Ablenkungsmanöver für Ausreißer

Mittwoch, 24. Juni 2015

Klar fehlt mir manchmal die Stadt. Ich bilde mir ein, dort könnte ein Coiffeur auf mich warten, der mir DIE Friese fürs Leben verpaßt. Oder mal wieder so richtig eine Nacht durchtanzen. Von mir aus auch gleich morgens auf einer dieser *before work partys*. Ohja - das wär' schon was. In einem Laden mit schönen Postkarten stöbern - vielleicht würde ich mich dann doch zu einer anständigen Brieffreundin mausern. Oderoder.

Aber jetzt mal ganz unverblümt: gerade käme Stadt einer Strafe gleich. Bei uns hat der Sommer längst vor seinem offizielen Datum begonnen. Ich laufe barfuß, ich schlafe mit offenem Fenster, ich wache vor Sonnenaufgang auf und sitzen wir im café, fühlen wir uns selbst wie im Urlaub. Das ist haargenau die Zeit, in der ich mich drinnen eingesperrt fühle. Und meine Frisur, die ich mir für den Rest meiner Tage wünsche, kann ruhig was warten.

Es sind die kleinen Momente, die ich gerade so genieße. Und nicht eintauschen möchte. Vorhin beim Himbeerpflücken. Nie schmecken die Himbeeren besser, als wenn man sie noch sonnenwarm vom Strauch direkt in den Mund schiebt. Dann komme ich mir alterslos vor. Ein unglaublich leichtes Gefühl. Um euch davon ein bißchen abzugeben, habe ich euch meine liebsten Lieblingsrezepte - selbst getestet und gegessen - für den Früchteswinger zusammengesammelt. Hauptdarsteller: Johannisbeeren, Kirschen, Himbeeren, Aprikosen, Erdbeeren, Blaubeeren...

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Das Ganze dient mir als geschicktes Ablenkungsmanöver, weil ich anstandshalber noch die Posts verlinke, die ich in kürzester Kürze löschen werde. Ich bitte um pietätvollen Umgang mit diesen Beiträgen und davon abzusehen, diese postum zu kommentieren  ;). Zu der ersten Auswahl zählen:


aber zuerst tausche ich bei einigen Rezepten die Bilder und dann gehts weiter mit dem Federlesen...

Festtag II: Verlosung Börner V5 - Gurkensalat

Dienstag, 23. Juni 2015

Laut meiner Statistik ist es ja so, dass ihr mich hauptsächlich wegen dem Süßkram besuchen kommt. Was wiederum verallgemeinernd bedeuten würde, dass ihr euch lieber in die Küche stellt für Süßigkeiten, als für ein *vernünftiges* Gericht. Also zumindest nachdem ihr euch hier Anregungen gesucht habt. Echt jetzt?

Hey, die beste Naturkosmetik bleibt, wenn man viel frisches Zeugs ißt. Obst, Gemüse, Salat, Rohkost. Eben das, wofür man in der Stadt im Resto irgendwie unverhältnismäßig viel Geld hinlegen muss. Deshalb macht man sich das selbst. Wenn ich früher meine Oma auf dem Land besucht habe, dann gehörte zu den Highlights, dass sie mir über die Gurken (oder Tomaten) ein paar frische Kräuter aus dem Garten streute. So schlicht - so lecker.

Und grundeigentlich will ich euch ja tiefenpsychologisch-unauffällig in die Richtung beeinflußen, dass ihr Lust habt, euch was Frisches auf den Tisch zu zaubern. Einen schnellen Salat wie dieser Gurkensalat. Das muß gar nichts besonderes sein, aber ich verspreche euch, dass das eine kleine Frischzellenkur von innen ist. Dabei kann von Aufwand keine Rede sein.

Um euch dazu etwas zusätzlichen Rückenwind zu pusten, verlose ich ab heute den Börner V5 - den Porsche unter den Gemüsehobeln. Auf meine erste Börner-Reibe, die Roko, griff ich wieder zurück, weil ich mit dem Spirelli zusammen mit der Zucchini nicht zurecht gekommen bin. Hingegen der Börner V5 macht einfach nur Spaß. Und die Einsatzmöglichkeiten sind regelrecht unzählig. Leicht zu reingen ist er obendrein. Der perfekte truc für alle, die ebenso gerne Handwerker in der Küche sind wie ich. Viel Spaß beim Mitspielen und vielen Dank an Börner, die mir den Hobel zu eben diesem Zweck zur Verfüng stellt. Die Teilnahmebedingungen findet ihr am Ende des Posts.

Zutaten 2P:

1 Salatgurke*
einige Radieschen
1 EL Tahini
1 EL Olivenöl
Saft 1/2 Limette
1 EL Reisweinessig
Salz, Pfeffer
schwarzer Sesamsamen
etwas Radieschengrün (oder Kresse/ Sprossen)

Zubereitung:

Die Salatgurke schälen und in feine Scheiben hobeln. Das Radieschengrün fein hacken, die Radieschen in feine Scheiben schneiden. Aus Sesampaste, Olivenöl, Limettensaft, Reiswein, Salz und Pfeffer ein homogenes Dressing rühren. Den Gurkensalat damit marinieren. Sesamsamen und Radieschengrün darüber streuen.

*Anmerkung m: unsere Gurken sind kleiner - daher brauche ich für uns zwei Gurken. Blütenansatz etwas großzügiger wegschneiden und vom Blütenansatz zum Stiel hin schälen (wegen möglicher Bitterstoffe).
Teilnahmebedinungen: Unter jenen die hier unter diesem Post einen Kommentar samt Mail-Adresse findet das Los den/ die Beschenkten bis Sonntag, 30. Juni (24 Uhr).

Die Verlosung von *Gemüse kann auch anders* und drei Gewürzen von Bettina läuft noch bis zum 28.Juni

Fête de la musique

Montag, 22. Juni 2015



Gestern fand in ganz Frankreich wie üblich die fête de la musique statt. Ein guter, ja ein sehr guter Anlaß für einen musikalischen Orientierungshinweis darauf, was das schönste Fundstück auf diesem Planeten bleibt...

Festtag I: Verlosung mit Bettina Matthaei - *Gemüse kann auch anders*

Sonntag, 21. Juni 2015

Für meine kleine Festspielreihe wollte ich mich mit Dingen umgeben, die verbunden sind mit *grain de sel*. Auf direktem Weg bin ich so bei Bettina Matthaei gelandet - nicht umsonst besitzt sie bei mir ein eigenes Label. Zigfach habe ich laut gemacht, wie sehr ich ihr *Vegetarisch vom Feinsten* schätze. Sie war es, die mich damit auf die Kombi von Obst und Gemüse in einem Gericht brachte. Eine Liebe, die bis heute währt. Schöne Begleiterscheinung: zwischen Bettina wechseln die Mails auch ohne Zutatenliste.

Selbstredend, dass ihr neuestes Buch *Gemüse kann auch anders* ins Haus mußte. Und es konnte an den guten Ruf, den Bettinas Arbeit bei mir hat, direkt anknüpfen. Auch dieses Kochbuch finde ich einfach super. Die Sobanudeln wußten ebenso überzeugen wie die aus Möhren. Und neben den wirklich originellen Rezepten schwärme ich für die wunderschöne, natürliche Food-Fotographie dieses Buches. Das sieht ja alles so appetitlich aus. Dabei wird schlicht mit schöner Requisite inszeniert, ohne je das Essen aus dem Mittelpunkt zu drängen.

Diese Suppe macht mich erneut zum Fan von geschmorter Gurke. Sommerliches, leichtes Wohlfühlessen. Die wird es öfters geben. Was gut zum Treiben im Gewächshaus paßt, wo die Gurkenpflanzen gerade explodieren.

Ihr ahnt, worauf es hinaus läuft: ich darf *Gemüse kann auch anders* heute verlosen. Und nicht nur das. Das Tüpfelchen auf dem i steuert Bettina bei. Der/die Glücksbeloste darf sich obendrein in Bettinas Gewürzshop, den sie zusammen mit ihrer Tochter betreibt - *1001Gewürz* - drei Gewürze aussuchen. Ich wüßte mein erstes Gewürz innerhalb eines Wimpernschlages. Bereits in ihrem großen Standartwerk *Das große Buch der Gewürze* machte es mich lüstern: Lemon Myrtle

Nun schreibt Bettina darüber in ihrem neuesten Buch: *Lemon Myrtle hat es mir besonders angetan. Das australische Kraut duftet wie ein Mix aus Zitrone, Limette und Zitronenverbene...* Ich bin mir sicher, das könnte ich genauso als Parfum verwenden. Aber ja, ihr dürft wählen und nicht ich... Viel Spaß dabei. Und herzlichen Dank an Bettina und den GU-Verlag fürs Mitspielen bei meinen Festtagen! Unten findet ihr die Teilnahmebedingungen zur Verlosung...
Zutaten 4P:

2 1/2 Salatgurken
200g Gemüsezwiebeln*
2 Frühlingszwiebeln
3 EL Kokosöl
600ml Gemüsebrühe
200ml Kokoswasser (Tetrapak, Bioladen)
1-2 TL Wasabipaste
Salz
frisch gemahlener, grüner Pfeffer*
Szechuanpfeffer*
1 TL Noriflakes (m: ersetzt durch frittierte Kapern)

Zubereitung:

Die Gurken schälen, halbieren und vom Kerngehäuse befreien. Dann in 1cm große Würfel schneiden. Die Gemüsezwiebel fein würfeln. Von den Frühlingszwiebeln den weißen Teil hacken und den grünen in schmale Ringe schneiden.

Das Kokosöl erhitzen und die Zwiebelwürfel glasig dünsten. Die Gurkenwürfel dazugeben und 2-3min mitschmoren. Dann die Gemüsebrühe anschütten, aufkochen, Deckel auflegen und bei geringer Hitze in etwa 12-14min weichdünsten. 

Kokoswasser zufügen, alles erwärmen aber nicht mehr erhitzen. Die Wasabipaste mit 2 EL Gurkenbrühe glatt rühren, dann in die Suppe geben. Mit Salz und Pfeffer abschmecken. Zwiebelgrün dazugeben und kurz miterwärmen. Auf Schalen verteilen und mit den Noriflakes bestreut servieren.

Anmerkung m: Bei den Zwiebeln mußte ich - aus Bestandsgründen - auf  Schalotten ausweichen. Auch die verschiedenen Pfeffersorten habe ich nicht - ebensowenig wie die Noriflakes. Es war dennoch köstlich. Ich habe die Suppe lauwarm serviert.


Teilnahmebedinungen: Unter jenen die hier unter diesem Post einen Kommentar samt Mail-Adresse findet das Los den/ die Beschenkten bis Sonntag, 28. Juni (24 Uhr).

Festspiele: Doppeldecker-Beerentörtchen zum 28sten

Freitag, 19. Juni 2015

Heute wird mein Foodblog 28 Jahre alt. Foodbloggerjahre werden ja wie Hundejahre  berechnet - wodurch überhaupt erstmal vorstellbar wird, was das für ein 4jähriges Foodblog tatsächlich und überhaupt in virtueller Echtzeit bedeutet. Nie hätte ich es für möglich gehalten, so lange mitzumischen. Ich dachte ja, ich wäre eher so ein James Dean-Blog... ihr wißt schon. Und nun also doch seriös, konstant, mit Durchhaltevermögen. Quasi ne Festanstellung... Samt Dauer-Blog-Event (DUBB) (ja okay, das Banner fehlt noch) und einem, das sich dazu entwickeln will (*Zu Tisch mit....*). Unbezahlbar, wenn man sich noch selbst überraschen kann.

Ganz ehrlich: Wenn das kein Grund zum Feiern ist ?!! Und als erstes belohne ich mich: Happy Birthday to me! Das heißt, ich werde mindestens 10 Posts, deren Bilder mir mittlerweile in den Augen weh tun, löschen. Bei fast tausend Beiträgen wird euch das nicht einmal auffallen. Von einigen - deren Rezept mir nach wie vor gefallen - werde ich die Bilder austauschen. So. Damit wäre etwas staubgewischt.

Um noch etwas nachzupolieren, habe ich auch euch nicht vergessen. Hiermit eröffne ich die Salzkorn-4Jahres-Festtagsspiele, denn ich habe schöne Küchenschätzchen für euch zusammengesammelt ohne mich zu scheuen, dafür Klinken zu putzen. Lauter Sachen, über die ich mich umgekehrt als Leser auch freuen würde - weil ich selbst die nämlich bereits besitze, und die somit den Salzkorn-geprüften Stempel *TOP* samt *unverzichtbar* erhielten. Am Sonntag gehts los und wird mehrere Tage andauern. Zumal 4 ja so eine schöne Zahl ist, ne echte Lieblingszahl. Und ich weiß ja nie - bei aller Loyalität zum eigenen Blog - wie lange mich die Welle der Motivation noch trägt..

Die Vor-Eröffnung, das Warm-up dazu dürfen diese kleinen Doppeldecker-Törtchen machen mit dem zartesten aller Pâtisserie-Böden auf die sich eine Ziegenfrischkäse-Beerencrème türmt mit allem, was der Garten an Beeren zu bietet hat.
Zutaten 6-8 Stück*:


300g Beeren, gemischt (m: Himbeeren, Blaubeeren und Johannisbeeren)
300g Ziegenfrischkäse (m: Faisselle)
200ml Sahne
4 Blatt Gelatine
60g Puderzucker
einige Blätter frische Minze, fein geschnitten
1 Limette, Saft und Zesten davon

Beeren zur Dekoration
Ausstecher von 8cm

Zubereitung:

Den Sablé breton für die Tarteletteböden zubereiten und mindestens 2 Stunden im Kühlschrank ruhen lassen. Den Teig ca. 1cm (oder ein wenig dünner) ausrollen und mit den runden Ausstechern Kreise ausstechen und zusammen mit ihnen auf ein mit Backpapier ausgekleidetes Backblech setzen. Mit Unterstützung des Bodens auf ein Kuchengitter setzen und einige Minuten abkühlen lassen. Dann mit den gleichen Ausstechern so fortfahren, bis aller Teig verbraucht und alle Tartelettes gebacken sind. Die Menge ergibt etwa 9-10 Stück. Sie halten sich einige Tage in einer Keksdose.
Den Ziegenfrischkäse mit der Minze und dem Limettensaft und -zesten glatt rühren. Für die Mousse die Beeren püireren (die Feinen streichen die Masse durch ein Sieb) - dann nochmals zusammen mit dem Zucker pürieren. Die Gelatine in Wasser für einige Minuten einweichen, anschließend tropfnass in einen Topf geben und bei geringer Hitze auflösen lassen. 2 EL des Beerenpürees mit der Gelatine mischen, dann mit allen Beeren vermengen. Den Ziegenkäse ebenfalls sorgfältig unterrühren und für ca. 20-30min in den Kühlschrank stellen bis die Crème anzieht. Dann die Sahne schlagen und unter die Crème ziehen.

Die Ausstecher auf eine Platte, die mit Frischhaltefolie verkleidet ist, setzen und die Beerenmousse darin verteilen und glatt streichen. Auch die Oberfläche mit Frischhaltefolie abdecken und mindestens 4 Stunden (oder über Nacht) im Kühlschrank fest werden lassen.

Zum Servieren die Ringe mit der Mousse auf die Böden setzen und zum Lösen mit dem Messer entlang der Ausstecher fahren. Mit Beeren dekorieren und servieren.

*Anmerkung m: ich habe 9-10 Böden aus dem Teig rausgebracht. Mit der Mousse habe ich 6 Törtchen getoppt - sie reicht allerdings auch für etwa 8 Törtchen, wenn man die Höhe dementsprechend bei allen reduziert.

Boîte aux lettres 6

Donnerstag, 18. Juni 2015

Die Drôme aus einem ganz eigenen Blickwinkel: die Briefkästen seiner Bewohner. Eigentlich beginnt der Briefkasten ja langsam ein Gegenstand aus einer anderen Zeit zu werden. Zugegebenermaßen bin ich eine ganz lausige Brieffreundin (verständnisheischend zwinkere ich vorallem gerade Richtung Svea).

Für mich völlig unvorstellbar, wie es noch vor 200 Jahren Menschen gab - wie etwa mein Goethe - die ein phänomenales, literarisches Werk hinlegten, dabei keine Gelegenheit zum (beschwerlichen) Reisen ausließen und obendrein wirklich ausführliche Brieffreundschaften pflegten. Die HATTEN mehr Zeit als wir heute.

Sowieso und überhaupt ist jeder viel mehr Kind seiner Zeit ist, als man sich das so vorstellen kann. Am Habib und mir - zusammen trotz bekanntermaßen größerem Altersunterschied als der einer Generation - spüren wir tatsächlich soetwas wie einen kulturellen Unterschied. Obwohl wir JETZT zur gleichen Zeit leben, sind wir in unterschiedlichen groß geworden. Das prägt wahrnehmbar verschieden.

Wie eklatant anders allerdings Menschen aus sogenannten Naturvölkern gegenüber denen der Industrieländer ticken, ist mir zum ersten Mal in ganz neuem Ausmaß bewußt geworden, durch das Buch, welches ich die Tage, als die Hitze uns in die Bewegungslosigkeit drückte, im Schatten der Eiche las: *Vom Geist Afrikas*. Der Lebenslauf des Schriftstellers Malidoma Patrice Somé macht es ihm möglich mit den Augen eines Weißen (Studium an der Sorbonne) auf seine Herkunft zu sehen, und umgekehrt verwoben mit der Magie und den Ritualen seines Stammes die Welt der Weißen zu beurteilen.

Der Habib, der Afrikaliebhaber, kennt ja nun große Teile unseres Nachbarkontinents durch viele, viele Reisen - ich selbst habe Afrika bisher nur etwas beschnuppert in Tansania. Von all meinen Reisen fühlte ich mich dort aber besonders fremd, fühlte die *Andersartigkeit*. Was Malidoma Patrice Somé schreibt über die Art und Weise der Initiation der jungen Männer seines Stammes, klingt völlig fancy - nicht ansatzweise nachvollziehbar. Aber dabei auch schon wieder so abstrus, dass man es eigentlich nicht erfinden kann. Folgt man seiner Geschichte, dann wird bewußt, dass diese Menschen wie in einer Parallelwelt zu unserer leben. Mit das spannendeste finde ich sein Urteil, dass wir Weißen uns mit dem Geist der Maschine verbunden haben. Was macht das mit unserem Denken? Und sind wir überhaupt in der Lage, unser Denken denkerisch so fundamental in Frage zu stellen? Eben nicht nur kritisch zu überlegen, WAS wir denken, sondern WIE?


boîte aux lettres 5
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jetzt mal kausal: Chili mit schwarzen Bohnen und Maissalsa

Dienstag, 16. Juni 2015

Die Tage fiel mir die fünfjährige Fini (von Josephine) in ihrem Motiv-Shirt wieder ein. Mit ihr an der Hand ging ich an den Koppelzaun und wir riefen die Pferde. Lang mussten wir nicht locken, schon machten sie Schritte auf uns zu. Fini schaute selbstsicher, fast ein bißchen selbstverliebt zu mir hoch und meinte: *Nich, die kommen, weil sie gesehen habe, dass ich Pferde auf meinem Pullover habe*. Das KANN nur in Zusammenhang stehen!

Sie kam mir in den Sinn, weil ich mich erwischte, wie ich GENAU auf diese Art *gedacht* habe. Die ausführliche Geschichte erzähle ich aus Prestige-Gründen lieber nicht. Aber wie schnell ist das Leben manchmal mit *wenn-dann* oder *weil* erklärt. Und man selbst dabei der Mittelpunkt der Welt. Doch, es gibt schon Momente des Bedauerns, dass die Erde keine Scheibe ist...

Manchmal hilfts möglicherweise, der Wahrheit nicht ins bittere Angesicht schauen zu müssen. In Guatemala - wo wir den vorletzten Winter hauptsächlich verbrachten - gabs einige Dörfer, die direkt zu Fuße eines schlummernden Vulkans in üppiger Fruchtbarkeit siedelten. Dass dabei ein Risiko bleibt, läßt sich offensichtlich einigermaßen verdrängen. Erheitert hat uns dann aber doch der religiöse Kuhhandel einer kleinen Gemeinde, die original zwischen sich und den Vulkan ihre Kirche erbaute. Wird der Vulkan ausbrechen, dann wird er als erstes die Kirche platt machen - und das kann Gott ja nun unmöglich wollen...

Während unseres Aufenthaltes in Südamerika haben wir schwarze Bohnen in Mengen für mehrere Jahre gegessen. Nun bekomme ich wieder Lust darauf. Sehr fein ist dieses Chili - vorallem in der Kombi von allem. Lediglich mein Pfannenbrot, das ich uns dazu gebacken habe, war zweite Wahl. Dafür gibt es deshalb kein Rezept.
Zutaten ca. 4-6P:

400 g getrocknete schwarze Bohnenkerne, gewaschen und abgetropft (oder 800 g schwarze Bohnenkerne aus der Dose)
2 EL Olivenöl
1 Zwiebel, fein gehackt
2 Zucchini, gewürfelt
2 Stangen Staudensellerie, fein gewürfelt
2 Knoblauchzehen, fein gehackt
1 lange rote Chilischote (auf Wunsch entkernt)
1 TL Korianderpulver
1 TL Kreuzkümmelpulver
4 Tomaten, gehackt
Saft von 1 Zitrone


Maissalsa (siehe unten)
zerbröckelter Feta oder Sauerrahm (m: Ziegenfrischkäse)
1 Avocado, in Würfel geschnitten
Koriandergrün
Limettenspalten
warme Tortillas oder Reis (m: Fladenbrot)

Zubereitung:

Die getrockneten Bohnenkerne 8 Stunden in der dreifachen Menge kaltem Wasser einweichen, dann durch ein Sieb schütten. Die Bohnen in einen großen Topf geben und mit frischem Wasser bedecken. Das Wasser zum Kochen bringen, die Temperatur reduzieren und die Bohnen 30 Minuten köcheln lassen, dann abgießen.


Das Olivenöl in einem großen schweren Topf erhitzen. Die Zwiebel, die Zucchini und den Staudensellerie darin unter gelegentlichem Rühren 6–7 Minuten anschwitzen. Den Knoblauch, den Chili und die Gewürze hinzufügen und 1–2 Minuten unter Rühren mitschwitzen, bis alles duftet. Die Tomaten, die Bohnen und 125 ml Wasser hinzufügen und aufkochen. Die Herdtemperatur auf niedrigste Stufe reduzieren und alles 10–15 Minuten köcheln lassen. Dabei immer wieder umrühren. Den Limettensaft hineinrühren und das Chili mit Meersalz und frisch gemahlenem schwarzen Pfeffer
abschmecken.

Mit Maissalsa, Feta (m: Ziegenfrischkäse), Avocado, Koriandergrün, Limettenspalten und warmen Tortillas oder Reis servieren.

Maissalsa

Zutaten:

1 1/2 EL Olivenöl
300 g Maiskörner, vom Kolben geschnitten
1 kleine Zwiebel, fein gehackt
1 EL frisch gepresster Limettensaft
1 grüne Chilischote, fein gehackt (auf Wunsch entkernt)

Zubereitung:

1 EL Olivenöl in einer großen Pfanne erhitzen. Den Mais darin 3–4 Minuten unter ständigem Rühren anschwitzen. Den Mais dann in eine große Schüssel geben. Die Zwiebel, den Limettensaft, den Chili und das restliche Olivenöl hineinmengen. Mit Meersalz und Pfeffer abschmecken.

Träubleskuchen nach Douce Steiner für alle

Sonntag, 14. Juni 2015

Der Träubleskuchen nach Douce Steiner, den sie Oma Steiners Träubleskuchen nennt, ist sowohl für Jungs wie Mädchen geeignet. Das schreibe ich als zierliche Überleitung dazu, weil ich heute gerne anknüpfen mag an Fees wie Katjas Gedanken zu der Gehirnspinnerei, was wäre, wenn ich ein Mann wäre. Etwas worüber ich eigentlich froh bin, seither nie mit einer Überlegung darüber gestolpert zu sein. Ich bin Frau und das ist auch gut so. 

Und weil mein Geschlecht für mich nie eine Rolle spielte, versuchte ich nie herauszufinden, wodurch ich als Frau benachteiligt oder bevorzugt bin. So, wie ich auch nicht überlegt habe, ob ich mit blauen Augen besser dran wäre als mit braunen.

Meine Großmutter sagte gerne: *Emanzipation war für mich nie eine Frage*. Als Witwe und alleinerziehende Mutter von vier Töchtern blieb ihr nichts anderes übrig, als ihre Frau zu stehen. Just do it. So handhabte ich es seither auch. Vielleicht weil ich nie die große, berufliche Karriere verfolgt habe, sondern meinen Lebenssinn im Zwischenmenschlichen suche, fühlte ich mich nie eingeschränkt. Ja, ganz im Gegenteil. Vorallem nach einer Reise mit Anfang 20 in die Dom Rep kam ich so berauscht wie dankbar mit der Erkenntnis zurück, dass mir in meinem Heimatland alles offensteht, wofür ich mich interessiere, was ich aus mir formen möchte. Die Freiheit der Möglichkeiten. Was kann man mehr wollen?

Dass es nach wie vor Defizite gibt - vorallem in der Bezahlung von Frauen - wundert mich besonders in einem Land, das von einer Kanzlerin regiert wird. Das muss man schon merkwürdig finden. Die Frauenrechtsbewegung selbst wiederum konnte mich nie wirklich rekrutieren, weil Geschlechtsgenossinnen mit verkniffenen Gesichtern wie Alice Schwarzer mich prinzipiell abschrecken. Und angeblich neue Anwärterinnen für *die moderne Frau* wie Charlotte Roche lehren mich in ihrer Haltlosigkeit das Fürchten. Hinzu kommt, dass die politische Gender-Diskussion verallgemeinern will, verallgemeinern muss. Und ich glaube leidenschaftlich an das Individuum. Das zu fördern, wäre mein Anliegen, wäre ich politisch ambitioniert. Und Chancengleichheit unabhängig der Herkunft. Aber nun wirds endgültig hypothetischer Humbug, denn bereits *Klassensprecherin* zu werden, war nie mein Anliegen.

Zurück mit mir also an den Herd, an den ich nicht muß, sondern will. Und auch kann. Heute mit Johannisbeeren aus dem Garten.
Zutaten - Form 28cm (m: 26cm):

350g Mehl (m: 280g)
125g Butter (m: 100g)
135g Puderzucker (m: 100g)
1 Pr Salz
2 Eier, klein (m: 1 Ei)
(m: etwas kaltes Wasser
etwas Orangenschalenabrieb)

Füllung:
1kg Johannisbeeren (m: 650g)
4 EL Zucker (m: 2 EL Vollrohrzucker)
6 Eiweiß (m: 4 Eiweiß)
180g Zucker (m: 120g)
180g Mandelgrieß (m: 120g)
(m: 1 Pr Salz)

Zubereitung:

Die Zutaten für den Boden zu einem homogenen Teig verkneten und 1 Stunde kalt stellen. Dann die gefettete Form mit Rand (m: von 3-4cm) auslegen, mit der Gabel den Boden einstechen und eine halbe Stunde in die Tiefkühltruhe stellen.

Backofen auf 180° (Umluft) vorheizen.

Die Eier Zimmertemperatur annehmen lassen. Die Johannisbeeren abrispeln und mit den 2 EL Zuckern vermengen.

Die Eischnee zuerst langsam anschlagen, dann den Zucker und die Pr Salz dazugeben und nun mit Geschwindigkeit den Eischnee schön fest schlagen bis er Rasierschaum-Konistenz hat.

Die Johannisbeeren und den Mandelgrieß vorsichtig unterheben. Die Füllung in die vorbereitete Form füllen und glatt streichen.

Laut Douce Steiner 30min backen - m: 45min gebacken.

*Anmerkung m: Aus den übrigbleibenden 4 Eigelb buk ich Tartelettes aus sablé breton - dazu kommen wir noch...
Quelle: Douce Steiner - Meine leichte Küche