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Sonntag, 21. November 2021

Mehr, mehr, mehr: Biscotti autunnali


Was ist das nur für ein Zeitgeist, in dem wir leben? 

Zum Verzweifeln, nicht? Der große Game-Changer (komisches, neues Wort), die Impfung, stellt sich ebensowenig als solcher heraus wie ihr kleiner Bruder die Impfquote. Geimpfte wie Ungeimpfte sitzen im gleichen Boot - beide Gruppen bleiben Teil des Infektionsgeschehens. Doch die Mainstream-Ultras demonstrieren nun ihren beherrschenden Wesenszug, die Hybris. Mit unverholendem Überlegenheitsgefühl stellen sie sich über andere, dünken sich für klüger und machen sich gar zu Schergen der Politik, in dem sie auf Impfzwang pochen  (wo doch Gradmesser jeder guten Beziehung bleibt, wie frei man sich gegenseitig läßt) - eine Vorstellung übrigens, die noch letztes Jahr als Verschwörungstheorie bekämpft wurde... Und der moralische Hinkefuß, nämlich das Ungleichgewicht mit dem der Impfstoff auf der Welt verteilt wird, muss wohl beim dritten Boosterstich verdrängt werden. Brot für die Welt, aber der Kuchen bleibt hier. Als gäbe es kein *richtig* mehr - wie mans macht, macht mans falsch.

Was bewirkt diese Epoche mit uns, in der die Menschen dieses Planeten erkranken an einem für manche tödlichen Virus, in der eine globale Pandemie die Erde das Fürchten lehrt, in dem keine Ratten sondern Menschen weitertragen, was an Schlechtigkeit in der Luft liegt...

Und dann diese mehr als merkwürdige Verwirbelung, dass die Richtigen das Falsche sagen und die Falschen das Richtige. Wie die EU-Abgeordnete Christine Andersen: *In der gesamten Geschichte der Menschheit hat es noch nie eine politische Elite gegeben, die sich ernsthaft um das Wohlergehen der normalen Menschen sorgt.* Alles ist so verwirrdend, alles scheint irgendwie verdreht. Und ich habe eindeutig zu viel Remarque gelesen...

Wo ich hinschaue, wirkt es mir dunkler als sonst. Nein, nicht weil wir individuell unsere Prüfungen dieses Jahr hatten. Querfeldein habe ich ein paar Eindrücke gesammelt:

Menschenrechte kommen weltweit in einem nie geahnten Ausmaß unter die Räder (s. Amnesty International) - in diesem Zug verschärft sich die Lage der Flüchtlinge. Die Pandemie ist nicht nur eine Bewährungsprobe für Menschenrechte, sie wirkt wie ein Brandbeschleuniger. Unter anderem hat die Krise verheerende Folgen für die Ärmsten unter uns - noch nie waren weltweit so viele Menschen auf der Flucht: die Ungeheuer-Zahl von fast 71 Millionen Menschen

Das soziale Ungleichgewicht spaltet tief - in den letzten zwei Jahren wurden die Reichsten noch viel, viel reicher und die Ärmsten verelenden zusehens... Das bedeutet für die Industrieländer: immer mehr Menschen rutschen in prekäre Arbeitsverhältnisse (greife ich als Beispiel Frankreich heraus). Als Foodie darf ich feststellen: gesunde Lebensmitteln wie Obst und Gemüse werden für einen wachsenden Teil der Bevölkerung unerreichbar

Gleichzeitig steigen die Militärausgaben während der Pandemie weltweit - auf dem höchsten Niveau seit 1988

Und der Krieg manifestiert sich in den privaten Haushalten: es ist ein deutlicher Ansteig der Gewalt innerhalb der Familien festzustellen, insbesondere gegen Frauen (2020 gab es in Frankreich stündlich etwa 45 Einsätze wegen Gewalt in Familien, jeden dritten Tag wird eine Frau von ihrem Partner ermordet). Das geht dementsprechend ebenfalls einher mit einem Anstieg der Gefährdungsmeldungen und Inobhutnahmen von Kindern (s. hier)

In der Schweiz verdoppelte sich im vergangenen Jahr die Anfrage einer Suizidberatung bei Jugendlichen.

Giga-Anstieg des weltweiten Drogenkonsums, - allein in den USA stieg die Zahl der Drogentote binnen eines Jahres auf einen neuen Rekord von 100 000 Tote - Anstieg des Alkholkonsums (etwa in D), des Tabakkonsums, der Klicks auf Pornoplattformen... 




Ihr merkt wohl selbst: die Liste ließe sich beliebig fortsetzen. Eigentlicher Aufhänger für diesen Post war aber für mich die südkoreanische Netflix-Serie *Squid-Games*, die weltweit bereits unglaubliche 111 Millionen Zuschauer erreicht hat - und die ich nicht gesehen habe. Aufmerken ließen mich Berichte, dass die brutale Serie auf Schulhöfen nachgespielt wird, ja sogar ihren Weg zu noch jüngeren Kindern in Kitas fand. Grundidee der Serie: Völlig verschuldete Menschen werden auf eine Insel verfrachtet und spielen (u.a.) simple Kinderspiele gegeneinander. Wer verliert, wird getötet. Wer alle Spiele überlebt, gewinnt mehrere Millionen Siegprämie. 

Ach Mensch, warum nur kann das Gute nicht um die Welt ziehen und Vorbild machen (immer noch mit Sibylle Berg). Auf dieser Geschichte kaute ich ein Weilchen und überlegte mir dann, ob man nicht vielleicht den Erfolg dieser Netflixserie als Symbol für unsere Zeit nehmen könnte, ob sie nicht überspitzt und karrikiert den Zeitgeist auf den Punkt bringt: entweder zahlungskräftig oder entrechtet, entweder vermögend oder unfrei, entweder reich oder tot. Ja, vielleicht ist der Traum einfach ausgeträumt von Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit, von Empathie und Solidarität?!

Ihr denkt: wie depri ist denn die Alte drauf - das sehe ich aber völlig anders! Ihr denkt, es werden doch wieder mehr Brettspiele gespielt, durch weniger Flugreisen wird die Luft weniger belastet - irgendetwas in diese Richtung... Dann bin ich rasend interessiert an eurer Meinung und sowas von bereit, mich vom Gegenteil überzeugen zu lassen. Schreibt mir an *salzkorn@email.de* - und ich veröffentliche GERNE die schönsten Anregungen!

 


Advent, Advent, ein Lichtlein brennt. Nächste Woche ist es soweit - das Lichtlein können wir gebrauchen. Also ich. Und ihr braucht Plätzchen-Rezepte, die Statistik verrät mir, dass die ersten bereits am Ausschauhalten sind. Ich versüße euch den dritten Sonntag des Novembers mit einem italienischen Rezept, das ich nach meinem Gusto abgeändert habe. Gefüllte do it better - ich bleibe meinem Motto treu... Und schnell zu basteln sind die süßen, saftigen Teilchen mit Walnuss und Apfel ebenfalls. So mag ich das!

 

Zutaten - ca. 35 Stück:

200g Mehl (m: 150g D630/ 50g Einkorn-VK)
100g Butter, weich
100g Joghurt
Abrieb 1/2 Tonka-Bohne
1 TL Rohrzucker
2g Back-Pu
1 Pr Salz
50g gemahlene Walnüsse
 
300g Äpfel (ca. 2-3 Stück)
2 EL Zucker
50g kandierter Ingwer* 
25g gehackte Walnüsse

Puderzucker

Zubereitung:

Äpfel entkernen und schälen und grob raspeln. Zusammen mit dem Zucker in einer beschichteten Pfanne ca. 10min dünsten. Zuletzt den gehackten Ingwer wie die gehackten Walnüsse untermischen und abkühlen lassen.

Joghurt mit weicher Butter, Zucker und Tonkabohnen-Abrieb gut vermengen (mit Gabel oder Schneebesen). Dann Mehl und Backpulver unterkneten, zuletzt die Walnüsse (m: 15min kühl gestellt). Den Teig viereckig ausrollen - etwa 5mm dick, ca 32cm auf 40cm. Den Teig in 4 Streifen à 8cm Breite schneiden. In der Mitte der Streifen die Apfelfüllung verteilen, die Teigränder gut zusammenzwicken- und ein wenig platt drücken, dann Stücke von etwa 4-5cm Stücke abschneiden und mit der Nahtstelle nach unten auf ein mit Backpapier ausgelegtes Backblech legen.

Ofen auf 200° vorheizen.

Für 18-20min im heißen Ofen backen. Puderzucker in ein Schüsselchen geben und die Plätzchen noch warm im Puderzucker wälzen. In einer Plätzchendose, die Schichten mit Backpapier voneinander getrennt, aufbewahren.

*Anmerkung m: sehr schöne, saftige, aromatische Plätzchen, die schnell zu machen sind. Prima anstelle von kandiertem Ingwer - mein Favorit - ist auch kandierte Orangenschale.

Wie lange die Plätzchen halten, kann ich euch nicht sagen: bei uns waren sie nach 5 Tagen verteilt und aufgefressen... 

 

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