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Dienstag, 30. Oktober 2018

was schön war #5


*Sascha konnte Bogen spucken und mit beiden Ohren zucken* summe ich innerlich altes deutsches Liedgut aus der schulischen Musikfrüherziehung vor mich hin, während Sascha auf meinen Knien sitzt. Puppenhafte drei Monate alt, mit einer bereits beachtlichen Mähne auf dem Kopf, gewirbelt in einen angedeuteten Seitenscheitel, und Pausbacken mit magnetisch anziehender Wirkung. Es ist nicht zu verbergen, dass ich mich direkt verknallt habe, als Helene, seine Großmutter, ihn mir in die Arme drückte, um auf dem Markt einige Besorgungen zu machen. Halb schläfrig, halb selbstvergnüglich blickt Püppi Sascha in die Welt und ringt allen, die uns passieren, ein Lächeln ab. Nun bin ich ja nicht verrückt auf alle Kinder - schließlich sind auch Babys nichts anderes als Menschen... nur halt im körperlichen Anfangsstadium - aber den hätte ich so wie er ist eingepackt und mitgenommen. Hyper-mignon! Hach, so als Kinderlose mal kurz glucken und Hütetrieb ausleben -  endorphiner-Schluckauf-Modus total und glasklar etwas für den Sampler #was schön war.

Überhaupt mochte ich den Moment mitsamt seiner Szenerie. Wir befinden uns nämlich in einem unserer beiden Lieblingscafés der Drôme: zwei historische Kreuzgewölbe, die Renovierung der Räume stagniert halbgar, mit neuer (noch Rigips umplatteter) Sitz-Toilette, jawohl, wobei die vorherhige weiterhin bestehen bleibt: drei sich drehende Stufen führen vorbei an einem kleinen Waschbecken zu dem erhöht liegenden, winzigen Plumpsklo. Ein Hauch von Improvisation umweht ebenso die selbstgeschmiedete Theke.

Betritt man das Café, hängt links (leicht schief - was solls...) ein Kunstdruck. In Aquarell sieht man einen schwermütigen Tim auf einem Barhocker mit seinem Struppi zu Füßen. Darüber zeigt eine runde, einfache Uhr mit spiegelverkehrtem Ziffernblatt die aktuelle Stunde an. Dafür drehen ihre Zeiger gegen den Uhrzeigersinn. Der Wirt - fast so groß wie rund und von ausgeglichenem Naturell - sammelt leidenschaftlich Comics und wäre prädestiniert für eine Professur in diesem Bereich. Unzählige Hefte, ja ganze Serien, füllen die vielen Regale. Wenn er etwas erzählt, dann baut er sich gerne auf wie ein kleiner Junge, der - Achtung, Achtung - etwas zu verkünden hat. Als Aushilfe vertritt ihn manchmal eine wunderschöne Mulattin mit finsterer Mine. An den wenigen guten Tagen umweht die Andeutung eines Lächelns ihre Mundwinkel, wenn sie *Bonjour* sagt.

Wie ich so über das Café schreibe, wird mir erst bewußt: es  könnte direkt einem John Irving-Roman entsprungen sein. Dieser Hauch Groteske in unbeschönigtem aber warmen Realismus. Dieses Publikum! Diese Mischung! Es klingt wie erfunden.

An der Bar sitzt ein Araber mit sinnlichem Mund, der Djembé unterrichtet. Dann kommt ein Rastafari mit dicken Zöpfen bis zu den Kniekehlen (die möglicherweise Mikroorganismen beherbergen) und der bei allen Fragen zur Elektrik zu Rate gezogen wird. Hinten in der Ecke kauert auf ihrem Stammplatz die weintrinkende Bettlerin, ausgemerkelt mit schlechtem Teint. Ihre Krücke lehnt hinter ihr an der Wand. Doch ihre Aufmachung verrät, dass sie die Hoffnung auf Begegnung nicht aufgegeben hat: die Haare geföhnt, ein femininer Rock, etwas Rouge.

Vom ebenso kleinen Barbier- und Friseurladen schräg gegenüber trinkt der Coiffeur mit italienischen Wurzeln seinen Café. Altersbedingt müsste er schon längst in Rente sein. Er trägt einen völlig aus der Mode gekommenen Arbeitskittel, der möglicherweise nie in Mode war. Sein Händedruck ist einzigartig: angenehm zart und fest in einem. Dann ist da noch der Engländer mit der futuristischen Beinprothese, bei dem man genau hinhören muss, wenn er redet: es klingt nach englisch, aber es sind französische Vokabeln. Etwas weiter der Fonctionnaire, äußerst gepflegt, wenn er lacht, dann kleppert seine Kehle abwärts über kleine hölzerne Bodenwellen. Die Zeitung des Cafés ist immer bei ihm auf dem Tisch zu suchen..

Nicht zu vergessen: Helene - eine Erscheinung! Ich nehme sie immer sofort wahr, obwohl sie von zierlicher Gestalt ist. Ihren Kleidungsstil bewundere ich: eigenwillig, selbstverständlich, schlicht, ungewöhnlich. So wie sie - er unterstreicht ihre freiheitsliebende Künsterseele, ihren Schöngeist. Gerne würde ich so altern wie Helene, mit dieser Ausstrahlung. Sascha, ihr Enkelsohn, passt wunderbar zu ihr.

Das Café bietet wenig Raum, am Markttag findet man oft nur schwer einen Platz, aber es wird zum Treffpunkt unterschiedlichster Menschen, für die das Mit-und Nebeneinander so selbstverständlich ist, dass es weder auffallend noch nennenswert erscheint. Eine Welt in der Welt...


Sonntag, 28. Oktober 2018

Umami-Anfall: Knoblauch-Kartoffel-Pü mit gefüllten Champignons


Mit fallenden Temperaturen und einem Bilderbuch-Landregen par excellence, begleitet von ein paar tiefhängenden, dampfenden Wolken sind meine Gelüste mit klarem Kurs auf deftig gepolt. Dringend muß etwas richtig schön Herzhaft-Deftiges her!

Wobei man das heute wohl umami bezeichnen müsste... also wer trendbewußt sein will. Aber mon dieu, lest euch mal die Definition dazu durch. *Warum einfach, wenn es auch kompliziert geht*, fällt mir dazu mein Mathelehrer aus der Oberstufe ein, der die Aussage gerne unterstrich, indem er sich mit der rechten Hand über Kopf am linken Ohr kratzte. So viel Kalauer musste sein.

Ehrlich gesagt leuchtet mir nicht ein, warum das Wort *deftig*, welches es lange vor *umami* bei uns gab, nicht mehr aussreicht, um das Gleiche zu benennen. Nur halt nicht so hochwissenschaftlich. Warum muß *Disco* heute *Club* heißen? Wobei in meinen Ohren *Disco* bei WEITEM besser klingt..., mais bon, ich bin subjetiv vorbelastet. 

An meiner Bockigkeit solchen zeitgeistlichen Wortschraubereien zu folgen, merke ich, dass ich einfach nicht mehr für jede Mode zu haben bin. Klassische Alterserscheinung. Und hey, jetzt mal ernsthaft: diese High-Waist-Karottenjeans sehen doch selbst an den jüngsten Mädchen mit Gardemaßen fies aus. Sollte Mut zur Hässlichkeit ein Teil sein, das neue Stil-Bewußtsein auszuleben... bitteschön, geschenkt!

Zurück zu meinem Umami-Anfall. Mit dieser vegetarischen Bratensauce habe ich für mich ein Blitz-Rezept gefunden, um Lust auf salzig-würzig zu stillen - DIE Jus muss allerdings bereits gemacht sein und griffbereit im Froster. Bei mir mittlerweile unverzichtbar im Standart! Sie wird euch in kommenden Rezepten nun mehrfach über den Weg laufen. Hier nun *gestreckt*, wodurch ich die Jus länger als Essenz verwenden kann.


Zutaten 2P:

500g Kartoffeln
Butter
Milch
Salz, Pfeffer

1 Schlotte
1 Knoblauchzehen
1 EL Tomatenmark
1 TL Thymian
1 TL Miso, dunkel
4 EL Gemüsebrühe
3 EL Jus
1 Schuß roter Portwein
1 EL Balsamico
Salz, Pfeffer
etwas Olivenöl
Roux zum Binden

6 große Champignons (ca. 250g)
100g Ziegenfrischkäse
2 EL Semmelbrösel
1 EL fein geschnittener Paprika
1 TL Tomaten-Confit (oder rotes Pesto)
Thymian
1 EL Petersilie
Piment
6 Butterflöcken
2 TL Semmelbrösel
etwas geriebener Käse (m: Comté)

Zubereitung: 

Den Ofen auf 180° vorheizen. Den Knoblauch jeweils in Backpapier stecken und gut mit Küchengarn verschließen. Für 20-25min im Ofen garen und abkühlen lassen (m: gleich zwei Knollen in den Ofen geschoben, die restlichen Zehen eingefroren für später). Die Knoblauchzehen aus der Schale lösen und mit etwas Milch sehr fein pürieren. 

Kartoffeln schälen, in Stücke schneiden, in Salzwasser aufsetzen und in ca. 15min weich garen, abschütten und etwas ausdämpfen lassen. Kartoffeln mit Butter fein verstampfen und mit der Milch-Knoblauch-Mischung schlonzig zu einem Pü verarbeiten (Mengenangabe für Butter und Milch bitte au pif, wie der Fränzi sagt, also frei nach gusto). Salzen, pfeffern.

Die Champignons mit Küchenpapier abreiben, jedoch nicht waschen. Die Stiele sorgfältig mit den Fingern herausdrehen, sodass eine grosse Höhlung zum Füllen entsteht. 

Alle Zutaten für die Füllung miteinander pürieren und pikant abschmecken

Käse und 2TL Paniermehl mischen und über die Champignons verteilen. Mit je 1 kleinen Flocke Butter oder Kräuterbutter belegen.

Die Champignons im auf 220° vorgeheizten Ofen in der Mitte etwa 15 Minuten golden überbacken.

Für die vegetarische Bratensauce die Schalotte und den Knoblauch fein würfeln und in Olivenöl anschwitzen. Alle anderen Zutaten zufügen, kurz aufköcheln lassen, mit einer Roux sämig binden und nochmals abschmecken.

Als Beilage gab es gedämpften Brokkoli - wer mag serviert ihn mit brauner Butter. Uns reichte die Sauce dazu.


Mittwoch, 24. Oktober 2018

eingebunden: Blumenkohl-Buchweizen-Galette-Gratin


Schaue ich aus dem Fenster, dann blicke ich auf eine kleine, romanische Kirche aus dem 12. Jahrhundert. Hinter dem Haus, einige Höhenmeter weiter oben, finden sich die Mauerreste einer Burg aus dem 11. Jahrhundert. Die Vergangenheit kennzeichnet um mich unübersehrbar die Landschaft. Alles hinterlässt Spuren. Alles ist geprägt von Vorausgegangenem - die gesamte Menschheitsgeschichte, sowie das Schicksal jedes einzelnen. Nichts und niemanden kann man sich losgelöst nur für sich vereinzelt denken. Jeder ist verwoben und verknüpft in ein Geflecht von Beziehungen und Systemen - unbewußt oder bewußt, absichtlich oder unabsichtlich.

Für mich gilt: je größer die Zusammenhänge, die ich einsehe, umso tiefer die Erkenntnis. Wer hier schon ein Weilchen mitliest, weiß, dass ich meine Steckenpferd-Themen habe, auf die ich immer wieder zurückfinde. So mache ich kein Geheimnis daraus, dass mein größtes Ideal der freie Mensch ist.

Genau das lenkte mein Augenmerk auf die jüngsten Forschungsergebnisse, wie menschliches Verhalten von den Vorfahren beeinflußt wird. Der Ahnenkult der indigenen Völker kommt nicht von ungefähr. Man versteht sich als Glied einer Kette, eine Linie, die man fortführt - ein Bereich, in dem Psychologie und Medizin mittlerweile gemeinsam forschen - ich schrieb bereits über die unbewußte Feuerwehrleiter innerhalb der Familie.

Im Deutschlandfunk ist gerade ein sehr spannendes Interview anzuhören: Vererbte Wunden - Wie Traumata über Generationen weiterwirken mit der Autorin des Buches *Kriegsenkel*, Sabine Bode, und der Psychoanalyterin und Leiterin des Instituts für Traumabearbeitung, Dr. Marianne Rauwald. Anfangs wird in der Sendung auf den Stand der Epigenetik verwiesen -  Versuche mit Mäusen zeigten die Übertragung von Fehlverhalten bis in die vierte Generation (s. genaueres bei den Untersuchungen von Professor Mansuy). Außerdem wird verdeutlicht, dass die Weitergabe von Verhalten über verschieden Kanäle läuft - üblicherweise einer Mischung aus biologischer und psychologischer Übertragung. So wurde etwa festgestellt, dass die mütterliche Darmflora bereits im Mutterleib auf das Kind übertragen wird (s. Professor Macpherson) - ein faszinierender, weiterer Baustein.

Bei Trauma-Patienten denkt man vorrangig an Kriegsüberlebende, Flucht und/ oder sexuellen Missbrauch. Bekannt und dennoch nicht minder erschütternd: *Das was wir da sehen, ist wie schillernd das Verhältnis ist zwischen Opfern und Täterschaft und wie leicht es passieren kann, dass jemand der selber den Missbrauch erlebt hat, an den eigenen Kindern zum Täter wird.* (Dr. Rauwald)

Geschichten, die sich wiederholen und wiederholen - in wechselnden Rollen. Der Stoff, aus den Dramen und Dilemma sind. Der Mensch - geschmiedet an seine Vergangenheit.

Aber mal runtergebrochen von den Extremen, woran lässt sich vorbelastetes Verhalten an Menschen erkennen? Im Zweifelsfall ist es deutlich weniger auffällig, als man meinen möchte. Diese drei typischen Symptome kann man diagnostizieren:
1. Ängste/ Depressionen, die ihren Grund nicht aus der eigenen Erfahrungswelt ableiten können
2. trotz großer Leistungsorientierung, hapert es in der Umsetzung:  diese Menschen können ihr Potential nicht entfalten
3. ein Abhängigkeitsverhältnis zu den Eltern, das sich schwer auflösen lässt

Gar nicht mal so spektakulär, oder? Aber exakt das macht die Wurzeln von Blockaden und Beziehungsstörungen aus. Genau das behindert einen Menschen, frei aufzuspielen und ein bewußter und eigenverantwortlicher Mensch zu werden. *Von der Kraft, die alle Wesen bindet, befreit der Mensch sich, der sich überwindet.* (Goethe). Oder Cicero: *Nicht zu wissen, was vor der eigenen Geburt geschehen ist, heißt immer ein Kind zu bleiben.*

Anders gesagt, in der Familienvergangenheit stochert man nur aus Leidensdruck. Es klemmt und man versteht nicht warum. Eine zentrale Wesensfrage bleibt dennoch: Was haben meine Lebensschwierigkeiten mit mir zu tun? Wie schreibt Marie von Ebner-Eschenbach: *Feuer läutert, verdeckte Glut frisst an.* Nur an eben diese Glut vorzudringen, ist das größte Problem. Manchmal wollen gerade die Menschen, die Auskunft geben könnten, nicht reden. Ein anderes Mal sind sie bereits tot.

Alleine - darüber waren sich beide Interview-Gäste einig - schaffe man eine solche Aufarbeitung nicht. Von Vorteil sind Therapeuten mit historischem Denken (Trauma-Spezialisten), Hilfe bieten Selbsthilfegruppen wie *die Kriegsenkel* oder man kann sich an das WAST in Berlin wenden, die Wehrmachtsauskunftsstelle, wo die Kriegsmilitär-Biographien der Großväter oder Väter einzusehen sind. Vollständig wird eine solche Suche in der Vergangenheit nie. Das ist nicht das Anliegen. Nimmt man als Vergleich ein Puzzle, bei dem viele Stellen offen bleiben, dann reicht es aus, wenn man erkennt: es ist eine Katze (als Beispiel).

Was meist auch falsch verstehen wird, ist, dass es bei der Recherche nicht um Schuldzuweisung geht, sondern man will benennen können, aufdecken, thematisieren, anerkennen, verarbeiten, auflösen. Und das geht nun mal nur, wenn eine solche Geschichte ins Licht, ins Bewußtsein, ins Gespräch gezogen wird - dann erst wird Distanz möglich, dann kann sie Teil der Lebensgeschichte und irgendwann zu Geschichte werden. 

Zweifelsohne ein steiniger Weg. Was lockt, sind jedoch Dinge, die man mit Geld nicht kaufen kann. Dinge wie mehr Ausgeglichenheit und Frieden, mehr Erfülltheit und eine vertrauenswürdige Partnerschaft. Und eigentlich eine gnadenvolle Vorstellung, dass man überhaupt hoffen kann,  dass sich unsichtbare Fäden durchzuschneiden lassen, die einen Menschen in automatische Verhaltensweisen zwingen.

Alors, zu schwerer einleitender Kost reiche ich dafür umso unkompliziertere Hausmannskost, wie man sie wohl auswärts ebenfalls nicht kaufen könnte. Wie Susanne mag ich Blumenkohl seit Kindertagen gerne mit einer schlichten Béchamel-Sauce. Oft ein Alltagsverlegenheitsgericht. Und sowas von totally old-school. Hier umgewandelt in ein Gratin mit Buchweizen-Crêpes...


Zutaten 2P:


500g Blumenkohl
200g Kirschtomaten
20g Butter
1 EL, gehäuft, Mehl
250ml Blumenkohl-Kochwassersud
50ml Sahne
Salz, Pfeffer
1 TL Savora-Senf
1 Schuß Weißwein
80g Raclette-Käse
20g Käse, geraspelt (m: Comté)

Zubereitung:

Die Galettes backen. Ergibt 5 Stück - einen habe ich freiwillig/unfreiwillig zerhackt (es steht zwar in meiner Beschreibung bei den Galettes, aber ich sollte mich auch daran halten: die Pfanne zum Ausbacken muss recht heiß sein und die erste Seite des Galette muss durchgebacken sein, sonst kann man ihn nicht wenden, weil er am Pfannenboden hängenbleibt - eben diesen ersten habe ich zerhackt. Eine gute Entscheidung, denn der wird auf der Oberfläche des Gratin schön knusprig).

Blumenkohl in kleine Röschen teilen, in kaltem Wasser aufsetzen, aufkochen lassen, 2min köcheln lassen, abschütten, Sud auffangen. Blumenkohl in einer Schüssel zur Seite stellen.

Die Butter im gleichen Topf schmelzen lassen, das Mehl mit einem Schneebesen einrühren, und etwa 3min anschitzen (das nimmt den Mehlgeschmack), Sud angießen unter stetigem Rühren und dabei aufpassen, dass sich keine Klümpchen bilden. Sahne und Weißwein zufügen, nochmals 3-4min leicht köcheln lassen. Würzen mit Salz, Pfeffer und Savora-Senf. Käse, Blumenkohl-Röschen und halbierte Kirschtomaten untermischen.

Ofen auf 210 vorheizen.

Eine Gratinform abwechselnd mit Blumenkohl und Galette schichten: oberste Etage mit Blumenkohl enden lassen. Darüber den zerhackten Galette streuen und den klein gewürfelten Raclette-Käse.

Den Auflauf für etwa 20min in den Ofen schieben. Zum Servieren mit etwas gehackter Petersilie bestreut.

Inspiration: Susanne aka Magentratzerl


Sonntag, 21. Oktober 2018

Jamais deux: Kürbis-Serviettenknödel


Über unseren Mechaniker lasse ich nichts kommen. Im französischen Outback ist eine gute Werkstatt fast ebenso wichtig wie ein fähiger Hausarzt. Ohne Auto ist man im wilden Frankreich völlig aufgeschmissen. Ja, eigentlich braucht man zwei Autos, sollte eines mal ausfallen. So siehts aus.

Unser Garagiste ist ein richtiger Old-School-Schrauber, einer, der einem zur Begrüßung den Ellenbogen hinhält, weil die Hände stets schwarz verfärbt sind, in dessen Werkstatt - wie meine Großmutter so hübsch zu sagen pflegte -  sieben Katzen keine Maus finden würden, der aber selbst das klapprigste Vehikel wieder zum Laufen bringt. Bref: einen Mann, den man brauchen kann.

In kurzem Abstand standen wir nun vor seiner Tür. Der Habib lachte und meinte, tja, erst sieht man sich monatelang gar nicht und dann in kürzester Zeit gleich zwei Mal hintereinander - immer mit einem Reifen unterm Arm, der Luft verliert. Verschmitzt antwortete Monsieur A. mit einem tiefgründigen Schnauber, ben, c'est la série de loi, jamais deux toujours trois!

Wir staunten ihn mit offenem Mund an. Wohl kannten wir den Spruch *Was ein Mal passiert, kann auch ein zweites Mal passieren. Was aber zwei Mal passieren, WIRD ein drittes Mal passieren.* In Frankreich war er uns seither noch nicht begegnet. Im Netz machte ich mich sofort an eine kleine Recherche und stieß auf diese Seite:  jamais deux sans trois. Da schau' her: diese Redewendung gibt es weltweit!

Was eine schöne Gemengelage, in der die Phänomenologie der Erfahrung auf fehlende, wissenschaftliche Beweise stößt. Und nun? Wie bewerten? Handelt es sich hierbei um eine globale Einbildung? Verblendung mit enormem territorialem Ausmaß? 

Eindeutig liegt für eine solche Triple-Serie von gleichen Ereignissen keine wissenschaftliche Absicherung inklusive methodischer Erhebung vor. Reicht dann die Überprüfbarkeit durch eigenes Erleben? Ganz vom Tisch kann man eine derart gängiges Sprichwort wohl nicht wischen, aber mit welchen Normen, Tests und Gutachten will man den Wahrheitsgehalt eines solche Redewendung absichern? Sollte es soetwas wie ein geistiges Gesetze geben, müsste es derer dann nicht noch viel mehr geben? Muß man - weitergedacht - also von einer ganz großen Ordnung ausgehen oder ist am Schluß doch alles nur Willkür? Hach, es ist schwierig mit der Wahrheitsfindung... vorallem, wenn man mit Werkzeugen für Maß und Zahl versucht an Qualität zu schrauben.

Nachdem sich rausstellte, dass es sich bei dem Kürbisknödel-Wunsch nicht um eine kartoffelige sondern eine brotlastige Version handelte, machte ich mich umgehend ans Werk. Nicht rund geformt, sondern als Serviettenknödel - damit kenne ich mich schließlich aus. Sowieso schmecken diese Knödel in Scheiben geschnitten und von beiden Seiten angebraten am allerbesten! Ist mir ausgesprochen gut gelungen, der Kürbis-Serviettenknödel, nicht zu fest, nicht zu weich mit schöner Kürbisnote - die kommen in meinen Standart! 


Zutaten

250g Baguette, klein gewürfelt
250g Kürbis (m: Butternut)
2 Eier
160ml Milch
Salz, Pfeffer
1/4 TL Kurkuma
1 Schalotte
2 EL Petersilie, fein gehackt
1 Stück Butter, walnussgroß
Butterschmalz, einige Blätter Salbei

1 rote Zwiebel
2 Knoblauchzehen
150g Spitzkohl
200g Kürbis (m: Butternut)
200g Mangold
1 Schuß Rotwein
1 Pr Zucker
Salz, Pfeffer
Piment d'Espelette
1 EL Crème fraîche
Olivenöl/ Butterschmalz

Zubereitung:

Schalotte fein würfeln. In Butter glasig dünsten - kurz vor Ende die fein gehackte Petersilie zufügen. In die Schüssel mit dem gewürfelten Baguette geben. Eier verquirlen.

Butternut schälen, in ca. 0,5-1cm große Würfel schneiden und in 2-3 EL Gemüsebrühe weichkochen - gen Ende sollte der Kürbis leicht anhängen ohne Farbe anzunehmen, die Flüssigkeit sollte gut verdampft sein. Den Kürbis nicht zerdrücken, sondern einfach die Milch dazu schütten samt Kurkuma und aufkochen lassen. Mischung über das Baguette geben, mischen, zufügen und ebenfalls untermischen - am besten mit Hilfe eines Löffels ohne die Masse zu sehr zu zermatschen. Ca. 15min ziehen lassen.

2 Bahnen vorbereiten von je einer großen Alufolie über die Klarsichtfolie gebreitet ist. Die Hälfte der Masse auf die Klarsichtfolie geben und zu einer Rolle formen. Enden zuzwirbeln wie ein Bonbon. Mit der Alufolie zusätzlich umwickeln. (Anstelle der Kombi Folie-Alu geht natürlich das klassische feuchte - allerdings gut ausgewrungene Geschirrtuch -hier müssen die Enden mit Küchengarn zusätzlich geschlossen werden/ zum Einfrieren ist ersteres aber idealer).

In einen großen Topf (m: Bräter) reichlich Wasser zum Kochen bringen, die Rollen hineinlegen und in dem leicht siedenden Wasser 30min (gut) köcheln lassen. Abkühlen lassen, in 1cm-breite Scheiben schneiden und in einer Pfanne in etwas Butterschmalz zusammen mit einigen Blättern Salbei goldbraun braten.

Die rote Zwiebel sowie den Knoblauch fein hacken. Mangoldgrün von Stielen trennen - Stiele je nach Größe von Fäden befreien. Spitzkohl ebenso wie Mangoldgrün in dünne Streifen schneiden, die Stiele fein würfeln. Kürbis zu kleinen Würfeln von ca. 1cm schneiden. 

Zwiebeln mit Knoblauch und Mangoldstielen in Olivenöl anbraten. Spitzkohl und Kürbiswürfel zufügen, kurz mitbraten, dann Ofentomaten und den Schuß Rotwein anschütten, Deckel auflegen und bei kleiner Flamme ca. 10 min köcheln lassen. Würzen mit Salz, Pfeffer, Zucker und Piment. Mangoldgrün untermischen und weitere 3-4min köcheln lassen - je nach gewünschter Konsistenz noch etwas Gemüsebrühe zugeben. Die Crème einrühren und nochmals abschmecken. Zusammen mit den Serviettenknödel servieren.


Donnerstag, 18. Oktober 2018

lesen


Sommer ist in Südfrankreich die Zeit zum Feiern. Dann finden überall gleichzeitig Feste satt, so dass man sich klonen müßte, wollte man auf allen Hochzeiten tanzen - jetzt werden veranstaltungstechnisch die Gehwege wieder hochgeklappt. Prima Gelegenheit mit Muse nach einem Buch zu greifen...

Nach meinen Post #12Monaten12Bücher spiele ich mit der Idee, eine weitere Liste mit *BücherZumReinenVergnügen* zusammenzustellen. Kommen Regen- und Wintertage, kommt möglicherweise Gelegenheit.

Bis dahin habe ich euch hier 8 Bücher unter den jüngst gelesenen ausgewählt. Lieblinge davon sind 3, 5 und 6 - in genau dieser Reihenfolge (hinter jedem Bild versteckt sich der Link dazu (kein Affilate-Link)):


https://www.rowohlt.de/buch/Wolfgang_Herrndorf_Tschick.2856971.html

*Tschick* wurde kürzlich von Fatih Akim verfilmt und deshalb fiel meine Aufmerksamkeit wieder auf das Buch. So weit ich weiß, ist *Tschick* mittlerweile Schullektüre und das Buch passt als kleiner Abenteuer-Antihelden-Roman auch sehr gut in dieses Alter. Mich hat Sprache wie Geschichte sehr amüsiert - ein äußerst kurzweiliges Lesen und der *Kevin-Kuranyi-Bart* bleibt mir ewig!


http://www.diogenes.ch/leser/titel/ian-mcewan/abbitte-9783257233803.html
Erstaunlich wie sehr sich *Abbitte* und *Solar* unterscheiden - wären es Gemälde, ich hätte bezweifelt, dass sie vom gleichen Maler stammen. Ich brauchte daher etwas, um reinzufinden. Elke Heidenreich zieht in ihrer Rezension wieder die ganz großen Register: „Als es mir wirklich schlecht ging, habe ich Abbitte gelesen. Ich habe gelesen und war gerettet“  - ich bleibe in meinem Urteil etwas zweigeteilt.

Begeistert hat mich an diesem Roman besonders seine Architektur. Selten hatte ich derart den Eindruck, dass eine Geschichte wie eine Partitur durchkomponiert wurde. Wie etwa dieser sensationelle stilistische Kniff: ein unglaublich malerischer Vergleich ließ mich beim ersten Lesen direkt aufmerken und der Autor zwang mich nach Dreiviertel-Lektüre des Buches an eben jene Stelle zurück. Sehr imponierend!

Gleichzeitig macht für mich die größte Stärke von *Abbitte* auch die größte Schwäche aus: es ist mir ZU konstruiert und dadurch verlor ich unterwegs die Empathie für die Figuren... Bref: *Solar* hat weiterhin die Nase deutlich vorn.


Wir sehen uns am Meer

Dieses Buch war unter meinen Tauschbüchern und ein absoluter Treffer. Große Empfehlung! *Wir sehen uns am Meer* erzählt die Geschichte einer Israelin und eines Palästinenser, die sich in New York kennen- und lieben lernen. Die Sinnlichkeit berührt mich und die Wärme, mit der in vielen arabischen Familien miteinander umgegangen wird. In intensiven Farben macht Rabinyan deutlich, wie ein nun 70jähriger Konflikt die dort lebenden Menschen traumatisiert: die Zäune ziehen sich längst nicht nur durch Territorium, sie sind mittlerweile fest in den Köpfen der Menschen installiert. So gerne würde man trotzig den Kopf in den Nacken werfen und rufen *Liebe überwindet alles*. Hier werden die Grenzen aufgezeigt.

Was mir bei der Lektüre ebenfalls zum allerersten Mal klar wurde ist, dass die Zwei-Saaten-Lösung schon längst keine Lösung mehr darstellt - dafür ist die israelische Siedlungspolitik viel zu weit fortgeschritten: die okkupierten Gebiete durchzwirbeln den Gazastreifen und das Westjordanland wie das Fett das Fleisch durchzieht. Diese zwei Staaten lassen sich nicht mehr (und nie wieder) auseinander dividieren. Daher kann Palästina (und die Welt) nur auf einen bipolaren Staat hoffen.


https://www.amazon.de/Die-Satteltasche-Bahiyyih-Nakhjavani/dp/3442750342

Wer  an dem Buch *Der Alchimist* Freude hatte, der wird auch *Die Satteltasche* gerne lesen. Eine schöne, poetische Parabel auf das Leben, die märchenhafte Wüstenwelt mit arabischer Mystik verbindet. Es braucht allerdings die Hinwendung zu einer höheren Macht, den Glauben an Sinnhaftigkeit und die Überzeugung, dass man seinem Schicksal nicht entfliehen kann - ansonsten sollte man die Finger davon lassen... 

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Dieser Buch stand nicht umsonst monatelang auf der Bestseller-Liste von Portugal. *Am Äquator* ist ein opulenter Roman mit klassischer Sog-Wirkung beim Lesen: der Lissaboner Lebemann Luis Bernardo Tavares wird 1905 von seinem König als Gouverneur in die am Äquator gelegenen portugiesischen Kolonien São Tomé und Príncipe geschickt. Knapp beschrieben könnte man es auf die Themen Kolonialismus, Sklaverei, Moral und Leidenschaften runterkürzen, aber das wird der Wucht, der Lebendigkeit und der Intensität der Figuren wie Geschichte nicht gerecht - es gilt: mittendrin statt nur dabei!

Tavares zitiert Victor Hugo aus einer Rede vor dem französischen Parlament, einen Satz, den ich mir aus dem Buch rausgeschrieben habe: *Natürlich wird es immer Unglückselige geben, aber es ist doch möglich, dass es keine Elenden mehr gibt*. Wo wäre die Welt, gäbe es mehr Politiker, die diese Marschrichtung ausweisen und umsetzen würden?


https://www.randomhouse.de/Taschenbuch/Suite-francaise/Irene-Nemirovsky/btb-Taschenbuch/e295062.rhd

Die Geschichte des Buches spielt im deutsch-besetzten Frankreich des 2.Weltkrieges - mit autobiographischen Elementen. Die Schriftstellerin mit jüdischen Wurzeln, Irène Némirovsky, wird im Konzentrationslager sterben. Erst die Töchter veröffentlichen 60 Jahre nach dem Tod den Roman ihrer Mutter, dessen letzten Seiten aus Tagebuch-Einträgen von Irène bestehen.

Ich brauchte etwas, bis ich mich richtig eingelesen hatte, aber gen Ende des Buches ergriff es mich mehr und mehr. Das zeigt sich vorallem an den vielen, vielen Zitaten, die ich mir aus diesem Buch extra notierte. Außerdem gab mir die Lektüre eine winzige Vorstellung, wie überleben aussehen kann in Zeiten von Krieg - eine Frage, die mir eigentlich unvorstellbar bleibt und doch finde ich hier kluge, klare, nüchterne, scharf beobachtete Antworten.

*Schließlich beurteilt jeder die Welt nur nach seinem eigenen Herzen. Nur der Geizige sieht den Eigennutz, nur der Lüstling die Begehrlichkeiten der Menschen*.

*Ernste Ereignisse, ob glücklich oder unglücklich, verändern die Seele eines Menschen zwar nicht, lassen sie jedoch deutlicher hervortreten, so wie ein Windstoß, der die toten Blätter hinwegfegt, die Form eines Baumes enthüllt; sie beleuchten, was im Dunkeln geblieben war; sie lenken den Geist in die Richtung, in der er in Zukunft wachsen wird*

*Die Gewißheit meiner inneren Freiheit [...], dieses unverwüstliche Gut, das zu verlieren oder zu bewahren einzig und allein bei mir liegt. Dass die bis zum äußersten getriebenen Leidenschaften, wie wir sie heute beobachten, am Ende erlöschen. Dass alles, was einen Anfang hatte, auch ein Ende finden wird. Mit einem Wort, dass Katastrophen vergehen und dass man versuchen muss, nicht vor ihnen unterzugehen, das ist alles. Zuerst also leben: primum vivere. In den Tag hinein. Überdauern, warten, hoffen.*


https://www.randomhouse.de/content/edition/covervoila_hires/Seethaler_REin_ganzes_Leben_159102.jpg

Mich hat die sehr aufs Existenzielle heruntergebrochene Biographie eines Bergbewohners nicht mitgenommen. Die körperliche Ebene wird mir zu überbewertet, ebenso wie der stoische Umgang mit Schmerz und Leid: eine archaische, raue, gewalttätige Welt, die es duldsam zu ertragen gilt. Duldsamkeit mag als Gegenentwurf zur heutigen Anspruchshaltung durchaus nachdenklich stimmen - richtig mit dem Hauptprotagonisten mitschwingen wollte ich dennoch nicht. Fazit: dieses Buch wurde nicht für mich geschrieben...


Léon und Louise

Trotz großer Begeisterung vieler Rezensenten (s. etwa bei Amazon) muß ich mich in die kleine Gruppe einsortieren, die mit dem Buch *Léon und Louise* nicht warm wurden: eine verschlungene Liebesgeschichte beginnend im 2. Weltkrieg. Die einen finden Capus Sprachstil gekennzeichnet durch eine *wunderbare Leichtigkeit* - für mich nivilliert er die unterschiedlichsten Qualitäten zu nettem Einerlei: Leidenschaft, Freundschaft, Neigung, Entbehrung, Trennung verschmelzen zu einem einzigen, heiteren Bild. Bref: ich hatte bei dieser Geschichte den Eindruck, das seichte Gewässer niemals zu verlassen, sondern sprachgewandter Oberflächlichkeit zu folgen...


https://www.randomhouse.de/Taschenbuch/Odins-Insel/Janne-Teller/btb-Taschenbuch/e374040.rhd

Von dem Titel *Odins Insel* versprach ich mir eine ordentliche Portion Mystik, was ich tatsächlich bekam, war eher das Gegenteil: Entmystifizierung von menschlichem Miteinander. Die Eckdaten des Romans sind eindeutig frei erfunden, ansonsten beschäftigt sich Janne Teller vorrangig mit durchaus realistischer Kritik an unserer heutigen Gesellschaft samt Politik. Sie zeigt auf, wie schnell etwas/ oder jemand instrumentalisiert und verfremdet werden kann aus Eigennutz einzelner Personen oder Gruppen. Missbrauch bezweckt Vorteile. Nichts leichter als verblendete Menschen - durch welche Ideologie auch immer - gegen einander aufzuhetzen. Und wie schnell dabei gesunder Menschenverstand, Logik und Toleranz über Bord geworfen werden.

Schön karikaturiert wird die Handlung durch die Weihnachtszeit, vor welchen Hintergrund diese Geschichte gestellt wird. Das Buch stand übrigens lange auf den Bestsellerlisten Dänemarks... Mal weiter rein hypothetisch: besiedelten hauptsächlich Individualisten diesen Planeten - derlei wäre nicht möglich; die wollen nämlich im Wesentlichen eines: ihre Ruhe.

Montag, 15. Oktober 2018

Von olls a bisserl: das Rummel-Brot


Menschenansammlungen, große Menschenansammlungen und ich passen nicht mehr zusammen. Du meine Güte, da klebt man möglicherweise an Typen, die man sonst mit der Bohnenstange von sich fern halten würde. Dieses Aufeinanderdraufstehen macht mir nicht nur Unwohlsein in ausgeprägtem Stadium, es macht mir obendrein scheußlich schlechte Laune,

Rummel, Kirmes oder Jahrmarkt - wie auch immer - scheiden daher ebenfalls aus. Obendrein dieser Radau, das Geschrei, die komische, anstrengende Musik, überall blinkende Lichter und das klebrige-fettig-fleischige Essen. In einer Menschenmenge! Wirklich lieber nicht.

Fasching ohne Alkohol ist wie Bahnfahren ohne Ticket - nur dass man bei ersterem als Schwarzfahrer sofort auffliegt. Das liegt wohl an einer leichten Verkleidungsmuffeligkeit, vorallem aber an der Verweigerung zur Gruppenekstase.

Bref, Oktoberfest und ich - das wird in diesem Leben nix mehr. 

Wobei ich beim Drüberschauen über die Zahlen und Statistiken gestaunt habe, weil nach meiner Vorstellung das Oktoberfest mehr etwas für Karnevalisten denn für Traditionalisten ist. Nix, was annährend so bekannt wäre und verbunden wird mit Deutschland wie das Oktoberfest - rund 90% aller Menschen weltweit ist das Oktoberfest ein Begriff. Unterwegs auf Reisen bestätigt sich das - nur Hilter ist populärer. Daher war mein Tipp, dass die Amis die stärkste Besuchergruppe von den insgesamt über 6 Millionen ausmachen - so angezogen von einer großen Kostüm-Alk-Sause mit einem Hauch Kultur. Tatsächlich aber füllen die Zelte in den zwei Wochen hauptsächlich Einheimische: 72% sind Bayern davon 60% Münchener. Nur 19% der Besucher kommt aus Ausland. Da habe ich mich also mit meinem Faschingsdirndl geirrt - viel mehr scheint der Geist des Oktoberfests *Mia san mia* zu sein.

Auch sonst beeindrucken die Zahlen: 1 Millarde Euro Umsatz schreibt die Wirtschaft gut, was  bedeutet, dass umgerechnet ein Besucher im Schnitt und Tag 63 Euro Ausgaben ausgibt. Wirklich alle trinken - statistisch gesehen - mindestens eine Maß Bier: 7,5 Millionen Maß Bier werden bei einem Fest etwa ausgeschenkt (davon erleiden nur läppische 700 Besucher eine Alkohol-Vergiftung). Dazu verspeist man sehr viel Tiere: knapp 367 000 Brathähnchen, 116 Ochsen und 58 Kälber. Von Enten, Schweinen und Brezeln habe ich keine Zahlen gefunden. Beende ich das Zahlenspiel mit dieser: 900 Tonnen Restmüll sammeln sich nach den zwei Wochen an.

Aber wie pfegte der bayrische Großvater einer Freundin zu sagen: *Im Krieg is mehr hi worn*. (Im Krieg ist mehr kaputt gegangen).  Soll heißen: ich kann wirklich in keinster Weise nachvollziehen, warum man auf das Oktoberfest gehen sollte, aber gerade das macht das Phänomen sowie das Beobachten der anderen beim anders sein so spannend... aus der Entfernung!

Bei meinem Brot konnte ich mich nicht entscheiden, was ich als Zutat noch in den Teig geben wollte: Bier, Kefir, Mohn, Kartoffeln, Quinoapops, Dinkel. Von olls a bisserl halt - oder ein echtes Rummel-Brot. Das zweichnet weiter aus eine guter Frischhalte-Qualität, eine einfache Sauerteig-Führung und eine längere, kalte Führung. Wer hier schon länger mitliest, wird nicht überrascht sein.


Zutaten :

Sauerteig - ca. 14 Stunden bei 24
160g Dinkel-Vollkorn
160g Wasser
12g Weizen-ASG (aufgefrischt)

Hauptteig:
Sauerteig
200g Dinkel-Vollkorn
30g Roggen-Vollkorn
100g Dinkel 1050
300g Weizen T65 (550)
250ml Bier
200g Kartoffeln, gekocht
150gml Kefir
25g Mohn

16g Salz
30g Quinoa-Pops
+/- 30ml Kefir

Zubereitung

Sauerteig rechtzeitig auffrischen. Den Sauerteig für das Brot am Nachmittag zuvor (m: ca. 16 Uhr) ansetzen.

Am nächsten Tag (m: ca. 8 Uhr) die Kartoffeln kochen, schälen, und fein reiben. Die erstgenannten Zutaten kurz miteinander vermengen und 40min zur Autolyse stellen.

Nun die anderen Zutaten (Salz und schluckweise Kefir) dazugeben und ca. 10-12min kneten, bis der Teig anfängt zu glänzen und die Gluten sich gut entwickelt haben (Fensterscheibentest). Erst kurz vor Ende die Pops untermischen (letzte Minute).

In eine geölte große Schüssel geben, den Teig direkt 1 x falten und abdecken. Nun drei weitere Male falten, alle 30 Minuten. Nach 2 Stunden sollte der Teig mit der Blasenbildung begonnen haben. Den Teig auf einer bemehlten Arbeitsfläche teilen und rund wirken und mit dem Schluß nach oben in vorbereitete Gärkörbchen setzen. Weitere 30min abgedeckt ruhen lassen, dann in den Kühlschrank verfrachten für etwa 5-7 Stunden. 

Ist währenddessen der Teigling deutlich aufgegangen, dann direkt in den vorgeheizten Ofen (nach dem Einschneiden) einschießen. Diese Entwicklung hängt immer mit den Tagestemperaturen zusammen während des Faltens. Sind die Teiglinge nicht deutlich sichtbar aufgegangen, dann lasse ich sie noch etwa 40min akklimatisieren, bevor ich sie in den Ofen gebe.

Ofen auf 240° vorheizen, mit Dampf einschießen und fallend auf 200° etwa 45min backen (Klopftest). Weitere 5min bei leicht geöffneter Tür und Umluft gebacken.


Freitag, 12. Oktober 2018

12 von 12 - Oktober 2018














Viele Gartenbilder können das Hauptgeschehen des Tages nicht verheimlichen: umstechen, rechen, Senf einsäen, Quitten ernten - bei seltsam unpassenden Temperaturen. Aufräumen gehörte auch zu. Tsss, kams mir währenddessen - das war einst EXAKT der Grund, wieso ich keinen Bock mehr auf WG hatte: diese ewige Diskutiererei, wer mit dem Putzen dran ist. So grün war ich hinter den Ohren, dass ich tatsächlich glaubte, das Thema *Ordnung machen* hätte sich mit Auszug aus der letzten WG von selbst erledigt... Echt, volle *tsss*...

Von den vielen schönen Quitten (ich mache ein paar Gläschen Gelée und vielleicht en plus Quittenschnitten) bekommt die Nachbarin etwas ab - die, bei der wir unsere Eier holen und bei der die Flauschis zu bewundern sind. Und zwar auf dem Weg ins Nachbardorf zur Post. Apropo Post. Wir werden immer wieder darauf angesprochen, wieso eigentlich ein so pupsig kleines Dorf wie Gigors überhaupt eine Marie (Bürgermeisterei) hat (wenngleich auch keine Post). Tjaha, blödes Vorurteil - flächenmäßig leben wir in einer der größten Gemeinden Frankreichs und die Häuser liegen lediglich gut verstreut.

Und wenn wir schon bei falschen Bildern sind, deren Enttarnung ebenfalls wiederholt auf Erstaunen stößt: auch wenn hier alles so ursprünglich, wild und weltvergessen wirkt, gibt es den berühmten Ziegenstall zum echten Schnapperpreis schon lange nicht mehr. Au contraire - die Drôme zählt zu den teuersten Pflastern. Außerdem gibt es das Problem vieler ländlicher Regionen hier überhaupt nicht: Abwanderung und Veraltung der Gesellschaft. Viele Familien mit noch mehr Kindern füllen die Kindergärten und Schulen allerortens... So, wäre das ebenfalls geklärt...

Bemerkt? Kein Bild weder vom Porridge noch vom hulahupsen oder café (den gabs natürlich wie so oft in Beaufort). Dafür wie immer der Blick ins Tal. Gleich zwei Mal. Wie spät die Sonne aufgeht - nach 8 Uhr. Zum nachmittäglichen, süßen Zusammensitzen fabrizierte ich eine schnelle, französische Knabberei: Palmier. Auch bekannt als Schweineohren. Logo, aus selbstgemachtem Blätterteig (griffbereit aus der Tiefkühle). Eigentlich durchaus ein bißchen WG-mäßig, dieses *Fastzusammenleben* mit Gästen und die damit einhergehenden Gespräche mit bunt gemischten, unterschiedlichen Menschen dank der Ferienwohnungen...

Jetzt bin ich müde gearbeitet - die Restenergie reicht gerade, um die 12er noch fertig zu machen. Und bei den anderen zu gucken, die wie jeden 12. bei Mme Kännchen in ihren Tag blicken lassen... Kommentare beantworte ich lieber morgen... frisch...

Mittwoch, 10. Oktober 2018

Melancholie: DUBB-Bienenstich-Apfelkuchen


Manchmal tut mir alles weh. Bei Sonnenschein und körperlicher Gesundheit. Dann weiß ich mich schlecht zu erklären. Wobei eigentlich ein einziges Wort ausreicht: Melancholie. Alles scheint schwer. Und nein, nicht wegen ein bißchen Herbst.

Mittelalt - oder mitteljung (je nach dem von welcher Seite man das Glas betrachtet) - bin ich jetzt. Und gefühlt bin ich schon einen weiten Weg gegangen. Doch wie heißt es in der Bibel: *Wer seine Hand an den Pflug legt und sieht zurück, der ist nicht geschickt für das Reich Gottes.* Das leuchtet mir durchaus ein. Warum auch Kraft vergeuden für Dinge, die hinter einem liegen und eh nicht mehr zu ändern sind. Es war trotzdem anstrengend bis hierher.

Und wende ich meinen Blick auf die Welt, dann müßte ich eigentlich an dem allgegenwärtigen Elend zusammenbrechen. Für was oder wen die Hölle noch erfinden? Aber ich bin kein Christopherus. Und zu glauben diesem Außen könnte ich nur ansatzweise gerecht werden, ist völlige Anmaßung. Oder Scheinheiligkeit. So viel Mitgefühl habe ich noch nicht einmal ansatzweise theoretisch. Wer traut sich überhaupt wirklich dorthin zu denken?

So seufze ich über die Erdenschwere. Sie drückt uns alle. Und heute besonders mich. Der Buddhismus fasst das wohltuend klar in Worte in seiner Auffassung der edlen vier Wahrheiten - darin zentral: das Entstehen von Leid. Ich finde Trost allein in der Möglichkeit, dass man Leiden vermeiden kann durch einen anständigen Lebenswandel. Ja, man kann so lange dem Heilsein entgegen streben, bis man aus dem Rad der Inkarnation aussteigen darf. Das Ende allen Leidens. Was eine Hoffnung: Nie wieder Erde!

Alleine die Vorstellung, dass alles wieder auf Anfang gedreht werden könnte; ein ganzes Leben wieder von vorne beginnen. Nochmals all die bitteren Erkenntnisse, die Lügen, die Dummheiten, der Betrug, die Enttäuschungen, die Trauer, der Verlust, die Schmerzen!? Wie kann man in Anbetracht dessen auch nur einen einzigen Tag jünger sein wollen?

Vielleicht - wenn es keinerlei spirituellen Überbau gibt - vielleicht reichen dann Träume von Jugend, Reichtum und Schönheit aus, um sich zu sättigen, abzulenken, zu illusionieren. Dass andere SO anders sind... Auch manchmal schwer auszuhalten: die Einsamkeit, die damit einher geht. *Es schwindelt mir, es brennt die Eingeweide, nur wer die Sehnsucht kennt, weiß, was ich leide.*

Kuschel ich mich an den Habib. Schmiege ich mich etwas in die arabische Musik, deren Poesie so tief schwingt zwischen all den Gegensätzen dieses Planeten. Dafür spiele ich euch die Algerierin Souad Massi ein, der ich schon live zuhörte, während der Habib in der Wüste verschwand. Zuckere ich uns das Leben ein bißchen auf mit Apfelkuchen. Vielleicht - ein Versuch ist es wert - läßt sich so all das wegschieben, was gerade schwer wiegt.

Blinder Verlaß war auf Evas Empfehlungen. Ja, das ist ein DUBB im engsten Sinne. Genau so wie ihr dunkler Kirschkuchen. Winzige Änderungen: heißer gebacken und weniger süß. Ein kleiner Stoßdämpfer für melancholische Momente!


Zutaten:

Teig:
250g Mehl(m: D630)
50g Zucker (m: selbstangesetzter Vanillezucker)
125g Butter
1 EL Quark
1 Pr Salz
etwas kaltes Wasser

Füllung:
1 kg Äpfel (Boskop oder Elstar)
300 ml Apfelsaft
1 Päckchen Puddingpulver 'Vanille-Geschmack' (zum Kochen) 
1 Stück Ingwer, walnussgroß, feinst gehackt

4 EL Zucker 

Topping:
1 Prise Salz
75g Butter 
60g Zucker
1 EL flüssiger Honig
150 g Mandelblättchen
3 EL Milch

Fett für die Form

Zubereitung:

Für den Teig: Mehl, 50 g Zucker, Salz, Quark, etwas kaltes Wasser und 125 g Butter in Flöckchen erst mit dem Knethaken des Rührgeräts, dann mit den Händen zum glatten Teig verkneten. Teig in einer gefetteten Springform (Durchmesser 26 cm) zu einem Boden mit ca. 3 cm hohen Rand andrücken. Mit einer Gabel einstechen und ca. 30 Minuten kalt stellen. (m: Tiefkühltruhe)

Für das Topping: Für den Bienenstich-Guss 75 g Butter, 50 g Zucker, Honig und Mandeln unter Rühren aufkochen, bis die Masse leicht bräunt. Vom Herd ziehen und Milch unterrühren.

Für die Füllung: Äpfel schälen, vierteln, entkernen und grob würfeln. 250 ml Saft aufkochen. Puddingpulver, 4 EL Zucker, gehackter Ingwer und 50 ml Saft glatt rühren. In den Saft rühren, kurz aufkochen, Äpfel zugeben. Masse in die Form füllen

Ofen auf 190° (O/U-Hitze) vorheizen

Backen: 1 Stunde - im vorgeheizten Backofen auf der untersten Schiene ca. 20 min backen. Temperatur runterstellen auf  175°. Die ersten 30 Minuten ohne Bienenstich-Guss, dann den Guss auf dem Kuchen verteilen und weitere 30 min zu Ende backen. Auskühlen lassen. 

Anmerkung m: die ersten 15min, die der Kuchen MIT Bienenstich-Guss buk, hatte ich den Ofen auf Umluft 180° - das halte ich für die größte Schwierigkeit dieses Kuchens: man muß seinen Ofen etwas kennen, damit der Boden durchgebacken ist und der Guss golden. Original: U-/Oberhitze: 175°C/Umluft: 150° C

Zum besseren Anschneiden sollte der Kuchen durchgekühlt sein - die Bienenstichkruste läßt sich nicht besonders glatt schneiden, dafür bleibt sie selbst am nächsten Tag noch knusprig...



Donnerstag, 4. Oktober 2018

Wunschkonzert: Kürbis-Knödel mit Mangold-Gemüse


Wie oft stehe ich in der Küche und weiß' nicht recht, was kochen. Ein echtes Luxus-Problem. Der Habib ist meistens keine Hilfe, denn sein Beitrag in solchen Situationen lautet üblicherweise: Alles recht.

Oft gucke ich mich dann im eigenen Fundus um. Dieses Risotto mit dem ersten Kürbis des Jahres gabs gerade wieder. Ebenso wie die Tarte Tatin Surprise. Und wie den Evergreen-Rotweinkuchen. Oder die Kürbis-Spätzle mit Linsen. Ist ja nicht so, dass ich gar keine Ideen hätte. Nur eben nicht täglich. Oder ich koche uns etwas ganz einfaches. Wie Bratkartoffeln mit Rahm-Spinat und Spiegelei. Herje, ein Kindheitslieblingsessen, was immer lecker bleiben wird!

Perfecto fand ich, wie an einem solchen *Hach, was-kredenze-ich-uns-Tag* die Inspiration ins Haus flog. In Form einer lieben Feriengästin als auch Blogleserin (Coucou Sylke). Sie fragte mich hier nach einem Rezept für Kürbisknödel. *Ohhh, Kürbisknödel*, dachte ich sofort, eine super Idee und ich wußte direkt, wie ich sie machen wollte - und zwar in Anlehnung an diese Kürbis-Gnocchi.

Gut, Ganzgenaue könnten jetzt einwerfen, grundeigentlich handelt es sich um Kürbis-Kartoffel-Knödel. Wollte man reine Kürbisknödel machen - siehe etwa diese Kürbisgnocchi - dann ist das mit deutlich mehr Aufwand verbunden. Also ich kann mit dieser Paarung gut leben. Sehr gut sogar. Wir haben richtig zugeschlagen. Gerade wenn die Knödel noch knusprig gebacken wurden, sind sie völlig unwiderstehlich.

Die Konsistenz des Teiges könnte misstrauisch machen. Aber auf meine Rezepte ist Verlaß - nur Mut! Die Knödel lassen sich nur mit feuchten Händen formen und 100% rund bekommt man sie auch nicht (weil der Teig eben etwas zu weich dafür ist). Aber aus geschmacklichen Gründen wollte ich nicht mehr Mehl zufügen (was ihr natürlich machen könnt, wenn ihr auf die ideale, runde Form besteht). Für den Zusammenhalt der Knödel sowie einen schönen Biss braucht es nicht mehr.

Herrlich fand ich ein Mal mehr die Verbindung von Kürbis und Mangold. Das gewisse Eßwas machte mein geschätzter Noilly Prat - der drehte ein einfaches Essen ins Besondere! Echt, volle Begeisterung! Und weil das nun eine ausgesprochen befruchtende Geschichte war, rufe ich hiermit laut nach mehr! Ja, ich starte *das Wunschkonzert*! Liebe Leserschaft, ihr sucht schon eine Weile nach einem gelingsicheren Rezept für ein bestimmtes Gericht - dann wenden Sie sich vertrauensvoll an mich. I will try my very best!


Zutaten 2-3P:

300g Kürbis (m: Butternut)
200g Kartoffeln
100g Mehl (m: Dinkel-Vollkorn)
1 Ei
1/2 TL Koriander, frisch gemahlen
70g Ziegenfrischkäse
Salz
1 Schalotte
1 EL Petersilie, fein gehackt
Butterschmalz

250g Mangold
1 Zwiebel
2 Knoblauchzehen
ein großzügiger Schuß Noilly Prat
1 EL Mascarpone
Salz, Pfeffer
Piment d'Espelette
Olivenöl 

frisch gehobelter Parmesan

Zubereitung:

Die Kartoffeln in einem Topf knapp mit Wasser bedecken und weich garen. Abgießen, noch warm pellen und direkt durch die Kartoffelpresse drücken. (Der Teig sollte noch warm vermengt werden).


Den Kürbis waschen, entkernen und grob würfeln. Einen Topf mit etwa 2cm hoch Wasser füllen, die Kürbiswürfel darin bei geschlossenem Deckel weich garen. Das Wasser soll dabei komplett verdampfen und so am Topfboden hängen bleiben, dass der Kürbis dabei noch keine Farbe angenommen hat. Den Kürbis in ein Tuch geben und gründlich auspressen (m: war bei mir nicht notwendig). Kürbisfleisch mit Hilfe einer Küchenmaschine  zusammen mit dem Ei fein pürieren (meinen Kürbis konnte ich mit dem Löffel zerdrücken). Die Schalotte fein würfeln in etwas Öl glasig dünsten, kurz vor Ende die fein gehackte Petersilie zufügen.

Die durchgepressten Kartoffeln mit dem Kürbispüree, dem Mehl, dem Ziegenfrischkäse, der Schalotte und den Gewürzen zu einem glatten Teig mischen. Salzen, pfeffern. Mit nassen Händen ja 12-13 Knödel formen. Reichlich Salzwasser zum Sieden bringen und die Knödel darin so lange garen, bis sie an die Wasseroberfläche steigen (dauert einige Minuten). Mit einer Schöpfkelle herausholen und auf einer Platte zwischenlagern. Etwas abkühlen und abtrocknen lassen. Dann halbieren und in Butterschmalz auf der Schnittfläche goldig braten.

Parallel den Mangold auf den Weg bringen. Mangold waschen, Stiele von Blättern trennen. Zwiebel und Knoblauch fein würfeln. In Olivenöl beides glasig dünsten, dann die fein gehackten Mangoldstiele zufügen und weitere 5min braten. Weiter den in feine Streifen geschnittenen Mangold zufügen. Den Mangold zusammenfallen lassen. Dann mit einem schönen großen Schluck Noilly ablöschen und etwas einreduzieren lassen. Mit Salz, Pfeffer und Mascarpone sowie Piment abschmecken. Zusammen mit den Knödel servieren. Mit gehobeltem Parmesan servieren.