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Sonntag, 10. Oktober 2021

Uhrenabgleich: Chutney aus grünen Tomtaten II

 

Es ist die Zeit der dramatischen Sonnenaufgänge und meiner Lieblingswolken, die im mittleren Himmel schweben. Es ist die Zeit, in der in den frühen Morgenstunden strahlend Orion mit gespanntem Bogen am Fenster vorbeizieht, wenn ich vom Bett aus ins Universum blicke. Wenn sich die Gottesanbeterinnen tagsüber ausgewachsen in der Sonne räkeln, der letzten üppigen Blumensträuße aus dem Garten, der Feigen und um sich vom Strauch die Herbst-Himbeeren in den Mund zu schieben oder ein paar vergessene, süße Trauben einzusammeln. 

Die Zeit gehört nochmals dem Garten, dem Rückschnitt all der Pflanzen, die sich reckten und streckten, blühten und verblüten, der Senfeinsaat und dem Richten der Winterbeete.

Es ist die Zeit um sich die Nägel zu ruinieren, um die frischen Nüsse aus ihrem grünen Mantel zu befreien, die nasse Schale zu knacken und die Haut abzuziehen bis eine schneeweise Nuss daraus hervorschlüpft, der ersten Kürbissuppen und Zwiebelkuchen, der Tarte aux Pommes und dem karamellisierten Ofenapfelmus, der Schüsse, die durchs Tal hallen, der nun wiedereröffneten Jagd, der sich verabschiedenden Schwärme von kleinen Mücken und Schwalbenkolonien, der sich in bunten Farbverläufen musternden Blättern an Bäumen und Sträuchern, den über die Strasse flitzenden Eichhörnchen und den aus der Versenkung wieder auftauchenden Rotkehlchen.

In anderen Zeiten pflückten die französischen Großmütter jetzt die unreifen, grünen Tomaten von den in sich verharrenden Stauden damit nichts verkommt, das die Natur herorgebracht hat, aus denen sie dann die confiture de tomates vertes kochten, von der ihre Enkel viel später noch schwärmen sollten. 

Es bleibt die Zeit von Wahlkämpfen, Haarspaltereien, Umweltkatastrophen, Vereinsamung und nicht enden wollenden Pandemien. Und es ist die Zeit, in der das für uns alles nur zum Hintergrundrauschen wurde.

 


Wenn das Leben über einen hinwegbricht, wird alles daneben unbedeutend und klein. Alles gerät ins Hintertreffen - übrig bleibt ein zitternder, innerer Kern. Und mit einem Schlag rufen all die klugen, weisen Sätze zur Abfrage in der Praxis: *Spar dir deine Kräfte für Turbulenzen. Denn wenn die Prüfungen des Lebens kommen, wirst du deine ganze Energie brauchen, um sie zu bestehen.* Die Stromschnellen reißen einen mit in einer wortlosen Urgewalt, du verlierst die Orientierung, weißt nicht mehr, wo oben, unten, rechts und links ist, ohne jede Kontrolle, die Strudel spielen mit dir Kreisel, die Intensität scheint dich zum Bersten zu bringen, haltlos, ohnmächtig, ausgeliefert - hoffend, dass du irgendwann wieder an Land gespült wirst. Hoffend dass dann, wenn du wieder festen Boden unter den Füßen spürst, ein Lichtstreifen den Horizont markiert und die geschlagenen Wunden ein Gegenmittel erhalten. Niergendwo ist Alltag, nichts bleibt übrig von dem Menschen erfundenen Wort Normalität, und doch versucht man sich genau das mit aller verbliebender Kraft zurückzuerobern. So wie ich heute mit ein bißchen Bloggerei.

 

Ein sauer-süß-scharf-würziges Chutney aus grünen Tomaten stelle ich euch heute vor, mit Äpfeln, Ingwer, roten Pfefferbeeren sowie Goji-Beeren und Basilikum. Lange waren mir Chutneys egal. Zu Käse esse ich einfach NIE Chutney - vielleicht muss man dazu Alkohol trinken, ich weiß es nicht -, aber zu den bunten, veganen Bowls mag ich Chutney plötzlich gerne. Das ist Version I von Chuntney aus grünen Tomaten und Äpfeln, die heutige (wenngleich ähnlich) liegt im Ranking nach meinem (momentanen) Geschmack vorne.

 


Zutaten - etwa 5 Gläser:

1kg grüne Tomaten
2 Äpfel (m: einer eher süß, anderer eher sauer)
1 Zwiebel
2 Knoblauchzehen
1 EL Selleriestange
1 EL Fenchel
1 Stück Ingwer
1-2 Chili-Schoten 
80ml Apfelessig (evt. plus)
80g brauner Zucker (evt. plus)
1-2 TL Salz
1 handvoll (großzügig) Goji-Beeren
1 handvoll Basilikum (oder Thai-Basilikum)
1 Zitrone, Saft davon
1 Orange, Saft davon
2 EL roses baies (rosa Pfefferbeeren)

Zubereitung:

Äpfel entkernen und schälen und in ca. 1cm große Stücke schneiden. Tomaten entstrunken und ebenfalls in kleine 1cm Würfel schneiden. Zwiebel klein schneiden, Knoblauch, Sellerie, Fenchel und Ingwer kleinst hacken. Chili von den Samen befreien und ebenfalls klein schneiden.

Alle Zutaten außer 1 EL rosa Pfefferbeeren, dem Orangensaft und dem (Thai) Basilikum in einen Topf geben und ca. 30min köcheln lassen - das Chutney sollte nicht zu Brei verkocht, sondern noch ein wenig stückig geblieben sein. Kurz vor Ende die restlichen Zutaten - Orangensaft, 1 EL rosa Pfefferbeeren und den fein gehackten Basilikum - untermischen und kurz mitkochen. Nochmals abschmecken mit Salz, Pfeffer, Essig und Chili. Sofort in vorbereitete, sterilisierte Gläser abfüllen und umdrehen.

Chutney hält sie gefühlt ewig - auch angebrochen im Kühlschrank.

Anmerkung m:  In diesem Chutney sind relativ viel Zutaten, aber ich finde, dass ein Chutney mit Raffinesse punkten muss, schließlich soll es nachher auf dem Teller mit einem kleiner Löffel davon mithalten und gegenüber dem Rest bestehen können...

Zucker- wie Essigmenge kann man erhöhen - ich wollte das Chuntey weder zu süß noch zu sauer haben. Nachwürzen geht immernoch.


 

 

Ihr zuzuhören hat mir Ruhe geschenkt, während mir Angst und Bedrohung ins Knochenmark drückten. Ich habe ihre Worte so gut verstanden: Stolz überwinden, nichts beweisen und nichts leisten müssen, offener werden, froher, gelassener, vertrauender, in sich Ruhe einkehren lassen und die Stille aushalten, zu seinem Selbst finden um überhaupt beziehungsfähig zu werden... Ich habe mir diese kleine Doku schon mehrfach angeschaut und bestimmt nicht das letzte Mal. Komisch, dass im größten Sturm und in der tiefsten Stille die eigenen Schwächen und Schatten am deutlichsten zu Tage treten, kein Platz mehr ist für Selbstverblendung oder Hochmut. Wenn alles schwankt, wenn alle Fäden wie sinnlos ineinander verstrudeln, gibt es nur noch eine Feste, bleibt ein roter Faden, den man nicht aus den Händen verlieren darf: Allahu akbar.

Wie schrieb in in dem Buch *Americanah*, das ich letztes Jahr las, Chimamanda Ngozi Adichie mehr als Feststellung denn als Frage: Es gibt so viel Arten arm zu sein - gibt es nur eine Art reich zu sein?* Ich füge nun hinzu: Wenn wir glücklich sind, dann sind wir es nahezu alle auf die gleiche Art - aber gibt es nicht eine schier unendliche Vielfalt an Leid und Elend? Und ich schließe ab mit den Habib-Gedanken, nämlich dass die eigentliche, harte Währung diese Planeten nun mal das Leid ist; darin liegt die meiste Erkenntnis (rückblickend) verborgen - und  das ist doch das Ambrosia nach dem Suchende tauchen.

 


**** All jenen, die mir tastend-fragende, freundlich-mitfühlende Zeilen in den vergangenen Wochen zukommen ließen, schicke ich verbundene Grüße! Vielen Dank für euren Beistand - in Zeiten, die einen bedrücken, wiegen solche Gesten viel! Ich wünsche euch, dass dieser Bumerang zu euch zurückkommt, wenn euch das Leben in die Mangel nimmt! ****


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