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Sonntag, 17. März 2019

Pesto aus Löwenzähnen... im Risotto


Zu den schönsten Gartenlegenden zählt, dass ein zweigeteilter Regenwurm ein doppelter Regenwurm ist. Vermehrung durch Zwangsbeglückung quasi. Oder ein richtig verkappter Zuwachssegen. Schön wär's schon, oder? Dann könnte man hacken, was die Hacke hergibt. Leider ist dem nicht so. Im günstigsten Fall lebt das vordere Teil des Regenwurms weiter - dafür muss der Kopf und mindestens 40 Segmente (von bis zu 180) unversehrt geblieben sein.

An diese Geschichte denke ich jedes Frühjahr, wenn ich am Umgraben bin. Für alle Beteiligten wählte ich dafür gerne auch mal eine Grelinette. Nur Psychopathen, Sado-Masochisten und prinzipiell Gemütskranke empfinden Lust, wenn sie ihre besten Mitarbeiter (oder überhaupt andere) massakrieren. Manchmal erwische ich trotzdem einen Regenwurm und dann wünschte ich, dass die Legende wahr wäre...

Worüber ich ebenfalls beim Bereiten der Frühbeete stolperte, sind die unzähligen Steine, die ich spätestens beim Recheln rauslese. Es dürften in diesen Beeten ÜBERHAUPT keine Steine mehr zu finden sein. Wir kultivieren den Garten ja nun seit vielen Jahren. Wir sammeln bereits seit vielen Spatenstichen die Steine heraus. Es ist, als würden sie nachwachsen. Es ist wirklich ein Mysterium.

Nun wißt ihr grob alles, was mir so durch den Sinn geht, während der Gartenarbeit. Vielleicht fehlt noch, dass ich mir gerne dabei überlege, was ich uns später kochen könnte. Und da bietet sich der Löwenzahn an, auf den in Südfrankreich gerade unsere Nachbarn der älteren Generationen regelrecht abfahren. Von ihnen werde ich stets darauf hingeweisen, dass jetzt der Moment zum Schneiden ist (vor der Blüte)... Vielleicht Kindheitserinnerungen? Bon, zweifellos Wildkräuter at its best! Und ganz ehrlich: ich hätte mich in das Risotto reinsetzen können!

Weitere Rezepte mit Löwenzahn: dieser Salat mit Kartoffel-Vinaigrette oder der Löwenzahn-Blütenhonig


Zutaten - 2P:

1 Zwiebel
170g Rundkornreis (m: Halbvollkorn)
Noilly Prat
Gemüsebrühe
50g Ziegenfrischkäse
200g Brokkoli
2 EL Löwenzahn-Pesto
etwas Butter

Zubereitung:

Die Zwiebel fein würfeln und in der Butter weich dünsten. Risottoreis zufügen und so lange mitrösten, bis er glasig wird. Mit einem großzügigen Schuß Noilly Prat ablöschen und etwas einreduzieren lassen. Dann nach und nach mit einer schwachen Gemüsebrühe (Salz kommt später noch hinzu mit dem Pesto) auffüllen, rühren und dabei achten, dass der Reis nicht anhängt.

Währenddessen den Brokkoli in feine Würfel von 1/2 cm würfeln. Kurz vor Ende der Garzeit (die bei Halbvollkornreis deutlich länger braucht) - ca. 5 min vorher - den Brokkoli untermischen.

Vor dem Servieren den kleiner gehackten Ziegenkäse unterrühren zusammen mit dem Pesto - das Risotto sollte schön schlonzig sein. Dementsprechend eventuell noch etwas Gemüsebrühe zufügen. Nochmals abschmecken. Mit einigen zurückbehaltene Sonnenblumenkernen und etwas geriebenem Parmesan dekorieren.


Pesto
für ca. 6 EL Pesto:

70g Löwenzahn*
50g Sonnenblumen, geröstet*
40g Parmesan
2 Knoblauchzehen
Salz, Pfeffer
Sonnenblumenöl*
5 Stiele Petersilie*
15 Stiele Pimpinelle*

Zubereitung:

Sonnenblume rösten und zur Seite stellen. Knoblauch schälen, vom Trieb befreien und grob hacken. Parmesan ebenfalls grob zerkleinern. Löwenzahn waschen, gut trocken tupfen und in feine Streifen schneiden. Petersilie und Pimpinelle falls nötig auch - beide von den groben Stielen befreien. Alle Zutaten in einen Mixer geben und fein pürieren (am besten nach und nach).

Das Pesto in ein Glas umfüllen und die oberste Schicht mit Öl abdecken, um Oxidation zu vermeiden.

Anmerkung m: Der Löwenzahn welkt relativ schnell nach dem Abschneiden - er sollte dementsprechend bald danach verarbeitet werden.

Sonnenblumenöl läßt sich auch gut durch Olivenöl ersetzen - das Pesto ist schnell gemixt, die Wahrscheinlichkeit ist gering, dass das Olivenöl davon bitter wird. Ich gebe an meine Pestos meist nur soviel Öl hinzu wie nötig, um sie mixen zu können. Dabei entsteht dann eine Paste, die ebeno als Brotaufstrich oder Würzmittel dienen kann. Mit Öl zu einem klassischen Pesto läßt sich leichterdings immer strcken. 

Sonnenblumenkerne kann man nach belieben durch Pinienkerne ersetzen.

Die Zugabe von Pimpinelle und Petersilie ist optional.


Kommentare :

  1. :D Die Steine im Beet sind auch mir ein ewiges Rätsel. Zu groß für einen kleinen Regenwurm-Bauch. Zu klein, als dass ein Fischotter sie hätte mitbringen können (den's ohnehin nie in die Nähe des Beetes verschlagen hätte).

    Danke für das schöne Rezept und die Erinnerung daran, dass ich irgendwann auch wieder einen eigenen Garten brauche. Bis dahin suche ich mir den Löwenzahn außerhalb der großen Stadt, so bekommt auch Hedwig, das Fahrrad, mal wieder Bewegung.

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    1. Otter schließe ich auch aus :-))
      Wir, Stefanie, müssen wohl weiterrätseln... und Steine aus dem Boden rausholen. Hey und großes *Ja* zum Garten - viel Arbeit aber ganz viel Zufriedenheit. Bis dahin: raus mit dir und Hedwig!

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  2. Ja, auch ich habe jedes Jahr Steine aus dem Beet gelesen - im nächsten Frühjahr waren wieder welche drin. Die müssen sich heimlich vermehren. Anders ist es nicht erklärbar. Oder sie können wandern, und wandern wieder zurück an den Ort, aus dem sie herkommen....

    Ich warte auf den Bärlauch - er kann nicht mehr lange auf sich warten lassen ;-)

    LG
    Cornelia

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    1. Am Schluß gibt es fiese Trolle, die ein steinfreies Beet sabotieren, Cornelia. Ich möchte mir diese Art von finsteren Gesellen gar nicht ausmalen... Das müssen übelst dunkle Wichte sein!

      Lenken wir uns also mit Bärlauch ab!

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  3. Heuer startet unser erstes "eigenes" Gartenjahr nach dem Tod meiner Schwiegermutter. Ihren Garten habe ich nun quasi geerbt - und null Ahnung, wie und wo ich anfangen soll ... Wir haben beschlossen, es in diesem ersten Jahr langsam angehen zu lassen - und abseits von einigen Klassikern wie Karotten oder Salat einfach mal zu schauen, was passiert ...
    Ich liebe dein Risotto, übrigens :-)
    Alles Liebe!

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    1. Wie sagte meine in Ehren gehaltene Fahrschul-Lehrerin: *Kupplung langsam kommen lassen* - und sie meinte nicht nur das Auto ;-). Daher, liebe Maria, recht habt ihr. Eins nach dem anderen. Zumal der Garten Großmeister bleibt und man wirklich nie auslernt. Jedes Jahr ziehe ich mir eine neue/ andere Erkenntnis raus. Ich wünsche euch auf jeden Fall viel Freude. Bestimmt ist dank der Schwiegermama der Boden schon supi in Schuß!

      Hey, und ein dickes *Yeah!* zu diesem Risotto :)!!!

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  4. Eine alte Frau sagte auf dem Sterbebett zu ihren Nachkommen, dass sie ihnen einen Schatz vermache. Vergraben im Acker sei er. Bevor sie noch Genaueres erzählen konnte, verstarb sie. Nach ihrem Tod begannen die Erben die Äcker umzugraben und die Erde fein zu rechen und zu sieben, immer auf der Suche nach dem Schatz. Sie fanden nicht das, was sie suchten, aber durch die fortwährende Bearbeitung des Ackerbodens wuchs und gedieh alles, was sie anbauten prächtig und sie mussten nie Hunger leiden. Deshalb gibt es immer neue Steine im Gemüsebeet ;-) Hier auch erstes Frühjahr im eigenen Garten mit kleiner Helferin, die seit Sonntag - ihrem 2. Geburtstag - mit Schubkarre, Schaufel und Rechen ausgestattet ist. Herzlich grüßt Hannah

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    1. Eine schöne Geschichte, Hannah, die ich zugegebenerweise aber nicht ganz verstehe. Warum finden sich immer neue Steine im Beet? Weil immer aufs neue Umgegraben wird auf der Suche nach dem Schatz? Hmmm, ich blicks nich *-*

      Dafür kann ich mir die zuckersüße Nachwuchsgärtnerin zu gut vorstellen, liebe Hannah! Herzlichen Glückwunsch an den kleinen Geburtstagszwuckel!

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    2. Liebe Micha, du hast vermutlich recht und ganz "passt" die Geschichte nicht zu euren Steinen im Beet. Nunja, da ich die Geschichte so schön finde, muss ich sie eben den Menschen erzählen, die bei mir einen Stein im Brett haben und habe dafür einen doch nicht ganz passenden Anknüpfpunkt gewählt. Sieh es mir nach. Das Flower Power Risotto koche ich sicher bald nach!

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    3. ...und zwar gestern - jetzt blüht er nämlich auch hier überall! Das Risotto war zum "Reinsetzen" - einfach wunderbar! Ich hatte irgendwie vermutet, dass der Löwenzahn eher eine Bitternote (so wie Chiccorée, was ich durchaus mag) hat. Aber nein, gar nicht. Ein supergutes Pesto, von dem ich zum Glück gleich eine größere Menge gemacht habe. Danke sagt Hannah

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  5. Hier hab ich noch keinen Löwenzahn gesehen, das dauert in Bayern wohl noch ein bisschen ;) Die Idee finde ich aber super, ist gemerkt!
    Liebe Grüße,
    Ela

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    1. Da hier alles sowas von viel zu früh dran ist, ist der Löwenzahn hier bereits allerortens am Blühen. Lange, Ela, kann es also in D auch nicht mehr dauern... liebe Grüße zurück

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