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Mittwoch, 11. September 2019

Torte, die: Mirabellen-Hasel-Mohn-Kuchen


Vermutlich muss ich wieder 10 Jahre warten bis wir erneut eine solche Mirabellen-Ernte haben, unke ich gen Habib. Wir mussten die Zweige der Mirabellenbäume teilweise stützen, damit sie an ihrer Last nicht zerbrachen. So schwer trugen sie, dass sie mich an die Apfelbäume in Frau Holle erinnerten. Auf meiner Schallplatte mit grimmschen Märchen wandte sich der Apfelbaum in jämmerlichster Stimme an Goldmarie wie Pechmarie. Ein Herz aus Stein musste man haben, wenn es einen da nicht direkt erbarmte: der Baum brauchte umgehend Hilfe!

Ja, wir hatten soviele Mirabellen, wir hätten jemanden damit überschütten können. Exakt wie in Asterix & Obelix bei Cleopatra als der Architekt seinen versprochenen Lohn erhählt. Ich habe die Szene deutlich vor Augen, nämlich als der Architekt sich vor seiner Herrscherin - aka Cleopatra - verbeugt nach erfolgreicher Vollendung der Pyramiden. Zwei Diener kommen hinzu, jeweils eine große Amphore voller Gold tragend, die sie über Numerobis (habe ich extra nachgeguckt) ausleeren. Obelix weist dann darauf hin, dass da noch was rausgucken würde (der Po). Doch sie waren noch nicht fertig, denn eine zweite Ladung marschiert an. Würden wir locker mit unseren Mirabellen genauso hinkriegen. Numerobis dürfte sogar etwas größer sein.

Bis auf ein paar Mirabellen für Bienen, Wespen, Ameisen und Konsorten haben wir die Bäume komplett abgeräumt. Darauf bin ich stolz. Wieviele Bäume auf dem Land hängen mittlerweile voll und die Früchte fallen einfach auf den Boden.

Ich sage euch (*prophetischer Ton an*): die Obstbäume in Gärten von Ferienhäusern hier abzuräumen, das wir mal noch eine (kleine) Geschäftsidee...

Wir haben die Mirabellen großzügig in alle Richtungen verschenkt und ich habe Marmelade und Kompott gekocht und Tartes gebacken. Würde ich noch Alk trinken, hätte ich möglicherweise das Schnaps brennen begonnen. Tue ich aber nicht. Daher ging ein weiterer Großteil an einen Jungbauern der Lebensgemeinschaft unseres Dorfes, der zwei Mal die Woche auf dem Markt seine Waren feil bietet. Er hat sich riesig gefreut. Denn Bio-Obst aus Kleinstanbau ist seltener zu erhalten als Gemüse - dementsprechend konnte er alles blitzartig verkaufen.

Und so haben wir es dann auch mit unserer Ernte der Reine Claude und Zwetschgen gehandhabt: wir haben Menschen mit Obst überschüttet von erleichterten Bäumen.


Dieser Kuchen entstand, weil ich mich wieder mal nicht entscheiden konnte, was ich eigentlich will. Es sollte keine schlichte Tarte werden, was saftiges, aber schon mit Streuseln. Herausgekommen ist für meine Begriffe DIE Obsttorte. Ich fand sie allerköstlichst! Und der Aufwand, sie herzustellen, ist völlig überschaubar. Ein idealer Sonntagnachmittagskuchen um ihn auf die Kaffee-Tafel zu stellen (was eine schöne, deutsche Gewohnheit eigentlich, sich das Wochenende zu versüßen) und er kann der jeweiligen Obst-Saison wunderbar angepaßt werden. Egal ob mit Pflaumen, Birnen, Brombeeren, Himbeeren, Weinberg-Pfirsiche oder Äpfeln - der Kuchen wird immer ein Kracher!

Zutaten - 1 Springform à 26cm Durchmesser:

200g Butter
200g Mehl*
100g gemahlene Haselnüsse
1/2 Päckchen Back-Pulver
120g Zucker
1 Ei
1 TL Sugar-Spice*

100g Mohn, gemahlen
30g Butter
40g Zucker
70ml Milch

400g Quark
30g Vanille-Zucker (m: eigener)
30g Speisestärke
2 Eier

ca. 700g entsteinte Mirabellen
(optional mariniert mit 2 EL Calvados) 


Zubereitung:

Mit dem selbstgemachten Mohnback beginnen: dafür Butter, Milch, Mohn und Zucker aufkochen und etwa 30min quellen lassen. Anschließend Quark, Speisestärke, Eier und Zucker klümpchenfrei verrühren. Den verquollenen Mohn gut untermischen.  

Den Backofen auf 190° OU-Hitze vorheizen.  

Die ganzen Haselnüsse ohne Fett in der Pfanne rösten und dann derart mahlen, dass noch etwas größere-kleiner Stückchen übrig bleiben (kleiner als Krokant-Größe und größer als typisches gemahlene Nüsse). Butter zusammen mit dem Zucker, dem Gewürz und dem Ei weißcremig aufschlagen. Das Mehl mit dem Backpulver mischen und unter den Teig rühren. Zuletzt die gemahlenen Nüsse dazugeben. Alles gut vermischen.

Eine Springform einfetten und leicht bemehlen. Dann 3/4 des Teiges mit den Fingern in die Springform drücken und als Boden 15min vorbacken - den Rest des Teiges, der als Streusel verwendet wird, habe ich in der Zwischenzeit in der Tiefkühltruhe gekühlt.

Quark-Mohnmasse auf dem vorgebackenen Boden verteilen, Mirabellen darüber verteilen ebenso die Streusel drüber krümeln

Für weitere ca. 35min in den Ofen schieben und fertig backen.

Anmerkung m: wer bereits gemahlene Haselnüsse verwendet, nimmt sich um den Clou: die leicht gröberen Haselnüsse zwischendrin geben einen tollen Crunch! Wagt euch gerne an Vollkornmehl - paßt hier wunderbar!



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Kommentare :

  1. Mhh, sieht fantastisch gut aus, vielen Dank fürs Rezept! Wir haben letzten
    Herbst drei Kriecherlbäume im Garten gepflanzt, das entspricht angesichts der Bilder eindeutig den Mirabellen... Ich freu mich schon so sehr, wenn sie mal tragen - und in der Zwischenzeit ernte ich das, was wild wächst und werde auch von einer lieben Freundin immer wieder reich beschenkt :-) Liebe Grüße aus Wien von Irmi E.

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    1. Ich bin mir sicher, liebe Irmi, dass der Kuchen mit sämtlichem Obst wunderbar funktioniert. Traue dich, es auszuprobieren. Oder was Wildnis oder Freunde hergeben... Und ich kann dich gut nachvollziehen, wie sich Vorfreude anfühlt, bis die Bäume groß genug sind, dass sie ordentlich schwanger sind... :-) liebe Grüße zurück nach Wien!

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  2. oha, das klingt wirklich allerköstlichst und nochmal anders als erwartet ;-) Aus dem gleichen Holze auch wie der legendäre Kaffehaustantenkuchen. Die machen was her und machen satt und zufrieden. Schnell gemacht, da Boden und Streusel der selbe Teig... Sozusagen für uns "faule" Kaffehaustanten, die wir noch viel anderes im Tag unterkriegen wollen. Fürs Wochenende (ja, ganz klassisch: da gibt's Kuchen) vorgemerkt. Septembergoldene Grüße von Hannah

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    1. Stimmt, Hannah, den Kaffeehaustanten-Apfelkuchen hätte ich auch sehr gut als Geschwisterchen verlinken können/ müssen. Ansonsten ist er - wie du es perfekt zusammengefasst hast - einfach schnell (oder schneller) zusammengewerkelt. Aber wenn ihr den einen Kuchen gerne mochtet,dann werdet ihr den... ja, das wüßte ich jetzt gerne! Vorallem das Fachurteil der Profi-Streuslerin würde mich interessieren ;-)

      ganz herzlich mit vielen bises zurück...

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  3. so schöne Früchtchen, wow, könntest mir welche herbeamen, bitte ? :-)ja dieses Jahr gibts echt viel Obst, wir haben gerade einen Zwetschgenbaum abgeerntet! Da gabs lecker Datschi natürlich nach Micha-Rezept! Liebe Grüße von Margot

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    1. Wenn ich das könnte, liebe Margot, dann würde ich von Herzen gerne welche zu dir beamen! Bei dir, das weiß ich,wäre alles Obst in guten Händen :) Und logo, den Datschi habe ich auch schon gemacht - wie jedes Jahr. Der ist Pflicht. Aber wem sage ich das: wir zwei verstehen uns!

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  4. Grossartig! Solches kommt heraus, wenn Du nicht weisst, was Du willst? Gruss aus der Schweiz, wo wir uns den (eigenen) Trauben und dem Gravensteiner (dem in Nachbars Garten!) widmen.
    Gruss Bea

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    1. Ja, in diesem Fall, Bea, wollte ich keine einfache, schlichte Tarte, aber auch keine Torte, sondern irgendetwas dazwischen... et voilà: das ist dabei rausgekommen! herzlich zurück in die Schweiz!

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  5. Funktioniert auch super mit Walnüssen und einem Glas selbsteingelegeter Quitten ;)

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    1. Ahhh, herrlich, Lotto, dass du direkt mit meinem Rezept gespielt hast. Erstens wünsche ich mir EXAKT so meine Leserinnen ;-) und zweitens finde ich, dass man daran die Qualität eines Rezeptes erkennt. Wenn man es variieren kann, dann ist es ein gutes ;)

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