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Freitag, 28. Mai 2021

was (trotzdem) schön war #8


In meinem Umfeld sammeln sich Geschichten von müden Indianern. SEHR müden Indianern. Eine Freundin, die als Sozialarbeiterin tätig ist und bereits nach dem 1. Lockdown von einer Verdoppelung der Inobhutnahmen berichtete, dabei selbst seit über einem Jahr vier eigene Kinder im Home-Schooling betreut, ist nun am Ende ihrer Kräfte angelangt: massive Herzrhythmus-Störungen. Eine andere Freundin, Lehrerin mit Grundschulkind, beschreibt ihren momentanten Zustand so: ich könnte das komplette Wochenende im Bett verbringen, so erschöpft, so antriebslos fühle ich mich. Ein schwer erkrankter Freund steht seine lange Reha durch, ohne dass er dabei besucht werden darf - er hält sich wacker. Und der Vater einer Bekannten beendete seine Therapie im Krankenhaus vorzeitig, weil er die Isolierung nicht länger ertrug. 

Meine virtuelle Welt trauert um Lee (speakupforlee), die ich zusammen mit ihrem Ex-Freund Max gerne begleitete, wie sie im selbstausgebauten Bus u.a durch Mexico getingelt sind (Lee & Max). Ich schaue ja gerne Menschen zu, die neugierig sind und sich aufmachen, die Welt zu entdecken. Nun hat sie sich mit 28 Jahren das Leben genommen. Bereits von Depressionen geplagt, so war 2020 ein besonders hartes Jahr für sie - wie ihre Freunde, mit denen sie zuletzt im Van durch Marokko reiste, offenbarten. Hübsche, sensible, junge Lee.

Wir werden alle - jeder auf seine Weise - gerade mehr oder weniger geprüft. Die Welt ist aus den Fugen und findet nicht zu Frieden und Harmonie. Deshalb notwendiger denn je: *Stärke die Kraft des Geistes, damit sie dich in plötzlich hereinbrechenden Unglück schütze*. Denn ja: *Wenn die Prüfungen des Lebens kommen, wirst du deine ganze Energie brauchen, um sie zu bestehen*





Das Sammelsurium ähnlich gearteter Geschichten scheint jeden Tag anzuwachsen. Und mir wird bewußt, dass - abgesehen von einigen Hängern - ich Glück habe, am Rande der Welt zu wohnen. Hier werden wir umschlungen von einem grünen, sonnigen, blühenden und üppigen Mai, der es einem leicht macht, das Schöne zu entdecken, während in die Nase der Duft von frisch gemähten Heu steigt! Genau deshalb will ich heute davon eine Prise zurück in die Welt schicken - ein trotziges #was schön war:

 

* meine Wiesen-Blumensträuße aus Margeritten und Esparsetten, die so dick sind, dass ich sie mit Daumen und Zeigefinger nicht gebündelt bekomme

 


* diese meine Lieblingswolken, die auf Halbmast hängen, wattig-bauschige Wolken, in denen sich Wolkenbilder von alleine finden, wenn man rücklings in einer Wiese liegt und nach oben schaut - dabei eine unglaublich klare Luft, die die Schönheit unserer Fernsicht aufs Maximale poliert

* unsere Rosen, die beginnen zu blühen. Und die Thymian-Felder. Und....

* die neuen Lichterketten auf den Terrassen, weil der Habib weiß, wie man mir eine Freude macht, weil ALLE mit Lichterketten von allein in Stimmung kommen, weil Lichterketten schöne Momente noch schöner machen

* Mitfreude: zwei Dörfer weiter gewinnt die Bäckerei mit ihrem 16 jährigen Auszubildenden den Preis für das beste Croissant Frankreichs! Hey, nicht Paris, nicht Lyon, ein kleines, pupsiges Dorf in der Drôme macht das beste Gebäck, das als Sinnbild für ganz Frankreich steht. Wir platzen ja schier vor Stolz!

 




* Geselligkeit, das Zusammenrücken auf dem Markt, die Sehnsucht an der Gesellschaft wieder teilzunehmen (sie lässt mich an die grandiose Brecht-Aussage denken: *Die Tatsache der menschlichen Einsamkeit macht Feindschaft zum unerreichbaren Ziel*), das Lächeln, das von Café-Tisch zu Café-Tisch wieder ausgetauscht werden kann: *la vie est belle!*

* Wildkräuter-Sammeln - Sammeln ist ja SO entspannend. Das letztjährig, angelegte Kräuterbeet entwickelt sich prächtig. Die Kamille hat wunderbar gestreut!

* Juchhu, Oo de lally: Erdbeer-Zeit

 



* geträumt, ich schwimme in glasklarem Wasser unter orangenen Fischen: dieser Moment, in dem man kopfüber untertaucht, durch das Wasser gleitet, schwerelos, getragen, ein anderes, ein leichteres Zuhause, und ich fühlte mich dabei ja sowas von wunderschön und frei in meinem weißen Badeanzug (würde ich direkt als Traum-Abo nehmen!)

*Nachtrag: heute (30.05) sind verspätet unsere Wildbienen wieder eingetroffen, sehnlichst erwartet: Bienvenue - herzlich Willkommen in den Steinmauern des Hauses und im Garten!

* Feriengäste verabschiedet, die wieder Kraft und Energie gesammelt haben, die wieder Atem schöpfen konnten und die ganze C-Kacke verdrängen! Und: man konnte es den Gesichtern ansehen - SEHR schön!

 


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