Insta-tauglich: Krauterich der Krautfladen

Sonntag, 10. Februar 2019


*Mika, du hast das Internet überhaupt nicht verstanden. Null. Z-E-R-O!!!* Pascales Augenbrauen erreichen fast ihren Haaransatz, während sie mit der erhobenen rechten Hand aus Daumen und Zeigefinger ein O formt (immer ein bißchen Drama in allem die Fränzi-Mädels). 

*Kein Instagram, kein Twitter, kein Facebook, kein Linkedin, kein Google+ - Internet bedeutet Vernetzung!!!* - sie betont die Silbe des letzten Satzes und dehnt dabei die Worte unnatürlich in die Länge, ganz so, als würde sie nicht nur an meinem Verständnis für das WWW zweifeln sondern an meiner kompletten Gehirnkapazität. *Vernetzung* wiederholt Pascale eindringlich (die Finger-Null fuchtelt wieder). *Und zwar 2.0. Zusätzlich zu Organisationen wie die den Rosenkreuzern, Freimaurern, den Rotariern, dem Lions Club, die politische Parteien-Riegen, die Studentenvereinigungen, kein Volk hat das besser verinnerlicht wie die Juden, wenigstens das Vitamin-B der Familie braucht es für den kleinsten Rahmen, ABER: ohne Seilschaft keine Trittleiter nach oben! Und was treibst du? Seit Jahren? Du gibst Morsezeichen in einem Ein-Frau-U-Boot. Du miemst die letzte Litfasssäule an einer einsamen Landstraße. Du...

*Ich bin nicht schuld*, bringe ich mich aus der Schußlinie und werfe mich in der Deutschen liebsten Schützengraben (an dem Thema *Schuld* und der Frage *Wer ist dafür verantwortlich* kann sich kein Land länger aufhalten). Ich kichere: *Ich habe keinen Instagram-Boyfriend. Hier, schau', es gibt jetzt einen neuen Beruf. *Influencerin-Chefsekretär*, Markenmaskottchen-Angestellter* oder *Reclamekleindarstellerin-Assistent* - ich halte ihr das Smartphone unter die Nase und zeige ihr dieses Bild - *Da kommt ein Selfie-Stick nicht mit, vielleicht noch was gepimpt durch Drohnen-Fotos, bref: Super Zukunftsperspektiven, aber der Habib hat komischerweise keinen Bock drauf.* 

*Tssss*, Pascale schüttelt den Kopf, *die spinnen, die Römer* und lacht auch. *Das neue Sado-Matriachat: sie klimpert mit ihren Wimpern anstelle der Peitsche und droht unterschwellig beim Hypnotisieren mit Geld-und Sexentzug: 'Jetzt-komm, du-willst-es- doch-auch, du-willst-auch-ein-SUPER-Foto-von-mir*. 

*Krass, oder?! Wie weit trägt Eitelkeit? Die schütten ihren Jungs doch was in den Tee! Das macht doch kein Mensch freiwillig mit.*
*Es ist schwer, gutes Personal zu finden*.
*Ben, jeder wie er meint, denkt, muss und es braucht*, wende ich ein. *Sie sind jung, sie brauchen das Geld. Velleicht reden die mehr als andere Paare miteinander? So abends vorm PC: Sehen meine Haare auf dem oder auf dem Bild besser aus? Gemeinsame Arbeit verbindet. Gütertrennung wird vermutlich schwer - aber das ist sie ja meistens...

*Naja, aber wenn du wolltest, könntest du ja trotzdem...
*Jaja, ich weiß*, unterbreche ich Pascale erneut *du hast schon recht. Klar macht NUR bloggen keinen Sinn - marktstrategisch, betriebswirtschaftlich, aufmerksamkeitstechnisch. Aber ich bin nun mal kein Follower-Typ. Und umgekehrt bin ich nix für Follower. Und der Konsum von Social Media gibt mir einfach überhaupt nichts. Trotzdem macht es Sinn. Auf meine Weise. Ein Thema nämlich wiederholt sich auf meinem Blog beharrlich: gehe deinen eigenen Weg, finde deine eigene Haltung, sei so individuell wie nur möglich, stehe zuallerst für dich und deine eigenen Werte ein. Vielleicht mache ich mir mit dem Schreiben darüber selbst Mut.*
*Alte, du machst mich fertig....*

Nur, damit ihr mal eine Vorstellung bekommt, wie sich mein Feedback so anhören kann. Aber fertiggemacht wird heute nicht, bevor nicht alle den Krauterich probiert haben - der einzig wahre, alltagstaugliche Krautfladen!


Zutaten 2P:

160g Dinkel 1050
60g Einkorn-Vollkorn
1 EL Öl
Salz
1 TL Koriander. frisch geschrotet
120ml Wasser

1 kleine Stange Lauch
1 Zwiebel
2 Knoblauchzehen
170g Weißkohl
Öl
Salz, Pfeffer
Piment
Kümmel, ganz
ca. 170g Käse (m: gemischt/ Reste) 
Olivenöl

ca. 2 EL Crème fraiche
Salz, Pfeffer

Zubereitung:

Für den Flammkuchenteig das Mehl, das Salz, den Koriander und das Öl mit 120ml Wasser in einer Schüssel vermengen und zügig erst mit einem Holzkochlöffel, dann mit den Händen zu einem glatten Teig verkneten. Bei Bedarf noch etwas Wasser zugeben. Teig beiseite stellen. 

Den Ofen mit einem Pizzastein vorheizen (ca. 250°). 

Knoblauch fein hacken, die Zwiebel ebenso. Den Lauch in feine Ringe, den Weißkohl in feine Streifen schneiden. Die Zwiebel in Öl glasig anschwitzen, dann Lauch und Kohl zufügen und nochmals mitdünsten. Mit Salz, Pfeffer und Piment abschmecken.
  
Den Flammkuchenteig teilen, jeweils schön dünn auswellen, dann auf ein Backpapier verlegen. Mit der mit Salz und Pfeffer gewürzten Crème bestreichen, den Pfanneninhalt auf beiden Fladen verteilen und mit dem gewürfelten Käse und Kümmel bestreuen. Nochmals leicht würzen, mit Olivenöl beträufeln und die Flammkuchen im heißen Ofen nacheinander knusprig braten.

Anmerkung m: Flammkuchenteig nach Juliane - der mich in seiner Schnelligkeit, Luftigkeit und prima Handhabe absolut überzeugt. Außerdem sollte - für mein Dafürhalten - Falmmkuchen ein Blitz-Essen sein!


Omas Maultaschen mit Kartoffelsalat... fast

Donnerstag, 7. Februar 2019


Eigentlich bin ich eine mäßige Esserin. Eigentlich ist ein grandioses Füllwort. Jeder, der das Wort *eigentlich* verwendet, weiß eigentlich genau, dass er den gleichen Satz geradeso auch andersherum formulieren könnte: eigentlich bin ich keine mäßige Esserin. Ich bin überwiegend eine mäßige Esserin, aber es kommt halt drauf an.

Wenn mir etwas wirklich gut schmeckt etwa, kann ich reinhauen wie ein Scheunendrescher. Oder wenn ich richtig hungrig bin - nachdem ich umgegraben, Holz geschichtet, den Hang gemäht habe... - dann auch. Oder - ganz verhängnisvoll fatal - wenn ich vor einem Buffet stehe. Buffet tut mir nicht gut. Da brechen sich ganz alte *Ich-könnte-etwas-verpassen-Ängste* bahn und ich muß fast alles probieren. Oder - eine besonders erstaunliche Erfahrung für mich - als ich bei der Bekannten eines Freundes zum Abendessen eingeladen war, aß ich unaufhörlich, schon anstößig, ja peinliche Unmengen. Ich konnte mir selbst nicht erklären, was da los war, aber ich wurde einfach nicht satt. Als hätte das Essen meiner Gastgeberin - Typ frierendes Dörrobst ohne Brust und Hintern mit einem gekrümmten Strich als Mund bei nagender Unzufriedenheit immer das Gefühl verbreitend, sie käme zu kurz - keinerlei Nährwert. Wo nix ist, ist nix zu holen. Ist das kurios?!

Überhaupt streift das ja eh eines der unergründlichsten Phänomene beim Essen, nämlich dass man den Koch irgendwie mitißt. Kennt ihr doch auch, oder? Wenn zwei das Gleiche tun, ist es noch lange nicht dasselbe. Läßt sich nirgendwo besser überprüfen als beim Essen. Ein und dasselbe Rezept von zwei Köchen gekocht, schmeckt trotzdem unterschiedlich. Geheimzutat Koch/ Spucke/ Kochlöffelumdrehung. Irgend soetwas. 

Aber bei den Maultaschen war das nicht der Grund, wieso sich niemand wagte, Omas Maultaschen-Rezept nachzukochen. Maultaschen gab es einfach nur bei Oma, weil Oma die unangefochtene Familienmaultaschenmeisterin war. Undenkbar an diesem Olymp auch nur ansatzweise zu kratzen.

Für ihre Spezialität wallte sie den Nudelteig so dünn aus, dass man das Holzbrett durchsah - strudelteigdünn eben. Besonders an ihren Maultaschen war, dass sie ihnen beim Füllen einen Nudellatz ließ, so dass man gleichzeitig eine gefüllte Nudel und eine pure Nudel - beides üppigst abgeschmelzt - auf einen Schlag serviert bekam. Dafür schnitt sie eigentümliche abstrakt-unsymmetrische Nudelteigecken. Wohl auch, um die teuere Fleischfüllung zu sparen - alte Gewohnheit noch von mageren Zeiten. Jeder, der Omas Maultaschen sah, wußte sofort: auf dem Land von Hand gemacht. Omas rustikale Maultaschen waren ein Highlight im kulinarischen Kalender!

Hach, *rustikal* -  ein tragendes Säulenwort in meinem Universum: ohne Briefwaage, ohne Ziselieren, ohne langes Kalkulieren, großzügig, au pif, round about, aus der Lameng, nach Gutdünken. Das bringt beim Kochen den gleichen Spaß wie im Leben.

Natürlich sind es nicht ganz Omas Maultaschen geworden. Es fehlt - logo - zum einen die Geheimzutat. Und zum anderen das Fleisch. Das habe ich ersetzt mit meiner l-e-g-e-n-d-ä-r-e-n Käse-Spinat-Füllung. Die ist ja derart großartig, dass sie euch in Bälde hier wieder begegnen wird.

Da wärt ihr wohl auf den ersten Blick nicht drauf gekommen, dass in diesen Maultaschen soviel Geschichten stecken. Es sind schließlich nicht irgendwelche Maultaschen - diese Füllung ist eingewickelt in viele Erinnerungen. Aber genau deshalb erzähle ich euch das ja...



Zutaten 3-4P (ergibt etwa 22 Maultaschen)

Pastateig
200g Mehl (m: D630)
2 Eigelb
2 EL Öl
Salz
etwas kaltes Wasser

500g Spinat
1 Brötchen vom Vortag
(ca.70-80g)
1 Eigelb
2 EL Semmelbrösel
1 Schalotte
2 Knoblauchzehen
150g Saint Félicien
Salz, Pfeffer
Muskatnussabrieb
Piment

Butter 
Semmelbrösel

(ohne Ei und Käse)
Zubereitung:

Für den Pastateig die Zutaten zu einem homogenen, weichen, nicht mehr klebenden, glatten Teig sorgfältig verkneten, in Folie einwickeln und wenigstens 1 Stunde kalt stellen.

Für die Füllung das Brötchen vom Vortag in kaltem Wasser einweichen. Den Spinat von seinen Stielen befreien und waschen. In kochendem Wasser den Spinat zusammenfallen lassen, abschütten und in kaltem Wasser abschrecken. Sehr gut ausdrücken und klein hacken. Schalotte und Knoblauchzehen fein würfeln und in etwas Butter glasig dünsten. Käse kleiner schneiden. Brötchen sehr gut ausdrücken. Alle Zutaten der Füllung nun in einer Schüssel vermengen (geht am besten, wenn man die Mischung von Hand verknetet). Gut würzig abschmecken. 

Den Pastateig hauchdünn auswellen (Strudelteig-dünn: man muß die Maserung des Holzes durch den Teig sehen können). Am besten den Teig dafür teilen und nacheinander dünn auswellen (m: mein Holzbrett wäre für 1x auswellen zu klein). Dann unregelmäßige Rauten schneiden, in eine Ecke einen guten, gehäuften Teelöffel Füllung in eine Ecke setzen, die Füllung mit etwas übrig gebliebenem Eiweiß umpinseln und recht eng den Teig von einer Seite einschlagen. So verfahren, bis Nudelteig und Füllung aufgebraucht sind.

Reichlich Salzwasser zum Sieden bringen. Die Maultaschen darin ca. 2min gar ziehen lassen (nicht zu lange: sonst wird der dünne Pastateig an den Enden der Maultaschen zu weich, aber lange genug, damit die Füllung gar ziehen kann), abschöpfen und gut abtropfen lassen.

Großzügig Butter mit etwas Semmelbrösel aufschäumen und die Maultaschen vor dem Servieren damit abschmelzen.

Geschwister im Blog: Schwäbische Maultaschen,  Linsen-Maultaschen, Demi-Lunes farcies


Allgemeinwesen: mediterraner Eintopf mit Artischocken und Erbsen

Freitag, 1. Februar 2019


*Was soll man denken, wenn man im Kabarett Nachrichten erfährt und Nachrichten zum Kabarett werden* hörte ich eine Kritik bezüglich *Die Anstalt*, eine Sendung die ich sehr schätze für ihre sorgfältigen Recherchen, ihren Informationsgehalt und die interessante Verknüpfung der Fakten.

Politisches Kabarett war irgendwie noch nie sexy, oder? Derlei Komik wird leicht ungemütlich oder gar anklagend - eine Stimmung, die sich wohl bei Systemkritik schlecht vermeiden lässt. Wir Deutschen sollten der Führrungsriege unseres Landes samt seinem Propaganda-Apparat ja besonders skeptisch gegenüberstehen - müßte man meinen. Ob unserer Vergangenheit. Unnötig zu erwähnen wie falsch das deutsche  Volk einst gelenkt wurde. Eigentlich gebranntes Kind...

Komischerweise werden jedoch Widerständler lieber in die Verschwörungstheoretikerecke gedrückt oder mit Plattitüden à la *Jaha, dann sollen doch die in die Politik gehen und es besser machen* platt gemacht. Wobei sich das in meiner kindlichen Auffassung von Demokratie nicht SO schwierig gestalten dürfte. Demokratie ist die Staatsform, deren Maxime es ist im Interessenverbund der Mehrheit verbindliche Entscheidungen zu treffen. Das dürfte - rein theoretisch - nur die Auswertung von Zahlen sein: was der größten Menge der Menschen innerhalb dieser Staatsform zugute kommt, kann man bestimmt auswerten und realisieren. Der umgesetzte Volkswillen durch Volksvertreter. That's all.

Tja, wenn es mal so einfach wäre, könnte man dagegen hauen. Aber manchmal ist es auch nicht so kompliziert wie immer getan wird. Meine Rede. Manchmal wäre gut daran getan, einfach wieder öfters zu *verallgemeinern* (oder sich an Beispielen orientieren - auch ne Möglichkeit).

Mein unangefochtener König des politischen Kabaretts ist und bleibt Volker Pispers, der leider seit geraumer Zeit und nach dreißigjähriger Tätigkeit die Bühne verlassen hat. Aus einem seiner letzten Auftritte fiel mir erneut die Redewendung *divide et impera* (teile und herrsche) auf, welche auf diesem Blog ja erst kürzlich zu Weihnachten fiel. Nun, dachte ich mir, was wäre denn der umgekehrte Gedankenweg. Und da landete ich bei der Solidaritätsgemeinschaft. Oder etwas pathetischer: Schicksalsgemeinschaft. Die zentralen Themen, die eine Gesellschaft regeln, bleiben Rente, Gesundheitswesen, Bildung, Staatsverschuldung, Arbeitslosigkeit und Steuergerechtigkeit. Das sind die Kernfragen über die wir diskutieren müssen, wollen wir über den großen Rest reden: Wie wollen wir leben? In Deutschland? In Europa? In der Welt? Dann lassen wir uns nicht weiterhin mit unbedeutenden Nebenschauplätzen ablenken.

Nicht nur die Gelbwesten-Bewegung zeigt, dass Politik und Bürger in entgegengesetzte Richtungen ziehen. Weltweit kann man Unzufriedenheit darüber beobachten. Greife ich nur mal die überwiegend (!) friedlichen Proteste in Hamburg zum G20-Gipfel als Beispiel auf. Tiefgreifende und zwar generelle Meinungsverschiedenheiten, die mittlerweile selbst die Jüngsten verstehen und Schüler und Kinder auf die Strasse bringen (letzteres beeindruckendes Bild: March for our lives) - einen Tatbestand, den ich so erschütternd wie beschämend finde (an alle Erwachsenen: Hallo Haltung?!)

Womit ich wieder bei der Vereinfachung herauskomme. Denn tatsächlich kristallisiert sich heraus, dass ein Volk viel konsensfähiger ist, als uns gerne glauben gemacht wird. Urban Pirol hat in seinem Jahresrückblick  einige Beispiele aufgeführt, für die sich klare Mehrheiten finden: Abschaffung von Glyphosat (Wunsch und Wille von 86% der Deutschen), Begrenzung der Amtszeit von Bundeskanzler und Ministern auf zwei Legislaturperioden (54%), Anhebung des Mindeststundenlohns wenigstens auf 12 Euro (82%), keine Rüstungsexporte in Krisengebiete, Aufnahme von flüchtenden Menschen in Not (82%), kostenloser Nahverkehr, bezahlbarer Wohnraum...

Sehr aus dem Herzen sprach mir auch Erwin Pelzig in der vorletzten Sendung der Anstalt zum Thema *Fleischindustrie* - so sehr, dass ich seinen Beitrag hier einstelle und mit drei Ausrufezeichen versehe!!! Hiermit geschehen. Und zwar nicht als Foodblog oder gar als vegetarischer Foodblog, sondern weil ich der festen Überzeugung bin, dass wir ganz unabhängig von jedweder Couleur oder Geschmacksrichtung hinter Herrn Pelzig als die Mehrheit dieser Gesellschaft stehen! (noch ein Ausrufezeichen, jawohl).

Wenn jetzt nicht ein Eintopf wie die Faust aufs Auge als Abschluß zu diesem Post paßt, also dann weiß ich auch nicht. Zum aktuellen Wetter paßt er übrigens auch. Wer an keine frischen Artischkocken bekommt, könnte sie durch eingelegte aus dem Glas ersetzen.


Zutaten 2P:

200g Einkorn, ganzes Korn
2 Artischocken
100g Erbsen (m: gefroren, eigene)
100g Kichererbsen, gekocht*
40g getrocknete Tomaten 
1 TL getrockneter Thymian
1 Lorbeer-Blatt
1 rote Zwiebel
2 Knoblauchzehen
Noilly Prat
Gemüsebrühe
Salz, Pfeffer 
Piment d'Espelette
Olivenöl

6 grüne Oliven
frisch geriebener Parmesan

Zubereitung:

Einkorn am Abend zuvor einweichen. Mit frischem Wasser spülen und nun leicht bedeckt mit Gemüsebrühe aufsetzen und ca. 10min vorkochen. Abschütten, Kochwasser auffangen.

Tomaten mit Wasser überbrühen und ca. 10min ziehen lassen. Artischocken putzen, achteln und in Zitronenwasser zur Seite stellen.

Zwiebeln und Knoblauch fein hacken. Tomaten abtropfen lassen und ebenfalls fein hacken. Zwiebeln, Knoblauch und Tomaten in dem Olivenöl anbraten. Einkorn zugeben, Gemüseconfit, Noilly und einen Teil der Gemüsebrühe. Thymian und Lorbeerblatt untermischen, Deckel auflegen und 10min leicht köcheln lassen. Kichererbsen und Artischocken untermischen, falls nötig nochmals Gemüsebrühe zufügen und weitere 15-20min köcheln lassen. Kurz vor dem Servieren die Erbsen dazu geben und kurz gar ziehen lassen.

Abschmecken mit Salz, Pfeffer und Piment.

Zum Servieren, die grünen Oliven entsteinen und grob hacken. Mit dem Parmesan garnieren.

*Anmerkung m: ich habe mir angewöhnt, immer selbst gekochte Kichererbsen geforen in der Tiefkühle portionsweise griffbereit zu haben - sie schmecken einfach viel besser als die aus der Dose, aber brauchen eben Vorlauf: einweichen, kochen... und die Zeit fehlt manchmal beim spontanen Essenzubereiten. In diesem Fall könnte man sie aber immerhin zusammen mit dem Einkorn am Abend zuvor einweichen.



Rosenzeit: Kefir-Gugl mit Himbeeren und Johannisbeeren

Mittwoch, 23. Januar 2019


Während dieser elendlangen Busfahrten zum Gymnasium und zurück verschlang ich Denise-Romane. Die gabs damals am Kiosk am Busbahnhof in einem metallenen Drehständer, verheissend harmlos rosa und hellblau eingebunden, ein Pärchenbild als Cover wie von der Bravo geklaut, auf Altpapier gedruckt. Verwickelte Liebesgeschichten, die in der Jetztzeit angesiedelt waren: auf der ersten Seite lernten sie sich kennen, auf der letzten kamen sie zusammen. Die Frage war das Wie.

Fortbildung, bei der auf nichts aufgebaut wurde außer auf viel Hoffnung und Sehnsucht. Eine Lesephase, die genau so endete wie sie begann: in der Pupertät.  Ein schlechtes (jüngst gelesenes) Beispiel für dieses Genre in der Literatur ist übrigends *Die Einsamkeit der Primzahlen*: zwei Verhaltensauffällige, Gemütskranke irren um sich herum - anstrengend und ermüdend (schade eigentlich bei dem schönen Titel).

Hingegen ein echtes Bomben-Beispiel ist *Stolz und Vorurteil* von Jane Austen - ich war während der Lektüre wie zu besten Zeiten völlig im Fieber, wann sie sich endlich in die Arme fallen. Aber das nur unter uns im Geheimen, niemals würde ich das öffentlich zugeben! Am Kuriosesten an dieser Geschichte ist ja, dass die Verfilmung auch funktioniert. Jede Kameraeinstellung eine Postkarte. Kitsch as Kitsch can. *Ein kleines Wunder* urteilte damals die FAZ - und das ist es indeed. Vermutlich mit weil Keira Knightley mit ihrer verspannten Kieferpartie auf ganz natürliche Weise dieses Eigensinnige, Trotzige, Verweigernde mitbringt, das die Rolle der Elizabeth so hervorragend kleidet.

All das Überzuckerte-Klebrig-Dämmerige mit Nippes und Sonnenuntergang, am Valentinstag mit oppulenter Hochzeitsfeier, samt utopischen Versprechungen und Schwüren, als wisse man, was die Zukunft bringt, gestanzten Rollenbildern, protzigen Geschenken, die den Gegenwert der Gefühle spiegeln sollen, Kerzen, Negligés, Rosenduft oder (direkt aus der Hölle) Paare, die miteinander in Babysprache kommunizieren - die Typographie des Grauens ohne auch nur den Hauch eines romantischen Moments für mich.

Aber bitte, jeder darf Romantik interpretieren, wie er will. Für meine Zwillingsschwester ist Romantik gar eine bloße Erfindung ihrer Epoche (sie schrieb ihre Magisterarbeit darüber). Und das erwähne ich nicht als Anklage, sondern um aufzuzeigen, wie unterschiedlich zweieiige Zwillinge stets sind und sie trotzdem behaarlich von der Gesellschaft in den Topf der eineiigen geworfen werden. Es ist wohl zu viel von der Außenwelt verlangt genauer hinzuschauen, wo es sich doch viel einfacher mit Klischées lebt.

In meinem Leben gebührt der Romantik ein zentraler Platz. Zwei Menschen, die miteinander füreinander sind. Nix polyamor, nix Tandra, nix Swinger, nix freie Liebe. Zwei, die einen Kern bilden. Wie beim Fangenspielen als Kind. Es gibt den Bereich der Jagd und einen ganz kleinen Ort, da ist *Haus*, geschützt und bestenfalls selbst kreiert mit Vertrauen und Ehrlichkeit. Ein Verbund ganz freiwilliger Art. Nicht aus Pflicht heraus, nicht der Biologie gehorchend. Das gelebte Mysterium eines Baumes: 

Ginkgo Biloba

Dieses Baums Blatt, der von Osten
Meinem Garten anvertraut,
Gibt geheimen Sinn zu kosten,
Wie’s den Wissenden erbaut
 

Ist es Ein lebendig Wesen,
Das sich in sich selbst getrennt?
Sind es zwei, die sich erlesen,
Daß man sie als Eines kennt?

 
Solche Frage zu erwidern,
Fand ich wohl den rechten Sinn,
Fühlst du nicht an meinen Liedern,
Daß ich Eins und doppelt bin?
 

(JW v. Goethe)

Habib, du bist die Erfüllung eines Jungmädchentraums, aber du bist ein scheußlicher Zeitbeschleuniger: die letzten Jahre vergingen viel zu schnell! Rosenzeit mit Wermut. Versüße ich uns den *Weil-nichts-bleibt-wie-es-ist*-Moment mit einem Kuchen, gatschig und saftig ganz wie ein Rührkuchen sein muss und sein sollte... zumindest, wenn er aus meiner Gugelhupfform fällt!


Zutaten - Gugelhupfform*:

300g Weizenmehl (m: Dinkel 630)
250g Johannisbeeren (m: gemischt mit Himbeeren)
200g weiche Butter
200g Rohrzucker
150ml Buttermilch
1 Vanille-Stange, das Mark davon
4 Eier*
2 TL Backpulver
eine Prise Salz

Puderzucker zum Bestäuben

Zubereitung:

Den Ofen auf 175 Grad Ober-/Unterhitze vorheizen. Die Guglhupfform einfetten und ein wenig mit Mehl ausstäuben.

Die Vanilleschote halbieren und das Mark herrausschaben. Die Butter mit dem Zucker und der Vanille aufschlagen bis die Masse aufhellt und cremig wird. Ein Ei nach nach dem anderen zugeben, dabei jeweils eine Minute weiterrühren.

In einer anderen Schüssel die trockenen Zutaten vermengen: das Mehl mit dem Backpulver und der Prise Salz vermischen. 

Mehl-Mischung und Buttermilch im Wechsel zum Kuchenteig geben - dabei nicht zu lange rühren. 

Die Johannisbeeren und Himbeeren (gm: eigene, gefroren) dazugeben und einmal kurz unterheben. 

Dann den Teig in die Form geben, drei bis vier Mal die Form auf die Küchenplatte hauen, damit sich eventuelle Bläschen auflösen. Für 60 Minuten backen.

Den Kuchen abkühlen lassen, erst dann aus der Form stürzen. 

*Anmerkung m: Um die Kuchen-Gugelhupfform ganz zu füllen, könnte (sollte - so mache ich das nächste Mal) man die Zutatenmenge mit 1,25 multiplizieren


Inspiration: Über-see-Mädchen

Papa Bär: Südindisches Kartoffel-Curry

Samstag, 19. Januar 2019


Zwischen Kartoffeln und mir - das war keine Liebe auf den ersten Blick. Die war für mich der unauffällige Kerl, der sich trotz breitem Kreuz eher schüchtern an der Wand anlehnt dabei die groben Bauarbeiter-Pranken in die Hosen gesteckt. Knubbelige Nase, ausgeprägtes Kinn, Dreitagebart  - keiner, von dem man direkt Notitz nimmt. Aber die Gutmütigkeit und Zuverlässigkeit in Person. Immer da, wenn man in braucht. Papa Bär halt, die Kartoffel.

Und dann fiel mit ein, dass ich sehr wohl eine enge Verbindung zu Kartoffeln habe. Mit der verarbeiteten Version *Schupfnudeln* bin ich quasi großgezogen worden. Die sind bis heute eine Leib- und Magenspeise, sowas von! Aber mit Salzkartoffen kann man mich jagen. Verwässerte Kartoffeln, die auf diese Weise gegart alle irgendwie mehlig werden - ganz schlimm. Braucht wirklich kein Mensch. Die Pellkartoffelliebe wiederum meines Habib färbte auf mich ab - derlei Geschichten sollen sich ja häufiger abspielen zwischen Paaren, die schon länger zusammen sind. Mittlerweile habe ich gar eine Lieblingssorte - quasi die zarte, tanzende Tochter von Papa Bär - und zwar die festkochende, schöne gelbe Charlotte, die frisch gepellt mit einem Stück Butter und etwas Salz dem Genuß eines Butterbrotes gleichkommt. Basic-Begeisterung at its best.

Für die Abwechslung auf unserem Tisch achte ich, dass ich mindestens ein Mal die Woche auf den Tisch bringe. Auch um meinem Mitesser gerecht zu werden. Für ihn sind seit jeher ALLE Kartoffeln die hübschesten Mädchen der Umgebung. Dann werde ich ihm diese Freude ja nicht verweigern... kulinarischer Art versteht sich.

Wer nach diesem Curry für die Kartoffel anschließend den Cheerleader macht, den verstehe ich zu gut. In der Redaktion von Valentina, von wo ich das Rezept mitgenommen habe, zeigten sich alle schwer begeistert von diesem Eintopf. Und ich kann nur zustimmen. Das nächste Mal würde ich ihn noch etwas suppiger zubereiten (nur für mich als Erinnerung). Der frischer Koriander macht sich bestimmt lecker (ich musste ohne auskommen) dafür gab es als Zuschlag Chapati.


Zutaten:

500 g Kartoffeln (m: Charlotte)
4 EL Pflanzenöl
2/3 TL braune Senfsamen
2/3 TL Kreuzkümmelsamen
1½ TL gelbe Linsen (im Handel als Chana Dal erhältlich), gewaschen und getrocknet*
5 cm Zimtstange
12 frische Curryblätter (optional)*
2 kleine Zwiebeln, geschält und fein gehackt
10 g Ingwer, geschält und fein gehackt
2 große Tomaten, gehackt
(m: Ofentomaten)
¼ – ½ TL Chilipulver
2 ½ TL gemahlener Koriander
½ TL gemahlene Fenchelsamen
1/3 TL Kurkuma
150 ml Kokosmilch (optional)
30 g Koriandergrün, gehackt, zum Garnieren
Salz

Zubereitung:

Die Kartoffeln halbieren und so lange kochen, dass sie gerade weich sind – sie dürfen jetzt noch nicht zu weich sein, weil sie sonst in der Sauce zerfallen würden. Ich koche sie vorzugsweise mit Schale, damit sie so wenig Wasser wie möglich aufnehmen, und pelle sie danach.

Inzwischen das Pflanzenöl in einem großen Topf erhitzen. Senf- und Kreuzkümmelsamen, Linsen und Zimtstange anrösten. Wenn die Senfsamen nicht mehr aufplatzen, die Curryblätter dazugeben. Unmittelbar danach die Zwiebeln hinzufügen und anbraten, bis sie weich und leicht goldbraun sind.

Ingwer, Tomaten, Chilipulver, Koriander, Fenchelsamen, Kurkuma und Salz dazugeben und 3 Minuten bei hoher Temperatur unter Rühren braten. Anschließend 200 ml Wasser dazugießen, zum Kochen bringen und 10 Minuten leise köcheln lassen. Die gekochten Kartoffeln in die Sauce geben, damit sie die Aromen aufnehmen, und 5 Minuten weiterköcheln, bis die Flüssigkeit in der Pfanne eingedickt ist.

Die Kokosmilch einrühren sowie so viel Wasser, dass die Sauce eine mitteldicke Konsistenz erhält. Nochmals abschmecken, das Koriandergrün untermischen und servieren.

*Anmerkung m: getrocknete Curryblätter verwendet (frische sind im Outback nicht zu bekommen) und gelbe Linsen durch rote Linsen ersetzt...

Quelle: Valentinas Kochbuch

Bonuszeit: Lasagne mit Wirsing und Kürbis-Béchamel

Donnerstag, 10. Januar 2019


Ob die früher jeden Tag ein paar Stunden extra bekommen haben? Wie so eine Art Bonus-Track? Aber nur für aktive Nutzung. Pffffhhh, bißchen Blog schreiben, bißchen Kolumne. Was einst allein Brieffreundschaften gepflegt wurden. Von vielen mit vielen. Personalisierte Texte! (Gut, vielleicht haben sie Absätze übernommen, wer weiß, also ich hätte das bestimmt gemacht). Etwa zu Goethezeiten. Forschung-Reisen-Schreiben. Dabei reiste es sich noch deutlich langsamer und es schrieb sich lediglich von Hand. Wann haben die das alles gemacht und wie unter einen Hut gebracht?

Genau das dachte ich wieder bei der Lektüre meines Buchgeschenk zu meinem letzten Geburtstag: *Mein Weg durch Himmel und Hölle* von Alexandra David-Néel. In dem gelungenen Vorwort von Thomas Wartmann heißt es: *Sie versuchte, sich täglich zwanzig Wörter aus vier verschiedenen Sprachen zu merken, und rechnete sich aus, dass sie auf diese Weise 7300 Wörter pro Sprache in ihr multilinguistisches Vokabular aufnehmen kann.*

Ähäm, finde nur ich das sehr ambitioniert? Oder rede ich mir nur mein Spatzenhirn auf Normalgröße? Allein für die Motivation braucht es doch bereits eine Hochbegabung, oder?

Die taffe, eigensinnige, klare, neugierige, abenteuerlustige, kleinwüchsige Mme David-Néel in ihrem Buch auf ihrer wilden Reise durch Tibet zu begleiten, machte mir auf jeden Fall großes Vergnügen. Schon vor hundert Jahren gibt sie Beispiel, wie man Feminismus lebt und setzt dabei so hübsche Werbesprüche wie *Just do it* oder *Geht nicht, gibts nicht* einfach in die Tat um.  

Alexandra David-Néel, geboren 1868 bei Paris, studierte als erste Frau an der Sorbonne orientalische Sprachen (Sanskrit und Mandarin) sowie vergleichende Religionswissenschaften. Ab 1888 verbrachte sie, nur unterbrochen von Lehraufträgen in Paris und Vortragsreisen, ihr Leben in Asien, vor allem in Indien und Tibet. Dort wurde sie als erste Europäerin in den Stand eines Lamas (*Lampe der Weisheit*) erhoben. Der Welt wird sie vorallem als französische Reiseschriftstellerin und Forscherin zur Orientalistik in Erinnerung behalten und mir mit ein paar Zitaten, die ich bestimmt bei passender Gelegenheit zücken werde.

Nun, heute benötigt man bereits unerwarteten Freiraum, wenn man mal wieder so Leckereien wie hausgemachte Lasagne zubereiten will. Eingeschneit mit den richtigen Vorräten sollte sich doch ein Zeitfenster öffnen. Die Belohnung folgt auf dem Fuß: Schöner leben mit frischer Pasta!


Zutaten 2P:

120g Dinkel-Vollkorn
1 Ei
1 TL Tomatenmark
Chili-Flocken
1 EL Öl
Salz

300g Wirsing
Muskatnuss
5 Salbei-Blätter
Salz, Pfeffer
Olivenöl
 
250g Kürbis (m: Butternut)
1 Stück Butter
Gemüsebrühe
Noilly Prat
Salz, Pfeffer
1 Pr Zucker
1 Pr Curry
1 Stück Ingwer
1 EL Mehl
50ml Sahne

100g Tomme de Montagne, gerieben
2 EL gehackte Kürbiskerne

Zubereitung:

Aus den Zutaten für die Lasagneblätter einen homogenen Teig kneten und mindestens 1 Stunde im Kühlschrank ruhen lassen. Dann den Teig auswellen (m: mit Marcato - Stufe 6 von 7) - ergab 6 Blätter passend für meine Kastenform. In einer breiten, hohen Pfanne Salzwasser zum Kochen bringen und die Lasagne-Blätter nacheinander kochen, abtropfen lassen und auf einem Leinentuch glatt auslegen.

Den Wirsing waschen, von seinen Rippen befreien und in ca. 1-2cm dicke Streifen schneiden. In Salzwasser etwa 8min garen, blanchieren und gut abtropfen lassen. Die Salbeiblätter in feine Streifen schneiden und zusammen mit dem Wirsing in dem Olivenöl kurz schwenken. Salzen, pfeffern und zur Seite stellen.

Den Kürbis schälen und würfeln. In der Butter kurz anbraten, das Curry ebenfalls kurz mitrösten, mit Noilly ablöschen, dann knapp mit Gemüsebrühe bedecken und zusammen mit dem Stück Ingwer und aufgelegtem Deckel gar kochen. Ingwer entfernen. Pürieren. Sahne angießen und mit einer Roux binden und nochmals etwas köcheln lassen. Abschmecken, salzen, pfeffern und Prise Zucker zugeben. Die Konsistenz sollte einer schönen, cremigen Béchamelsauce entsprechen.

Die Kastenform (24cm) buttern und nun die Lasagne zusammen basteln: 2 EL von der Béchamelsauce, Lasagneblatt, Wirsing, Béchamel, etwas geriebener Käse, Lasagneblatt... wiederholen bis alles aufgebraucht ist - abschließen mit einem Lasagneblatt, etwas geriebenem Käse, gehackten Kürbiskernen und etwas Olivenöl. Salzen, pfeffern Bei 190° (O/U-Hitze) für ca. 25min in den Ofen schieben.
Vor dem Anschneiden kurz etwas abkühlen und festigen lassen.


schwarzer Peter: Brokkoli-Erbsen-Suppe mit Zitronengras

Sonntag, 6. Januar 2019


Mit Epiphanie enden die Rauhnächte, die Zeit um den Jahreswechsel, in der von altersher gelaubt wird, dass die Grenzen zwischen Diesseits und Jenseits durchlässiger sind. Auch meine Gedanken über Spiritualität schließen mit ihnen ab und werden sich dann wieder ins Private zurückziehen.

Nimmt man als Beispiel für deutsche Mittelalter-Literatur (bekanntermaßen vor Zeiten des Buchdruckes und daher eine sehr überschauhbare, einst handschriftliche Bibiliothek) *Tristan und Isolde*, dann fällt sehr schnell der allgegenwärtigen Gottesbezug auf. Alleine bereits an der Häufigkeit mit der das Wort *Gott* fällt: auf jeder Buchseite mehrfach.

Nun, mögen viele einwenden, war ja im Mittelalter der Einfluss des Klerus unausweichlich. Das stimmt, doch gilt mitzubedenken, dass *Gott* als Wort stets gefüllt wurde mit dem größtmöglich Guten, das dem menschlichen Geist zu denken möglich war. Etwas, was sich bis heute nicht geändert hat - nur ist es nun eine individuelle Frage, zu welcher Größe der einzelne in der Lage ist, sich in Bezug zu setzen.

Dass heutzutage in unseren Breitengraten die Verblindlichkeit zu Gott rückläufig ist, erkennt man etwa an dem Schwund christlich-theophorer Namen - also Namen, die mit dem Wort Gott gebildet werden wie Gotthilf, Gottwald, Gottfried, Gottlieb... Herausragend finde ich dabei die Namensgebung *Fürchtegott* - Eltern, die ihr Kind damit zu einer wandelnden Mahnung für sich und seine Umgebung bestimm(t)en.

Hier müsste der eifrig Mitdenkende nun ins Straucheln kommen. Eben setzte man *Gott* gleich mit dem Inbegriff alles Guten und nun gilt es ihn zu fürchten  - genau der Widerspruch, auf die ich hinaus will. Von denen, die sich mit einer höheren Macht auseinandersetzen, bleiben viele stecken in einer Art pupertären Phase, in der sie Gott anklagen, wie (gemäß des Falles, ihn gäbe es tatsächlich) er so viele Schrecklichkeiten zulassen kann auf der von ihm gemachten Welt. Wer benötigt noch eine Hölle, wenn heute ein Blick gen Jemen ausreicht.

Soweit, so unfertig gedacht. Der Griff zu einem der ältesten Bücher der Welt, der Bibel, kann in diesem Dilemma weiterhelfen. So steht in der Genesis: *Und Gott segnete den siebten Tag und erklärte ihn für heilig; denn an ihm ruhte Gott, nachdem er das ganze Werk der Schöpfung vollendet hatte.* Die Erde mit all seinen Rahmenbedingugen, seinen Prozessen und Gesetzen ist vollbracht. Mit der Vollendung kann Gott, der Schöpfer, nur noch sein Werk betrachten und nicht mehr in diese Abläufe eingreifen. Seine Arbeit ist getan. 

Erst anschließend wurde der Mensch - befähigt *Gut* und *Böse* zu unterscheiden - geschaffen, um diesen Planeten zu beleben, ausgesetzt den zuvor festgelegten Gesetzen, um eigenständig (und somit frei) Umgang mit ihnen zu finden. So verstanden bedeutet das eine völlige Verschiebung der Verantwortlichkeit: nicht Gott kann also zur Rechenschaft gezogen werden für alles Unrecht, sondern für die weitere Entwicklung sind die Geschöpfe (der einzelne Mensch) selbst verantwortlich. Womit auch wieder die Reinkarnation und die Karmagesetze ins Spiel kommen - ohne die geistige Gerechtigkeit niemals Sinn ergeben wird. Tja und dann könnte man mal beginnen, sich hineinzudenken, wieviele Gesetze es derer gibt, an denen nicht zu wackeln ist: gnadenlos geht die Sonne jeden Tag auf und jeden Tag unter... *Fürchtegott*.

Eigenverantwortung kann man sich nicht wirklich schön aber warm löffeln. Mit dieser schlichten Suppe. Brokkoli bereite ich uns während der Kohlsaison sehr häufig zu, weil Brokkoli besondere Vitamin-Power verspricht. Das bedeutet für uns: keine Woche ohne Brokkoli. Damit die Farbe hübsch appetitlich bleibt und nicht ins triste asch-ocker-khaki abschifft, mengte ich noch etwas Erbsen unter.


Zutaten 2P:

1 Schalotte
2 Knoblauchzehen
1 Brokkoli (ca. 400g)
150g Erbsen (m: tiefgefroren, eigene)
Gemüsebrühe
Kokoscrème*
1 Stange Zitronengras
Salz, Pfeffer
Abrieb und Saft 1/2 Zitrone
1/4 TL Ras el Hanout
Kokos-Butter 
Chili-Öl

Zubereitung:

Die Schalotte wie die Knoblauchzehen würfeln und in Kokosbutter anschwitzen. Zwei, drei Minuten das Ras el Hanout mit anbraten. Den in Röschen geteilten Brokkoli zufügen und knapp mit Gemüsebrühe bedecken.

Das Zitronengras mit der Messerrückseite anklopfen, in Stücke schneiden, damit sie in den Kochtopf passen und bei milder Hitze und aufgelegtem Deckel ca. 10min köcheln lassen.

 Die Erbsen zufügen und die Kokoscrème (etwa 100g) und weitere 5min garen lassen. Zitronengras entfernen, sehr sorgfältig pürieren und je nach gewünschter Konsistenz noch etwas Brühe anschütten. Mit Salz, Pfeffer und Zitrone würzen.

Zum Servieren mit Chili-Öl garnieren.

*Anmerkung m: Mein Bioladen bietet mir sowohl Kokosmilch wie Kokoscrème an - letzteres ist ersteres konzentriert (also der abgesetzte cremige Teil davon)

Zur Deko bietet sich an, einige Erbsen seperat gar zu kochen, blanchieren und als Suppengarnitur aufzuheben.

Als Tipp da ich die Flüssigkeiten nicht bemessen habe: eher etwas weniger Brühe zufügen, um den Brokkoli gar zu kochen, nach dem Pürieren kann man immernoch mit Kokos oder Brühe justieren...


Kompass: Roggen-Dinkel-Walnussbrot

Dienstag, 1. Januar 2019


*Wissen Sie, wo Sie sich befinden? Brauchen Sie Hilfe? Und wo wollen Sie hin? Zeigen Sie mir bitte mit dem Finger, in welche Richtung Ihr Ziel Ihrer Meinung nach liegt?*

Der weisse Turban des Tuareg ließ nur einen Schlitz für die Augen offen. Diese blickten mit großer Skepsis den Habib an. So fern aller Pisten und Oasen, derart tief inmitten der unendlichen Weite des gelben Meeres, der Sahara, sieht man nie Touristen. Und das Gesetz der Wüste gebietet aufeinander zu achten.

Erst als der Habib die entscheidenden Fragen zur Zufriedenheit des Tuareg beantwortete hatte, drehte dieser mit seinem Kamel bei, um sich wieder an den Anfang der Karawane zu setzen, die währenddessen nie aus dem Tritt gekommen war und gleichmäßig ihren Weg fortsetzte. Wie es der Zufall so will, hatte der Habib ganz dicht in der Nähe einer Karawanenroute für eine Rast gehalten. Ein großer Zufall, wenn man die Ausmasse der Sahara bedenkt, und wenn man weiß, dass keinerlei Markierungen die Karawanenrouten kennzeichnen. Jede Spur im Sand verwischt alsbald der Wind.

Schemenhaft konnte der Habib die Karawane ausmachen, als sie ähnlich einer Fata Morgana am Horizont aus dem Geflimmere der Hitze erschien, um dann näher und näher zu kommen, einer unsichtbaren Linie folgend, die so schurgerade ist, als wäre sie mit dem Linial gezogen und mit derart gleichbleibendem Tempo als wäre der Takt von einer Schweizer Uhr vorgegeben.

Über seine vielen Wüstendurchquerungen bis in die Urwälder zu den Pygmäen hielt der Habib Vorträge - im großen und kleinen Rahmen, in Deutschland wie Frankreich. Oftmals wurde er für seine Unternehmungen für verrückt erklärt, man müsse die Gefahr ja nicht extra suchen, warum sich *unkalkulierbaren Risiken aussetzen*, ect.pp. Zumal er im letzten Jahrhundert noch ohne GPS und sonstige digitalen Hilfsmittel unterwegs war - also ohne doppelten Boden - aber bevor die größte Wüste der Welt rigeros abgeriegelt wurde. 

Ich kann mich wohl nur wiederholen: Nicht alle sind für alles gemacht. Oder wie meine Großmutter so hübsch zu sagen pflegte: *Die Ängstlichen haben es im Himmel auch nicht einfacher*. Neben Neugier und Wagemut braucht es auf jeden Fall funktionierende Sinne und eine Wahrnehmung, auf die man sich hundertprozentig verlassen kann. Wer mitten in der Wüste über seine Koordinaten zweifelt, hat sich tatsächlich in existenzielle Gefahr gebracht.

Als der Habib in einer Klasse vor schwererziehbaren Jugendlichen einen Vortrag über seine Erlebnisse hielt, war die unruhige Klasse plötzlich ganz still und interessiert und hing gebannt an seinen Lippen. Besonders der Satz *Man muß immer wissen, wo man ist und wo man hin will, sonst geht man tot* beindruckte nachhaltig alle. Im Weggehen hörte der Habib, wie einer der Jungs zum anderen sagte: *Ey Mann, ich sags dir, wenn der Scheiß hier vorbei ist, dann werden wir Abenteurer wie der Herr F.*


Eine wunderbar schlichte Metapher, die man leicht auf das Leben als solches übertragen kann, ohne viel rumdeuteln zu müssen - auch jenseits der Wüste, wo Leben zumeist eher das glatte Gegenteil bedeutet, nämlich die totale Reizüberflutung. So wünsche ich euch also eine gute Ausrichtung für 2019 und immer Zugang zu eurem inneren Kompass!

Mittlerweile aus Tradition beginne ich kulinarisch das Jahr auf dem Blog mit einem Brotrezept. Dieses ist eine kleine Abwandlung von Hesse aus dem Brotbackforum, der mich immer wieder begeistert mit tollen Gebäcken aus seinem Ofen. 



Zutaten für 2 kleine Backformen (ca. 20 x 9 x 9cm):

Sauerteig - 18 Std. (= milde Versäuerung) Anfangstemperatur um die 30°, dann auf Zi- Temp. abfallen lassen:
200g Roggenvollkorn
100g Roggenschrot, grob
400g Wasser
10g Roggen-ASG, aufgefrischt

Quellstück - zeitgleich ansetzen mit dem Sauerteig und kalt stellen:
100g Dinkelschrot, grob
140g Walnüsse zerkleinert
22g Salz
30g Zuckerrübensirup 
440g Wasser verrühren. (zeitgleich mit ST ansetzen)

Hauptteig:
Sauerteig
Quellstück
350g Dinkelvollkorn
110g Dinkel 1050
8g Hefe
80g Möhre, grob geraspelt 

Zubereitung:

Den Sauerteig und das Quellstück am Vortag rechtzeitig auf den Weg bringen.

Am Backtag Sauerteig, Quellstück und die übrigen Zutaten des Hauptteiges etwa 8- 10 Minuten kneten. Nun für eine Stunde abgedeckt zur Teigruhe stellen, erneut kurz kneten und in die vorbereiteten Formen ca. 2,5 Std. garen lassen. (Gare ist wie stets abhängig von Raumtemperatur und der Sauerteigaktivität- dementsprechend schwankt die Zeitangabe).

Als Maßstab der richtigen Gare dient die angegebene Formgröße: beim Füllen des sehr weichen Teiges ist sie etwas über die Hälfte gefüllt, wenn der Teig nahezu den Rand erreicht hat, ist die Gare abgeschlossen. 

Die Brote stippen und bei ca. 240° die Formen in den Ofen geben und nach ca. 12 Minuten auf 200° stellen. Gesamte Backzeit eine gute 1Stunde - die letzten Minuten ohne Form backen (evtl. mit Umluft oder bei leicht geöffneter Ofentür).
Klopfprobe.

Da die Brote Vollgare erreichen sollen, muss nicht geschwadet werden.

*Anmerkung m: Falls nur eine 1kg Form befüllt wird, alle Zutaten mit 0,7 multiplizieren - bei viel Vollkorn empfehle ich aber bevorzugt 2 kleinere Brote zu backen