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Montag, 4. März 2019

Atmen: Blumenkohl-Curry-Crumble mit Kokos


Eben habe ich hintereinander einen Roman über die Tuareg (semi-befriedigend) und einen über die Tschuktschen (sehr viel erfreulicher) beendet. Beide verweisen immer wieder auf die Schrecken des *Kolonialismus*. Ein Thema, bei dem ich am liebsten in schönster Schildkröten-Manier meinen Kopf zurück in den Pullover ziehen will. Je mehr ich darüber erfahre, umso mehr schäme ich mich meiner weißen Hautfarbe. Und umso mehr bleibt nur der folgerichtige Schluß, dass meine Rasse mit einem Fluch der bösen Taten belastet ist. Die andere Seite der Medaille von Fortschritt, Expeditionen, Entdeckungen und Ruhm könnte nicht dunkler sein.

Die einst nomadischen Bewohner der Zentral-Sahara samt ihren Ausläufern nennen sich selbst nicht *Tuareg* (der Name stammt aus der Kolonialzeit) - sie bezeichnen sich als Kel Tamasheq (en berbère : ⴾⵍ ⵜⵎⵛⵈ , was ungefähr so viel heißt wie *Menschen der eigenen Sprache*) -  in ihrem Selbstverständnis noble, stolze, freie Menschen mit eigenen Gesetzen halten sie sich gar für eines der ältesten Völker der Welt - man nimmt an, dass die Berbersprache schon an der nordafrikanischen Küste westlich von Ägypten 4.000 vor Christus gesprochen wurde.

Die Tschuktschen sind ein indigenes Volk Sibiriens - auch sie nennen sich selbst anders, nämlich *Luoraweltan* ( ļyg’orawetļ’an  - *echte Menschen*). Sie besiedelten den äußersten Nordosten Russland (der türkisene Zipfel) angrenzend an die Küste des Nordpolarmeeres und der Beringsee besiedelte, wo sie Wale, Walrosse und Robben jaggten und Kälte und Dunkelheit trotzen.

Beide Völker (nicht verwandt, nicht verschwägert) scheint ein grundverschiedener Lebensraum zu trennen (Wüste verus Sibirien) und doch eint sie eine Eigenart. Sie küssen traditionell gleich. Und zwar küssen sie eigentlich überhaupt nicht. Also nicht was wir unter *Kuss* verstehen. Man legt die Nase aneinander und nimmt den Atem des jeweils anderen auf. *Mletkin erinnerte sich, wie zart und beinahe lautlos die junge Giwewnëu mit der Spitze ihrer winzigen Nase seine Nase berührte. In dieser leichten Berührung war große Zärtlichkeit verborgen*, schreibt Juri Rytchëu in *Der letzte Schamane*. Zarter kann ich mir Küssen auch nicht vorstellen als diese vorsichtige Beschnuppern der Luft des anderen. Liegt also mehr Intimität in dem unbewußten Akt des Atemschöpfens (*Atem schöpfen* - was überhaupt ein schöner Begriff!) und seinem Austausch, als ich mir seither je ausmalte? Ein interessanter Artikel zum Thema *Atem* findet sich beim Deutschlandfunk - er zeigt u.a. welche Bedeutung ihm die Weltreligionen zuschreiben.

Im Atemholen sind zweierlei Gnaden:
Die Luft einzuziehen, sich ihrer entladen;
Jenes bedrängt, dieses erfrischt;
so wunderbar ist das Leben gemischt.
Du danke Gott, wenn er dich preßt,
und danke ihm, wenn er dich wieder entläßt.
(Goethe)

Inhalieren wird bei diesem Eintopf allerdings nicht reichen. Ich schlage vor, den Löffel stetig, gleichmäßig und mit Appetit zum Mund zu führen - sonst könnte einem das Wesentliche dieses Gerichts entgehen.


Zutaten 2P:

1 EL Kokosöl 
1/2 Blumenkohl (ca. 500g) 
je 1/2 EL Kreuzkümmelsaat, Koriandersaat und Currypulver 
je 1/2 TL Kurkuma und Schwarzkümmel 
1 Zwiebel, klein  
1 Stück Ingwer, walnussgroß
2 Zehen Knoblauch
 
Harissa  
80g gegarte rote Linsen  
200ml Kokosmilch   
2 EL Kokosraspeln  
1 EL Panko Salz
Pfeffer aus der Mühle  
eine Handvoll Thai-Basilikum

Zubereitung:

Blumenkohl in Röschen brechen. 2 EL vom Blumenkohl in feine Scheiben schneiden und zur Seite legen. Zwiebeln und Knoblauch fein hacken. Ingwer ebenfalls schälen unf fein würfeln.

Parallel die Linsen aufsetzen mit einem Stück Kombu-Alge weich garen (dauert ca. 10min). 

Öl in einer Pfanne erhitzen und den Blumenkohl von allen Seiten anbräunen.

In einer kleinen Extra-Pfanne die Gewürze anrösten bis sie duften, dann zur Seite stellen.

Zwiebel und Knoblauch,sowie Ingwer zum Blumenkohl geben und glasig dünsten, dann Gewürze, Linsen, Kokosmilch zufügen, Deckel auflegen und bei kleiner Hitze ca. 10min sanft köcheln lassen. Abschmecken mit Salz, Pfeffer und Harissa.

In der kleinen Extra-Pfanne die 2 EL Blumenkohl rösten bis er schön Farbe angenommen hat, kurz vor Ende Panko und Kokosraspeln mitbraten.

Zum Servieren den Basilikum in Streifen schneiden und mit dem Crumble über das Curry geben.

Quelle: Susanne von magentratzerl - die Eier von dort habe ich für diese Version rausgekürzt


 
 

Kommentare :

  1. Guten Morgen Micha, heute muss ich mich mal auch wieder zu Worte melden. Dein heutiger Rezeptvorschlag klingt köstlich. Ich kann beim Durchlesen des Rezeptes fast das Resultat auf der Zunge spüren. Da heute meine Tochter zum Mittagessen kommt, habe ich spontan entschlossen umzudisponieren und dein Blumenkohl Curry zu kochen. Ich freu mich drauf. LG aus dem Altmühltal Claudia

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    1. Ach, sehr schön, Claudia - ich lese ja Foodblogs genau so am liebsten: nämlich, dass ich direkt weiß, was ich zu Mittag koche ;)
      viele Grüße, ich hoffe, dir und deiner Tochter hat es geschmeckt!

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  2. Freut mich, dass es geschmeckt hat. Ich habe gerade eine Blumenkohlphase - ich muss das auch mal wieder machen...

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    1. Danke dir für die Anregung, Susanne - Blumenkohl geht bei uns ja vorzugsweise in Béchamel. Ich mache aber auch Ausnahmen. Offensichtlich :)

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  3. wie schön, Micha, der Abschnitt über das Küssen, Atemschöpfen... wenn ich nicht wecken möchte und das Bedürfnis habe zu küssen, empfinde ich es als sehr innig die Atemluft der geliebten Menschen neben mir zu inhalieren...
    Das Blumenkohl Curry klingt sehr gut und beim Anblick des Bildes kann ich es fast riechen... Liebe Grüße von Hannah

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    1. Mich hat die Tatsache fasziniert, Hannah, dass zwei so alte und naturverbunde Völker, die rein von der Distanz her keinerlei Austausch miteinander gehabt haben dürfen und bei denen derart unterschiedliche, klimatische Bedingungen herrschen, sich im Küssen dennoch einig sind. Nur so schnuppern, kommt einem ja wie *Küssen-Light* vor - weil halt anders konditioniert. Aber warum nicht integrieren ;-)
      liebe Grüße zurück...

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