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Sonntag, 28. August 2022

Sommerlektüre - Spätsommer-Kuchen mit Feige, Zwetschgen, Brombeeren und Trauben

 

Die Auswahl dreier Bücher, die mich durch den Hochsommer begleiteten, kann ich nicht als Treffer bezeichnen. Obwohl ich im Nachhinein festellen muss, dass selbst verdrießliche Lektüre manchmal einen Mehrwert haben kann. 

Die Idee, dass der leibhaftige Teufel die Stadt Moskau aufmischt, fand ich reizvoll. *Der Meister und Margarita* von Michael Bulgakow hatte ich bereits zum zweiten Mal in Angriff genommen. Schon allein aus dem Grund, weil ich mir das Buch ausnahmsweise neu in der Buchhandlung gekauft hatte. Normalerweise tausche ich Bücher unterwegs gerne oder aber ich lege sie mir gebraucht zu. Welcher Wert behält ein bereits gelesenes Buch? Eben - ich hatte es davon.... Zur Motivationshilfe, als es bereits wieder nach wenigen Seiten klemmte, zog ich gar eine Rezension bei Amazon dazu, die meinte, es gelte die ersten hundert schwierigen Seiten zu schaffen, und dann... Dann ich steckte es schließlich auf Seite 193. Allein dieser unzumutbare Sprachstil - schlimm (liegts an der Übersetzung?). Aber nach dem Auftritt des diabolischen Magiers im Varieté-Theater erreichte mein Interesse seinen Tiefpunkt. Man kann den Teufel unmöglich konventioneller, blutleerer, platter, ideenloser, klischeehafter, einfältiger, geistloser darstellen. Ein paar Taschenspielertricks, die zum Wunder stilisiert werden und sich die menschliche Habgier zu nutzen machen... hmmm, langweilig. Überhaupt, schon die Szene bei Pilatus (in den ersten hundert Seiten) erregte mein Missfallen: mein Jesus hätte sich ganz anders gebärdet. Bref: das Buch wurde nicht für mich geschrieben. Jetzt stellt sich die Frage: stelle ich es noch in eines der Ferienappartements oder werfe ich es weg.

Deutlich leichter fand ich in das Buch *Verlockung* von János Székely hinein, dass ich mir gewünscht hatte (coucou Maria und Arthur). Das las sich um Welten flüssiger. Aber nach 600 Seiten Armutsschilderung eines ungarischen Bauernjungen vor dem 2. Weltkrieg, las ich die restlichen 380 Seiten mehr quer. Irgendwann erschlug mich das endlose Elende. Der Satz von Victor Hugo kam mir in den Sinn, den mir das schöne Buch *Am Äquator* schenkte: *Natürlich wird es immer Unglückselige geben, aber es ist doch möglich, dass es keine Elenden mehr gibt*. Das ganze Kaleidoskop der Not legt Székely dar, der Kampf ums Existenzielle, aus dem trotz aller Anstrengung kein Entrinnen ist: unten bleibt unten und oben oben. Offensichtlich wird, dass man sich im unerbittlich kapitalistischen System Würde, Moral und Mitmenschlichkeit erst leisten können muss. Immer deutlicher wird mir, dass nur innerhalb eines recht kleinen Fensters des materiellen Wohlstand ein anständiges Leben möglich ist. Wie in dem orthodoxen Gebet (hier gehört und sehr gerne wieder darauf zurückverwiesen): Herr, schütze mich vor großer Armut, denn sie führt mich von dir weg. Und Herr, schütze mich vor Reichtum, den er führt mich von dir weg.* Beides lenkt von geistigem Streben ab. Erst kommt das Fressen, dann die Moral. Und eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr, als dass ein Reicher in den Himmel kommt.

Das letzte Buch dieser meiner Triologie machte dann *Sophia* von Rafik Schami. Es beleuchtet die christliche Minderheit in Syrien aus der Sicht eines nach Europa geflohenen Syrers, der auf einen Besuch nach Damaskus zurückkehrt. Es geht um Sex, syrische Geschichte und Essen. In etwa dieser Reihenfolge. Meine Empathie konnte die Hauptperson nicht gewinnen. Aber die seichte Geschichte machte mir hervorragend den Hochmut der Christen gegenüber anderen Relegionen deutlich: sie verwechseln Freizügigkeit mit Freiheit. Und wie auf der ganzen Welt zu beobachten ist: mit dem Alkohol geht die Sittenlosigkeit einher. Gleichzeitig legt man sich den Verlust der Moral in schönen (und damit auf einen Schlag banalen) Worten zurecht - ich bin ja Team *Kalendersprüche*, aber nicht um mittels Poesie die eigene Verdorbenheit zu rechtfertigen. (von wem habe ich nur dieses Buch? Ich hoffe, niemandem jetzt auf den Zehen zu stehen...)



Viel Obst schenkt die Trockenheit nicht. Aber Feigen haben wir in Südfrankreich eigentlich immer. Zuckersüß wie die Trauben dieses Jahr. Und Brombeeren sind sowieso unverwüstlich. Der Zwetschgenbaum schenkt ein paar Zwetschgen dazu - voilà, schon bastelt sich ein Sommerkuchen wie von alleine direkt aus dem Garten.

 

Zutaten - eine Kuchenform 26cm:

125g Butter, weich
90g Zucker (m: Rohrzucker)
150g Mehl (m: D630)
50g gemahlene Mandeln
1/2 Päckchen Back-Pulver (ca. 8g)
100g Schmand (oder Crème fraîche)
2 Eier
1kg - 1,25kg Frucht
(eventuell: 2-3 EL Milch)
1 Pr Salz
1-2 TL Sugar Spice
(optional 1-2 EL Rum)

 


 

Zubereitung:

Ofen auf 180° (O/U-Hitze) vorheizen.

Butter mit dem Zucker schaumig schlagen. Gewürze unterrühren. Nacheinander die Eier unterschlagen. Dann abwechselnd das mit dem Backpulver gemischen Mehl und den Schmand unter die Masse rühren - gegebenenfalls ebenso Milch und Rum.

Je nach dem wie saftig die Früchte sind, ist besser keine Milch mehr zuzufügen - dann hat der Boden die Möglichkeit den Fruchtsaft aufzusaugen während dem Backen. Meine Früchte waren eher fester (die Trockenheit) und der Teig brauchte noch etwas mehr Flüssigkeit.

Die Backform buttern und mit Mehl bestäuben (m: ich habe den Boden mit Backpapier ausgelegt) und den Teig glatt streichen.

Die Pflaumen entsteinen, in Schnitze schneiden, die Feigen je nach Größe halbieren und dicht an dicht auf den Teig setzen. Trauben und Brombeeren darüber verteilen, etwas in den Teig drücken und für ca. 60 min in den heißen Backofen schieben (Stäbchenprobe). Auskühlen lassen. Zum Servieren mit etwas Puderzucker bestäuben.

 

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