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Mittwoch, 3. April 2019

Amour: Cheesecake-Brownie mit Himbeeren


Jung und unbedarft und überallemaßen naiv wie ich war, dachte ich früher, dass die Menschen sich mehr gleichen alswie sie sich unterscheiden. Und je älter ich werde, umso mehr staune ich, WIE sehr ich diese Vorstellung revidieren muss. Ich bin beim glatten Gegenteil herausgekommen: wie unfasslich unterschiedlich ist der Mensch!

Ja, wohl stimmt die Ausgangsbeobachtung, dass viele Menschen Ähnliches erleben. Jeder hat mal einen Schupfen, jeder fällt mal auf die Nase, verbrennt sich die Finger, wird enttäuscht, sagt im richtigen Moment das Falsche,  uswusf... Aber hier grätscht mit aller Macht mein mich schon lange begleitender Kalenderspruch von Jean Aoulih dazwischen: *Die Dinge sind nie so, wie sie sind. Sie sind immer das, was man aus ihnen macht.* Die Qualität der Erfahrung, die Schlüsse, Konsequenzen, die Tiefe der Erfahrungen unterscheiden sich durch nicht zu beziffernde Dimensionen. Oder sage ich es mit der alten Binsenweisheit: *Wenn zwei das Gleiche tun, ist es noch lange nicht dasselbe.*

Nehme ich nun zur Frühlingszeiten - dem besten aller Momente, um sich zu verlieben - das große Menschenthema *l'amour* als Beispiel. Wieviele Menschen leben in einer sogenannten Liebesbeziehung zusammen. Doch wie wenig davon kennen die Liebe als Himmelsmacht! Als Urgewalt, die den Willen und die Wahlfreiheit hinwegzufegen scheint. Nur eine einzige meiner Freundinnen kann nachvollziehen, wenn ich darüber rede.
      *Empfinde hier, wie mit allmächtigem Triebe. Ein Herz das andere zieht -
       Und das vergebens Liebe vor Liebe flieht*. (Goethe)

Das kann eine sehr beängstigende Erfahrung sein: dieser Eindruck, zur Marionette in seinem eigenen Leben zu verkommen, dieses Gefühl von einem reissenden Strom mitgerissen zu werden; Ausgang ungewiss. In *Tristan und Isolde*, in der diese Schicksalskraft in Form eines Liebestrankes symbolisiert wird, zeigt sich, wie eine solche Liebe größer als alles ist - selbst als die von der Gesellschaft gestellten Konventionen. Oder in *Dshamilja* von Aitmatow, das ich kürzlich las, wird ein solch bezwingendes Zusammenfinden aus der Perspektive eines Augenzeugen geschildert.  Der Schriftsteller Louis Aragon schwört in dem Vorwort dazu, dass Dshamilja unter all den vielen Erzählungen über Verliebte *die schönste Liebesgeschichte der Welt* sei. Ich mochte das kleine Buch ebenfalls sehr. Team #rustikal-romantisch halt. Auch wirft sich die Frage auf, inwieweit man Einfluß darauf nimmt, was einem widerfährt und wo dann Kismet anfängt?

Meine eigene Erfahrung - in der die Liebe unerwartet und schlagartig alles durcheinander wirbelte - lehrt mich bis heute, dass ich mich ruhig auf mein Gefühl verlassen darf... komme, was da wolle. Man kann es manchmal nur nicht erklären. Schlicht, weil es ist, WAS ES IST - ganz mit Erich Fried!



Frühjahr bedeutet immer, dass ich viel in Bewegung bin, denn es gibt ausreichend zu tun. Dann freue ich mich, wenn ich mich schnell mit etwas Süßem pushen kann. Diese Cheesecake-Brownies sind beinahe so flink gebacken wie sie wieder aufgegessen sind.

Das Rezept habe ich von Sally mitgenommen - eine Youtube-Foodbloggerin, die enorm erfolgreich ist. Zufällig sah ich mal eine Doku über ihren Werdegang. Drei Adjektive erhält sie dafür von mir: sympathisch, fleißig, visionär (denn ihr Ziel war stets, der größte Blog Deutschlands zu werden). Wie sich rausstellte ist sie ein Kind Bruchsals, eine Stadt, die ich zufälligerweise ganz gut kenne und die mindestens so viel Charme wie Pforzheim besitzt... mindestens.

Der Habib wurde zu Architektenzeiten von der Stadt um Hilfe gefragt für einen Stadt-Slogan. Er hatte direkt einen parat: *Bruchsal - zwischen Schloß und Riegel*, da Bruchsal ein kleines, unspektakuläres und separat liegendes Barockschlößchen beheimatet und einen sehr zentralen, oppulenten Knast. Die Gemeinderäte zeigten sich über den Vorschlag empört - das könne ja wohl nicht sein Ernst sein. Nun heißt der Stadt-Slogan: *Bruchsal - eine Barockstadt*. Nun ja, da muß Bruchsal für seinen Fame wohl auf Sally bauen...

Die Brownies sind prima gatschig - genauso, wie man sich Brownies vorstellt. Lediglich den Zucker habe ich etwas reduziert. Wer fürs Machen noch filmische Unterstützung benötigt, kann sich Hilfe bei Sally holen.


Zutaten
20 x 30cm - Form:

Brownie-Teig
125 g Butter
100 g Zartbitterschokolade
130 g Rohrzucker
Vanilleextrakt
1 Prise Salz
2  Eier
50 g Schokoladentropfen*
100 g Mehl
30 g Kakao 
1/4 TL Kardamom
1 Pr Zimt
1/2 Tonka-Bohne

250 g Frischkäse
1  Ei
30 g Puderzucker, gesiebt   
Abrieb 1 Zitrone 

100g Himbeeren (geforen) 

Zubereitung

Butter und Zartbitterschokolade in einem kleinen Topf bei mittlerer Hitze vorsichtig schmelzen. Inzwischen die trockenen Zutaten (Zucker, Mehl, Salz, Kakao, Schoko-Tropfen, Gewürze) miteinander verrühren. Eier und Butter-Schokoladen-Mischung mit zu den trockenen Zutaten geben und alles miteinander vermengen ohne zu lange zu rühren.

Nun an den Frischkäse-Teig gehen. Dafür habe ich Puderzucker zu Staubzucker gemahlen und anschließend den Frischkäse mit dem Ei, dem Puderzucker und dem Zitronen-Abrieb mit einem Schneebesen verrühren. 

Brownie-Teig in eine vorbereitete, eckige Backform füllen und glatt streichen. Frischkäsemasse darüber verteilen und mit einer Gabel energisch marmorieren. Himbeeren darüber verteilen und im vorgeheizten Ofen bei 180 °C 25 Min. backen. 

Nach dem Backen abkühlen lassen und in Rechtecke schneiden. 

Quelle: Sallys Blog


Anmerkung m:  die Schoko-Tröpfen hätte ich nicht zwingend im Schoko-Teig gebraucht - die Brownies könnt ihr also auch ruhigen Gewissens ohne sie backen.



Kommentare :

  1. Hach, mit Erich Frieds "Was es ist" hast du direkt ein Lieblingsgedicht von mir herausgesucht.
    Die Brownies merke ich mir direkt mal vor, sie sehen köstlich aus!

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    1. Wir zwei, Stefanie, schwimmen literarisch eh gerne auf einer Welle :)
      Eigentlich wollte ich noch Liebes-Lied (link) von Rilke einbauen, weil darin ebenfalls so schön diese *dritte Macht* erwähnt wird, die aus zwei Personen ein Paar formen kann...
      liebe Grüße

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    2. ... und weil *Liebes-Lied* einfach auch zu den schönsten aller Liebesgedichten zählt...

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  2. Ha, der Bruchsal Slogan vom Habib ist natürlich viel besser (und treffender)!!! Und "Bruchsal- eine Barockstadt" könnte echt mit der "Goldstadt Pforzheim" verwandt sein... Vielleicht die Gemeinderäte auch? ;-) Deine Brownies hingegen sehen zum Nachbacken und Reinbeißen aus! Darf ich noch auf ein weiteres Cheesecake-Brownie-mit-Beeren-Geschwisterchen in deinem Blog verweisen? Diese hier https://salzkorn.blogspot.com/2014/07/kasekuchen-brownies-mit-blaubeeren.html sind ebenfalls ganz köstlich! Herzlich grüßt Hannah

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    1. Arghh, genau Hannah, beim Backen dachte ich noch an diese Brownies beim Schreiben hatte ich sie (offensichtlich) wieder vergessen. Vielleicht verlinke ich die auch noch mit Bild... So sind sie auf jeden Fall schon mal erwähnt - dank dir. Es gibt wohl keine zweite Leserin, die mein Blog so gut kennt wie du :) ganz herzlich zurück...

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    2. Liebe Micha, irgendwie kann ich mich auch deinen Rezepten nicht entziehen (nicht dass ich es wollte), aber tatsächlich hatte ich gar nicht vor diese Brownies SO MEXICO SCHNELL nachzubacken. Aber dann bot sich die Gelegenheit. Eine gute. Zum Glück, denn die sind echt sehr, sehr gut auch wie ihre Geschwister. Guter "Genpool" halt: Schokolade, Quarkiges, Fruchtiges, gute Butter...;-) Viele Grüße von Hannah

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    3. Eigentlich, Hannah, sind diese Brownies so eine Art *Verlegenheits-Süßbäckerei*, oder? Die machen sich wirklich nebenher... Dein Kommentar dazu ist allerdings mal wieder ganz zauberhaft: *guter Genpol* :) - wir zwei sind doch mittlerweile auch zu kulinarischen Geschwistern zusammengewachsen, oder? liebe Grüße zurück...

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    4. EIGENTLICH ja ;-), aber was so gut schmeckt... und ja, kulinarisches Schwesterherz!

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    5. ... es wird wirklich Zeit, dass wir zwei uns mal im echten Leben treffen, Hannah!

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    6. ... das denke ich mir auch oft! Leider steht bei uns in naher Zukunft erstmal kein Urlaub an. So kann ich nur sagen, dass für die nächsten Jahre sicher ein Ziel "ihr" seid und dass ihr - auf euren Deutschlandtrips - natürlich immer auf einen Abstecher hier willkommen seid! Es wäre schön...

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  3. Salut, das ist ein direkter Nachbackkuchen! Und "Djamila" war lange Pflichtektüre im Deutschunterricht. Lange vor dieser Zeit. Bei der richtigen Behandlung liebten die Schüler es.Ja, es ist, wie es ist. Bises, Sunni

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    1. Ja, Sunni, wirklich? Djhamilia war Pflichtlektüre im Deutschunterrischt?! Ach, ich hätte das Buch in diesem Alter bestimmt auch sofort geliebt. Das passt eigentlich ganz hervorragend in die Pupertät samt ihren Sehnsüchten nach der ersten Liebe. Sag mal, und weißt du das, weil du das selbst unterrichtet hast? neugierige Grüße zurück...

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  4. Ja, ich habe das selbst unterrichtet. Von 1973-1989 in der DDR, jeder Schüler hat es damals gelesen in der 10. Klasse. (Oder sollte es gelesen haben) Danach ging ich an das Gymnasium, auch dort war es noch vorhanden und wurde von den meisten Lehrern auch eingesetzt, Kl. 10 und 11. Später verschwand es, wie so vieles, aus den Lehrplänen, weil alles Neue einfach nur "besser" war. Ich habe Englisch und Deutsch unterrichtet, selbst Bücher geschrieben und in meinen letzten Arbeitsjahren den staatl. anerkannten Abschluß als "Psychotherapeut, HP" privat gemacht, mich aber nicht niedergelassen. Und das war gut so, weil kurz darauf wichtige, ernste Aufgaben mit der Krebskrankheit meines Mannes auf mich zu kamen. Herzliche Grüße! Sunni

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  5. Hallo, es ist mal wieder richtig interessant bei euch!!!
    Wochenendgrüße aus Berlin

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  6. Danke für das wunderbare Kuchenrezept - mittlerweile zweimal gebacken - und es wird - so wie der Schokokuchen von hier zu meinen alltimefavourites werden - so einfach gemacht und so formidabel wohlschmeckend! Liebe Grüße von Irmi E. aus Wien

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