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Freitag, 29. November 2019

Umgetopft: Töff Carottes


Ein Kind braucht irgendwann einen Namen. Eher früher als später. Manchmal staunt man schon, oder, was manche so beim Taufen geritten haben muss. Wie kommt man dazu, in ein knautschig-rosiges Baby-Gesicht zu schauen und zu denken: *Und du bist ein Ulf-Eberhard. Oder ein Kevin-Maximilian. Eine Walburga-Aida! Rita-Bonita...?!?* Es gibt ja nix, was es nicht gibt. Tsss, Menschen, schon SEHR merkwürdige Wesen...

Der Namensträger trägt eigentlich keine Schuld, wie man ihn ruft - er war ja bei der Namensgebung nur passiv dabei. Super thematisiert hier in dieser *Der Tatort-Reiniger*-Folge. Doch als würde es mit rechten Dingen zugehen, passen Name und Person in aller Regel zuverlässig wie Topf und Deckel zusammen. Nomen est omen halt. Typischer Fall für die Frage: Was war zuerst da? Huhn oder Ei?

Fakt ist aber, je älter man wird, kommt man nicht umhin auf den ein oder anderen Namen irgendwie konditioniert zu reagieren. Manche Namen sind vorbelastet, weil sie in der eigenen Biographie eine Vorgeschichte haben, kein unbeschriebenes Blatt mehr sind. *Ach, eine von den Sandras*, denke ich beispielsweise, weil es von denen in meinem kindlichen Umfeld die gleichen Unmengen gab wie Stefans. Bei manchen Namen regen sich Vorurteile, weil ich sie nicht mit guten Ereignissen verbinde. Jane Austens *Emma* hat mir den Namen regelrecht versaut. Mir schwebt bei Emma nun stets eine grauenhaft seicht vor sich hinplappernde, dümmliche Frau vor Augen (sorry, liebe Emmas, ich lasse mich gerne vom Gegenteil überzeugen). Und umgekehrt. Dafür habe ich natürlich auch ein kleines Repertoire: so à la, wer schon *Ute* heißt, kann so schlecht nicht sein...

Manche Namen haben bekanntermaßen auch ihre Bedeutungen. Von seinem Vornamen kennt man diese meistens. Aber auch vom Nachnamen? Onomastik, die Namensforschung, ist ein weites Feld. Und sie gibt jedem zudem ein Puzzle-Stückchen Herkunft an die Hand.

Die Etymologie eröffnet ein weiteres Universum. Nicht nur zu Germanistik-Zeiten liebte ich es, im Etymologischen Wörterbuch zu wühlen, welches wunderbarerweise ja digitalisiert zur Verfügung steht. Ein ganzes Referat hielt ich gar mal mich stützend auf das Grimmsche Wörterbuch, das belegt, dass Kunst und Können den gleichen Wortstamm besitzen - was so gänzlich meine Auffassung von Kunst wiederspiegelt. Wenn ich in Kunst kein Können erkennen kann, dann darf das für mich weg...

Das Etymologischen Wörterbuch zeigt außerdem, dass Pippi Langstrumpf aka Astrid Lindgren mit *Spunk* ein astreines, neues Wort erfunden hat. So wie ich mit *Töff Carottes*, dachte ich, das ich mir abgeleitet habe - na wer hätte es erraten - von Bœuf Carottes. Aus dem schlichten Grund, weil ich den französischen Klassiker als Vorlage für das heutige Gericht genommen habe. Mir ist ja bei Nebelgraukälte ganz schnell nach schönen, deftigen Schmorgerichten. Ohne Fleisch. Und mit *Töff Carottes* weiß doch gleich jeder, was ich meine, oder?

Es sei denn, ihr assoziert kindliche Motoren-Lautmalerei damit oder stammt aus der Schweiz und denkt an Motorrad - bei euch habe ich dann mit meinem Geniestreich an vegetarischer Rezept-Umbenennung Pech gehabt. Eine geschmackliche Punktlandung bleibt es trotzdem!


Zutaten 2P:

1 Schlotte
2 Knoblauchzehen
1 EL Stangensellerie, fein gehackt
5 Karotten (ca.600g)
1 TL Tomatenmark
1 TL Thymian
1 TL Miso, dunkel
150ml Gemüsebrühe
200ml Jus*
1 Schuß Portwein
1 EL Balsamico
Salz, Pfeffer
Olivenöl
Roux zum Binden

Quarknocken:
250g Quark (m: fromage de compagne)*
2 Eier
100g Mehl (m: Einkorn-Vollkorn)
Abrieb einer 1/2 Zitrone
Piment d'Espelette
Salz, Pfeffer
Butter zum Schwenken 

Zubereitung:

Schalotten, Knoblauchzehen, Stangensellerie fein würfeln. Karotten schrubben und je nach deren Größe (oder Wunsch) stiften oder in Scheiben schneiden. 

Schalotten, Knoblauchzehen und Stangensellerie in Öl glasig dünsten. Tomatenmark kurz mitbraten, dann mit einem Schuß Portwein ablöschen. Karotten zufügen, Jus und Brühe anschütten, mit Thymian und Miso würzen. Deckel auflegen und bei sanfter Hitze köcheln lassen - ca. 20min - je nach Karottenschnitt. Die Karotten sollten schön weich aber nicht verkocht sein.

Für die Quarknocken reichlich Salzwasser zum Kochen bringen. Eier mit Mehl glatt rühren, dann den Quark klümpchenfrei untermischen und abschmecken mit Zitronenzesten, Piment, Salz und Pfeffer. Mit einem Teelöffel kleine Nocken vom Teig abschöpfen und in das Salzwasser gleiten lassen. Die Nocken etwa 5min gar ziehen lassen (sie sind noch nicht gar, wenn sie an die Wasseroberfläche steigen - Test: auf Fingerdruck dürfen sie auch in der Mitte nicht mehr weich sein). Aus dem Wasser heben, gut abtropfen lassen und auf einer Platte zwischenlagern und etwas auskühlen lassen.

Die Nocken in einer Pfanne in etwas Butter schwenken und kurz golden braten.

Den Töff Carottes nochmals abschmecken mit Balsamico, Salz und Pfeffer. Wer mag, bindet die Sauce noch mit einer Roux.

*Anmerkung m: Der Jus gibt der Sauce einfach den Schmiß und ist schwer zu ersetzen. Das Rezept habe ich mittlerweile etwas vereinfacht, so dass ich eine größere Menge auf Vorrat in der Tiefkühle habe/ Der *fromage de compagne* ist eine bereits festere Quarkform, jedoch flüssiger als Quark, der im Tuch gut ausgepresst wurde - so wurde der Teig etwas weicher als bei diesen trotz mehr Mehl und ließ sich auch nicht mit zwei Teelöffeln formen. Die Nocken sind dennoch ganz fluffig geworden.


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