. Gut, eigentlich sind Blog-Hoster gesperrt, aber das kann man ja umgehen (so ist das mit Verboten). Und wenn das sogar ein Technik-Honk wie ich schaffe, kanns nicht weiters kompliziert sein. Dass man diese virtuelle Mauer auch höher ziehen kann, kenne ich von Myanmar, wo sie mir beim Aufruf des Blogs die Nachricht *Blog gelöscht* anzeigten. Überhaupt funktionierte I-net gut (manche Social-Media wohl nicht, aber die nutze ich nicht) und auch die Perser sind ohne Handy in der Hand nicht vorstellbar.

Perser und Autofahren - nun, jetzt wird es schmutzig. Fasse ich es mal dezent in drei Regeln zusammen: Wer bremst hat verloren. Wer überlebt hat gewonnen. Fußgänger stellen kein Hindernis dar. Viel Freude allen Touris beim Überqueren einer Straße!

Über *Coutch-Surfing* (was unter Individualreisenden in Iran sehr beliebt ist) hatten wir uns Gedanken gemacht, aber davon Abstand genommen, weil sich unser Verdacht später durch Erzählung anderer bestätigte, dass diese Art der Gastfreundschaft sehr leicht einher geht mit der Hoffnung auf Vorteile /Buisness/ Gegeneinladung - vorallem letzteres ist damit oft verbunden: die erhöhte Hoffnung auf eines der raren Visen. Deswegen fände ich es sehr unfair, die Gastfreundschaft lediglich als billige Unterkunft zu mißbrauen, wenn man nicht bereit ist, sich gleichwertig zu revanchieren.

Unterwegs kultivierten wir beide ein neues Hobby, das sog. *lustige Natinalitätenraten*. Irgendwie schwieriger wie sonst. Rund um das chinesische Neujahresfest überwogen die chinesischen Touristen. Schwer für mich darunter Nationen wie Korea, Malaysia und Singapur zu erkennen. Der Reiz des Ratespiels wurde erhöhrt durch die vielen gemischten Paare, die unseren Weg kreuzten: Schweizer-Thailänderin, Australier-Kandadierin, Schweizerin-Iraner (die in Australien lebten), Italiener-Chinesin... SO geht Welt 2.0

Im Iran herrscht unter den Individualtouris ein straffes Programm: nicht länger als 1 bis 2 Nächte an einem Ort. Da könnte man eigentlich auch (fast) genauso gut eine Pauschalreise unternehmen.

Nicht selten hätte ich übrigens bei jungen Perser darauf getippt, dass es Israelis sind. Nicht nur optisch  - auch von der Attitude... Was allerdings nicht sein kann, da Israelis kein Visa erhalten für Iran.

Iran ist das Land der Paschas, das Land der Pfauen. Eitelkeit wird groß geschrieben. Und die Buben wohl gerne verhätschelt. Wir konnten uns des Eindrucks nicht erwehren, dass vorneweg die Frauen die Arbeit stemmen. Und viele Jungs auf vielen Perserteppichen rumlungern...

Ein Vorurteil bestätigte sich: es gibt wirklich ausgesprochen schöne Menschen unter den Persern. Nicht nur Frauen auch Männer. Hochgewachsene Jungs mit markanten Gesichtszügen, sinnlichen Lippen und Klimperwimpern.  In Iran sollte sich doch verlieben lassen... Herrlich auch die Mode der Rauschebärte - der einzig wahre Räuber Hotzenplotz-Bart.

Nur weil hierzulande kaum bis gar nicht über die Ausbeutung durch Kolonialsimus berichtet wird, dürfen sich andere Länder wie Iran für mein Befürhalten berechtigt kritisch dazu stellen. Ebenso wie zu der israelischen Außenpolitik - ohne deshalb ansatzweise antisemitisch oder extremistisch zu sein sondern lediglich pazifistisch. Auch ich verurteile nicht nur Krieg im Allgemeinen sondern den Einsatz von international geächteten Phosphor-Bomben im Speziellen, den rigorosen Siedlungsbau, dem Errichten einer sehr fragwürdigen und gigantischen Mauer, sowie einigem mehr.

So, und beim nächsten Mal zum Thema *Kleiderordnung für Frauen* und *Kopftuch*.... 
 


 zum Vergrößern anklicken

Reise durch Persien 1

Dienstag, 21. Februar 2017



Reiseberichte wie der von Johannes oder von Jenny und Peter machten mir schon lange Appetit auf Iran. Jaja, ich weiß ja, dass sich Erfahrungen nicht übertragen lassen, aber in DEM Fall hätte ich nichts dagegen gehabt. Rein gar nix.

Auch wir haben während unseres Aufenthaltes die so viel gerühmte, iranische Gastfreundschaft erlebt. Aber - mal ganz ehrlich - es ist schon völliger Quatsch von so etwas wie einer *Willkommenskultur* auszugehen samt einer Bevölkerung, die *Hosianna* ruft, nur weil sie einen Touristen sieht. Blöd, sich so was vorzustellen, oder? Aber hey, man wird ja als Traveller noch träumen dürfen. Außerdem war Winter in Zentral-Iran und der friert auch dort die Finger klamm. Und der Tourismus hat mittlerweile deutlich zugenommen: er ist in Iran zu einem Industriezweig geworden wie überall auf der Welt.

Was uns hauptsächlich entgegen gebracht wurde, war die von der Regierung verordnete *individuelle Begrüßung*. Den immer gleichen Satz *Where are you from?* haben wir, ich weiß nicht wie oft gehört. Begleitet in 99 Prozent der Fälle von völligem Desinteresse für die Antwort. Gerne wurde dann noch ein *Welcome to Iran* dazu geschmissen. Worauf uns als Touri die immer gleiche Reaktion blieb - ebenfalls in aller Schnelle und Beiläufigkeit - nämlich *MerciMerci*, anfangs freundlich bemüht, am Schluß eher lustlos, bzw. gleichfalls mechanisch.

Dazwischen gab es dann die Sternstunden, die *echten Begegnungen*, welche, die unsere Reise dieses Mal sehr bereichert haben. Allerdings nicht nur mit Iranern sondern ebenso mit anderen Travellern. Was mir wirklich IMMER eine Freude ist, wenn sich Augenpaare treffen mit echter Neugier füreinander.

Jeder erlebt seine eigene Reise. Gut veranschaulichen das kleine Geschichten von anderen Individualreisenden. So war ein blondschöpfiges, junges Pärchen aus Dänemark genervt, auf der Straße ständig als Selfie-Stop für Iraner herhalten zu müssen. Unnötig anzumerken, dass uns das, dunkelmähnig wie wir sind, nie passierte.

Ein französischer Endvierziger und passionierte Liege-Tandem-Fahrradfahrer (ich wußte bis dato gar nicht, dass es für mich *komische Hobbys* gibt, die für mich eindeutiges K.O.-Kriterium in der Partnerwahl darstellen.... tsss... Liege-Tandem-Fahrradfahrer...  Tage später lachte ich noch über mich selbst und meine Uarggh-Reaktion darauf....), also dieser alleinreisende Fränzi klagte vorallem über das mangelnde Interesse der Jungtraveller in den Dorms untereinander - somit für ihn. Schlimm! Alle Smartphone-süchtig und plus de vrais routards mehr wie früher...

In Isfahan kreuzten sich unsere Wege mit einem offenen Schweizer und seiner hübschen, thailändischen Freundin (Mittdreißiger). Sie waren bereits den zweiten Monat in Iran und Selberfahrer. Sein Statement lautete so: *Ich habe die Schnauze voll. Vielleicht macht ihr andere Erfahrungen wie wir, aber unsere sind, dass dich hier 80 Prozent der Leute betrügen. Du zahlst mehr, einfach weil du weiß bist. Fünf Jahre habe ich mich auf diese Reise gefreut und jetzt will ich einfach nur noch raus aus dem Land. Unser Problem ist nur: wir erhalten partout kein Visa für Pakistan.*

Oder direkt am ersten Tag nach Ankunft in Tehran frühstückten wir in unserem Guesthouse (das übrigens besser war als auf der Straße schlafen und schlechter als Campen, dafür aber 25Euro für sein nackiges Etagenbett-Zimmer verlangte) zusammen mit einer puppengesichtigen, jungen Chinesin in einem königsblauen Folklore-Mantel, der sie ausgesprochen gut kleidete und der mir später auf dem Bazaar in Shiraz wieder ins Auge stach. Sie meinte in leicht gebrochenem Englisch: *20 days in Iran enough. Be careful with the money. First you think *Oh, really cheap*, then you realize *Oh no, really expensive*. Now I have seen enough mosques. Yet I am travelling to Azerbaidzhan. There they are... - sie bekreuzigt sich - and the accommodations are mutch cheaper...*

Nehme ich unser Fazit vorweg: nahezu sämtliche Vorstellungen, die ich von Iran hatte, stellen sich als Irrtum heraus. Dazu gibts eine kleine Perlenkette an mitgebrachter Beispiele, die meinen Kopf erhellen und bereichern...

Persien 3 - Bazaar & Kulinarik

Dienstag, 7. März 2017



Das Wort *Basar* hat seinen Ursprung im Persischen und es leuchtet mir völlig ein, warum. Es duftet aus den Bazaar-Ecken noch sichtbar nach Tausend und einer Nacht. Nicht von ungefähr stehen einge von den alten riesigen, Markgängen unter UNESCO-Weltkulturerbe. Kein Zweifel: Basar - das können die Perser. Oft schließen sich Karawansereien an sie an - ein Wort, in das ich mich regelrecht verliebt habe. Und auch das Wort *Karawane* stammt -  wie könnte es anders sein - aus dem Persischen (ich springe dabei gedanklich übrigens zu diesem Buch).

Klar, auch wenn man als Touri gerne Nostalgie-Bilder knipst, so schwimmt ein nicht unerheblicher Teil der Märkte vor Produkten aus China. Zeichen der Zeit. Überhaupt erschien mir Iran wie das Land des florierenden (?) Einzelhandels: so viele, unzählige, kleine Geschäfte in jeder Stadt wie Sand am Meer und keine Shopping-Mall weit und breit. Von Embargo ist nichts (mehr) zu merken (im völligen Gegenteil zu Kuba) - in Iran gibt es wirklich ALLES und noch mehr zu kaufen. Konsum total.

Handel, logo, das saugen die dort mit der Muttermilch auf. Ich bitte euch, das Land der Teppichhändler... Und was haben Kuhhändler, Autohändler und Teppichhändler miteinander gemeinsam? Eben. 

Da keine ausländischen Kreditkarten in Iran akzeptiert werden, muß das Bargeld der kompletten Reisekosten mitgenommen werden. Es braucht eine Weile, bis man sich mit der Währung zurecht findet. Zum einen gibt es zweierlei Währungen, den Rial und den Toman. In Tuman rechnet das Volk auf der Straße, auf den Scheinen gilt allerdings der Rial - und das ist der 10fache Wert (ihr erinnert euch an meine Geschichte mit der Chinesin?). Das stiftet viel Verwirrung. Hinzu kommt, dass Rial und Euro nicht gleichwertig umgetauscht werden - aber fragt mich nicht tiefer: wie ein Wechselkurs auf dem Devisenmarkt festgelegt wird, erschließt sich wohl nur Eingeweihten.

Perser lieben Knabbereien aller Art,  Nüsse querbeet (die weltbesten Pistazien gibt es in Iran), kleines Gebäck, Karottenmarmelade, Fladenbrot, wunderherrliche Datteln, Fruchtleder, Ketchup, Elefantenpupse (Popkorn), Schmorgerichte, Tee, Gewürze undundund... Die Bäckereien, in denen Brot auf heißen Kieselsteinen gebacken wurde... hach.... so viele Köstlichkeiten!

Wir hätten ewig persisch essen können! Die Gerichte sind vielfältig und wunderbar gewürzt mit frischen Zutaten und bieten auch einem Veggie alles, was das Herz begehrt. Leider gibt es in Iran sehr wenig Restos - von den Fast-Food-Geschichten (Pizza, Falafel, Burger) mal abgesehen. Ja, bedauerlicherweise gibt es überhaupt so gut wie keine Cafés, keine Teehäuser, keine öffentlichen Orte des Verweilens, wo man sich einfach unters Volk mischen könnte (Tehran ausgenommen).

Einer unserer Hauptkritikpunkte dieser Reise. Denn deshalb hielten wir uns deutlich öfter in den Guesthäusern und Hotels auf, wie uns das lieb war. Und *Hotelurlaub* ist so ziemlich das letzte, was wir uns wünschen. Wir wollen ja der besuchten Kultur so nahe wie möglich kommen und einen (zumindest) kleinen Eindruck erhaschen, wie Leben in unserem bereisten Land sein könnte. Wie gerne hätten wir im Warmen sitzend bei einem heißen Getränk das Treiben auf den Basaren beobachtet... aber leiderleider...