Herbergsmutter Plus und Minus 1 - Parmigiana di Melanzane

Freitag, 21. August 2020

Um etwas genauer aus dem Alltag einer Herbergsmutter zu erzählen - damit die Festtagswoche zu unserer neuen Homepage ihren Höhepunkt findet - versuche ich beide Seiten ein wenig zu beleuchten: Licht und Schatten. Nachwievor finde ich, dass es ein toller Beruf ist (wenn man von Beruf reden will), sein Geld mit dem Vermieten von Ferienwohnungen zu verdienen. Daher offenbare ich vier Qualitäten, die mir daran besonders gefallen und drei, die weniger Spaß bringen - schließlich überwiegt haufenweise das Gute. Ich fange also mit dem Positiven an (und werde damit im nächsten Post auch schließen), denn leichterdings könnte ich endlos Vorteile listen: alleine der Morgen ohne Wecker, die viele Freizeit oder dort zu leben, wo andere Urlaub machen...  Aber ich vesuche es strukturiert:

Wenn wir unterwegs auf Reisen waren, trafen wir viele, die davon träumten, irgendwann irgendwo eine Lodge/ Herberge/ Bed&Breakfast aufzumachen und das Spiel umzudrehen: umgekehrt Reisenden eine Unterkunft anzubieten. Ist doch aber auch toll, den äußeren Rahmen mitgestalten zu dürfen, für die *schönste Zeit des Jahres* von anderen Menschen, oder? Mitgestalten deshalb, weil dieses Tal, dieser Ausblick, diese Natur nicht unser Verdienst ist. Die Ferienwohnungen allerdings hat der Habib mit seiner eigenen Hände Arbeit erbaut und mit viel Schweiß und Energie diesem Hang abgetrotzt. Dafür bewundere ich ihn bis heute sehr! Dieser ungeheuere Kraftakt über Jahrzehnte, diese Schinderei machte diese Existenz überhaupt erst möglich - und wird gerne übersehen, wenn es JETZT so wirkt, als würden wir vor allem eine ruhige Kugel schieben. 

Ich hatte es bereits mal erwähnt, dass ich besonders gerne den Moment mag, wenn ich zuletzt ein kleines Blumensträußen auf den Tisch des fertig gerichteten Appartements stelle - dann ist meine Arbeit getan. Diese Geste ist stets begleitet von den besten Wünschen: wenn es nach mir ginge, dann verbringen hier alle samt und sonders eine schöne Zeit. Aber das liegt nun nicht mehr in unserer Hand: wie sie ihre Ferien mit Inhalt füllen, dafür sind die Urlauber selbst verantwortlich - wir bieten lediglich *den äußeren Rahmen*.

    Um schnell und effektiv die Ferienwohnungen wieder für die nächsten Feriengäste richten zu können, hat alles seine Ordnung und seinen Platz. Auf diese Weise erkennt man direkt: fehlt etwas oder ist etwas kaputt gegangen. Ich brauche nur den Küchenschrank zu öffnen und sehe sofort, ob alles vollständig ist - dafür habe ich diese Gegenstände ja zigfach in der Hand innerhalb einer Saison. Kinners, und ich verstehe es nicht, warum man für die Dauer einer Woche eine Ferienhaus-Küche komplett umräumen und umgestalten muss (hier schaue ich wieder wie bei den Teelichtern schräg zu den Mädels). Mag ja sein, dass für die ein oder andere ein anderes Arrangement sinnvoller erscheint. Bitte - dafür sind wir unterschiedlich. Aber für ein paar Tage könnte man es doch auch so nehmen, wie es vorgegeben ist. Es würde mir auf jeden Fall Arbeit ersparen. Glücklicherweise ist diese Lust an der Ummodelei die Ausnahme und nicht die Regel!

Komme ich zu dem nächsten Punkt, der mir viel Freude bereitet und dazu zählen zweifellos die Vorher-Nachher-Gesichter mancher Feriengäste. Es ist wirklich großartig - und kleiner kann ich es nicht ausdrücken - wie sehr sich manche Gesichter glätten und entspannen nach zwei Wochen Aufenthalt (und so lange braucht es, um anzukommen und durchzuatmen - binnen einer Woche kann kein Mensch sich akklimatisieren und etwas Abstand gewinnen zu seiner sonstigen Routine). Damit dass auf gar keinen Fall unbemerkt bleibt, weißen wir unsere Gäste darauf auch hin, damit sie im Spiegel (oder Gesicht ihres Partners) diese Feststellung selbst überprüfen, weil der Unterschied derart offensichtlich ist. Darüber kann ich mich riesig mitfreuen und genau das ist es, was ich einen *erfolgreichen Urlaub* nenne.

     Nicht wie man meinen könnte der Tatbestand, dass man logischerweise immer wieder das Gleiche erzählt à la *Kompost ist keine Biotonne* oder so nervt (das gehört einfach dazu), sondern SELBSTVERSTÄNDLICH sind wir so, wie wir leben, auch klassische Ökos. Der Umgang mit den Ressourcen dieser Welt liegt uns am Herzen. Das bedeutet unter anderem, wir versuchen alles Materielle so lange es geht zu erhalten - völlig im Gegensatz zu dem Anspruchdenken nur das Neueste ist gerade gut genug. Den subversiven Hinweis darauf macht auf der Homepage das Adjektiv *rustikal* vor den Ferienwohnungen (Insider wissen, dass *rustikal-romantisch* für mich sowieso das allumfassendste Güte-Siegel schlechthin ist ;). 

Bon, dafür muss man aber pfleglich mit den Dingen hantieren - selbst wenn sie als Feriengast nur geliehen sind. Und weh tut mir in dem Zusammenhang auch der Umgang mit Wasser. Wir leben in einer Region, in der Wasserknappheit schon lange ein großes Problem darstellt, worauf wir unsere Besucher dementsprechend aufmerksam machen. Dennoch ist 2 bis 3 x Duschen am Tag heute wohl für viele Standard - selbst wenn man direkt vom Baden in einem der glasklaren Bäche zurückkommt. Lange Zeit konnte bei uns die Waschmaschine einfach mitgenutzt werden, aber nachdem wir wiederholt beobachteten, welches Schindluder damit von manchen getrieben wird (ein Maschinengang für zwei Unterhosen und ein Paar Socken) braucht es dafür eine Genehmigung - uncool aber prinzipienfest.

Weiter gehts das nächste Mal mit meinen absoluten Highlights, die das Volldoofste am Vermieten abfedern müssen - und es auch können!


Klassiker sind Klassiker, weil sie einfach super schmecken. So wie Parmigiana die Melanzane. Und es liegt an derlei Gerichten, dass sich die Aubergine noch zu einem echten Lieblingssommergemüse aufschwingt - kaum möglich mich zurück zu erinnern, an Zeiten als ich schwere Startschwierigkeiten mit der kleinen Keule hatte. Dabei sollte ich es mittlerweile wissen: ein gutes Rezept macht ein gutes Essen - c'est tout! Eigentlich unglaublich, dass sich hier im Fundus noch keine Version der Parmigiana di Melanzane findet. Hiermit nachgeholt! Ein Knaller mit wenig Zutaten - am leckersten mit einem grünen Salat... in unserem befand sich noch eine halbe Gurke.
 
Zutaten 2P:
 
500g Aubergine (m: zwei mittlere)
600g Tomaten (m: Roma)
1 Zwiebel
2 Knoblauch-Zehen
5 Zweige Basilikum
Salz, Pfeffer
1 Pr Zucker
1 Mozzarella
80g geriebener Käse (m: Tomme de brebis)*
etwas getrockneter Oregano
 
etwas Mehl zum Panieren (m: D1050)
Öl zum Backen 

Zubereitung:

Die Aubergine in 1/2cm dicke Scheiben schneiden (m: Börner-Hobel), mit etwas Salz bestreuen und etwas ziehen lassen (m: 15min). Dann abtupfen und die Hälfte davon in Mehl wenden - man kann diesen Arbeitsschritt weglassen oder alle panieren. Panierte Auberginenscheiben brauchen deutlich mehr Öl - werden aber leckerer - it's up to you (ich mag die Variante halb/ halb). Dann alle Scheiben von beiden Seiten schön golden in Öl braten und auf einem Küchenkrepp etwas entfetten.

Parallel das Tomaten-Sugo zubereiten: Zwiebel und Knofi fein würfeln. Tomaten in kochendem Wasser kurz baden und dann enthäuten. Zwiebel und Knofi in Olivenöl anschwitzen. Tomaten in Stücken dazu, Basilikumblätter rupfen und ebenfalls unter die Sauce mischen. Nun schön schlonzig nahezu auf die Hälfte einkochen lassen. Dabei salzen, pfeffern und mit der Prise Zucker würzen. Fein pürieren (wer mag, darf das Sugo auch durch die Flotte Lotte drehen) und nochmals gut abschmecken - die Sauce trägt später von der Würze zusammen mit dem Käse die Auberginen mit.
 
Ofen auf 200° vorheizen.
 
In einer Gratinform in 3 Schichten stapeln: mit etwas Tomatensauce beginnen, dann Auberginenscheiben darauf verteilen, ein wenig Käse, Tomate, Aubergine, etwas Käse, Tomate, Abergine, Tomate, viel Käse - ein wenig Olivenöl darüber träufeln, Oregano bekitzeln und für 20m in den heißen Ofen. Dann noch kurz unter den Grill, bis der Mozzarella schön golden ist.
 
Anmerkung m: welchen Käse ihr zu dem Mozzarella gesellt ist Geschmacksache: Parmesan, Pecorino... ich mag den Tomme gerade sehr. Auch wie ihr die Auberginenscheiben behandelt - alle panieren oder keine oder wie ich halb/halb - selon le goût!
 


Wetterwendisch - Auberginen-Burger

Dienstag, 18. August 2020

Nichts erfrischender als während der Sommerhitze an den Winter zu denken. Hintereinanderweg wurde uns nun von den letzten Feriengäste die Frage gestellt: *Ja kann es denn hier auch mal schneien.* Was schwitzend  ähnlich abwegig erscheint wie fliegende, rosarote Elefanten. 

Nun, wir waren ja kaum einen Winter zuhause. Was die Erfahrung der letzten Jahre aber gelehrt hat, ist, dass wenn es bei uns winterlich wird, der Winter auch wünscht, das wir das mitbekommen. Soll heißen: wenn es wirklich mal für ein paar Tage zapfig kalt werden sollte, dann BEVOR wir wegfahren und NACHDEM wir wieder zurückgekehrt sind. Dazwischen gilt die grobe Faustregel: bis Weihnachten kann man zum Mittagessen draußen sitzen, selbst wenn man morgens und abends Socken braucht. Und sollte tatsächlich mal bis in unsere Niederungen Schnee fallen, dann puderzuckert er das Tal höchstens 2-3 Tage, dann dreht auch schon der Wind wieder und der ganze Zauber verschwindet, wie er gekommen ist.

Selbstredend ist für Touris Wetter IMMER großes Thema. Und so steht man zusammen auf der Terrasse, lässt den Blick im großen Bogen von einer Bergkette über Hügel und Schluchten von links nach rechts und rechts nach links wandern, verfolgt das Wolkenspiel, den Sonnenstand, die Windrichtung: und mystelt (= das Verb zu Mysterium ;-) gemeinsam leidenschaftlich während man die unterschiedlichen Vorhersagen vergleicht. Sehr beliebt sind ja *wetterabängige Anfragen* - und Wochen und Monate sind dabei beliebig austauschbar. Ich schnipse euch mal als Beispiel einen Ausschnitt aus einer fiktiven Mail heraus, die uns - sagen wir - im Januar erreichen könnte. Da heißt es dann: *Wir möchten im Herbst bei Euch eine Woche Urlaub machen, gerne die letzte Woche im September. Wie ist denn bei euch da üblicherweise das Wetter?*.

Was soll man eurer Meinung darauf antworten? Logo, man könnte einen ganzen Roman dazu schreiben aber am unverschnörkelsten wären lediglich vier Worte: ich weiß es nicht. Natürlich gibt es Tendenzen, aber weltweit wird das Wetter extremer, unabwägbarer und hält sich weniger und weniger an vorgegebene Saison-Kalender. Also hey, könnte ich eine solche Frage seriös derart weit im voraus für den knappen Zeitraum von 7 Tage erahnen, ganz ehrlich: dann würde ich es hauptberuflich machen. Ansonsten könnte man noch die Kölner dazuziehen, deren Motto zuverlässig für sämtliche Lebensbereiche gilt: Es kütt wie ett kütt!

Was ich mit gleicher Sicherheit wie die Kölner im voraus weiß: mit dem Abschluß jeder Saison könnten wir einen Teelichter-Handel eröffnen. Keine Ahnung ob Ikea dafür der Hauptverbrecher ist, oder ob wir Mädels beim Stichwort Urlaub quasi vollautomatisch irgendwelche Teelichterpartystimmungsphantasien bekommen (die Jungs habe ich dabei deutlich weniger im Verdacht). Fakt ist: wir schwimmen Ende des Jahres in mitgebrachten Teelichtern, die komischerweise für die Rückreise (kommender Advent ect...) nicht wieder eingepackt werden. Was soll ich sagen: ich habe mittlerweile eine komplette Teelichter-Sperre. Am Schluß liegts halt doch an Ikea, die diese Teelichter-Ständer schon seit Generationen in der Zielgeraden zur Kasse aufgebaut haben, so dass der Griff danach wohl zum Vollreflex wurde - anders kann ich mir diesen Fetisch echt nicht erklären.

Einen schönen Burger habe ich heute für euch. Ihr wißt ja: ich stehe auf Gemüse-Bratlinge. Zuerst war ich skeptisch, ob uns ein einziger dieser Burger genügend sättigen würde - aber in Begleitung eines großen, bunten Salates war er gut und völlig ausreichend. Die *Patties* hätten allerdings ein kleines bißchen besser zusammenhalten können - ich weiße euch in der Zubereitung noch genau darauf hin. Ansonsten darf der gerne öfters auf den Tisch kommen!


Zutaten 2 P/ 2 Burger:

450g Aubergine (eine große)
2 Knoblauchzehen
1/2 Bund Petersilie

1 Zweig Rosmarin, feinst gehackt
30g Semmelbrösel
30g Käse (m: Comté)
1 Ei, klein (oder ein Eigelb)*
Salz, Pfeffer
Piment d'Espelette 

1 große Tomate
eine handvoll geriebener Käse (m: Tomme de brebis)
etwas getrockneter Oregano
Salz, Pfeffer 

Zubereitung:

Die Aubergine in Scheiben von 1/2 Zentimeter schneiden (m: Börner-Hobel) und von beiden Seiten mit Olivenöl einpinseln. 

Den Ofen auf 210° vorheizen. Ein Backblech mit Backpapier auslegen und die Auberginenscheiben darauf dicht an dicht legen und so lange grillen, bis sie gar sind und erste geröstete Stellen aufzeigen - dauert ca. 10min. Etwas abkühlen lassen, dann in sehr kleine Würfelchen schneiden (je kleiner umso besser, da die Auberginenwürfel die Patties nachher zusammenhalten müssen). Mit klein gehacktem Knoblauch und fein geschnittenen Kräutern sowie sämtlichen restlichen Zutaten gut vermengen - geht am besten von Hand - würzig abschmecken und daraus vier Buletten formen. In Olivenöl von beiden Seiten goldbraun braten.

Während die Puffer braten von der Tomate parallel zum Strunk zwei dicke Scheiben von etwa 1cm schneiden und die auf das gleiche Backblech wie die Auberginen setzen, mit Käse und Oregano bestreuen, salzen, pfeffern und noch in den heißen Ofen schieben, so lange bis der Käse beginnt zu schmelzen. Dann die Burger mit der Tomate in der Mitte zusammensetzen - fertig!

*Anmerkung m: die Auberginenplätzchen hätten bei mir einen Tacken besser zusammenhalten können - obwohl ich sie schön klein gewürfelt hatte. Daher könnte man wohl den Käse- und Semmelbröselanteil ruhig erhöhen und eher ein ganzes Ei als nur das Eigelb verwenden. Möglicherweise auch ein EL Mehl oder Haferflocken zufügen zur besseren Standfestigkeit? Ansonsten: supi-lecker!

Inspiration: Essen und Trinken

 

Insider-Geschichten: türkisches Pilav mit Halloumi

Sonntag, 16. August 2020

Zur Einweihungsfeier unserer neuen *Sonne & Lavendel*-Homepage habe ich mir beim morgendlichen Hulahupsen ausgeheckt, eine Festwoche zu veranstalten und zwar mit Insider-Geschichten rund um das Vermieten von Ferienwohnungen. Ich öffne für euch quasi - dem obersten Hotelerie-Gebot der Diskretion zu trotz - das Nähkästchen. Zumindest ein bißchen.

Ich beginne mal ganz allgemein. All jenen, die Ferienwohnungen oder ein Ferienhaus besitzen, werde ich nichts Neues erzählen. Denn sämtliche haben ähnliche Erfahrungen gemacht - es hat sich im Austausch zigfach bestätigt, dass es nicht nur uns so erging.

Und zwar erinnert sich die entfernteste bucklige Verwandtschaft wie längst vergessene Bekannte an die doch gute Verbindung, die man angeblich einst gehabt hätte und zwar just in dem Moment, in dem es bei denen um die Urlaubsplanung geht. Selbstverständlich bevorzugt für die Hauptsaison, die in Europa sowieso recht kurz ist. Da erreichen einen überrumpelnde Telefonate, zuckersüße Mails oder man steht gar als plumper Überraschungsgast vor der Tür à la *man war gerade in der Gegend*. Sehr beliebt bei uns war auch die verniedlichende aber sehr direkte Formulierung: *Wir kommen euch mal in eurem kleinen Häuschen besuchen* oder aber (mit kleiner Drehung von hinten durch die Brust): *Sollen wir mal vorbeikommen?*

Das wäre ja alles so-weit so-schön würde nicht vergessen werden, dass wir vom Vermieten der Ferienwohnungen leben müssen. Das ist unser Beruf. Zuerst kommt der finanzielle Ernst dann der Spaß. Das mögen gerade die, vor deren geistigem Auge der ultimative Schnäppchen-Urlaub aufploppt, hervorragend verdrängen können. Wir weniger. Oder ganz mit Katharina Thalbach: *Wir leben im Kapitalismus, da regiert das Geld, Mammon ist der Gott. Ich bete für andere Werte, aber muss leider auch zahlen.* Und dass das Vermieten von Ferienwohnungen so möglich ist, wie es heute möglich ist, dafür hat vor allem der Habib viele viele Jahre hart geschuftet!

Hinzu kommt, dass solche Besuche sehr schnell zur Belastungsprobe einer Freundschaft werden können. Denn die Erwartungshaltungen kleben gerne an der Decke, *wenn sie doch jetzt gerade eindlich einmal zu Besuch sind*. Leichterdings wird ausgeblendet, dass wir zur gleichen Zeit keinen Urlaub haben - und wir daher die gemeinsamen Momente irgendwie zurecht stückeln können müssen. Außerdem reden wir seltenst von einem Kurzbesuch wenn extra nach Südfrankreich runtergefahren wird. Sprich: ein gemeinsames Abendessen mit Bekannten ist eigentlich immer launig, aber auf einen Schlag eine gemeinsame Woche zusammen zu verleben, kann selbst unter best buddies zu Reibereien führen.

Ihr könnt euch also vorstellen, wie praktisch oder unpraktisch es manchmal ist, Ferienwohnungen zu haben. Es hat Vorteile, es hat Nachteile - mal so rum mal andersrum. Oder ums in Fränzi-Manier zusammenzufassen: c'est la vie! In unserem Fall das von einem Paar, das gemeinsam Ferienwohnungen in Südfrankreich vermietet.

Einen Gewürzreis (nach Schubeck) gibt es im Blog-Rezeptefundus bereits, diesen hier entdeckte ich über Petra - die just ein weiteres schönes Pilav bei sich vorstellte. Dieser hier gefiel mir deshalb direkt richtig gut, weil Reis und Fadennudeln zusammengebracht werden. Eine Kombi, die in unseren Breitengraden bereits exotisch anmutet. 

Mir hat dieser Reis hervorragend geschmeckt - auch im Zusammenspiel mit dem lauwarmen Bohnensalat samt viel Bohnenkraut und dem gebratenen Halloumi, den mir ein Feriengast als freundliches Mitbringsel ins französische Outback mitbrachte (coucou Barbara). 

Zutaten 2P*:

2 EL Butter
1 EL Olivenöl
75g geschälte Mandelstifte
2gehäufte EL Fadennudeln
1 kleine Zwiebel, sehr fein gewürfelt
1 kleine Karotte, sehr fein gewürfelt
150g Langkornreis (m: Halb-Vollkorn)
100g Erbsen, gefroren
1/2 TL gemahlener Piment 
1/2 TL Kardamom
1 Messerspitze Kurkuma
Salz und frisch gemahlener Pfeffer
(m: 2 EL Tamari-Sauce)

Zubereitung

Für den Reis: In einem flachen Topf Butter und Olivenöl erhitzen und Mandelstifte etwas andünsten. Es fängt bald an zu Schäumen, die Hitze etwas reduzieren. Sobald die Mandelstifte anfangen, Farbe anzunehmen, die Fadennudeln dazu geben und weiter braten, bis diese gut gebräunt sind. Zwiebeln und Karotten einrühren und andünsten. Reis dazu geben und anbraten. Der Reis sollte immer noch etwas schäumen. Die Gewürze unterheben. Mit 300 ml Wasser aufgießen und zum Kochen bringen. Salzen und Pfeffern und den Reis mit dem Deckel schließen (ich brauchte etwas mehr Wasser, weil ich meinen Halb-Vollkorn-Reis verwendete, der gut 35min braucht, bis er gar ist)
 
Hitze reduzieren. Sobald die Flüssigkeit aufgesogen ist (dauerte bei mir etwa 20 min - kurz vorher gab ich die Erbsen dazu und nicht wie im Original mit dem Wasser zusammen) und den Herd ausschalten. Zwischen Deckel und Topf zwei-drei Lagen Papiertücher klemmen, mit dem Deckel fest schließen und Reis auf der warmen Herdplatte 15-20 Minuten ruhen lassen. (m: mit Tamari-Sauce abschmecken).

Anmerkung m: die Portion ist recht großzügig für zwei

Durch die Art und Weise der Garmethode den Deckel mit zwei Küchentüchern fest zu verschließen, ziehen die Gewürze wunderbar in den Reis - diese Machart hat sich ohne Umschweife fest in meinem Kopf verankert und wird euch in Kürze wieder hier begegnen.

Mich erinnerte dieses Reisgericht außerdem an das Ottolenghi Mejara, was ich auch mal wieder auf den Tisch bringen könnte...

Inspiration: Semilicious

 

12 von 12 - August 2020

Mittwoch, 12. August 2020


Heute nacht trieb mich die Wärme nach draußen unter das Himmelszelt und die Milchstrasse bog sich über meinem Kopf: *Dein Lied ist drehend wie das Sterngewölbe*. Morgens schläft es sich dann nochmals besser, aber mein Biorhythmus ist auf halb sieben gepolt - mittlerweile ist das schon wieder vor Sonnenaufgang.

Zuerst fülle ich morgens die Vogeltränke. Dann trinke ich meine Biergläser Wasser. Ich hüpfe im Internet und schaue mal wieder nach dem Rechten bei meinen Seglern. Ich denke, für viele ist 2020 ein herausforderndes Jahr - aber sie machen es gut zusammen als Kleinfamilie und ich drücke ihnen die Daumen, dass sie sich ihre gegenseitige Zuneigung bewahren. Meine Himmelsaufhängung unterscheidet sich aber doch in wesentlichen Punkten von den ihren. Dann ganz rituell gehulahupst und überlegt, was heute ansteht.

Der Sonnenschein hat mittlerweile etwas erbarmungsloses, selbst wenn der Morgen ruhig und schön ist, aber das Tal ist verbrannt. Selbst die wackeren Eichen können nicht mehr dagegen halten. Wie sehr innerhalb eines Monats der Wassermangel der Natur zusetzte, lässt sich gut vergleichen an den letzten 12ern vom Juli. Vom Garten habe ich gar keine Fotos gemacht - außer den Schmetterlingen, die noch in den letzten trutzigen Blüten nach Nektar suchen, und mir immer Freude bereiten. Alles sehnt sich nach Regen.

Frühstück ist klar mit anschließendem kleinen Ausflug zum Spatzen-Café - doch es ist zu heiß, für den Spatzenschnappschuß für euch auf der Lauer zu liegen. Mittlerweile lassen sie sich von Hand auf dem Tisch von uns füttern. Die Aufmerksamen erkennen, wie das Mittelstück des Croissants schon in *Spatzen-Portionsgröße* gerupft bereit liegt, sowie im Bildhintergrund der Eingang zur Kirche. Vorbei an anderen village perché und dem gleichen Sonnenblumenfeld wie vor einem Monat. 

Mittagessen war schnell auf den Tisch zu bringen, denn ich hatte am Vorabend vorgearbeitet. Ich komme noch dazu: ein schönes Rezept aus einem tollen Kochbuch! Um von dort ein weiteres Rezept nachkochen zu können, liegen die pittoresken coco rouge zum trocken aus. Man kann sich kaum entscheiden, was hübscher ist: die Schale oder die Bohnen!

Gebacken habe ich auch noch mit unseren Pflaumen, die ebenso wie unsere Äpfel dieses Jahr sehr wurmstichig sind. Der Kuchen wird vorgestellt, wenn ich ihn nochmals gebacken habe. Feriengäste freuen sich immer über Süßigkeiten - ich hönnte viel öfters backen. Alleine in dieser Hitze grenzt das an einem Liebesdienst.

Auf der Matte stand ich erneut mit Sjana-Elise - meiner momentanten Lieblings-Yogini, um anschließend noch von Mady zum Schwitzen gebracht zu werden. Eine Super-Serie von Mady und Danny - die ja auch schon (wie die Segler) zu Tisch mit-Gäste waren!

Jetzt lassen wir den Tag ausklingen im Gespräch mit unseren Gästen auf der Terrasse, den Himmel nach Regenwolken absuchend und uns vom Leben aus Paris erzählen lassend. Voilà,voilà... 

 

Andere Eindrücke samt 12 Bildern von diesem 12. Tag eines Monats finden sich bei Caroline von *Draußen nur Kännchen*, die dieses Event seit vielen Jahren ausrichtet.

Himmelsaufhängung: Erbsen-Knödel mit Caponata

Sonntag, 9. August 2020


Für eine Arbeit mit schwerer Schlagseite Richtung Ready-Made zu Kunst-Aka-Zeiten verwendete ich ein Fundstück vom Flohmarkt: einen wunderschönen, vier Meter langen, azurblauen Stoff auf dem regelmäßig verteilt weiße Wattebausch-Wolken segelten und mit dem ich endlich Mal die Höhe des Hochalteliers richtig ausschöpfen konnte. Ich hing die Stoffbahn derart auf, dass zum Fussboden gerade soviel Luft blieb, um das nackte Fußpaar eines Mannes und einer Frau (welche ich in Gips abgeformt und hautfarben bemalt hatte) hervorschauen lassen zu können. In Augenhöhe war die Frage auf den Stoff gestickt: *Woran hängst du deinen Himmel auf?*

Je älter ich werde, umso mehr grüble ich, mit welchem Rückenwind Eltern heute ihre Kinder in die Welt hinausschicken. Immer kommt mir dazu im Vergleich Gerhard Hauptmann in den Sinn, der in seinem *Buch der Leidenschaften* schildert, von welchem Enthusiasmus befeuert die Jugend vor der letzten Jahrhundertwende gen Zukunft blickte: beseelt von der Hoffnung auf Verbesserung in allen Bereichen was die kommende gesellschaftliche Entwicklungen, die technischen Neuerungen, die medizinischen Entdeckungen und die wissenschaftlichen Forschungen anging. Was davon ist heute übrig? Was wünscht man sich für sein Kind für später einmal? Welche Tätigkeit soll es mal ausüben können? Bon, ja, der gute, alte Lokomotivführer, alberne Nostalgie. Stattdessen dann Space-Shuttle-Fahrer für Elon Musk gen Mars? Womöglich macht man sich als junge Eltern gar keine Gedanken, lebt im Jetzt und Hier und Zukunft ist wie für alle anderen einfach später. Aus Vernunftgründen hat auf diesem Planeten noch selten jemand auf irgendetwas verzichtet, sei es Zigaretten und Alkohol, Schnitzel und Leberwurst, Auto und Klamotte, Schminke oder Verpackungsmüll.

Nur, wer in langen Bögen optimistisch vorausdenken will, wird zwangsläufig manches ausblenden müssen. Weil das Plastik wird man wohl nicht mehr aus dem Meer gefischelt bekommen, die Poole werden nicht von alleine zurückgefrieren, die sicheren, atomaren Endlager werden nicht wie Pilze aus dem Boden schießen und der einmal gerodete Urwald lässt sich nicht einfach wieder aufforsten. 

Wobei der Ausnahmezustand der Welt anschaulich vor Augen führt, wie phänomenal bis heute die Regenerationskräfte der Natur sind, wenn sich der Mensch zurücknimmt. So verbesserte sich die Luft messbar, als während des Lockdowns kaum Autos fuhren. Und welche Auswirkungen es mit sich bringt, dass momentan ein Großteil der Flugzeuge aller Luftflotten weltweit (!) auf dem Boden steht, ist noch nicht untersucht. Selbst nuklear verseuchte Gebiete scheinen zu demonstrieren, dass in Anbetracht der Verstrahlung *die weitaus größere Bedrohung für die Wildtiere – das folgt aus den erstaunlichen Beobachtungen rund um Tschernobyl – eindeutig der Mensch ist. Hört er auf, die Tiere zu jagen und ihren Lebensraum zu zerstören, erholen sich die Bestände.*

So stellt sich die Frage - wie ich sie bereits stellvertretend für die ganze Welt am Beispiel des Mittelmeeres beleuchtet hatte - ob denn noch Chancen bestünden (rein theoretisch), dass die Zeiger auf der Uhr noch vor Zwölf stehen und nicht sowieso alles einfach zu spät ist.

Welche Visionen die führende Elite für die Zukunft verfolgen, bleibt ein Geheimnis - aber genau diese Weichen und Vorgaben werden von ihnen an die Politik weitergegeben. In dem auf Youtube aufrufbaren, kurzen Film *The Great Reset* des World Economic Forum - jenes, das jährlich in Davos tagt - implizieren die Bilder, dass eine Zeitenwende ausgerufen wird. Soll das bedeuten, dass sich eben jene, die seit dem 2.Weltkrieg unter der Weltherrschaft der USA den Planeten in Zeitraffer in den Zustand brachte, in dem er sich heute befindet, sich von ihren alten Maximen des Kapitalismus, des Konsums, des Materialismus und der Ausbeutung abwenden wollen? So gingen in meinem Universum Sensationen! Doch wie sollen dann stattdessen die neuen Götter heißen? Wie das Wort *Reset* - der Titel des Fims - erklärt, wird das bestehende System heruntergefahren und beim Neustart neue Programme installiert. Doch - nix mit Kehrtwende - selbst wenn das Adjektiv *Great* vor *Reset* steht, so kennen wirs im Kleinen am Computer: beim Reset wird ja nicht umwälzend eingegriffen. An welchem Himmel werden sich die Werte dieser neuen Programme aufhängen? Das aber ist *the great question*. Halten wir fest: die Zukunft bleibt spannend!

In den neun Jahren Bloggerei habe ich längst offenbart, dass meine himmlischen Aufhänger die Natur, Friede und Harmonie, sowie die ewig großen Drei *Glaube-Liebe-Hoffnung* sind.

Und Hausmannskost, die gerollt, genudelt, gewalkt und geknetet daherkommt! 

Als ich die Erbsenklöße bei Susanne entdeckte, war ich direkt angefixt. Und erinnerte mich meiner Erbsennocken wieder - dringend an der Zeit diese von den Toten auferstehen zu lassen. Meine Erbsen-Knödelchen weisen also große Ähnlichkeit zu den Nocken auf, sind ähnlich dekorativ nur anders geformt und schmecken wieder spitze. Zu der Caponata ein echtes Sommer-Gäste-Essen und kulinarisch steht man damit schon mit einem Fuß im Knödel-Gnocchi-Himmel!


Zutaten 2P:

250g Erbsen
300g Kartoffeln
70g Ziegenfrischkäse
30g Parmesan
50 Kartoffelmehl
1 Eigelb
Salz, Pfeffer

1 Aubergine (ca. 300g)
350g Tomaten (m: gehäutet)
1 Zwiebel
2 Knoblauchzehen
1 EL Selleriestange
1 EL Kapern
2 EL Oliven
Salz, Pfeffer
1 Pr Zucker
1 TL Harissa
3 Zweige Oregano
1/2 Bund Basilikum
1 EL Balsamico-Reduktion
4 EL Olivenöl

2 EL Pinienkerne, in der Pfanne ohne Fett geröstet

Zubereitung:
 
Die Erbsen in kochendes Wasser geben, drei Minuten kochen lassen bis sie gar sind, dann abschütten und unter kaltem Wasser abschrecken. Sehr gut abtropfen lassen (m: zusätzlich mit einem Küchentuch getrocknet). Die Erbsen in einem hohen Gefäß sehr fein pürieren (m: zusammen mit dem Ziegenfrischkäse).

Die Kartoffeln als Pellkartoffeln garen, abgießen und noch heiß pellen. Die gepellten Kartoffeln zweimal durch eine Kartoffelpresse drücken, dann mit dem Erbsen-Ziegenfrischkäse, dem Mehl, dem Eigelb und dem Parmesan zu einem glatten Teig mischen. Mit Salz und Pfeffer abschmecken. Den Teig mit feuchten Händen zu 20 Knödelchen formen und in kochendem Salzwasser so lange garen, bis sie nach oben steigen. Mit einer Schöpfkelle herausheben und im Ofen warmstellen.
 
Die Aubergine in 1cm große Würfel schneiden und den Sellerie in feine Scheiben schneiden. Die Zwiebeln und den Knoblauch schälen, Zwiebel fein würfeln, Knofi fein hacken. Den Oregano ebenfalls fein wiegen.
 
Das Olivenöl erhitzen, die Auberginenwürfel darin rundherum gut anbraten, mit Salz und Pfeffer würzen. Zwiebeln, Knoblauch und Sellerie dazugeben und kurz mitbraten. Kräuter unterrühren.
Tomaten klein schneiden, mit Oliven und Kapern untermischen. 
 
Das Gemüse zugedeckt ca. 20 Min. garen. Balsamico-Reduktion und Zucker untermischen, mit Salz, Pfeffer und Harissa abschmecken. Die Pinienkerne sowie den in Streifen geschnittenen Basilikum darüber streuen und zusammen mit den Erbsen-Knödeln servieren.
 
Anmerkung m: die Caponata schmeckt sowohl warm, lauwarm als auch kalt 
 
Riesenkreuzspinne

Kanonengeschosse: Mirabellen-Tarte mit Mandeln, Rosmarin und Lavendel

Freitag, 7. August 2020


Wenn die Smaragdeidechsen die Gartenpfade mit der Schnelligkeit von kleinen Kanonengeschossen kreuzen, dann ist definitiv zu heiß, um umständlich und ausschweifend aus dem Leben zu erzählen. Verstehe deinen Garten - gewachsene Philosophie Teil 2... oder so. Tiefgründige Gedanken kann man sich ein anderes Mal wieder machen. Jetzt darf der Stumpfsinn wie eine Schaumkrone oben auf den Wellen schwimmen.

Dösig der Sonne das Zepter nicht streitig machen - so kommen wir ganz gut über diese Hitzeperiode, die dadurch ungewöhnlich ist, dass die Nächte bis jetzt schön erfrischend um gut und gerne zwanzig Grad abkühlen. Soll heißen: schlafen können wir gut und lang... und dösen dann tagsüber trotzdem vor uns hin... Wenn es jetzt noch ab und zu regnen würde - aber das hatten wir schon...
 
Gebacken habe ich dennoch - hauptsächlich für unsere Feriengäste, um ihnen den Urlaub etwas zu versüßen. Man tut, was man kann. Belohnt wurde ich mit der überschwenglichen Auszeichnung *bombastisch* (habt ihr da auch wieder direkt einen Ohrwurm im Kopf?...*mmhh Mister Lover Lover...*). Das Fränzi-Umfeld hingegen wieß mich auf folgende chansons hin: *L'été s'ra chaud* und *Il faut trop beau pour travailler* - kennt man, wenn man hier geboren ist - aber um die richtig supi zu finden, muss man womöglich selbst Temperatur haben...

Ohne frische Kräuter kann und will ich nicht kochen. Eine große, kulinarische Liebe von mir ist die Parung von Kräutern der Provence mit Süßem. Ebenso wie zu Aprikosen, Pfirsichen, Feigen oder Brombeeren machen sich auch hierzu Rosmarin und Lavendel besonders gut (ich erinnere an diese Kuchen oderoder...) Und weil die Tarte schon so gut funktionierte, wurde eine sehr ähnliche gestern wieder gebacken, die ich euch einfach in Kürze hinterher schiebe... Ach, und zum Thema *Mirabellentarte* setze ich noch diesen Link - kann bestimmt nix schaden!
 
Zutaten - Tarteform 26cm:

200g Mehl (m:D630)
80g Butter
1 Ei (m: 1 EL Crème fraîche und etwas kaltes Wasser)*
Abrieb einer 1/2 Tonkabohne
50g Rohrzucker
1/2 TL Salz

110 Butter, weich
110g Mandeln, geröstet, gemahlen
20g Mehl (m: Einkorn)
50g Rohrzucker*
einige Tropfen Bittermandel-Aroma
2 Eier
1 EL Rosmarin, gehackt
1 EL Lavendel, gehackt

600g Mirabellen, entsteint
 
Zubereitung:
 
Die erstgenannten Zutaten für den Boden zügig  zu einem homogenen Teig kneten. In Folie wickeln und eine halbe Stunde kalt stellen.

Den Teig auf einer bemehlten Arbeitsfläche dünn ausrollen und damit eine Tarteform von 26 cm Durchmesser auslegen. Mit einer Gabel mehrfach einsteichen. Wiederum in eine große Tüte packen und eine halbe Stunde in den Tiefkühler stellen.

Inzwischen für den Belag Butter, Zucker und Bittermandel-Aroma schaumig rühren. Mandeln und Mehl untermischen. Die Eier beifügen sowie 1 EL der gehackten Kräuter und alles gut verrühren. 

Ofen auf 200°C vorheizen.

Die Mirabellen halbieren und entsteinen.

Den Teig aus dem Kühlschrank nehmen. Die Mandelmasse auf dem Teig ausstreichen und mit den Mirabellen belegen und mit 1 EL gehackten Kräuter bestreuen.

Die Tarte auf der untersten Schiene  ca. 45 Minuten backen - wenn sie zu dunkel wird vorher abdecken. Auskühlen lassen. 

*Anmerkung m: Den Tartebodenteig ohne Ei zu machen, ist etwas für Fortgeschrittenen - allen anderen würde ich zur Verwendung dazu raten. Ich verzichte deshalb gerne darauf, weil der Boden dann einfach knuspriger wird - er ist aber auch deutlich schwieriger zu handhaben und auszurollen.

Die Zuckermenge kommt auf die Süße der Mirabellen an - wenn sie weniger sonnengeküßt sind, dann kann man etwas zusätzlichen Zucker über die Mirabellen streuen vor dem Backen. Oder - in die andere Richtung - sogar noch etwas Zucker rauskürzen. Unsere Mirabellen waren nämlich sehr süß


Rumliegen: Zucchini-Flan mit Zucchini-Salat

Montag, 3. August 2020


Wenn ich durch unseren verbrannten Garten gehe, dann möchte ich mich zwischen unsere Pflanzen werfen und solidarisch neben ihnen liegen bleiben, um ihnen zu zeigen, dass ich mit ihnen mitfühle. Abgesehen davon, dass man keinen ganzen Garten gießen kann - selbst wenn man es wollte - gießen wir mit Regenwasser, das wir in vielen großen Zisternen sammeln. Das Dach ist ausladend genug: ein richtiger Regenguß und die Reservoire sind wieder voll. Nur: dafür muss es mal regnen. Morgen werde ich in das größte Auffangbecken eine Leiter stellen, hinunterklettern und es säubern. Dass es blitzt und blinkt und dass - wenn es irgendwann mal wieder nasser werden sollte -  dem Wasser, das von oben fällt, der rote Teppich ausgerollt ist.

Längst hat sich das Gras gelb verfärbt. Für viele Pflanzen geht es ums reine Überleben. Ich kann nichts tun. Nur hoffen, dass bald ein Tief eine fette Regenwolke über unser Tal stellt. Manchmal, so wie gestern, als ein paar vereinzelte, verirrte Tropfen auf den Boden fielen, war ich versucht, mantra-mäßig *Mehr- viel mehr-meeeehr* zu singen - als könnte ich irgendetwas beeinflussen.

Aber ich bin nicht gefragt. Liegenbleiben - abwarten. Und als wir am Sonntag über den Flohmarkt streunerten (ein neuer-alter Teller... demnächst in diesem Kino) drehte ein passender Ohrwurm im Kopf seine Runden und machte mir gute Laune. Für euch hiermit eingestellt, damit ihr einstimmen könnt.


Zucchini mit Zucchini - ein Gericht für ein Kochbuch, weil es wirklich eine tolle Vorspeise ist (wobei wir das während dieser Hitze als Mittagessen verputzt haben). Ich dachte, ich hätte den Salat bereits verbloggt, weil er letztes Jahr DIE Entdeckung war in einem kleinen vegetarischen Resto, wo es mir so gut schmeckte, als hätte ich selbst gekocht. Der Salat ist ganz simpel, aber knackig (da Rohkost) und frisch (dank der Minze) und spritzig (durch die Salzzitrone), so dass man davon ganz easy eine beträchtliche Menge essen kann. Sehr gut hat mir die Kombi mit dem Flan dazu gefallen. Mir scheint, als wäre Flan gerade out, dabei verliert sich gerade Zucchini besonders gut darin.

Zutaten 4P:

für die Flans:
500g Zucchini
3 Eier
150 Crème fraîche
25g Ziegenkäse (hart)*
25g Parmesan
2 Knoblauchzehen
2 EL Kräuter (m: Rosmarin, Oregano, Thymian)
Salz; Pfeffer
Piment d'Espelette
1 EL Olivenöl

Salat:
1 Zucchini (m: gelb)
1 Knoblauchzehe
1 Salzzitrone, die Schale davon
1 EL Petersilie
1/2 EL frische Minze
1 EL Basilikum
3 EL Olivenöl
2 EL Zitronensaft
Salz, Pfeffer

Zubereitung:

Für den Salat die Zucchini der Länge nach in Spaghetti-Streifen schneiden (m: mit Börner-Julienne-Reibe). Knoblauch fein hacken, die Salzzitrone von ihrem Fleisch befreien und die Schale fein schneiden. Frische Kräuter in feine Streifen schneiden und mit Olivenöl und Zitronensaft marinieren. Gut vermengen, kalt stellen und erst kurz vor dem Servieren salzen und pfeffern (mit dem Salz fängt der Zucchini an zu wässern).

Für den Flan Zucchini waschen, putzen, auf der Rohkostreibe grob raspeln. 1 EL Olivenöl erhitzen, Zucchini darin bei schwacher Hitze ca. 10min dünsten. Backofen auf 180° vorheizen.

Zucchini mit Salz, Pfeffer und Muskat würzen. Den Käse klein schneiden, Kräuter und Knoblauchzehe fein hacken. Die Eier mit Crème fraîche verrühren, die Zucchini untermischen. Förmchen (etwa à 200ml-Größe) buttern (ich habe den Boden mit etwas Backpapier ausgelegt - sicher ist sicher), die Masse einfüllen und im Wasserbad im Ofen 30min stocken lassen. Kann kalt oder warm gegessen werden (ich mag die Flans kalt ein bißchen lieber).

*Anmerkung m: der Käse im Flan ist optional - ihr könnt damit aber gut noch einen zusätzlichen Geschmacksdreh (je nach Käsesorte auch in eine unterschiedliche Richtung) geben/ was neben den grünen Tomaten als Deko auf den Tellern zu sehen ist - habe ich als *Erbsen-Knödel* hier verbloggt.



Sonne & Lavendel - nur für Naturliebhaber

Samstag, 1. August 2020




Ob das nun der richtige Zeitpunkt ist, unsere neue Homepage zu bewerben, wo doch gerade mehr oder weniger von Auslandsreisen abgeraten wird? Aber dann entschied ich mich, mich nicht beirren zu lassen. Aus dem einfachen Grund, weil sie eben just nun gerade fertig gestellt wurde (außer ein paar kleinen Feinheiten), unsere neue ****Sonne & Lavendel****-Seite! Und weil wir weiterhin dieses französische Fleckchen Erde besonders gerne deutschsprachigen Gästen näher bringen wollen  - äußere Umstände unabhängig. Bereits vor Covid war die Drôme ein Geheimtipp. Und bereits vor Covid konnten wir mit VIEL Platz, VIEL Weite und VIEL Raum aufwarten (in jeder Straßenbahn ist mehr los). Und schon vor Covid lebten wir bewußt und selbstgewählt im Outback und zurückgezogen in der Natur. Jetzt vielleicht noch ein bißchen lieber.

In unsere Homepage floß viel Zeit und Herzblut. Wir würden uns wünschen, dass man das sieht: was man schätzt, das weiß man auch zu loben. Wir haben uns bemüht, klar herauszustellen, dass unser Zielgruppe *Naturliebhaber* sind: wer durchatmen und zur Ruhe kommen will, durchs Grüne streunern und entspannen - der ist bei uns richtig.

Nebenbei können wir mit einigen Superlativen aufwarten. So handelt es sich bei dem Naturpark Vercors, wo wir leben und wo wir unsere rustikal-romantischen Ferienwohungen vermieten, um das größte Naturschutzgebiet Frankreichs  (mit 185 000 Hektar), das zudem als einer der ersten französischen Naturparks überhaupt gegründet wurde (nämlich 1970). Außergewöhnlich macht den Vercors seine große Bioversität, sprich seine besonders reiche Flora und Fauna: 135 Vogelarten, 85 geschützte Pflanzen- und 75 Orchideensorten sowie 17 Reptilien- oder Amphibienarten haben sich hier bewahrt. Gleichzeitig sind alle großen Alpentiere hier heimisch wie Gämse, Steinböcke, Mufflons, Hirsch- und Rehwild, Wildschweine, Murmeltiere und Wölfe. Es gibt also viel zu entdecken auf tausenden Kilometern von hervorragend ausgewiesenen Wanderwegen.

Desweiteren ist die Drôme der einzige ursprüngliche Wildwasserfluß in Europa!  Jawohl - mit Ausrufezeichen! Die Drôme schlägt jeden in seinen Bann: ursprünglich, unbegradigt, natürlich, aquamarinfarben, in freiem Lauf, ungestüm und sanft, ungebändigt, voller Leben, glasklar, ohne Müll, ohne Chemie.  Ein Traum für alle, die sich noch nicht von der  Natur entfernt haben und das Aufhalten in der Natur lieben. Mich erinnern die Flusstäler der Drôme sehr an Korsika: rau und lieblich zugleich.

All dem, was unsere neue Heimat ausmacht und wir so sehr mögen, haben wir versucht auf unserer Homepage Platz und Raum zu geben: Naturparadies


Wobei für mich persönlich der folgende Satz der zentrale unsere Homepage ist: Eine ungewöhnliche Landschaft, die schon von sich aus therapiert und heilt.

Trete ich als Foodbloggerin den Beweis an, dass Kochenlernen dank Internet möglich ist, so stehe ich als Drômoise symbolisch für jemanden, dem diese Natur zur Heilung  verholfen hat. Gut, vielleicht auch als Mischung zusammengenommen mit meiner harmonischen Beziehung und den Reisen der letzten Jahre. Aber erst hier habe ich Boden unter den Füßen bekommen, zu meinem inneren Gleichgewicht gefunden und Frieden mit meiner Vergangenheit schließen können. Ich bin mir gewiß, dass dieser Ort maßgeblich daran beteiligt ist - und dass andere diese gute Energie ebenfalls wahrnehmen können.

Ist man dieser ausladenden Panoramasicht - und nachts dem großen Sternenzelt - gegenübergestellt, dann ähnelt das in seiner Wirkung und Rückkopplung der Naturkraft Meer. Mit dem Unterschied, dass die Stimmung in einem Tal häufiger wechselt und mehr von den Jahreszeiten erzählt. Die Dinge relativieren sich von alleine. Ein solcher Spiegel minimiert automatisch kleingeistige Anwandlungen, verscheucht finstere Gedanken und macht die Trittleiter um in größeren Bögen zu denken. Auch empfinde ich es als sehr wohltuend, dass ich mich leichterdings in der Illusion wiegen kann, dass alles in Ordnung ist, wenn ich von der Terrasse ins Tal schaue: die Natur scheint noch in Takt zu sein, die Welt noch in den Fugen. Wo in Europa kann man noch so viele Schmetterlinge sehen, so viele Vögel singen hören, in so klaren Flüssen baden, wiesenweise Wildorchideen bewundern, Quellwasser einfach aus dem Wasserhahn trinken und sich an Markttischen mit einem vergleichbar sonnengeküßten Angebot laben?! Auf die Dorffeste dieses Jahr müssen wir verzichten - wir werden es verschmerzen...

Eine weitere Weltneuheit gibt es noch zu vermelden und zwar bieten wir ab dieser Saison unsere neue gîte, *das Heimchen* an. Wir sind sehr zufriedener mit dem fertigen Resultat. Und ich kann so viel verraten, als dass die dort eingebauter Küche - ein Habib-Entwurf - meiner eigenen sehr ähnelt. Soll heißen: wer darin nicht gerne kocht, kann nicht erwarten, dass ich ihn verstehe.

Wie gefällt euch unsere neue Seite? Über ein Feedback würde ich mich freuen!