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Donnerstag, 15. April 2021

Fatalismus: gemusterte Kräuter-Ravioli


Und wenn uns morgen eine Pandemie dahinrafft, dann haben wir heute noch gut gelebt! Mit nichts läßt sich dieser Fatalismus besser verwirklichen, als sich an meine Erkenntnis sowie außerdem an mein Blog-Motto zu halten: *Man kann sich das Leben etwas schöner kochen. Und wenn es nur ein Quäntchen ist - ça suffit!* Diese Aussage gilt immer, diese Aussage funktioniert immer. Selbst wenn das Boot hart auf Kante segelt. Nehmen wir jedes Essen als Henkersmahlzeit und das Jetzt und Hier wird wieder zum Fest! Oder auch: wie man das Selbstverständliche zum Besonderen macht - Zauberei für Fortgeschrittene!

Davor kann man in der Küche der Welt den Rücken zukehren und einfach vergessen, was im Draußen tobt. Man besinnt sich auf das Existentielle, man spielt in kleinsten Tönen Alchemie und hebt Zutaten in einen neuen Seinszustand.

Was bietet denn der Alltag an besseren Möglichkeiten, um mit seinen Liebsten einen guten Moment zusammenzuverbringen, als gemeinsam am Eßtisch eine anständige Mahlzeit zu teilen?

Die Notwendigkeit, essen zu müssen, kann auf diese Weise umgewandelt werden von reiner Pflichtveranstaltung zur Kürinszenierung. Und es ist gleichzeitig die Umsetzung einer meiner liebsten Kalendersprüche (von all den unzähligen, die im Laufe eines halben Lebens zu mir gefunden haben): *Die Dinge sind nie so, wie sie sind sie sind. Sie sind immer das, was man aus ihnen macht!* (Jean Anouilh).

 


Dabei sehen die Ravioli aufwendiger aus, als sie sind. Trotzdem war das natürlich Sonntagsküche bei uns: das ist die kulinarische Ostermontag-Nachlese - ich gehöre ja nun auch nicht zu den Geduldigsten auf diesem Planeten. Aber wer noch eines draufsetzen und weitergehen will, der darf daraus gerne winzige Tortellini-Artefakte basteln...  man kann sich schon zusätzliche Schikanen einbauen... also so ist das nicht... Im Vergleich verkünstelte ich mich auf jeden Fall deutlich mehr an den Trofie - nur so als kleine Leitlinie!

Ansonsten handelt es sich um eines dieser Gerichte, die ich deshalb so mag, weil es eigentlich ein arme Leute Essen ist: nicht die Exklusivität der Zutaten macht den Genuß, sondern die zugewandte Zubereitung. Teuerste Zutat (also im Ranking von Mehl, Kartoffeln, Eier und Kräuter) wird wohl der regionale Ziegen-Käse *Saint Félicien* gewesen sein - einen Käse, den ich sehr gerne für Füllungen aller Art verwende, weil er schön cremig ist und Charakter hat!

 

Zutaten 2-4P:

Nudelteig 
200g Mehl (m: 100g feiner Hartweizengrieß, 70g Dinkel 630, 30g Roggen 1150)
2 Eier
1 EL Olivenöl

Füllung:
250g Kartoffeln (m: mehlig, am Vortag gekocht)
120g Saint Félicien
40g Bergkäse (m: Tomme de Brebis)
2 EL Kräuter-Pesto (m: Bärlauch, Melisse, Minze, Verveine, Petersilie)
Salz, Pfeffer
Piment d'Espelette

Butter
feine Petersilien-Blättchen, Pimpinelle...

Zutaten:

Aus den Zutaten für den Nudelteig einen homogenen, elastischen Teig kneten, der nicht zu fest und nicht zu weich ist. In Folie wickeln und im Kühlschrank wenigstens 1 Stunde ruhen lassen.

Die Kartoffeln mit einer Gabel fein zerdrücken, mit den restlichen Zutaten vermengen und gut würzig abschmecken.

Dann mit Hilfe der Mercato auswellen. Teig vierteln und die Teigbahnen bis Stufe 6 von 7 auswellen. Dann jeweils eine Teigbahn glatt auslegen, auf die Hälfte legen, so dass sich eine deutlich sichtbare Bruchkante ergibt. Einen Pinsel nehmen und die Bahnen bis zur Falz (also Hälfte) mit etwas Wasser anfeuchten und mit feinen Kräuterblättchen belegen (m: Petersilie, Pimpinelle). Blättchen dann nochmals ein wenig von oben anfeuchte, Teigbahn zusammenklappen und wieder von vorne (also bei Stufe 2) durch die Marcato drehen bis Stufe 6. Dabei darauf achten, dass man mit der Bruchkante (zusammengeklappten Mitte) zuerst durch die Maschine dreht. Ansonsten gilt wie immer: schön mit Hartweizenmehl (feinem Grieß) arbeiten, sonst kleben die Ravioli nachher im Wasser zusammen.

Dann jeweils eine Teigbahn nehmen, zur Hälfte anfeuchten, im Abstand von 5cm in 2 Reihen ein Löffelchen Füllung setzen, die andere Hälfte Teigbahn darüberklappen, ringsherum um die Füllung gut andrücken und Quadrate schneiden. Nebeneinander auf ein mit Hartweizenmehl ausgelegtes Küchentuch auslegen und mit einem weiteren abdecken.

Reichlich Salzwasser zum Kochen bringen und die Ravioli darin 2-3min garen.

Gleichzeitig in einer breiten, tiefen Pfanne einen guten Stich Butter zum Schmelzen bringen. Die Ravioli aus dem Wasser heben und direkt in der geschmolzenen Butter schwenken. Mit etwas frisch gemahlenem Pfeffer bestreuen und servieren.

*Anmerkung m: wichtig ist bei einer solch verzierten Pasta, dass man nur zarte, dünne Blättchen verwendet - auf keinen Fall mit Stielen: die Teigbahnen werden schließlich sehr dünn ausgewellt und sollen nachher beim Ravioli-Basteln nicht reißen!

 

Wenn wir schon dabei sind: prima eignen sich solche verzierten Teigbahnen, um daraus Cannelloni (hier mit Kerbel und Spargel) herzustellen - als weiterer Anreiz für Küchenfummeleien

 

2 Kommentare :

  1. Ich verbringe im Moment bedeutend mehr Zeit in der Küche als vor der Pandemie. Nutze die viele Zeit um meine Nachkochliste "abzuarbeiten" und freue mich wie Bolle wenn ich wieder eine (für mich) neue Leckerei nachgebastelt habe.
    Dazu kommen von Zeit zu Zeit Kreationen aus übrig gebliebenen Zutaten, die ebenso fertig verwendet werden wollen. Nicht immer fotogen, aber verd.... lecker. Und da es nur mir schmecken muss, ist das kein Problem.
    Stetig ändernde Corona-Bestimmungen betr. Auslandeinkäufen machen die Sache nicht einfacher. Das Positive daran ist jedoch, dass man neue Lebensmittel/Hersteller/Produzenten entdeckt, die probiert sein wollen.
    Sprich, jede, auch aufgezwungene Situation hat zwei Seiten. Ich mache das Beste daraus. :-) Beste Grüsse, Peter

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  2. Vielen Dank, sehr interessant!

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