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Mittwoch, 20. Mai 2020

Reisen bildet: Thymian-Pici in geschmorten, bunten Zwiebeln mit Salbei und Ziegenkäse


Nichts hat in den letzten Jahren so sehr meine Persönlichkeit geformt wie das Reisen. Wie so oft unterscheide ich sehr fein - etwas, dass manchen möglicherweise einiges abverlangt. Zwischentöne, Baby, das setze ich hier einfach voraus! Reisen ist nun mal nicht gleich Reisen. Ich habe unterwegs genügend Menschen gesehen, deren Hauptmotiv zu reisen die sog. Schönwetter-Garantie, das Sun-Downer-Getränk am Strand, das Insta-Bild am Hotspot oder das Häkchen auf der Weltkarte ausmachten. Von denen grenze ich mich ab. Wenn ich vom Reisen rede, dann unter folgenden Prämissen:

* individuell und selbst-organisiert und zwar abseits unter Einheimischen - weil geführte Gruppenreisen einfach das glatte Gegenteil sind
* mit Zeit und nicht für 2-3 Wochen - weil nur auf längere Dauer ein Alltagsleben stattfindet
*  Nüchternheit - weil viele im Urlaub noch mehr trinken als sowieso schon
* Harmonie - weil wer von Stress und Streit abgelenkt ist keine Sinneskapazitäten frei hat für andere Wahrnehmungen

*Um zu begreifen, dass der Himmel überall blau ist, muss man um die Welt nicht reisen* (Goethe). Eben. Für mich ist Reisen die einzig wahre Schule des Lebens - nichts, rein gar nichts kann das ersetzen. Reisen ist der Antipode  von schnöder Theorie. Etwas über Mallorca zu lesen und tatsächlich dort gewesen zu sein, ist ein himmelweiter Unterschied! Nicht von ungefähr sagte ein Journalist wie Peter Scholl-Latour: *Ich bilde mir meine Meinung stets erst vor Ort!* Ja, lesen mag ebenfalls bilden, aber im Vergleich zum Reisen nur um ein winziges Bruchstück. Wie sagt mein Habib so gerne: *Der Erfahrung zuliebe muss man bereit sein, sich die Hände schmutzig zu machen.* Der Name dieses Planeten ist Programm: *Erde*.

Dann hilft das Fremde, das Andere, das Ungewisse, das Unbekannte nicht nur Neues kennenzulernen, es hilft vor allem seine eigene Kultur besser zu verstehen. *Distanz schafft klare Gedanken* - und ohne diesen Abstand zur eigenen Herkunft wird man sein Heimatland nie richtig einschätzen können, sondern macht den Frosch, der im Brunnen lebt, und das Ausmaß des Himmels nach dem Brunnenrand beurteilen muss... 

Reisen hat mir geholfen, mir bewußt zu machen, was der Unterschied zwischen Bedürfnis und Anspruch ist. Und die menschlichen Grundbedürfnisse gleichen sich weltweit, weil sie existenziell sind. Erst wenn diese ELEMENTAR bedroht sind, verlassen Menschen ihre Heimat. Vorher nicht. SO einfach, wie gerne getan wird, flüchtet niemand.

Gleichzeitig ist Reisen der beste Anstoß zur Selbstschuulung. Etwa ganz mit dem Schiller-Gedicht *Blick in dein eignes Herz* - aber diese Räume und Gelegenheiten muss man erst einmal haben. Nach meinem Erleben kann man lediglich auf diese Weise Weltenbürger werden, ankommen und heimisch werden auf diesem Planeten - und dabei gleichzeitig in sich selbst. Denn erst unterwegs wird einem zutiefst bewußt, wie sehr man auf seinen gesunden Menschenverstand angewiesen ist. Man muss die Verantwortung ganz alleine für sich selbst tragen. Und wenn du dann deiner eigenen Wahrnehmung nicht vertrauten kannst... dann wirds Scheiße! So bekommt man Boden unter den Füßen, so erhält man Rückgrat, so entwickelt man Individualität, so wird man Freigeist.

Neben höchstpersönlichen Eindrücken gibt es gemeinsame Schnittmengen unter den Beobachtungen von Individualreisenden - und die kann man Außenstehenden nur schwer erklären. Für Jenny und Peter - auf deren Blog *Glaarkshouse* ich im Unimog durch die Welt mitgenommen wurde - müsste ich diese Aussage nicht näher erläutern. Ebensowenig wie mir ihre Andeutungen ausreichen, dass man als Deutscher weltweit den *Hilter* triggert. Oder ich mich nicht über Punkt 28 wundere. Oder wie sehr man sich für das hochgelobte Europa krumm und bucklig schämt in der Welt ob seinem Umgang mit den Flüchtlingen. By the way: der Reisedepeschen-Verlag hat ihr Buch *Roadtrip mit Jennifer und Peter Glas*  herausgebraucht - voller schöner Bilder und Geschichten für all jene, in derem Grundgefühl das Fernweh pocht und die noch vorhaben, davon etwas auszuleben!

Reisen verändert. Das ist der Preis und das ist okay. Nein, das ist mehr als okay: das ist der Zugewinn, der mit Gold nicht aufzuwiegen ist. Man verändert sich sogar so sehr, dass man anders wird als die anderen, die die vielbemühte *Komfort-Zone* nie verlassen haben. Und letztere zählen zu einer Gruppe, mit denen ich über viele Themen nicht mehr diskutiere. Kategorisch. Weil es keinen Sinn macht. Weil sie gar nicht wissen, wovon ich rede. Sie können es gar nicht wissen, weil ihnen die nötige Erfahrung dazu fehlt. Das macht dann einschlägige Gespräche nicht nur hochgradig sinnlos, die Gefahr ist enorm, dass man in diese freudlosen Rechthabereien gerät, auf die ich wirklich keinen Bock habe. Derlei Spiele müssen ohne mich gespielt werden. Weder bin ich gewillt, den Missionar zu machen und Blinden von Farben erzählen zu wollen, noch lasse ich mich kaputtquatschen von Leuten, die offensichtlich keine Ahnung haben und überhaupt nicht mitreden können. Ich kann gut damit leben, dass andere anders sind als ich. Und mich wiederum muss auch nicht jeder verstehen.

Anhand der Links (und es ist lediglich eine kleine handvoll ausgewählter) erkennt man, dass sich diese Themen und Werte wie ein roter Faden auf diesem Blog seit fast 9 Jahren durchziehen. Viele einschlägige Geschichten reihen sich wie Perlen auf eine Schnur. Dafür mache ich hier den Stellvertreter, davon möchte ich eine Prise zurück in die Welt schicken. Wer damit nichts anfangen kann oder sich gar provoziert fühlt, muss sich ein anderes Wohnzimmer im WorldWideWeb suchen. Denn dieses hier ist meines! (soviel zu dem entstandenen Shitstorm auch per Mail)

Um zurück auf die Zukunft des Reisens zu kommen (denn Jugendliche gehören in die Welt geschickt) verlinke ich euch zu Flocutus (via Buddenbohm), wo sich Lesenswertes findet, wie Covid sehr wahrscheinlich das Reisen verändern wird. Und wie sich das gerade neugewonnene Bewußtsein, welch ein großes Privileg das Reisen darstellt, auf die Motivation des Reisens auswirken könnte, darüber macht sich auf dem Reisedepeschen-Blog Philipp kluge Gedanken. 


Dieser Teller ist wieder einmal Blog-Spielerei. Die Kartoffel-Pici habe ich lediglich mengenmäßig etwas gestreckt, dass zwei appetitliche Esser wie wir es sind, auch gut davon satt werden. Dann muss man allerdings auf die Konsistenz des Teiges achten - ich benötigte einen Eßlöffel mehr an Öl, damit der Teig geschmeidig wird. Aber das solltet ihr dann beim Zusammenkneten erkennen.

Dazu gabs köstlich geschmorte Zwiebeln, wozu mich Susanne erneut inspirierte. In vergleichbarer Art oder so ähnlich alles schon hier gewesen. Die Unterschiede mögen nicht riesig sein, aber genau das macht ja die Lust am Kochen. Eine kleine Veränderung und schon steht ein anderer Teller auf dem Tisch. Kulinarische Vielfalt - nichts einfacher als das!

Zutaten 2P: 

Kartoffel-Pici
80 g Kartoffeln, mehlig kochend
120g Mehl (m: Dinkel 630)
70g Hartweizenmehl
1 Ei (Größe L)
1 EL Öl
½ TL Salz

2-3 EL Parmesan, frisch gerieben 
2 TL Thymian, getrocknet, fein gehackt 

500g Zwiebeln (m: gemischt)
weißer Port
2 Scheiben der Schale einer Bio-Zitrone
Olivenöl, großzügig
9 Salbei-Blätter 
1/2 TL Lavendel-Honig
Salz, Pfeffer 
etwas Zitronensaft

1 Ziegenfrischkäse (ca. 120g)

Zubereitung:

Die Kartoffeln als Pellkartoffeln kochen, ausdämpfen lassen, schälen und durch die Kartoffelpresse drücken. Sie sollen noch lauwarm sein. Mit den restlichen Zutaten zu einem Teig verarbeiten. Der ist etwas weicher als ein herkömmlicher Nudelteig. Falls zu weich noch etwas Mehl, andernfalls etwas Wasser zugeben.

Mind. 30 min. ruhen lassen
.


Mit der Nudelmaschine mit der gröbsten Einstellung zu Bahnen ausrollen und in schmale Streifen schneiden. Diese Streifen werden mit der Hand zu einer Art dünnen Schupfnudel gerollt und dürfen ruhig etwas rustikal werden. Die Nudeln auf ein mit doppelgriffigem Mehl oder Hartweizengrieß bestreuten Brett verteilen.
 


Zwiebeln in dünne streifen schneiden, mit etwas Salz in einer Schüssel vermischen und ca. 10 min stehen lassen.

Olivenöl in einer Pfanne, für die es einen Deckel gibt, erhitzen. Die Zwiebeln zugeben, kurz braten und durchrühren. Zitronenschale und Salbeiblätter zu den Zwiebeln geben. Mit Port ablöschen. Den Deckel auflegen und alles bei milder Hitze schmoren, ca. 10 min. Es sollte immer etwas Flüssigkeit auf dem Pfannenboden sein.

Den Honig zugeben, alles verrühren und mit Salz und Pfeffer würzen. Salbei-Blätter entfernen.

Parallel einen Topf mit reichlich Salzwasser aufsetzen.und die Pasta - je nach Dicke - etwa 3min kochen lassen. Probieren. Beim Abschütten etwas von dem Kochwasser auffangen.

Pasta mit Zwiebeln mischen - mit Kochwasser und etwas Olivenöl zu einer cremigen Konsistenz verhelfen. Pasta auf zwei Teller verteilen und den Ziegenkäse als Topping darüber zerbröckeln. Servieren.



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